RE: „Warum nicht mal eine Wirtschaftsdemokratie?“ | 11.11.2018 | 18:41

Das sehe ich auch so. Mir hat die #unteilbar-Demo Mut gemacht und Kraft gegeben auch gerade weil sie nicht von Machtinteressen vereinnahmt werden konnte. Es hat mich beruhigt, dass so viele unterschiedliche Menschen jeden Alters zusammen kommen um u.a. gegen den nationalistischen Wahnsinn ein mächtiges Zeichen zu setzen. So kommen Ost und West zusammen - ohne dogmatische Kopfgeburten und kleinkariertes Gerangel. Wagenknecht bringt Menschen, die eigentlich ähnliche Ziele haben gegenander auf - das schadet besonders auch "ihrer" Partei.

RE: „Warum der Rassismus?“ | 08.10.2018 | 05:09

Zitat: "...Nun, von dieser Ihrer Auffassung distanziere ich mich nachdrücklich..."

Dem möchte ich mich anschließen. Obgleich in den letzten Jahre einige neiner Weltsichten und Gewissheiten brüchig geworden sind, kann ich aus Erfahrung als alter weißer Mann sagen, dass die Anzahl der Hautpigmente weder etwas über den Wert, Intellekt, die (Herzens-) Bildung noch über die Integrationsfähigkeit oder -bereitschaft eines Menschen aussagen.

RE: „Warum der Rassismus?“ | 06.10.2018 | 21:41

...der letzte Text war als Antwort auf @goedzak gedacht. Alter weißer Mann ohne Brille, sorry...

RE: „Warum der Rassismus?“ | 06.10.2018 | 21:38

...Ihre Anmerkung ist durchaus bedenkenswert. Danke. Leider - manchmal auch glücklicherweise - muss ich feststellen, dass ich ein emotionaler alter weißer Mann bin der schnell hochgeht und zu schnell reinpaukt anstatt das Gelesene erstmal wirken zu lassen.

Vielleicht war ich auch sauer, dass dieses "alte-weiße-Mann-Ding" das Interview überschattete. Ich bin - im wahrsten Sinne des Wortes - ein alter Fan von Element of Crime, auch die Bücher von Regener habe ich mit Freude verschlungen.

In den letzten Monaten habe ich einige Texte von entrüsteten "alten weißen Männern" gelesen, die sich über die zunehmende Diskriminierung ihrer Gattung beklagten - auch ein besonders bescheuerter Text von Martenstein war dabei. Da krieg ich einfach einen Hals, wie leichtfertig mit dem Wort Diskriminierung umgegangen wird. Das ist eine Verhöhnung von Menschen, die wirklicher Diskriminierung ausgesetzt sind. Ich wurde bislang nicht bedroht, verbal oder physisch angegriffen weil ich ein alter weißer Mann bin - dabei bin ich ein kleiner, pummliger - biete also Angriffsfläche. Aber ich schweife schon wieder ab.

Klar gibt es unter den neuen und alten Feministinnen auch Exemplare, die den alten weißen Männern, die sie verurteilen in nichts nachstehen - mit Schaudern denke ich da an z.B. auch an Alice Schwarzer. Aber letztendlich finde ich es angebracht über das Verhältnis und die Rollenbilder der Geschlechter nachzudenken und es aus unterschiedlichen Blickpunkten zu betrachten. Wie soll eine friedliche, faire und stabile Welt für die nachkommenden Generationen gestaltet werden, wenn wir uns auf Mario-Barth-Schenkelklopf-Niveau begegnen. Wenn der Hass schon im Verhältnis zwischen den Geschlechtern beginnt und derart viele Resourcen bindet, dann sehe ich schwarz was die Lösung wichtiger drängender Probleme angeht.

RE: „Warum der Rassismus?“ | 06.10.2018 | 11:01

wieso diese Überschrift - sie wird dem Text und der Kunst von Element of Crime nicht gerecht. Soll die dämliche Debatte über alte weiße Männer Klicks erzeugen oder was? Was soll diese Weinerlichkeit unter manchen Männer, die sich gerne als diskriminierte Opfer sehen. Ich bin selbst ein alter weißer Mann, käme daher nie auf die Idee, die Gruppe alter weißer Männer als homogene Gruppe zu sehen; wie jede andere gesellschaftliche Gruppe besteht sie aus äußerst unterschiedlichen Individuen.

Eines ist aber unbestritten: unter denen, die im Moment die globale Situation verschärften und zum schlechteren verändern, ist der Prozentsatz an alten weißen Männern verdammt hoch: Trump, Orban, der Hutbürger, Erdogan, DAX-Vorstände, Seehofer, Putin... Nun ja, man muss oder kann sie gar nicht alle aufzählen. Und die sind keine Schöpfung der "Genderideologen" sondern das Ergebnis der letzten Jahrhunderte, in der eben meist alte weiße Männer das Sagen hatten.

