The Road to 270

Ein Jahr Trump Heute vor einem Jahr wurde Donald Trump zum US-Präsidenten gewählt. Protokoll einer spannenden TV-Wahlnacht, mit schockierendem Ausgang
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Certain though Doremus had been of Windrip’s election, the event was like the long-dreaded passing of a friend.

(aus Sinclair Lewis dystopischen Roman ‘It Can’t Happen Here’ von 1935, der mit geradezu unheimlicher Genauigkeit eine Trump-Präsidentschaft vorausgeahnt hat)

8. November 2016, 18:30 MEZ

CNN ist eingeschaltet, die audiovisuelle Dauerbeschallung bringt den amerikanischen „Schicksals“wahltag in Echtzeit in mein Kreuzberger Wohnzimmer, der in Amiland Aufgewachsene in mir fiebert aus der Ferne auf dieser Seite des großen Teiches mit. Alle Wahllokale, auch auf Hawaii sind jetzt geöffnet, der Final Countdown hat begonnen. Make America Great Again vs. Love Trumps Hate. Republican vs. Democrat. Rot vs. blau. Im Acht-Einwohnerkaff Dixville Notch, das seit 1960 traditionell den Auftakt zur Wahl macht, öffnete das Wahllokal um 6:00 Ortszeit, und schl0ß um 6:01. Mit dem Ergebnis: 4 Stimmen für Hillary, zwei für Trump, eine für den Libertären Johnson, und eine ungültige für Mitt Romney (hahaha).

Trump hat morgens in Manhattan gewählt, und wurde bei der Ankunft im Wahllokal prompt ausgebuht. Hillary und Bill haben upstate in Westchester County ihre Stimmen abgegeben, und werden sich dann später in den Big Apple aufmachen, wo abends im Javits Convention Center in Midtown Manhattan die Siegerparty steigen soll, nur anderthalb Kilometer von der Trump-Wahlnachtsfeier im Ballsaal des Midtown Hilton Hotel. Fun fact am Rande: laut Online-Newsportal vox.com wurden seit 72 Jahren bei einer Präsidentschaftswahl die election night parties der beiden Hauptkandidaten nicht im selben Bundestaat abgehalten, geschweige denn in der selben Stadt, geschweige denn im selben Ortsteil. Ob Clinton später an The Donald's Butze in Trump Tower vorbeifahren und "Suck it loser!" brüllen wird? Verdient hätte er es wohl. Aber sie ist ja zum Glück nicht er.

CNNs letzter „Poll of the Polls“ sieht Hillary bei 268 der 270 für den Wahlsieg benötigten „electoral votes“, Trump bei 240. Vorbei sind die Zeiten der Erdrutschsiege, wie 1980, als der Republikaner Ronald Reagan 44 von 50 Staaten geholt hatte und in zwei Legislaturperioden seinen signature-Neoliberalismus und somit die republikanische Politik sozialer Ungleichheit perfektionierte; oder 1964, als auf Demokratenseite JFKs Nachfolger LBJ ebenfalls 44 von 50 holte, + die Hauptstadt D.C.; oder 1972, als Nixon fulminante 49 von 50 Staaten gewann (lediglich Massachussetts und D.C. hatten damals den Zeitgeist nicht geheiratet, und moralisch spätestens mit Watergate recht behalten). Nein, heute sind die USA ein tief gespaltenes Land.

