Sanktionen, Sanktionen - Gegensanktionen?

Krim: Wie Russland uns das Leben schwer machen könnte.
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Die EU plant - mal wieder - Sanktionen. Denn Europa sanktioniert sehr gerne: Nach Assad und Gaddafi soll nun Putin die ganze Härte der europäischen Außenpolitik treffen. Doch: Wie gefährlich ist das überhaupt für Putin? Und wie gefährlich ist es für Deutschland?

Russische Konten sollen eingefroren, Reisebeschränkungen verhängt werden. Doch Putin droht bereits mit Gegensanktionen. Aber wer gewinnt dieses Spiel der Giganten?

Klar ist: Europa bezieht 30 % seines Öls und 40 % seines Erdgases aus Russland. Andererseits ist Russland abhängig von europäischen Divisen, und mal ehrlich: Russische Autos sind auch nicht gerade die besten. Allerdings wird die deutsche Regierung wohl kaum BMW, Volkswagen und Co. den Export ihrer Fahrzeuge verbieten können. Wenn Sie nun denken, dass Putin genauso wenig das Gas abdrehen könnte, irren Sie sich leider: Schon 2005 schraubte Russland den Gashahn für die Ukraine zu, da das Land nicht bereit war, den fünffachen Gaspreis zu bezahlen. Deutschland könnte einen kurzzeitigen Ausfall der Gasversorgung zwar mit seinen Reserven ausgleichen - in den kleinern europäischen Nationen würde man allerdings erbärmlich frieren. Nun gut, es könnte ja warm sein, aber selbst dann könnten viele Menschen - außer auf dem Elektroherd - ihr Wasser nicht mehr erhitzen - und eine Woche nur kaltes Wasser macht auch ziemlich mürbe.

Auch in Deutschland wären die Reserven irgendwann aufgebraucht, was tausende wütende Einwohner - besser bekannt als "Wutbürger" - auf die Straße treiben würde, mit Slogans wie: "Ukraine hin oder her: Wir haben kein Gas, und frieren wollen wir nimmermehr!" - oder so ähnlich.

Um die Abhängigkeit von Russland zu reduzieren, wird die Trans-Adriatic-Pipeline gebaut. Aber die Trans-Adriatic-Pipeline verläuft durch Georgien, was Moskau die Gelegenheit bietet, sich erneut einzumischen.

Doch auch europäische Firmen sind von Russland abhängig, werden doch sehr viele "europäische" Produkte zumindest teilweise in Russland produziert. Die Enteignung dieser Firmen auf russischem Gebiet wäre eine wirtschaftliche Katastrophe.

Wahrscheinlich würde in dieser Situation auch Amerika eine große Rolle spielen. Würde sich dieser dritte Gigant offen auf die Seite Europas schlagen und versuchen Russland zum Einlenken zu zwingen, oder würde er neutral bleiben? Nun, Amerika steht und stand immer gegen Russland, somit würde die USA sicher nicht tatenlos zusehen.

Doch auch die anderen G7-Länder stehen geschlossen gegen Russland: Falls Sanktionen beschlossen werden, werden sie durch diese Nationen unterstützt werden.

Somit bleibt zu sagen, dass Russland und Europa gegenseitig voneinander abhängig sind. Doch Sanktionen könnten dieses fragile energetische und wirtschaftliche Gleichgewicht leicht zerstören. Deshalb bleibt zu sagen:

Europa sollte sich hüten, Russland zu sehr zu verärgern - denn Putin könnte am Ende doch am längeren Hebel sitzen.

16:44 12.03.2014
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