RE: Liebe feudale Bahn | 04.11.2014 | 00:02

Also ich fände es besser, wenn die 2. Klasse abgeschafft wird und nicht die 1.; im Gegenteil, die sollte Standard gemacht werden;-)

RE: Mein unsichtbares Profil | 16.08.2014 | 12:06

Das ist einer der besten Artikel die ich zum Thema bislang gelesen habe.

Bereits vor vier Jahren hat mir meine Steuerberaterin gesagt, dass kaum einer ahnen würde, wie detailliert und vernetzt schon die Daten seien, die allein das Finanzamt digital über mich (und alle natürlich) sammelt, und das wir uns spätestens dann fatal wundern würden, wenn mal jemand an die Macht käme, der diese Daten zu nutzen wisse.

RE: „Ich wollte nicht töten. Ich wollte leben.“ | 23.04.2014 | 20:24

Obwohl ich das natürlich in keinster Weise miteinander vergleichen will, erinnert mich das an meine Kriegsdienstverweigerung 1981. Ich saß einem gelangweilten Gremium älterer Herren mehr als drei Stunden gegenüber und beantwortete deren sinnlose Fragen mit meinem jugendlichen Ernst, fest von der Richtigkeit meiner Haltung überzeugt. Die Wand hinter den Herren wurde von einer riesigen Deutschlandfahne bedeckt, Fragen und Antworten auf Band aufgezeichnet, allerdings nur in kurzer Zusammenfassung durch den Vorsitzenden, den ich dabei immer wieder korrigieren musste.

Es zog sich endlos, ich gab es schon verloren, als der Vorsitzende eine letzte Frage stellte: Was ich wohl zu machen gedenke, wenn ich im Kriegsfalle zwangseingezogen werden würde. Ich antwortete, dass ich dann zwar passiven, aber absoluten Widerstand leisten würde. Seine Antowort: Dann würde ich am nächsten Baum aufgehängt werden.

Ich weiß nicht, ob es den Anderen hier eine Spurz zuviel wurde, jedenfalls wurde nach dieser Antwort meiner Verweigerung stattgegeben.

Noch heute erinnere mich mich an den anderen jungen Mann, der mit mir auf seine "Verhandlung" gewartet hatte; er war Soldat und hatte während seiner Wehrdienstzeit erkannt, dass er den "Dienst an der Waffe" nicht leisten will und kann. Ihn habe ich bewundert. Seine Verweigerung wurde nicht annerkannt.

Was wohl aus den Tonbandprotokollen geworden ist, überhaupt aus all den Aufzeichnungen, jenen Dokumenten eines absurden Kampfes um Anerkennug von etwas doch ganz Selbstverständlichem, wie ich meine.

RE: Wowi-Dämmerung in Berlin | 08.01.2013 | 02:26

Wer schon einmal als Freischaffender eine Behörde oder staatliche Institution als Auftraggeberin hatte weiß, wie unendlich mühselig die Verfahren sind. Das fängt schon bei der Bewerbung an, wo in den Ausschreibungen übergenau darauf geachtet wird oder werden soll, dass bloß keine Vetternwirtschaft oder ähnliche Bevorzugungen entstehen könnten. Zugleich wird in der Regel immer das günstigste, oder besser: billigste Angebot genommen, um sich vor dem Steuerzahler rechtfertigen zu können. Oder die Behörde bindet sich per Pauschalvertrag gleich für mehrere Jahre an einen Anbieter.

Das Fazit von all dem: Langen Entscheidungsprozessen folgen möglicherweise günstige, aber unter Umständen auch qualitativ schlechte Lösungen. Das habe ich selbst häufig erlebt als freischaffender Gestalter.

Wenn ich mir diese Auftragskultur nun bei einem so komplexen System wie dem Flughafenbau vorstelle, wundert mich das Chaos und die Schlamperei nicht. Sachunkundige sollen Leistungen beurteilen, von denen sie keine Ahnung haben und legen dabei dann Maßstäbe an, die ihnen zwar vertraut sind, Stichwort Einsparungen, aber die keine guten Lösungen ergeben.

Lange Rede, kurzer Sinn: Das BER-Desaster ist meiner Ansicht nach das Ergebnis einer verklemmten und praxisfernen Vergabepraxis, die schon längst hätte reformiert werden sollen. Und das gilt sicher nicht nur für den Flughafenbau.

RE: Schopenhauer-, Ecke Spinozastraße | 09.12.2012 | 22:44

Ja, klar stimmt das, aber was ich meinte ergibt sich nach dem Doppelpunkt. Das war ja der Sinn des Satzes.