In 5,5 Stunden schließen die ersten Wahllokale, bis dahin, auch zum Zeitvertreib, einige Präliminarien:

Der Wettkampfmodus: Amerikaner_innen wählen das Duo aus Staatsoberhaupt und „running-mate“ nicht direkt, sondern über das Gremium des „Electoral College“, deren derzeit 538 Mitglieder - sogenannte Wahlleute („electors“) - von den 50 Bundesstaaten und dem District of Columbia (der Haupstadt Washington, D.C., seit 1790 eine Sonderverwaltungszone, die bis heute nicht im Senat vertreten ist und dessen Bürger_innen bis 1961 nicht mal an Wahlen teilnehmen durften!), entsandt werden. Wieviele electors jeder Bundesstaat hat, richtet sich danach, wieviel Abgeordnete dieser im Repräsentantenhaus (insgesamt 435 Abgeordnete, deren Verteilung auf die Bundesstaaten sich nach der Bevölkerungszahl richtet und alle zehn Jahre mittels Zensus neu ermittelt wird) und im Senat (in den jeder Bundesstaat zwei Abgeordnete entsendet) sitzen hat; Washington, D.C. darf nicht mehr electors haben als der bevölkerungsärmste Staat, also gegenwärtig 3. Der_die Kandidat_in, welche_r die magische Zahl von 270 electors knackt, wird der_die nächste Präsident_in und Commander-in-Chief. Letzterer Titel ist in einem so militarisierten und militaristischen Land wie den USA eigentlich noch wichtiger als „President“

Dabei gilt in 48 der 50 Bundesstaaten das umstrittene „winner-takes-all“-Prinzip: Die Wähler_innenstimmen werden nicht proportional umgerechnet und die Anzahl der Wahlmänner_frauen eines Bundesstaates auf beide Kandidaten verteilt, sondern: wer eine einfache Mehrheit in einem dieser Bundesstaaten erreicht, vereint ALLE electors dieses Staates auf sich. Dieses Prinzip kann dafür sorgen, daß der_die Kandidat_in mit den meisten Wähler_innenstimmen nicht zwangsläufig die Wahl gewinnt. George W. Bushs Wahlsieg 2000 ist dafür das beste Bespiel: Al Gore konnte die meisten Stimmen auf sich vereinen, aber Bush die meisten "electors", und zwar dank "winner-takes-all".

Der zeitliche Ablauf: Im Land der 6 Zeitzonen schließen die ersten Wahllokale in der Eastern Time Zone (18 Uhr in Kentucky und Indiana, die sich beide allerdings über zwei Zeitzonen erstrecken), das letzte Wahllokal schließt in der Alaska Time Zone (20 Uhr, zehn Stunden hinter Deutschland). Auch wenn Hawaii eine Stunde hinter Alaska liegt, schließen dort die Wahllokale schon um 18 Uhr Ortszeit. Heißt: mindestens bis 6 Uhr morgens deutscher Zeit wachbleiben! Ob ick dit schaff..

Die anderen Kandidat_innen: Ja es gibt sie. Das de-facto Zweiparteiensystem der USA sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass Karrierepolitikerin Clinton und Milliadärserbe Trump nicht die Einzigen sind, die zur Wahl stehen. Daher der Vollständigkeit halber, auch wenn sie chancenlos sind: Neben „Crooked Hillary“ und „The Donald“ buhlen die Grüne Jill Stein, der libertäre Gary E. Johnson, Darrel Castle der Constitution Party und der unabhängige Evan McMullen (der in seinem mormonisch dominierten Heimatstaat Utah sogar gewinnen könnte und damit in dieser republikanischen Hochburg Trump die 6 Electorstimmen des „Mormon State“ wegschnappen und somit Hillary den „Road to 270“ etwas ebnen könnte.

20:10

Der Wüsten- und Glücksspielstaat Nevada gilt jetzt schon als von Hillary gewonnen: 52% aller Wahlberechtigten haben dort laut Online-Newsportal heavy.com bis zum 4. November das „early voting“ genutzt, das amtliche Endergebnis des Früh- und Briefwählens: 42 % haben Hillary gewählt, lediglich 36% Trump. Besonders in Clark County, wo 60% aller aktiven Wahlberechtigten Nevadas leben und in dem Las Vegas liegt, hat Clinton einen fast nicht einholbaren Vorsprung. Vor allem Latinos, nach Trumps unsäglichem und unaufhörlichen Hispanicbashing bestimmt kein Freund und Mehrheitsbeschaffer, haben in Rekordzahlen das Frühwählen in Anspruch genommen. Kein Wunder, daß Trump heute den Staat Nevada verklagt hat, weil dieser aufgrund der langen Schlangen beim early voting die Wahllokale länger aufgelassen hatte als vorgegeben. What a sore loser, jetzt schon.

