George Monbiot
29.09.2011 | 12:50 17

Dagegen ist Murdoch ein Sozialist

Abzocke Wissenschaftsverlage schröpfen nicht nur die Forschung. Sie betrügen auch die Öffentlichkeit, die sich keinen freien Zugang zu den überteuerten Publikationen leisten kann

Wer sind die skrupellosesten Kapitalisten der westlichen Welt? Wessen monopolistische Praktiken lassen Wal- Mart aussehen wie einen Tante-Emma-Laden und Rupert Murdoch wie einen Sozialisten? Auch wenn es offenkundig eine ganze Reihe von Kandidaten gibt, sind es nicht die Banken, die Ölunternehmen oder die Krankenversicherungen – sondern die Wissenschaftsverlage. Von all dem Betrug, der in der Wirtschaft vor sich geht, müsste die Abzocke, die hier betrieben wird, am dringendsten von den Wettbewerbsbehörden überprüft werden.

Die Welt ist sich einig darin, dass die Leute ermutigt werden sollten, sich mit Ergebnissen der Forschung auseinanderzusetzen. Ohne über den Stand der Wissenschaft informiert zu sein, können wir keine sinnvollen demokratischen Entscheidungen treffen. Die Verleger aber haben die Schatzkammer des Wissens einfach mit einem Vorhängeschloss versehen und ein „Bitte draußen bleiben“-Schild davorgehängt.

Man kann die Paywall-Politik des Murdoch-Konzerns daher schlecht finden: Für den 24-Stunden-Zugang zu Times und Sunday Times wird ein britisches Pfund verlangt (1,14 Euro). Aber zumindest kann man in dieser Zeit so viele Artikel lesen und herunterladen, wie man möchte. Will man dagegen einen einzigen Artikel in einem Fachjournal von Elsevier lesen, dann kostet das 31,50 US-Dollar (23,41 Euro). Springer verlangt 34,95 Euro, Wiley-Blackwell 42 US-Dollar (31,21 Euro). Für zehn Artikel muss man auch zehn Mal zahlen. Und das Copyright bleibt für immer und ewig bei den Verlagen. Selbst wenn es um eine kurze Mitteilung (einen letter) geht, die 1981 gedruckt wurde, werden 31,50 Dollar fällig.

Natürlich kann man in eine Bibliothek gehen, falls es in der Nähe noch eine gibt. Aber auch die Bibliotheken werden durch die exorbitanten Preise geschröpft. Das Jahresabo eines Fachblattes für Chemie kostet im Durchschnitt 3.792 Dollar, einige Journale verlangen sogar 10.000 Dollar und mehr. Das teuerste, das mir untergekommen ist, war bislang Elseviers Biochimica et Biophysica Acta für 20.930 Dollar. Obwohl viele wissenschaftliche Bibliotheken schon massenhaft Abonnements gekündigt haben, um über die Runden zu kommen, fressen die Journale immer noch 65 Prozent ihrer Budgets auf – was natürlich zu Lasten der Anzahl von Büchern geht, die sie erwerben können. Die Abonnementgebühren für Wissenschaftsmagazine machen damit auch einen beträchtlichen Teil der Kosten der Universitäten aus, die diese dann an ihre Studenten weitergeben.

Ohne Auftrag und Honorar

Während aber Murdochs Unternehmen einen großen Teil der Beiträge selbst generieren und Journalisten und Redakteure dafür bezahlen, bekommen die Wissenschaftsverlage ihre Artikel, Peer Reviews (siehe Kasten) und oft auch noch die redaktionelle Arbeit kostenlos zur Verfügung gestellt. Das Material, das sie veröffentlichen, wird also nicht einmal von ihnen in Auftrag gegeben oder finanziert, sondern durch öffentliche Gelder und Stipendien ermöglicht – von uns allen. Um die Ergebnisse aber einsehen zu dürfen, müssen wir erneut bezahlen, und zwar Wucherpreise.

Die Profite in diesem Geschäft sind astronomisch: So lag beispielsweise die Gewinnspanne von Elsevier im abgelaufenen Wirtschaftsjahr bei 36 Prozent (827 Millionen Euro bei einem Umsatz von mehr als zwei Milliarden). Möglich ist das durch die relative Monopolstellung des Verlags: Elsevier, Springer und Wiley haben viele ihrer Konkurrenten aufgekauft und veröffentlichen zusammen mittlerweile 42 Prozent aller wissenschaftlichen Fachartikel.

