Tedfell

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RE: Weisheit ist wie eine Kamelleine | 21.03.2011 | 19:31

Gehoert Frau Dahn denn zur "extremen Linken"? Oder wen schlagen Sie hier so heftig mit ihrem Knueppel aus dem Sack? Und: Was hat das mit dem Inhalt des Artikels zu tun?

RE: Übermut der Übermacht | 21.03.2011 | 00:39

Der Krieg um Libyen hat begonnen. Erinnerung: Der Irak-Feldzug begann ebenfalls mit dem Ziel "regime change" bzw. "decapitation". Doch bald verschob sich das Kriegsziel zu "occupation" - bis heute. In Libyen wird es kaum anders sein.
Keine schluessige Antwort gibt es auf die Frage: Welche Kapazitaeten hat die libysche Armee, insbesondere, wenn sie von auslaendischen Maechten in die Ecke gedraengt wird? Auch auf diese Frage bislang keine Antwort: Wofuer stehen die Rebellen? (Dass sie die Fahne des alten libyschen Koenigshauses schwenken, muss ja erstmal nichts bedeuten?)
Der militaerische Eingriff von NATO-Armeen in einen laufenden Buergerkrieg - eine humanitaere Aktion zum Schutz der Bevoelkerung? Wohl kaum. Gaddafi, Oellieferant und obendrein freiwilliger Wachhund der EU gegen afrikanische Fluechtlinge, ist in Ungnade gefallen. Seinen Partnern in der EU geht es um die richtigen Nachfolger. Das ist Krieg. Das ist Oel ins Feuer eines laufenden Konflikts. Die Zivilbevoelkerung leidet darunter am meisten.

RE: Operation Libyen-Sturm | 11.03.2011 | 20:17

Das liegt im Bereich des Wahrscheinlichen: Teile und herrsche (divide et impera) ist ja eines der aeltesten und wirksamsten Instrumente, Herrschaft aufrecht zu erhalten. Ob, auf der Seite der Beherrschten, Religion Einigkeit herstellen kann, wage ich zu bezweifeln; zumindest, was deren Dauerhaftigkeit und Bestaendigkeit anlangt. Ist da nicht eher die Erkenntnis gemeinsamer oekonomischer und sozialer Interessen ausschlaggebend fuer ein "Band der Einigkeit"? Diese Erkenntnis zu leben, ist freilich ungleich schwieriger.

RE: Lustvolles Frösteln | 07.03.2011 | 11:39

Als Fan von Deon Meyer-Krimis kann ich Letzterem nur zustimmen. Ich habe allerdings das Glueck, dass ich Meyers Romane in seiner Muttersprache Afrikaans lesen kann. In der Orginalfassung kommen natuerlich eine Menge mehr Nuancen vom Leben in Suedafrika rueber, als in den Uebersetzungen, insbesondere vom Leben in Kapstadt, das sich ja unterscheidet vom Johannesburger oder vom Leben auf dem Land. Koestlich, beispielsweise, wie er in Onsigbaar (Weisser Schatten) die Aussprache seiner afrikaansen Landsleute im Norden auf die Schippe nimmt.

RE: Obama und die Büchse der Pandora | 07.03.2011 | 10:11

Die Freunde militaerischer Interventionen und Befuerworter von Kanonenbootpolitik beim Freitag ist auch recht aktiv, nicht wahr? Ich halte es, im besten Falle, fuer naiv anzunehmen, dass ein Eingreifen von Truppen aus dem NATO-Bereich (USA, Deutschland, England) zu irgendeiner positiven Loesung beitraegt, mit oder ohne UNO-Mandat. Dadurch kaeme der Buergerkrieg in Libyen erst richtig in Schwung, das eine Irre wird von einer anderen Irrung ersetzt. Dieser neue Interventionismus (siehe Serbien, Irak, Afghanistan) - steht da nicht der alte missionarische Irrglauben "an unserem Wesen wird die Welt genesen" Pate?

RE: Der König steigt vom Thron | 06.03.2011 | 18:34

Es geht hier um die Beschreibung einer Persoenlichkeit, die ueber 40 Jahre eine Rolle in der internationalen Politik gespielt hat. Das darf doch ein Journalist noch, oder nicht? Was hat das mit "unkritischen Islamfreunden" zu tun?
Muss denn alles durch die Moralbrille - Gut, sprich: Israel und seine Verbuendeten, und Boese, sprich: Iran, Libyen und andere Schurkenstaaten - gesehen werden? Das faende ich eher gruselig...