21:20

Erste Schlappe für Trump: die zuständige Richterin in Nevada gibt Trumps Klage nicht statt. Ob er jetzt ihre Kompetenz in Frage stellt, weil sie eine Frau ist, so wie er bereits die Fähigkeiten von Bundesrichter Gonzal0 P. Curiel angezweifelt hat, weil dieser mexikanischer Herkunft ist?

21:30

Julián Castro, Minister für Wohnungsbau-und Stadtentwicklung in Obamas Kabinett und ehemaliger Bürgermeister der texanischen Millionenstadt San Antonio, über die womöglich wahlentscheidende Wählerschaft der Hispanics, die in den drei südlichen Bundesstaaten North Carolina, Georgia und Florida in Rekordzahlen beim early voting gewählt haben: „Donald Trump has awaken this sleeping giant.“ Dieser schlafende Riese könnte Mr Mexicans-are-rapists die Wahl kosten. Und er wäre selber schuld.

0:02

Die ersten Wahllokale schließen, CNN-Ikonen Wolf Blitzer, Jake Tapper und Anderson Cooper moderieren durch den Abend, die ersten Ergebnisse werden „at any moment“ aus Indiana und Kentucky erwartet.

0:10

Nach 1% ausgezählter Stimmen in Kentucky (8 electoral votes): 79,1 % für Trump, 18 % für Clinton, 1,8 % für Johnson. Die Zahlen dürften sich im Laufe der Auszählung nicht dramatisch ändern, der „Bluegrass State“ ist seit den 1950ern fast immer rot. Es sei denn, der Kandidat ist aus den Südstaaten: 1972 wählte der Bundestaat, der außer mit Fried Chicken und Bourbon Whiskey auch Kohle durch die Kohleindustrie macht und Schauplatz der großartigen TV-Serie Justified war, Jimmy Carter (aus Georgia) und 20 Jahre später Bill Clinton (aus Arkansas). Die Ehefrau eines Südstaatlers zu sein dürfte der gebürtigen Chicagoerin Hillary wohl nicht weiterhelfen, auch nicht wenn ihr running mate aus Virginia kommt.

0:21

Indiana (11) nach 1% ausgezählter Stimmen: Trump 69,3 %, Clinton 27,5 %. Auch dies dürfte nicht sonderlich umschwenken: Der roteste Staat im Mittleren Westen hat seit 1940 bis heute nur zweimal blau gewählt: 1964 LBJ, und 2008 Obama (der vier Jahre später in Indiana verlor). Lediglich in Großsstädten wie Indianapolis und den Industriestädten am Lake Michigan wie Gary, der Geburtsstadt Michael Jacksons und wo heute 85% der Einwohner Afroamerikaner_innen sind, sind Hochburgen der Demokraten. Wie andere Städte im „Rust Belt“, erholt sich Letztere nur langsam vom Niedergang der Stahlindustrie: hohe Arbeitslosigkeit, schrumpfende Bevölkerung und Steuereinmahmen sowie verfallende Infrastruktur prägen bis heute zumindest die urbanen Zentren des Bundesstaates, die den Strukturwandel des industriellen Verfalls nicht durch alternative Wirtschaftszweige egalisieren konnten.