Entscheidend ist, dass die Universitäten den Verlagen ihre Produkte abkaufen müssen. Ein Paper wird immer nur einmal veröffentlicht, und Wissenschaftler, die auf dem Laufenden bleiben wollen, müssen diese Artikel lesen. Die Nachfrage ist daher unelastisch, es findet kein Wettbewerb statt, weil verschiedene Journale nicht dieselben Ergebnisse veröffentlichen. In vielen Fällen zwingen die Verlage die Bibliotheken auch noch, Pakete zu abonnieren – egal, ob sie alle darin enthaltenen Journale haben wollen oder nicht. Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass einer der größten Betrüger, der je die Bürger dieses Landes ausgenommen hat – der Verleger Robert Maxwell –, einen großen Teil seines Vermögens mit der Veröffentlichung wissenschaftlicher Texte verdient hat.

Die Verleger behaupten natürlich, sie müssten diese Gebühren verlangen, weil die Produktions- und Vertriebskosten so hoch seien; auch würden sie den Wert der Artikel steigern, indem sie (in Springers Worten) „Magazin-Marken entwickeln und die digitale Infrastruktur schaffen und ausbauen, die die akademische Kommunikation in den vergangenen 15 Jahren revolutioniert hat“. Eine Analyse der Deutschen Bank kam vor ein paar Jahren allerdings zu einem anderen Schluss: „Wir glauben, dass der Verleger im Veröffentlichungsprozess verhältnismäßig wenig zur Wertsteigerung des Produktes beiträgt. Wäre dieser Prozess wirklich so komplex, kostspielig und würde so viel zur Wertsteigerung beitragen, wie die Verleger behaupten, wären keine Gewinnspannen von 40 Prozent möglich.“ Anstatt die Verbreitung wissenschaftlicher Ergebnisse zu unterstützen, verzögern die großen Verlage diesen Prozess dabei sogar, indem sie ein Jahr oder länger mit der Veröffentlichung warten.

Es ist Rentier-Kapitalismus in Reinform: Zuerst wird eine öffentliche Ressource monopolisiert, um ihre Nutzung dann mit exorbitanten Gebühren zu belegen. Ein anderer Begriff für diese Praxis wäre ökonomischer Parasitismus. Um an Wissen zu gelangen, dessen Enstehung bereits bezahlt wurde, müssen Lehen an die Gutsherrn entrichtet werden.

Wider die Menschenrechte

Was für Forscher schlimm genug ist, hat für Laien noch schwerwiegendere Folgen. Ich weise meine Leser auf wissenschaftliche Artikel hin, weil man Behauptungen auf ihre Quellen hin zurückverfolgen können sollte. Die Leser antworten dann, dass sie es sich nicht leisten können, meine Darstellungen zu überprüfen. Wer versucht, sich selbstständig zu informieren, muss dafür teuer bezahlen. Es handelt sich hier um eine Bildungssteuer, die ganz offensichtlich gegen Artikel 27.1 der Erklärung der Menschenrechte verstößt, in dem es heißt, jeder habe das „Recht, ... frei … am wissenschaftlichen Fortschritt und dessen Errungenschaften teilzuhaben“.

Frei verfügbare Journale haben es trotz der hervorragenden Public Library of Science und der Physik-Datenbank arxiv.org nicht geschafft, die Monopolisten auszubooten. 1998 hieß es im Economist noch, die „Zeiten 40-prozentiger Gewinnspannen könnten bald so tot sein wie Robert Maxwell“. Doch 2010 lagen die Profitmargen von Elsevier mit 36 Prozent immer noch so hoch wie 1998. Ein Grund: Die großen Verlage haben sich alle Fachmagazine mit einem hohen impact factor (s. Kasten) einverleibt, in denen Wissenschaftler veröffentlichen müssen, wenn sie Fördermittel sichern und ihre Karriere voranbringen wollen.

Mit wenigen Ausnahmen hat der Staat es bislang nicht vermocht, die Verlage zu stellen. In den USA verpflichten die National Institutes of Health jeden, der Fördergelder bekommt, seine Paper in einem frei zugänglichen Archiv zu publizieren. Die Research Councils in Großbritannien aber (deren Statement über den öffentlichen Zugang zu wissenschaftlichen Arbeiten an substanzloser Geschwätzigkeit nicht zu überbieten ist) verlassen sich auf die „Annahme, dass die Verlage den Geist ihrer gegenwärtigen Politik beibehalten werden“. Darauf kann man in der Tat wetten.

