An unseren Handys klebt Blut

Kongo Im Osten Kongos betreiben Banden illegalen Handel mit Mineralien, die für Mobiltelefone, Laptops und Digitalkameras gebraucht werden. Ein Appell für fairen Handel

Der verheerendste Konflikt seit dem Zweiten Weltkrieg hat im Osten des Kongo Millionen von Menschen das Leben gekostet. Eine der wichtigsten Ursachen für die Gewaltspirale ist der im Ost-Kongo betriebene illegale Handel mit Mineralien wie Coltan, das für viele unserer elektronischen Geräte wie Mobiltelefone, Laptos und Digitalkameras unverzichtbar ist. Eine Reihe bewaffneter Truppen kämpfen dort um die Kontrolle der betreffenden Minen, zusätzlich erpressen sie Schutzgeld von Händlern und der regionalen Bevölkerung, was ihnen ermöglicht, immer noch mehr Waffen zu kaufen, mehr Blut zu vergießen und die Gesellschaft weiter zu korrumpieren.

Jüngste Berichte aus Nord- und Süd-Kivu, einem der Zentren der konfliktträchtigen Mineralienproduktion, belegen dies. Vor kurzem begaben sich Reporter der BBC auf den Spuren des Erzes Coltan nach Mwenga in Süd-Kivu, wo sie auf Menschen trafen, die illegal von FDLR-Rebellen („Demokratische Kräfte zur Befreiung Ruandas“) „besteuert“ und terrorisiert werden. Bei dieser kriminellen Gruppe handelt es sich um eine Miliz, die 1994 maßgeblich am Genozid in Ruanda beteiligt war.

Mittelalterlicher Abbau

Unterdessen profitiert der Rest der Welt weiterhin von den Endprodukten des Geschäfts mit Coltan. Die internationale Nachfrage nach billigen Elektronik-Produkten hat zu erhöhter Nachfrage nach Mineralien aus Ost-Kongo geführt, die nur deshalb so billig zu haben sind, weil sie unter der Kontrolle besagter Milizen durch die Ausbeutung der örtlichen Bevölkerung unter schockierenden Bedingungen abgebaut werden, die nur mittelalterlich genannt werden können.

Die meisten Elektronik-Gesellschaften in den USA wissen nicht, woher genau die Mineralien in ihren Produkten stammen. Bis heute hat noch keine große Elektronik-Gesellschaft ihre Zuliefererkette bis auf die Ursprungsminen zurückverfolgt. Dies wäre aber die einzige Möglichkeit, um sicherzugehen, dass Sie und ich mit dem Kauf eines neuen Handys keine abscheulichen Menschenrechtsverletzungen fördern.

Die einzige Perspektive für die Misere besteht langfristig in der nachhaltigen Unterstützung für kongolesische Schlüsselinstitutionen, insbesondere der Sicherheitskräfte. Diese Anstrengungen sind aber zum Scheitern verurteilt, solange nichts dagegen unternommen wird, dass den Plünderern durch den Handel mit Gold und Coltan Millionen Dollar zufließen.

Das Enough Project und seine Verbündeten fordern keinen Boykott der kongolesischen Mineralien. Vielmehr fordern wir Elektronik-Hersteller auf, Verantwortung für ihre Zulieferketten zu übernehmen und den Weg der von ihnen verarbeiteten Mineralien bis auf deren Ursprungsminen zurückzuverfolgen und ihre Versorgungsketten von unabhängigen Institutionen überwachen zu lassen. Nur so können die Verbraucher sicher sein, dass sie nicht dazu beitragen, die weltweit schlimmste Gewalt und damit fortlaufende Verstöße von UN-Sicherheitsratsbeschlüssen mit zu finanzieren.

John Norris ist Mitglied des Projektes Enough, welches sich gegen Menschenrechtsverletzungen und Verbrechen gegen die Menschheit einsetzt.

16:00 24.05.2009
Geschrieben von

John Norris, The Guardian | The Guardian

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