1:00

Erste CNN Projection: Kentucky und Indiana werden an Trump gehen, das kleine nordöstliche Vermont an Clinton, somit steht es - auch wenn nicht fest - 19:3 für Trump. Der electoral votes-Zwischenstand wird in New York auf die Fassade des Empire State Buildings projeziert und mit jeder neuen projection aktualisiert

1:06

Vigo County in Indiana habe in den letzten 100 Jahren nur zwei Mal den Präsidentschaftskandidaten gewählt, der nicht gewonnen hat, so CNN. Trump führt nach 44% der ausgewählten Stimmen in diesem County. Entweder wird er Präsident, oder die Glückssträhne von Vigo County geht heute zu Ende, sagt Co-Moderator und Sender-Urgestein John King, unangefochtener Weltmeister im Analysieren von Infografiken und Wahlstatistiken.

1:14

Erste Ergebnisse aus den ersten „Battleground States“: nach 2% der ausgewählten Stimmen in Florida (29): Trump führt mit 58,5 %, Clinton kommt auf 30,2 %. In Virgina (13) führt Clinton knapp mit 49,5 %, Trump 45,5 % (1 % ausgezählt). Oh weia, das wird spannend.

1:21

Clinton legt in Florida deutlich zu: nach 23 % der ausgezählten Stimmen liegen beide fast gleich auf: 48,9 % für Trump, 48,4 % für Clinton.

1:25

Clinton hat Trump überholt, nach 30 % ausgezählter Stimmen 49,5 % vs. 47 % Diese schnellen Zahlen in Florida basieren auf dem early voting, wo fast die Hälfte der Wahlberechtigten schon vorab gewählt hat und die Ergebnisse daher bereits vorliegen

1:30

CNN Projection: Donald Trump wird West Virginias 5 electoral votes gewinnen, es steht 24:3 für ihn

1:32

Trump hat Clinton in Florida wieder überholt. Das wird erstmal so hin-und hergehen so Jake Tapper. Also einer der Bundesstaaten, wo bis zur Auszählung aller Stimmen gewartet werden muß, so knapp wird das hier. Bei all der Aufregung um Florida habe ich den Nachbarn Georgia (16) vergessen: hier führt Trump nach 1% der ausgezählten Stimmen mit 73,3 % zu 25 %

Ohne Florida mit seinem Batzen an 29 electoral votes (gleiche Zahl wie New York) wird Trump die Wahl nicht gewinnen, das weiß auch er. Clinton könnte rechnerisch auf Florida verzichten, wenn sie dafür in anderen battlegrounds gewinnt. Der Latino-Vote ist hier für beide Kandidaten wichtig: die puertoricanisch-amerikanische Wählerschaft im Norden Floridas wählt eher Demokraten, Südfloridas Cuban-Americans eher Republikaner. Nach Trumps rassistischen Ausfällen könnte das sich eventuell zu Gunsten Clintons ändern.

1:43

Erste Ergebnisse aus einem weiteren battleground state, North Carolina: nach 12 % ausgezählter Stimmen 54,5 % für Trump, Clinton 43,3 %

1:50

172 electoral votes werden in der nächsten Stunde auf dem Spiel stehen: Wahllokale schließen bald in 16 Bundesstaaten und in Washington, D.C.

1:55

Florida immer noch knapp, Clinton hat nach 28% ausgezählter Stimmen Trump in NorthCarolina knapp überholt, dank der Großstadt Charlotte, einer Hochburg der Demokraten

1:59

Clinton führt in Ohio (18). Wenn sie hier gewinnt, hat sie die Wahl so gut wie gewonnen. Denn der „Swing-State“ Ohio gilt als Orakel für den Wahlsieger: Seit 1944 sind die electoral votes dieses Bundesstaates nur einmal an den Wahlverlierer gegangen, als 1960 hier Nixon den Bundesstaat gegen Kennedy verteidigte

2:00

CNN Projection: Clinton wird Illinois (20), Massachussetts (11), Maryland (10), Rhode Island (4), New Jersey (14), Delaware (3) und D.C. (3) gewinnen, Trump Oklahoma (7), Tennessee (11) und Mississippi (6). Der Zwischenstand: 68:48 für Clinton

