Brief an die Töchter

Obamas Kinderbuch Barack Obama ist nicht nur US-Präsident, sondern auch hochbezahlter Erfolgsautor. Jetzt erscheint sein neuestes Werk: ein Kinderbuch. Das hat Tradition bei US-Präsidenten

Er ist der Führer der freien Welt, hat zwei Kriege zu führen, muss eine kollabierende Wirtschaft wiederbeleben und seine politische Basis zerfällt. Doch irgendwie hat Barack Obama noch die Zeit gefunden, ein neues Buch zu schreiben. Lange bevor er zum Präsidenten der USA gewählt wurde, katapultieren ihn seine preisgekrönten Memoiren Dreams From My Father (deutsch: Ein amerikanischer Traum) 1995 ins politische Rampenlicht. Das Buch verkaufte sich weltweit 1,5 Millionen Mal.

Sein jüngstes Werk richtet sich nun an Leser, die etwa drei Jahre alt sind. Of Thee I Sing: A Letter to My Daughters, ist eine Hommage an amerikanische Pioniere wie George Washington, die Künstlerin Georgia O’Keeffe oder Jackie Robinson, der als erster schwarzer Profi-Baseballspieler die Rassenschranken des Sports aufbrach.

Obamas Verlag – Alfred A. Knopf Books for Young Readers, eine Untergruppe von Random House – erklärte, die Töchter des Präsidenten, Sasha und Malia, hätten ihn zu diesem „bewegenden Tribut an 13 wegweisende Amerikaner und die Ideale, die unsere Nation geprägt haben“ inspiriert. Die Erlöse sollen an eine Stiftung gehen, die Stipendien an die Kinder gefallener oder invalider Soldaten vergibt.

Angesichts sinkender Umfragewerte und einer US-Wirtschaft, die sich beharrlich weigert wieder auf die Beine zu kommen – wie findet Obama da nur die Zeit für ein Facebook-Update, geschweige denn für ein 40 Seiten Buch? Die Antwort lautet, dass er sein Kinderbuch schon lange vorbereitet hat. Bereits 2004, als er gerade zum Senator gewählt worden war, unterschrieb er mit Random House einen Vertrag über 1,9 Millionen Dollar für drei Bücher, eines davon ein Kinderbuch. Sein Verlag sagt, er habe Of Thee I Sing abgeschlossen, bevor er im Januar 2009 Präsident der USA wurde, der Illustrator habe dann zwei Jahre an den Bildern gearbeitet. Nun hat es einen gewissen Knalleffekt, dass Obamas Buch am 16. November erscheinen wird – eine Woche vor den episodischen Memoiren Decision Points seines Amtsvorgängers George W. Bush – wobei nicht ganz klar ist, ob beide auf das gleiche Leseniveau abzielen.

Obama wird nicht der erste Präsident sein, der ein Kinderbuch veröffentlicht. Teddy Roosevelt war Co-Autor derHero Tales from American History, die ebenfalls vor seiner Präsidentschaft geschrieben wurden. Jimmy Carter wartete 15 Jahre nach seinem Abschied aus dem Weißen Haus, bevor er The Little Baby Snoogle-Fleejer veröffentlichte – eine kluge Entscheidung. Hillary Clinton wiederum, ehemals Präsidentengattin, heute amerikanische Außenministerin, möchte vermutlich nicht unbedingt an ihr Opus Dear Socks, Dear Buddy: Kids’ Letter to the First Pets erinnert werden.

Übersetzung: Christine Käppeler

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15:15 15.09.2010
Geschrieben von

Richard Adams | The Guardian

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The Guardian

Ausgabe 39/2020

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