Investieren statt Vergeuden

Kurzfristig sollten die Regierungen die Verlage bei den zuständigen Wettbewerbshütern melden und darauf bestehen, dass alle wissenschaftlichen Berichte und Paper frei zugänglich archiviert werden. Längerfristig sollten sie daran arbeiten, die Mittelsmänner komplett auszuschalten und, nach dem Vorbild von Björn Brembs von der Freien Universität Berlin, ein einziges weltweites Archiv aufzubauen, in dem wissenschaftliche Literatur und Forschungsdaten zugänglich sind. Die Überprüfung durch andere Wissenschaftler würde durch eine unabhängige Körperschaft überwacht werden. Sie könnte mit dem Geld finanziert werden, die Bibliotheken gegenwärtig noch für teure Abonnements vergeuden müssen.

Das Wissensmonopol hat so wenig Berechtigung und ist so anachronistisch wie die britischen Korngesetze des 19. Jahrhunderts. Es wird Zeit, diese parasitären Lehnsherren loszuwerden und die Wissenschaft zu befreien, denn sie gehört uns allen.

George Monbiot ist Zoologe, Autor und Kolumnist des Guardian. Seine Themenschwerpunkte sind Klimawandel und Ökonomie

Übersetzung: Holger Hutt

Kommentare (17)

Nelly 29.09.2011 | 17:37

Sehr guter Artikel.
Es sei noch hinzugefügt, daß die Autoren der Wissenschaftsjournale, die Wissenschaftler nämlich, null komma nichts für die Veröffentlichugnen bekommen. Mehr noch, sie müssen dafür bezahlen, um veröffentlicht zu werden, natürlich wiederum mit öffentlichen Mitteln, mit denen ja schon die Forschung finanziert wurde. Man stelle sich das in irgendeiner anderen Verlagsbranche vor.

Melf 30.09.2011 | 00:40

Ein Witz ist ja auch, dass die Forschenden die Verlage neuerdings bezahlen um einen Artikel in einer ansonsten geschlossenen Zeitschrift allen Leuten zugänglich zu machen, die die Zeitschrift nicht abonniert haben. Das kostet dann gerne 500 Euro für einen Artikel, die entweder öffentlich, oder bei jüngeren Forschenden sogar privat, aufgebracht werden. Und die öffentlichen Bibliotheken müssen die Zeitschriften mit solchen Artikeln trotzdem komplett abonnieren. Da verdienen die Wissenschaftsverlage gleich zweimal (und nehmen wahrscheinlich sogar zweimal öffentliche Gelder ein, weil die Forschenden ihre privaten Ausgaben von der Steuer absetzen). Grafiken aus Artikeln muss man auch bei den Verlagen kaufen, wenn man sie in einem anderen Artikel "zitieren" möchte.

DanielM 30.09.2011 | 12:27

Ich kann Nelly und Melf nur zustimmen: es ist wichtig, öffentlich darauf hinzuweisen, wie Wissenschaftsverlage sich bis zu dreimal aus der öffentlichen Hand bedienen: bei den "Article Processing Charges" (APC) zahlt der Autor bzw. seine Institution, das Peer Review wird durch öffentlich (und eben von den Verlagen un-)bezahlte Experten übernommen (die wiederum symbolisches Kapital daraus schlagen können, dass aber eben keinen gesellschaftlichen Mehrwert schafft), um anschließend vor allem von den Universitätsbibliotheken Millionenbeträge einzufordern (die jährlichen Kostensteigerungen liegen idR über dem Inflationsausgleich).
Ich hoffe, dass Artikel wie dieser eine öffentliche Debatte anstoßen, die den Blick auf die (teure) wissenschaftliche Publikationslandschaft weisen.