2:30

Trump führt komfortabel in Virginia, Clinton in North Carolina (in beiden sind etwa die Hälfte der Stimmen ausgezählt), Florida bei über 90 % ausgezählt immer noch Kopf an Kopf mit Vorteil für Trump. Die Hälfte der Stimmen in Palm Beach County, einer Demokratenhochburg sind noch nicht gezählt: diese könnten Trumps knappen Vorsprung aufhalten. Auch in den suburbanen bevölkerungsstarken Countys im Norden Virginias, dem "Speckgürtel" Washingtons, sind die Hälfte der Stimmen noch nicht gezählt, diese dürften mehrheitlich an Clinton gehen. Virginia ist trotz Trumps Vorsprung noch nicht entschieden

CNN Projection: Trump wird South Carolina(9) und Alabama (9) gewinnen und holt deutlich auf: Es steht 68:66 für Clinton

2:48

Clintons Vorsprung im so wichtigen Ohio (35 % ausgezählt) und North Carolina (62 %) wird kleiner

2:52

Wahllokale in 14 Bundesstaaten mit insgesamt 156 electoral votes werden in den nächsten Minuten schließen, inkl. in „toss-up“-Staaten, wo Geschichte geschrieben werden könnte: Das seit 1952 mit Ausnahme von Bill Clintons Wahlsieg 1996 republikanische Arizona könnte aufgrund des demographischen Wandels (jüngere, hispanischere Bevölkerung) ein blue state werden, und der battleground state Michigan, Hochburg der Demokraten, an Trump gehen

3:00

CNN projection: New Yorks 29 electoral votes gehen an Hillary, Kansas (6), Nebraska (5, kein winner-takes-all-state) und Wyoming (3) sowohl die beiden Dakotas (jeweils 3) gehen an Trump. Der Zwischenstand: 97:84 für Clinton

3:04

Trump führt deutlicher in Florida, und führt jetzt auch noch in Ohio, und das deutlich, also in den beiden wichtigsten, wahlausgangsbestimmenden battleground states. Erste Anzeichen von Nervösität machen sich bei mir bemerkbar

3:10

CNN projection: Texas (38) und Arkansas (6) gehen an Trump, er führt jetzt mit 128:97. Okay, this definitely does not bode well...

3:23

Trump führt in Michigan (16) (16% der Stimmen ausgezählt) Clinton in Pennsylvania (20) (13 % ausgezählt), und sogar in New Hamphire (4).

3:30

Clinton führt in Colorado (9) und im „Dairy State“ Wisconsin (10)

Jake Tapper: „Trump is doing surprisingly well.“ Dies hatt keine poll und voter projection kommen sehen, sagt der prominente Moderator. Glücklich sieht er dabei nicht aus. Tapper hatte einst in seiner Sendung Trump wegen seiner anti-muslimischen Äußerungen scharf kritisiert

3:40

CNN projection: Connecticut (7) geht an Hillary, Louisiana (8) an Trump, es steht 136:104 für Trump

Hillary muß laut Tapper die blauen „firewall states“ New Hamphire, Michigan, Virginia und Pennsylvania behalten, sonst wird es eng für sie.

3:47

Trump führt jetzt auch in Wisconsin (10) (26 % ausgezählt), seit Jahrzehnten ein sicherer blue state. A feeling of impending doom has taken up residence in my rib-cage

4:00

CNN projection: Montana (3 electoral votes) wird an Trump gehen. Somit steht es für ihn 139:104.