Wer seine verletzte Eitelkeit mit Diskriminierung verwechselt, ist ein infantiler Idiot.

RE: Entsetzen und Erkenntnis | 04.10.2018 | 12:54

Solche intellektuellen Ränkespiele lassen sich als, hoffentlich zurecht, privilegierter Autor leicht spielen; z.B. einer in Deutschland alt gewordenen, durch schwere körperliche Arbeit verbrauchten türkisch-stämmigen Frau machen solche Phantasien wahrscheinlich mehr zu schaffen und Angst.

Auch der Zustand der liberalen Parteien geben mir nicht das Vertrauen, dass die Linke "sich befreien und loslegen" kann - zu zerstritten, zu eitel, zu reich.

Selbst intellektuelle Juden glaubten Anfangs der 30iger Jahre, dass der Hitler-Spuk schnell vorbei sei, wenn die Menschen erst mal erkennen würden was für ein einfach gestrickter Blender er ist. Was daraus geworden ist wissen wir.

Ich halte die Überlegungen über die (Mit-) Regierung der AfD für realistisch aber gegenüber den Minderheiten, die die Wucht des neuen Faschismus abbekommen werden, für kaltherzig. Vielleicht geben wir uns alle - Herr Augstein - mehr Mühe andere Szenarien zu entwickeln, auch wenn sie unmöglich erscheinen. Aber wer hätte vor 30 Jahren gedacht, dass 2018 fast alle Minicomputer mit sich herumtragen, mit denen man telefonieren, Medien lesen, fotografieren usw. kann? Ich bin mir sicher es gibt Möglichkeiten sich der braunen Welle erfolgreich zu widersetzen und eine nicht-faschistoide Zukunft zu denken und mitzugestalten.

Fangen wir damit an, die Neu-Rechten, Alt- und Neonazis als das zu benennen was sie sind. Sie sind keine Opfer einer verfehlten Politik, weil ihre Lebensleistung nicht gewürdigt wird oder weil die Gesellschaft neoliberal ist. Jede/r kann sich dafür oder dagegen entscheiden ein Nazi zu sein - egal in welchen Umständen er/sie lebt. Sonst müssten 100% der Menschen Rechte bzw Nazis sein. Es ist an der Zeit aufzuhören, den Rechten die Verantwortung für ihre mental und menschlich verkommene Haltung abzunehmen.

RE: Der Wut eine Luft | 10.09.2018 | 17:07

Ne, schon klar, alt hergebrachtes Argument "...ich kann ja nicht schwulenfeindlich sein, hab schwule Freunde / unter Schwulen gelebt etc...". Da sie in Münster, alle Schwule und Lesben der Welt kennen gelernt haben, können sie sich das Urteil erlauben, dass alle Schwule Heteros verachten. Das war's von meiner Seite. Erstens sollten sich die Kommentare hier um ein anderes Thema drehen und zweitens habe ich keine Lust, das sprachliche Geschwurbel eines von sich selbst mehr als überzeugten Menschenverächters zu lesen.

Leider verbietet mir die Netikette deutlicher zu werden, was ihre selbstgefälligen Ergüsse angeht. Gut gemacht, endlich wieder ein wenig Aufmerksamkeit bekommen. Da gebe ich allerdings mir die Schuld, dass ich auf solche ....... wie sie reagiere.

Viele Grüße an ihre schwulen Bekannten und Freunde, die werden, wie ihr heterosexuelles Umfeld auch, ihre Gesellschaft sehr geniessen und schätzen.

RE: Der Wut eine Luft | 10.09.2018 | 14:05

Zitat:"...aber besonders - in Berlin ausgeprägten "schwul rulez!"-Paradigma (hier bis in die Plattformauswahl) gerinnen die zwangsläufigen bis nötigen Affekte/verkümmert die wichtige Affektivität/ zum gezierten Getänzel der Affektiertheiten bis zur manchmal stillen, aber deshalb nicht unwirksamen Bösartigkeit... "

So einen homophoben Scheiß habe ich selten gelesen. Soll dieses krude Gedankenspiel bedeuten, dass Berlin zu verschwult ist um den Rechten zu zeigen wo die Harke hängt, oder was. Mensch, da vergeht einem doch die Lust überhaupt noch einen Satz zu kommentieren. Schuld sind ja immer die anderen - und nur die eigene Weltsicht ist die richtige und muss rausposaunt werden.

In dem man eine andere Minderheit, als die zu der man evtl. selbst gehört, durch den Dreck zieht, sollte man sich im Klaren sein, dass man Menschen verletzt, sie Vollpfosten.

RE: Der Wut eine Luft | 09.09.2018 | 10:02

Mit Rechten und besorgten Bürgern reden, wird seit Jahren gefordert und auch praktiziert.