RE: Der König steigt vom Thron | 06.03.2011 | 13:27

Lieber Lutz Herden, vielen Dank fuer diesen aufschlussreichen Beitrag zur Rolle des schillernden libyschen Fuehrers.
Und es bleiben noch so viele Fragen. Auch in Libyen hat sich eine Renten-Bourgeoisie entwickelt, von den Erdoel-Einnahmen lebend, und Gaddafi ist ihr Spitzen-Manager, der vorallem fuer sich und seinen Clan gewirtschaftet hat. Aber, im Unterschied zu den anderen Systemen dieser Art hat Libyen immerhin ein sehr hohes Pro-Kopf-Einkommen. Das darf man dem Inspirator des "Gruenen Buches" zugute halten. Und doch, auch Gaddafi bedient sich des Tribalismus, bzw. der Stammesloyalitaeten usw.. Das zeigt sich besonders jetzt in seinem kompromiss- und ruecksichtslosen Kampf ums eigene Ueberleben.
Noch kann niemand so recht die Frage beantworten, wohin die Reise der so genannten arabischen Revolte in Nordafrika und dem Nahen Osten gehen soll. Jedes der betroffenen Laender hat eigene Merkmale, eigene Bedingungen.
Die Supermaechte USA und EU unternehmen indessen alles, gemaess ihrer kapitalistischen Natur, den politischen Zug auf die 'westliche Schiene' lenken. Wohin aber steuern die Menschen, die diesen Zug in Bewegung gesetzt haben?
Eine Intervention von NATO-Verbaenden, allerdings, selbst mit UNO-Segen oder unter vermeintlich 'humanitaerer' Flagge, hielte ich fuer katastrophal.

RE: Dornenkrone für den Märtyrer | 03.01.2011 | 17:52

@Flagman
Gibt es irgendwo auf diesem Globus einen absoluten Rechtsstaat? Oder ist die Justiz in einem Staat nicht immer von den jeweiligen Gegebenheiten bzw. Eigenschaften dieses Staats gepraegt - oekonomisch, historisch, national, etc.?

Ansonsten stimme ich mit Lutz Herden ueberein: Das Aufarbeiten, auch juengerer, historischer Vorgaenge sollte nicht der Justiz ueberlassen werden, weder in Russland noch in Deutschland.

RE: Kein Newcomer mehr | 14.12.2010 | 12:28

Klar, China ist anders. China ist keine Kolonialmacht in Afrika. China hat selber unter dem Kolonialismus gelitten. Also kann China auf Augenhoehe mit seinen afrikanischen Partnern reden und verhandeln. Die ehemaligen Kolonialmaechte auf diesem Kontinent sind dazu kaum in der Lage, auch wollten sie es. 'Der Westen' traegt die Arroganz des 'Zivilisiert-Seins' vor sich her. Dieses ach so selbstbewusste 'Wir wissen es besser, weil wir weiter sind als ihr'. Das quillt aus allen Knopfloechern, selbst bei dem gutwilligsten Entwicklungshelfer und Gutmenschen.
Die andere Seite der Medallie ist die haeufig anzutreffende Erwartungshaltung der ehemals Kolonisierten, dieses 'Ihr habt etwas Gut zu machen, deswegen muesst ihr uns helfen'. Wie soll das jemals zusammenkommen? Oftmals errinnert mich diese Verhaeltnis an das vom ewigen Lehrer und Schueler oder Erwachsenen und Kind.
Ja, da hat es China besser. Auch wenn die Produkte, mit denen China den afrikanischen Markt ueberschwemmt, qualitativ oftmals grottenschlecht sind. Aber eben billig. Und: Der chinesische Hunger nach Rohstoffen ist eine Tatsache. Dabei geht man auch mal gern ueber Leichen (s. Schuesse auf Minenarbeiter in Sambia). Auch das Prinzip chinesischer Firmen, sich kaum des lokalen Arbeitsmarktes zu bedienen und nur mit eigenen Arbeitern zu arbeiten.

RE: Die Maschen des Netzes | 03.12.2010 | 12:55

Grundguetiger, danke. Die mandelbrotsche Denkweise ist nun mal die des Technikglaeubigen, bar jeglicher gesellschaftlicher Verantwortung fur die kommenden Generationen. Gemacht wird, das machbar ist. In den 70ger Jahren gab es dafuer den Begriff des "Fachidioten": Einer, der vermeintlich streng fachlich argumentiert, und dabei menschliche und gesellschaftliche Zusammenhaenge ausser Acht laesst.
Ich wage einmal einen Vergleich, der methodisch gemeint ist, nicht von der Sache her. In Suedafrika, wo ich mich z.Z. aufhalte, wird mir sehr viel Bewunderndes fuer "die Deutschen" entgegen gebracht, "technisches Denken", "die besten Ingenieure und Organisatoren" usw. Deutsche gelten als die effizientesten Menschen ueberhaupt. Nun erstreckt sich diese Bewunderung nicht nur auf Mercedes, BMW und AUDI, sondern explizit auch auf die technischen und organisatorischen Leistungen der Nazis und deren Wehrmacht. Der bekannteste Deutsche hier (und ich fuerchte auch anderswo) ist Hitler. Doch das nur nebenbei. Meine Frage: Welchen Wert hat das beste fachliche Wissen, wenn man es, bar jeden humanen und sozialen Gewissens, einsetzt? Nur weil es technisch machbar und wirtschaftlich wuenschenswert erscheint?
Ich denke, die S21-Gegner haben ein soziales Gewissen. Deshalb protestieren sie gegen ein Projekt, das wirtschaftlich lukrativ ist technisch faszinierend sein mag. Aber dient es wirklich den zukuenftigen Generationen?