Trump führt knapp in Florida (fast vollständig ausgezählt) unerwartet deutlich in Michigan, erwartet überdeutlich in Georgia, knapp in New Hampshire; Clinton führt immer noch in Colorado und deutlich in Pennsylvania. Virginia sieht knapp aus und wäre eine peinliche Niederlage für die Demokraten: running mate Tim Kaine, der noch nie eine Wahl verloren hat, ist ein „native son“ und Ex-Gouverneur des südlichen Bundesstaates. Die Stimmen aus dem städtischen Fairfax County nahe Washington, wo meine lieben Verwandten leben, sind noch nicht vollständig ausgezählt, sie könnten Clinton einen knappen Vorsprung bescheren

4:14

CNN projection: New Mexico (5) geht an Clinton, Missouri (10) an Trump. Er führt mit 149:109. Beides wie prognostiziert

4:26

CNN projection: Trump hat das so entscheidende Ohio (18) gewonnen. 167:109. Clinton führt immer noch komfortabel in Pennsylvania, führt in Iowa

Nicht zu fassen: dies könnte der Anfang vom Ende für Clinton sein. Hier hat sie zuletzt noch fleißig mit Amerikas Entertainment-und Sportprominenz Last-Minute-Wahlkampf gemacht, um junge Wähler_innen zu mobilisieren: Freitag mit Beyoncé und Jay-Z, Sonntag mit Basketballer Le Bron James: es hat nichts gebracht. Und Trumps Schadenfreude dürfte groß sein: er brauche keine J-Lo und keinen Jay-Z auf seinen Veranstaltungen, hat er am Wochenende Clinton noch mokiert. Es fühlt sich scheiße an, in einer Welt zu leben, in der ein Donald Trump recht hat

4:40

CNN projection: Das war knapp: Virginia (13) geht an Clinton. Umso wichtiger der Sieg, da Florida wohl an Trump gehen wird. 167:122 für Trump

4:49

CNN projection: Colorado (9 electoral votes) geht an Clinton. 167:131

5:00

CNN projection: Das Juwel in der Wahlkrone, Kalifornien mit seinen 55 electoral votes und Hawaii (4) gehen wie prognostiziert an Clinton, Idaho (4) an Trump. Somit liegt Clinton wieder vorn, 190:171

Indiana mit seinen „blue collar workers“ und ruralen „Angry White Men“ nach ? % ausgezählter Stimmen wie erwartet an Trump gegangen, der sich im Wahlkampf als Vorkämpfer des amerikanischen Arbeiters stilisiert hat und über den Obama sagte, die einzigen Arbeiter, die der Milliadär kenne, seinen lediglich die, die in seinen Hotels die Zimmer saubermachten. Recht hat der Gute, aber wer will in dieser post-faktischen Zeit schon die Wahrheit hören. Die Mehrheit der Bürger_innen Indianas definitiv nicht

5:05

Kalifornien im Westen steht schon fest, und Michigan (16) und Wisconsin (10) sind immer noch erst zur Hälfte ausgezählt. Trump führt immer noch, für Demokraten werden ihre beiden Hochburgen zur Zitterpartie

CNN projection: North Carolina (15) geht an Trump, Hillary führt nur noch knapp mit 190:186

„Hillary would love to win here, Trump needs to win here.“ So CNNs Gary Tuckman jüngst über den battleground swing-state, wo der hohe Latino early vote Hillary nicht helfen konnte.

5:16

Oregon (7) geht an Hillary, Nebraskas 4 von 5 gehen an Trump, 197:187

5:25

Immer noch nur die Hälfte der Stimmen in Michigan ausgezählt, Clinton holt minutiös auf, Trump führt immer noch in New Hampshire, wo 2/3 ausgezählt sind, und hat Clinton in Iowa komfortabel überholt. Ein Sieg in Michigan wird für Clinton immer überlebenswichtiger

5:34

Es ist passiert: Trump hat, wie angekündigt, Florida mit seiner Wucht an 29 electoral votes gewonnen und liegt mit diesem „Big win“ wieder vorn auf dem Road to 270", 216:197. Das ungute Gefühl in meiner Brustgegend wird stärker

Jake Tapper: „I haven't seen a race this close since Al Gore and Bush.“ Hoffen wir, daß der Wahlsieger nicht wie damals erst nach 36 Tagen feststeht

5:41

Trotz der Spannung nur mit halboffenen Augen mitbekommen, daß Washington State (12) an Clinton geht, sie verkürzt den Abstand auf Trump auf 216:209. Noch 12 Bundesstaaten, die übrig bleiben

