Ins Rampenlicht: Paralympics in Sotschi

Behindertensport Die Olympischen Winterspiele sind in aller Munde, doch wer redet über die Paralympics? Gerade die brauchen mehr Rampenlicht.
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In vier Wochen beginnen die Olympischen Winterspiele. Meinen Bruder, den großen Olympia-Fan, habe ich schon im Ohr, wie er mir feierlich die neuesten Ergebnisse verkündet. Trotz aller Kritik an Russlands Politik wird er sicher nicht der Einzige sein, der die zahlreiche Berichterstattung zu den Wettkämpfen verfolgt.

Weniger Aufmerksamkeit werden da wohl die Paralympics bekommen, die im Anschluss in Sotschi stattfinden. Dabei wäre gerade Russland gut beraten, die Berichterstattung zu den Paralympics zu fördern. In Russland leben nach Angaben von offiziellen Statistiken mindestens 13 Millionen Menschen mit Behinderungen, das sind etwa neun Prozent der Bevölkerung. Russland hat 2012 zwar das Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen anerkannt und sich verpflichtet, Menschen mit Behinderungen einen gleichberechtigten Zugang zur physischen Umwelt und zu öffentlichen Diensten zu gewährleisten, dies ist aber im Alltag der Menschen noch nicht wirklich sichtbar. Ich bin gespannt, wie die Paralympics in einem Land ablaufen, das erst vor zwei Jahren ernsthaft begonnen hat, über Barrierefreiheit nachzudenken.

Natürlich gibt es heute noch zu wenige Rampen, kaum Markierungen für Blinde und ein Meer von Barrieren in den Köpfen der Menschen. Wenn durch die Paralympics sichtbar wird, dass Sportler mit Behinderung auch einfach Sportler sind, Menschen, die sich mit Herzblut an einem fairen Wettkampf beteiligen, würde das sicher einiges in den Köpfen der Menschen bewegen. Das hoffe ich zumindest. Es würde mich freuen, wenn die Paralympics bewirken, dass das Thema Teilhabe von Menschen mit Behinderung (auch in Russland) anders oder vielleicht auch erstmalig diskutiert wird. Gerade im Ostblock und dort besonders in ländlichen Gebieten leben Behindetre oft wirklich ausgesondert. Sie werden weniger wie Menschen, sondern vielmehr wie Gegenstände behandelt, die man sorgsam pflegt. Die Paralympics könnten da manch einem ganz neue Perspektiven bringen, wenn reichlich darüber berichtet wird.

23:55 10.01.2014
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Tatjana Weber

Die Autorin kam aus Kasachstan nach Deutschland und ist seit ihrer Geburt gehbehindert, meist mit Gehstützen und manchmal auch im Rollstuhl unterwegs.
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