Ist er ein Antisemit?

Jakob Augstein: Rabbi Cooper, der fundamentalistische Prediger aus dem sonnigen Kalifornien will es wissen: Jakob Augstein ist ein Antisemit, und zwar ein lupenreiner.
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Wir erinnern uns: das Simon-Wiesenthal Zentrum hatte JA auf die Liste der 10 schlimmsten Antisemiten der Gegenwart gesetzt, weil er berechtigte Kritik an der Politik Israels geäußert hatte. Israel bzw. deren Begierungen, weigern sich seit Jahrzehnten, die Resolutionen der Vereinten Nationen umzusetzen und den Palestinänsern ein menschenwürdiges Dasein zu ermöglichen. Im Gegenteil: im Westjordanland wird weiter Land besetzt und die Einheimischen mit Waffergewalt vertrieben.

Dieses geschieht durch religiöse Eiferer, die sich auf eine uralte Mär berufen, die von fundamentalistischen Predigern, genannt Rabbis, als für wahr deklariert und auf die Agenda des Durchzusetzenden gestellt wird. Da geschieht Unrecht, die Welt sieht zu und tut nichts, gar nichts, weil ein mächtiger Staat und die ihn steuernden Interessengruppen aus dem Dunstkreis der mosaischen Religion dies verhindern; schließlich ist es das gelobte Land, das einst (>4.000 Jahre her) Jahwe, der Schöpfer des Himmels und der Erde, dem auserwählten Volk zum Geschenk gemacht hatte.

Nur passt das alles nicht mehr so richtig in eine Zeit, in der 7 Mrd. Menschen die Welt bevölkern und Millionen und Abermillionen in den letzten 2000 Jahren in dem Landstrich lebten, der nunmehr wieder in Anspruch genommen wird. Der Anspruch wird mit Gewalt und Vertreibung durchgesetzt, die vertriebenen Menschen leben in einem Ghetto namens Gazastreifen und werden mittels Zäune und Mauern dort eingepfercht.

Wenn Jakob Augstein, der das so, wie ich das hier schreibe noch niemals zum Ausdruck gebracht hat, dieses Geschehen als Unrecht kommentiert, so hat er uneingeschränkt Recht.

Wenn er die Anwürfe eines Rabbi Cooper, der einem Gespräch ausgewichen ist, weil er die Bedingungen nicht stellen konnte, unter denen wohl ein Kniefall JA stattfinden sollte, dann

unter anderem so begründet: "Es gibt da einen Rollenkonflikt. Als Deutscher möchte ich behutsam mit Israel sein. Als Journalist will ich aber ehrlich sein. Wie löse ich das auf? Das ist eine Double-Bind-Situation. Soll ich bei jeder Kritik an Israel eine salvatorische Klausel anfügen: 'Ich habe nichts gegen Juden'? Das ist neurotischer Journalismus. Sollen wir verschweigen, dass Israels Regierung Recht bricht und es auch Alternativen gibt?"

Darf man doch getrost die Frage stellen: Was will Rabbi Cooper eigentlich? Jakob Augstein ist sicher kein Antisemit; was aber ist denn Rabbi Copper wohl, wenn er billigt, was in Israel geschieht?

Terry Rich

17:26 31.01.2013
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