5:47

Georgia (16) geht an Trump, er vergrößert seinen Abstand zu Clinton auf 232:209

Anderson Cooper zu David Axelrod, Obamas Top-Wahlkampfstratege: „The polls were just wrong.“ Trumps Wahlkampfmanagerin Kelly Anne Conways Warnung vor „hidden Trump voters“ scheint sich bewahrheitet zu haben

5:55

Im Trump HQ im Hilton herrscht Euphorie, Menschen grölen „Drain the swamp“ und verstörenderweise „Lock her up.“ Ist das ein Vorgeschmack auf das neue Amerika? Im Javits Center bei den Demokraten herrscht hingegen gedrückte Stimmung bis Schockstarre. Manche haben die Veranstaltung bereits verlassen

Trump hat 6 Stimmen gewonnen. Wo?

6:26

Hillary führt in New Hampshire mit 18 Stimmen

6:34

CNN projection: Clinton gewinnt Nevada (6), es steht 238-215 für Trump

Die Ergebnisse aus dem Rust Belt (Pennsylvania, Michigan) lassen immer noch auf sich warten, 9 Bundesstaaten bleiben insgesamt noch übrig, Minnesota (10) und Maine (4) sind die einzigen Bundesstaaten, wo Clinton Stand jetze klar führt

Politischer Kommentator Van Jones zu Anderson Cooper: „This is not a miracle, this is a nightmare. I have Muslim friends texting me: should I leave the country? This is a whitelash. A whitelash against a changing country. A whitelash against a black President.“ Den Frust der Angry White Men müssen wohl bald Amerikas Minderheiten ausbaden.

7:08

Trump gewinnt Utah: 244:215 Der Mormon-Faktor McMullens konnte Trump nicht aufhalten. Er führt immer noch in Michigan und Pennylvania: das wären insgesamt 36 electoral votes, damit hätte er die 270 locker erreicht. Das Ding ist wohl gelaufen. Es ist Zeit schlafen zu gehen.

7:13

Der Halbschlaf will nicht voll werden. Trump hat doch zwei Reden vorbereitet, und übt wohl jetzt an an der Siegesrede: sie soll laut CNNs Dana Bash „gracious“ ausfallen. Schwer zu glauben

7:33

Fast alle Vorhersagen und Umfragen lagen falsch. Was bedeutet das für die „polling industry“ fragt Anderson Cooper in die Gesprächsrunde

7:41

Trump gewinnt Alaskas 3 electoral votes.

8:nochwas

Trump gewinnt Wisconsin. Hillary hat hier keine einzige Wahlkampfveranstaltung abgehalten, hat den Bundesstaat in ihrer Siegessicherheit for granted genommen.

8:49

Donald Trump wird zu seinen Anhängern sprechen. Hinter meinen Vorhängen ist es draußen schon hell. Ich mache den Fernseher aus und hoffe, es wird alles nur ein Traum gewesen sein wenn ich in ein paar Stunden aufwache. Es fühlt sich extrem unwirklich an

10 Ad-hoc-Lehren aus dieser Wahlnacht

1. Hillary ist nicht Obama

2. Es lohnt nicht, sich auf Trumps Niveau runterzulassen, wie Clinton es im Wahlkampfendspurt getan hat

3. Bernie Sanders wäre der bessere Kandidat werden

4. Der Latino vote für Clinton war überbewertet

5. Der White college-educated women vote auch

6. Hillary ist nicht Bill

7. Der Rust Belt wurde lange vernachlässigt

8 Amerika ist heute gespaltener denn je

9. Umfragen können irren

10. Hate Trumps Love

06:56 08.11.2017
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Timo Al-Farooq

Freier Journalist aus Südostkreuzberg in Dhaka. Kommentarfunktion abgestellt ⇒ folgt mir od. schreibt selber
Timo Al-Farooq

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