RE: Schopenhauer-, Ecke Spinozastraße | 09.12.2012 | 22:28

Diese »Tatorte« sind mittlerweile ein Spiegelbild dieser deutschen Gesellschaft: selbstverliebt, rechthaberisch, moralinsauer, vor allem langweilig. Mit Frau Furtwängler kommt noch eine herrische Variante hinzu; es ist ihrem Spiel anzusehen, dass sie keine Regie über sich duldet. Immerhin, sie könnte Leni Riefenstahl darstellen, wenn sie nicht eine so schlechte Schauspielerin wäre: das verlogene Pathos beherrscht sie gut.

RE: Der Führer liest Karl May | 21.09.2010 | 13:13

Sehr interessant. Was das Fortsetzten nach 45 anbelangt, so kann hier die bundesdeutsche Filmproduktion locker mithalten. Insbesondere der Heimatfilm der 50er ist thematisch durchzogen von teils revanchistischen, in jedem Fall aber chauvinistischen Motiven, die den Produktionen des sog. Dritten Reiches sehr ähnlich waren und ideologisch kaum nachstehen. Aber auch der scheinbar harmlose Unterhaltungsfilm jener Zeit strotzt vor autoritären und frauenfeindlichen Gesellschaftsfiktionen ("Das Mädchen Marion"... "Die Privatsekretärin"... etc.). Man muss nur die nahezu komplette Filmografie von beispielsweise dem Schauspieler Rudolf Prack nachschlagen. So ist es auch nicht weiter erstaunlich, dass die führenden Schauspieler des "Dritten Reiches" ungehindert weiter arbeiten konnten; die Bilder im Kopf blieben besetehen.

RE: Der Geliebte | 25.08.2010 | 00:38

Sie haben offensichtlich Schlingensief - oder nennen Sie ihn Christoph? - besser verstanden, sind bestimmt Seelenverwandte, Schreiberin des Kommentars

RE: Digitaler Homo Faber | 29.07.2010 | 09:34

Ich stelle mir noch ein weiteres, vielleicht etwas komplexeres Motiv vor: Durch Teilen Eins werden. Damit meine ich, dass Handyaufnahmen ähnlich wie jede Teilhabe am Internet, sei es durch das schiere Lesen, das Posten in Foren, Chatten etc. neben der Kommunikation selbst auch das Gefühl einer Teilhabe an einer Art "höheren" Gemeinschaft in sich birgt, deren Existenz man als selbstverständlich angenommen hat und im doppelten Wortsinne "annimmt"; einer Gemeinschaft, deren auffälligstes Merkmal ihre schattenhafte Körperlichkeit ist und die sich vor allem in meinem GLauben an ihre Bedeutung realisiert. Allein schon das Aufnehmen - und somit Annehmen - selbst befriedigt starke Bedürfnis künftiger Teilhabe, ein quasi religiöses Ritual also, dem der Glaube an jene Gemeinschaftlichkeit zugrunde liegt.

RE: Dominik Brunner und die Zivilcourage | 24.07.2010 | 12:45

Dieser Prozess zeigt sehr eindringlich, wie ich finde, dass es so etwas wie eine einzige "Wahrheit" in einem Komplex unterschiedlichster Systeme (Zeugen, Täter, Opfer) nicht gegeben kann, und es ist doch eine wahrhaft alltäglich Erfahrung, dass Abläufe und Situationen komplexer sind als das, was davon übrig bleibt, vor allem wenn mehrere Personen unter großer Spannung daran beteiligt sind.

Das Urteil und vor allem seine Begründung wird auf hohem Niveau nicht nur der Rechtsprechung, sondern auch der Lebenserfahrung erfolgen müssen, soll es denn sowohl dem Herrn Brunner, als aber auch den Angeklagten im wahren Wortsinne gerecht werden.

Ich bin darauf sehr gespannt, wie groß wird wohl die Bereitschaft aller Beteiligten und auch der medialen Öffentlichkeit sein, eine komplexere Urteilsfindung zu akzeptieren und sich damit durchaus positiv auseinanderzusetzen? Denn etwas anderes hat der Prozess ja jetzt bereits auch gezeigt dass derartige Konfliktsituationen, wie sie ja auch leider Gottes mittlerweile sooft entstehen, nicht mit einem einfachen gut-böse Schema zu klären sind; weder juristisch, noch vermutlich direkt im Moment des Geschehens vor Ort. Was wird man also daraus lernen können? Und lernen wollen?