Dazu auch einige Links zur (offensichtlichen) Alternative, nämlich der Veröffentlichung wissenschaftlicher Artikel als 'Open Access' - ohne Bezahlschranke:
The costs and potential benefits of alternative scholarly publishing models (informationr.net/ir/16-1/paper469.html)
Economic Analysis of Scientific Research Publishing (von 2004: www.wellcome.ac.uk/About-us/Publications/Reports/Biomedical-science/WTD003181.htm)

Eine Anmerkung zum Artikel: Ich hatte schon Ende August das englische Original gelesen und würde mir wünschen, dass das auch verlinkt wird - alleine schon wegen der dort angelegten Links (www.guardian.co.uk/commentisfree/2011/aug/29/academic-publishers-murdoch-socialist)

Miezu 30.09.2011 | 16:33

Warum weicht die Wissenschaft eigentlich nicht mehr in selbst verlegte und editierte Onlinepublikationen aus? Mir scheint, als würde irgenwer aus der Wissenschaft doch etwas vom Kuchen der Verlage abbekommen. Es dürfte jeweils einer handvoll renommierter Wissenschaftler einer Fachrichtung nicht schwerfallen, so etwas ins Leben zu rufen und mit einem ausreichenden Prestige zu versehen. Öffentlich finanzierte Forschungsergebnisse sollten ohnehin frei öffentlich zugänglich sein.

(...und ich finde auch Google Books eine gute Idee!)

Avatar
Ehemaliger Nutzer 01.10.2011 | 18:28

>>>Warum weicht die Wissenschaft eigentlich nicht mehr in selbst verlegte und editierte Onlinepublikationen aus?

"Die Wissenschaft" in ihrer gegenwärtigen Form steht nicht rein und unschuldig dem Verwertungsmechanismus des kapitalistischen Marktes gegenüber. "Die Wissenschaft" selbst ist immanenter Bestandteil und Triebkraft dieses Mechanismus.

Die erfolgreichsten Wissenschaftler haben Unternehmen und Institute laufen, über die sich die in den Apparaten des SCI angehäufte Reputation in barer Münze und Zunahme von Einfluss verwerten lässt.

gweberbv 02.10.2011 | 02:36

@Miezu

Es gibt durchaus einige Ansätze für OpenAccess-Publikationen, aber das sind meist Nischenprojekte und werden es wohl auch vorerst bleiben. Dazu ein paar Gründe:

- Prestigeträchtige Magazine haben diesen Status teilweise über Jahrzehnte erlangt. Mit ihren Resultaten dort veröffentlicht zu werden, hat für die meisten Wissenschaftler sowohl ideellen Wert als auch handfeste Vorteile (im Wettbewerb um Stellen und Forschungsmittel).

- Selbst wenn zukünftig alles frei publiziert würde, wäre man für Literaturrecherche dennoch auf die (kostenpflichtigen) Archive der heutigen Magazine angewiesen.

- Forscher zahlen in der Regel nicht für einzelne Artikel, sondern haben über ihre Institutionen per Abonnement Zugriff auf die Magazine. Die anfallenden Kosten sind daher nicht transparent bzw. beim Nutzer präsent. Es ist eher vergleichbar mit der Stromrechnung einer Einrichtung, die halt "einfach so" anfällt.

- Es gibt von Seiten der Öffentlichkeit nur wenig Interesse, also auch wenig Druck, auf öffentlich finanzierte Forschungsergebnisse frei zugreifen zu können.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 02.10.2011 | 13:56

@ gweberbv schrieb am 02.10.2011 um 00:36

Wenn man unsere beiden Postings als Ausgangssituation eines Weges zu >>>selbst verlegten und editierten Onlinepublikationen nimmt, wird deutlich, dass dies nur mit einem politischen Willen möglich wäre, der die Krisen eines Wechsels von der einen zur anderen Infrastruktur erträgt und mit der Gewissheit, dass die Dinge hinter her besser laufen, vorantreibt.

Da dies aber in einem national-staatlichen Rahmen nicht zu lösen ist, brauchte es eine internationale Infrastruktur. Diese wäre wiederum nur zu erschaffen, in dem die jetzt schon vorhandene Infrastruktur beispielsweise das ISI thomsonreuters.com/products_services/science/science_products/a-z/isi/gekauft und international geführt würde.

Was ich hier mal so locker hinschreibe ist in seinen praktischen Konsequenzen kaum machbar, aber man sollte es bedenken.

gweberbv 02.10.2011 | 15:48

@Rapanui

Hab grade mal die für mich relevanten Journals durchgeschaut.

Da gibt es z. B. die Reihe "Physical Review", der auf Non-Profit-Basis von APS herausgegeben wird. Will man diese Journals, zahlt man als Institution so ungefähr 20.000 $ pro Jahr. Zusätzlich wird von den Autoren noch eine Publication Charge von ein paar hundert $ verlangt bzw. erbeten.

