Tekay

Differenziert, nachdenklich und mit klarer Haltung zwischen allen Stühlen.
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RE: Die Debatte ist vorbei, Pegida! | 05.01.2015 | 14:33

Danke! Mir ist diese fehlende Diskussionsbereitschaft oder -fähigkeit auch bereits aufgefallen. Pegida scheinen anderen von ihrer "Meinung" nicht überzeugen zu wollen, sondern sie wollen ihre Meinung mit "Macht" und "Gewalt" durchsetzen, indem sie Woche für Woche mehr werden. Und wo keine Debatte stattfindet, fallen auch keine Widersprüche auf und es kann nicht zu einem "Richtungsstreit" kommen. Alerdings werden auch die Argumente nicht besser, sondern nur lauter.

Ich bin mir allerdings nicht (mehr) sicher, ob das eine bewusste HAndlungsweise ist. Mir kommt mehr und mehr der Verdacht, dass diese Menschen überhaupt nicht wissen, was es bedeutet, sich auseinanderzusetzen. Deshalb scheinen sie erstens nicht der Lage zu sein, dies selber zu tun und zweitens scheinen sie auch nicht in der Lage, eine kritische Auseinandersetzung zu erkennen, wenn sie vor ihren Augen stattfindet.

Schlimmer noch: Einige fühlen sich von einer kritischen Auseinandersetzung ähnlich bedroht wie vom Islam. Da wird dann gleich trotzig gesagt: "Du machst mich nicht mundtot!" obwohl das gar nicht das Ziel war.

Wenn diese Menschen aber derart für Argumente unzugänglich sind und zu einem demokratischen (Diskussions-)Prozess nicht fähig, dann kommt selbiger hier an seine Grenzen. Ab diesem Moment ist es dann notwendig, vom Mittel der Gegendemonstration gebrauch zu machen, und einfach nur lauter zu sein als Pegida. Und das jede Woche wieder.

RE: Respekt statt Toleranz | 16.11.2014 | 06:36

Es ist auch völlig legitim, diese Würdenträger zu befragen, da sie erstens bis zu 2/3 der Bevölkerung vertreten (allein evangelisch + katholisch macht fast 60% aus) und ihrerseits als Minderheit allen anderen Minderheiten gegenüber gleichberechtigt zu behandeln sind. Man kann natürlich darüber streiten, ob dieses "gleichberechtigt" im Sinne von "gleich stark vertreten" oder im Sinne von "entsprechnd der Größe der Minderheit vertreten" bedeutet bzw. bedeuten soll. Ich würde aber jedenfalls dahingehend zustimmen, dass die Minderheit der "konfessionslosen", die ihrerseits etwa 1/3 der Bevölkerung ausmacht, in vergleichbaren Maße zu Wort kommen sollte.

Im Kontext der Themenwoche ist es nun so, dass tatsächlich diverse Minderheiten zu Wort kommen, sodass die Würdenträger nur 3 aus 16 interviewten Personen sind. Ich stelle allerdings fest, dass die Ausführungen der anderen eher banal wirken.

RE: Respekt statt Toleranz | 14.11.2014 | 13:01

Akzeptanz ist für mich nochmal ein Stufe höher als Respekt. Sie ist im Allgemeinen das Ergebnis einer respektvollen Auseinandersetzng mit einem Thema, das einem vorher nicht bekannt oder bewusst war. Das Ergebnis einer respektvollen Auseinandersetzung kann allerdings auch sein, dass man etwas gut begründet ablehnt.

Ein Thema, bei dem man diesen Unterschied ausprobieren bzw. erfahren kann ist BIID (Body Integry Identification Disorder). Menschen mit BIID haben das Gefühl, dass ein Teil ihres Körpers nicht zu ihnen gehört und entwickeln daraus das Bedürfnis, diesen Körperteil amputieren zu lassen. Einen Bericht über das Leid dieser Menschen finden Sie hier. Das Thema stellt uns direkt vor die Frage, wie weit das Recht, über den eigenen Körper frei zu verfügen, gehen darf bzw. gehen muss. Die Beantwortung dieser Frage kann weitere, noch viel schwierigere Fragen aufwerfen, z.B. wie wir mit Menschen umgehen, die die Fantasie haben, dass Teile ihres Körpers von einem anderen Menschen gegessen werden. BIID ist daher nichts, was man einfach so "akzeptieren" kann. Wir brauchen stattdessen eine respektvolle Auseinandersetzung mit diesen Menschen und dem Problem, das sie haben, wir müssen uns ehrlich darum bemühen, diese Menschen zu verstehen und ein Ergebnis dieser Auseinandersetzung kann dann gesellschaftliche Akzeptanz sein.

RE: Respekt statt Toleranz | 14.11.2014 | 12:21

Auch Antipathie einer Person gegenüber kann respektvoll zum Ausdruck gebracht werden. Im besten Fall geschieht das dadurch, dass man für klare und ehrliche Verhältnisse sorgt. Meistens geht dem "den anderen nicht ausstehen können" ja ein leichtes genervtsein voraus.

Die kurzfristige Lösung für diesen sich anbahnenden Konflikt ist "Toleranz" dem nevernden Verhalten gegenüber. Sie führt aber nicht dazu, dass sichetwas ändert und so wird aus dem leichten genervt sein irgendwann Frust, Wut und im schlimmsten Fall sogar Hass.

Der bessere Weg wäre, den sich anbahnenden Konflikt mit der anderen Person gleich zu klären. Aus der Auseinandersetzung kann dann ein respektvolles neben- oder im schlechtesten Fall ohneeinander entstehen, in dem es aber nicht zu Feinseligkeiten kommt.

»Den Leuten auf der Straße sind solche intelektuellen Gedankenspielereien vollkommen wurscht.«

Meine Erfahrung ist, dass auch die Menschen auf der Straße einen klaren Unterschied zwischen Toleranz und Respekt erkennen. Das liegt allein schon an der Asymmetrie der Toleranz (Es gibt "Tolerierende" und "Tolerierte") im Gegensatz zum symmetrischen Respekt (der auch Gegenseitigkeit ermöglicht).

RE: Respekt statt Toleranz | 14.11.2014 | 01:30

Toleranz ist, wie auch aus Ihrer Ausführung hervorgeht, die Vermeidung von Auseinandersetzung. Dabei hat der respektlose Hundebesitzer überhaupt keinen Anspruch darauf, dass sein Verhalten toleriert wird. Sein Verhalten wird nur gnädigerweise toleriert.

Im Kontext von sexueller Vielfalt, Integration und Inklusion ist der Begriff "Toleranz" aber völlig fehl am Platz, denn niemand ist dadurch respektlos, dass er homosexuell ist, auf eine bestimmte Art an einen Gott (oder mehrere Götter) glaubt, eine bestimmte Hautfarbe hat oder im Rollstuhl sitzt. All diese Menschen haben ein Anrecht auf Respekt und wer diese Menschen stattdessen nur tolerieren will, handelt respektlos.