Melancholien der vorüber ziehenden Illusionen

multiresistentes Denken Wir könnten die Natur, die Kinder, die Tiere gut behandeln und uns von politischer Geschwätzigkeit in der Umwelt-, Sozial-, Arbeits-, Kultur- und Bildungspolitik trennen
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So langsam werde ich wieder wach und blinzele mit leicht zugekniffenen Augen in den Nachmittag. Ich setze mich erstmal hin und gieße mir Tee aus der Thermoskanne in den Becher und bemühe mich die Wirklichkeit um mich herum wahrzunehmen. Im hier und jetzt anzukommen kann bei mir schon mal etwas länger dauern. Ich bin froh das ich mit Palden zusammen bin, die dafür großes Verständnis und Geduld hat aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen.

Die Sonne ist inzwischen weitergezogen und wir haben haben sie jetzt im Rücken. Auf dem Drachenfluss gleitet lautlos ein großer 25 m langer Drachen Sampan dahin. An seinen typischen fünf kurzen Masten mit den schönen alt roten Dschunken Segeln aus Hanf ist er gut zu erkennen. Er kommt aus der alten Schleuse und fährt durch die hochgeklappte Brücke, begleitet von den freundlichen Blicken winkender Blumentaler und guten Wünschen für die Weiterfahrt. Lautlos schwebt er an dem Sampan des Schleusenwärter vorbei und die Blumentalerin am Steuerrad des Sampan bedankt sich für die Durchfahrt und das öffnen der Brücke mit einem kurzen läuten der Sampan Glocke.

Tulchen macht auch wieder einen aufgeweckten und sehr unternehmungslustigen Eindruck. Er gähnt schüttelt und streckt sich und fängt schwanzwedelnd an aufgeregt hin und her zu trippeln und zu fiepen. Er will Hunde Abenteuer und das wir weiter gehen, ich sage ihm das wir wir gleich gehen und rappel mich auf. Mein alter Freund der Ohrenschwenker springt freudig um mich herum, ich hänge mir die Hundeleine und meinen Stoffbeutel um, setze meinen Strohhut auf, nehme meine Sandalen in die Hand und schon machen wir uns wieder auf den Heimweg.

Auf dem Rückweg nehmen wir einen anderen Weg. Wir machen wie so oft einen Bogen durch unseren uns vertrauten Wald der an einem kleinen See entlang führt. Eigentlich ist es kein richtiger Wald mehr, es sieht eher wie ein Waldfriedhof aus. Der letzte Orkan vor zwei Jahren hat unserem kleinen stillen friedlichem Wäldchen den gar aus gemacht. Hunderte über zwei Meter dicke gesunde kräftige Baumstämme mit den großen Baumkronen sind durch die unvorstellbaren Kräfte des Windes ganz einfach so umgekippt mitsamt den gut fünf Meter in die Luft ragenden mächtigen Wurzelballen.

Einen großen Baum umgeknickt auf dem Boden liegen zu sehen finde ich schon sehr bedrückend. Es sieht aus wie ein umgestürztes altes Naturwesen einer vergehenden Welt, ein Symbol des lebens und der Lebenskraft verliert unwoederbringlich seine Existenz. In den vergangenen 30 Jahren haben sich die heftigen Stürme gehäuft und mit jedem Sturm hat sich der Wald mehr und mehr gelichtet. Erst waren es die alten morschen und die ungeschützten, die freihstehenden und auch die jungen Bäume, bis es vor zwei Jahren dann die großen starken Jahrhunderte alten Baumriesen getroffen hat. Der verlust fast aller Bäume in unserem kleinen Wald macht mich schwermütig und nachdenklich.

Es gibt wohl keinen Platz mehr auf der Erde in der sich nicht die Natur direkt oder indirekt durch die Folgeschäden des Industriezeitalter verändert hat. Ein deprimierendes Zeugnis der Wahrheiten der Gesetze von den vermeidbaren Ursachen und deren nicht wieder gut zumachenden Auswirkungen, die auch im fernen Blumental längst angekommen sind. Invasive Pflanzen und Tierarten verdrängen und verändern auch hier unwiederbringlich die einheimische Flora und Fauna.

Vielleicht ist es der Blumentaler Denkweise zu verdanken, die auf die schamlose Ausnutzung der Notlagen armer Völker bewusst verzichtet und dafür in den Herzen der Armen lebt.

Das Blumental Syndikat 2015-2017-18

00:42 31.03.2018
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Geschrieben von

Frank Mögling

Ich bin ein glücklich liierter Rentner mit Hund und mache mir Sorgen über die Probleme vor meiner Haustür.
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