Bei der kommerziellen Konkurenz von Elsevier schlägt jedes Journal der Reihe Nucl. Instrum. Meth. mit ca. 13.000 $ zu Buche. Dafür gibt es keine Kosten für die Autoren.

Springer verlangt für seine European Physical Journals jeweils zwischen 3000 und 5000 €. Pakeptpreise konnte ichn icht finden auf die Schnelle, aber vermutlich liegen die deutlich unter der Summe aller abonnierter Journals.

Unterm Strich ist APS also schon etwas günstiger, aber ich glaube nicht, dass dies ausreichend ist, um das seit Jahrzehnten gewachsene System umzugestalten.

Rosa Sconto 03.10.2011 | 16:35

In einer Zeit, in der alles digital produziert wird muss schon mal gefragt werden warum dann Autoren immer noch auf dieser veraltete Vertriebsschiene fahren. So wie die Briefpost nur noch kostet tun es auch viele Verlage > Buchhandlungen. Zumindest in der Cloud vom Betriebssystem "Opensolaris" gibt es zumindest auf englischer Sprache unendlich viel Bücher zu VWL / Nationalökonomie (das hätte der Autor auch erwähnen müssen). Diese Bücher können für einen Bruchteil des Ladenpreis bestellt werden und kommen dann gedruckt per Post (Funktioniert ähnlich wie HPCloud)

Das Forschung die aus öffentlichen Mittel finanziert wird nicht frei zugänglich ist hat darum wohl eher damit zu tun was "geweberbv" oben schon schreibt: "Es gibt von Seiten der Öffentlichkeit nur wenig Interesse, also auch wenig Druck, auf öffentlich finanzierte Forschungsergebnisse frei zugreifen zu können". Das ist ähnlich wie in den 60:70ziger Jahren z.B. Siemens hohe Forschungsgelder für Atomforschung erhielt, dann Kraftwerke via Kraftwerks-Union errichtete, die dann von Luxemburg aus an die Betreiber die Kraftwerke verleaste. Für Fachliteratur braucht heute niemand Verlage, geschweige eine Buchhandlung.

gerhard monsees 03.10.2011 | 19:38

"Kapitalismus" scheint nur noch billiges Wort für noch billigeren Schimpfinhalt zu sein.

Klar, jeder will alles so billig wie möglich haben. Und am Ende dann "ein einziges weltweites Archiv aufbauen, in dem wissenschaftliche Literatur und Forschungsdaten zugänglich sind". Und subventioniert wird es mit Steuergeldern, oder wie?

Merkwürdig, dass Leute immer glauben, wenn Sie immer mehr Steuern zahlen, sei alles besser.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 05.10.2011 | 14:52

Artikel nicht gelesen?

Es geht darum, dass die Verlage mit Wissen Geld machen, das bereits mit Steuergeldern finanziert wurde, sich für die Veröffentlichung zusätzlich noch bezahlen lassen (ergibt Steuerermäßigung für den Schreibenden) anstatt zu bezahlen und dieses doppelt bezahlte Wissen dann - gegen Steuergelder - der (begrenzten) Öffentlichkeit zugänglich machen.

Oder anders gesagt:
Sie bauen ein Haus, bezahlen eine Verwaltungsgesellschaft für die Betreuung, ziehen dort selbst ein und müssen dann auch noch Miete zahlen.

Im übrigen: welche Finanzierungsart würden Sie den für ein weltweites frei verfügbares Wissensarchiv vorschlagen, wenn nicht Steuergelder?

Avatar
Ehemaliger Nutzer 08.10.2011 | 15:00

@ gerhard monsees schrieb am 03.10.2011 um 17:38

Die Produktion von Wissen, sei es als Formel, als Technologie, als Produkt,... erscheint unter kapitalistischen Bedingungen nur als ein Mittel zur Warenproduktion.

Das wird im Artikel unter den spezifischen Bedingungen des kapitalistischen Produktionsprozesses wissenschaftlicher Verlage untersucht.

Ob steuerfinanziert oder aus dem Unternehmensertrag finanziert ist insofern egal, da es unter kapitalistischen Bedingungen diese immer bloß reproduziert.

Das wird aber nicht endlos gehen und an der Nichtbewältigung dieser Produktion wird der Kapitalismus scheitern. Leider sind wir zwangsläufig kapitalistische Wesen und so sieht das Ende des Kapitalismus für uns nicht komfortabel aus.

"Singularität oder Weltendämmerung" nennt es Ian Morris in "Wer beherrscht die Welt".