Ich für meinen Teil habe keine Lust mehr mit Rechten zu reden oder über sie. Die haben genug Aufmerksamkeit bekommen in Talk-Runden, in Phoenix Thementagen, in den diversen Brennpunkt-Sendungen; die Altnazis, besorgten Bürger und/oder Neurechten wurden bis in die Haarspitzen analysiert, beschrieben und hofiert. Was hat sich seit dem verändert? Die Rechtsextremisten haben gelernt, dass sie durch ihr Verhalten mit Aufmerksamkeit überschüttet werden, gefürchtet werden und fühlen sich bestärkt, werden immer selbstbewußter, dreister und gewalttätiger. Als Schuldige werden immer die anderen ausgemacht: das System, die linke Presse, Merkel, die Gutmenschen und die Einwanderer. Weder die Inhalte noch die Slogans der Rechten haben sich in den letzten Jahren geändert. Immer der selbe alte Mist.

Viel effektiver finde ich, den Fokus und die Solidarität auf diejenigen zu richten, die sich in Freital, Heidenau, Dresden, Chemnitz usw. täglich mit der rechten Kaltschnäuzigkeit auseinandersetzen müssen. Die versuchen, ihr Leben mit Anstand, Menschlichkeit und Freundlichkeit gegen den rechten Zeitgeist auf die Reihe zu kriegen. Unterstützen wir die vielen - wie Monchi es ausdrückt - geilen Leute, in dem wir mal einen Ausflug von Lüneburg nach Schwerin, Rostock oder Wismar -oder umgekehrt- machen, von Berlin nach Cottbus oder Eisenhüttenstadt, von Leipzig nach Chemnitz oder Freital fahren um dort in die Kneipen, Cafes oder Theater zu gehen um mit denen zu reden, die offen und menschlich sind. Die trotz des sozialen und ökonomischen Drucks offen und hilfsbereit bleiben. Bei diesen Leuten sehe ich die Zukunft; die sind die "Hefe auf dem Teig", sie sind meine Hoffnung.

RE: Brav gesprungen | 07.09.2018 | 15:09

Sarrazin ist ein Meister der Selbstinszenierung und Selbstvermartung. Er hat auch schon 2010, nach bzw. während des "Deutschland-Flaggenstreits" vor/während der Fussball-WM, die nationalistisch aufgeheizte Stimmung benutzt, um sein Buch an den Start zu bringen. Viele haben dieses Machwerk nicht oder nur teilweise gelesen, sondern es lediglich gekauft um ihren xenophoben Standpunkt klar zu machen und das Buch in die Bestsellerlisten zu hieven. Es hat ja auch gewirkt. Vieles von dem, was wir heute an Fremdenhass und toxischem Nationalismus erleben, hat seinen Ursprung in Sarrazin's "Deutschland bla bla bla...". Damals waren auch viele noch so naiv, dieses eindeutig rassistische Buch als eine Ausprägung der Meinungsvielfalt in einer pluralistischen Gesellschaft zu sehen. Das ist diesmal anders. Aber wieder hat Sarrazin ein Erscheinungsjahr gewählt, in dem eine WM stattfindet und surft wieder auf einer nationalistischen Welle - diesmal ohne Patriotismus-Debatte aber nach einer gehässigen Özil, oder-wer-gehört-zu-uns-Debatte.

Die Medienhäuser stehen in Zeiten des digitalen Umbruchs besonders unter Druck und müssen Auflage bzw. Klicks generieren. Des weiteren wollen sich viele den Vorwurf nicht machen lassen, Informationen über Sarrazin's neuestem Werk aus Gesinnungsgründen zu verschweigen - also egal wie sich ein Medienhaus entscheidet, es zieht immer den schwarzen Peter und Sarrazin lacht sich so oder so in's Fäustchen. Vielleicht untersuchen Mathematiker, Statistiker, Ethno- und Soziologen Sarrazin's Machwerke auf fachliche und inhaltliche Qualität. Aber wahrscheinlich verdient er wieder Millionen, die gesellschaftliche Atmosphäre wird weiter vergiftet und keiner erinnert sich mehr an die Schäden, die er als Berliner Finanzsenator angerichtet hat.

Hoffentlich tappt die SPD nicht auch noch in die Falle und strebt ein Parteiausschlußverfahren an. Das hätte sie vor 8 Jahren geradlinig durchziehen sollen, dann wäre das jetzt vom Tisch. Aber, soweit ich mich erinnere, hat sich auch Nahles für den Verbleib von S. in der Partei ausgesprochen, da eine Volkspartei unterschiedliche "Meinungen" aushalten müsse. Tja, doppelter Knieschuß. Dadurch hat der toxische Nationalismus eine solide Basis erhalten und die SPD ist seit dem keine Volkspartei mehr. Es hat Folgen, wenn man einer vermeintlichen Mehrheit in den Toches kriecht.