Das Ende eines Satirikertraums

George W. Bush Mit George W. Bush verlässt am 20. Januar ein großer Komödiant die Bühne der Weltpolitik - ein Nachruf
| The Guardian

Lenny Bruce sagte einmal, nach der Ermordung Kennendys habe man auf dem Friedhof in Lexington zwei Gräber ausgehoben, eins für Kennedy und das andere für Vaughn Meader. "Für wen?", fragen Sie sich jetzt vielleicht? Nun, das genau ist der springende Punkt. Meader war seinerzeit der führende Kennedy-Imitator. Wer kennt den heute schon noch?

The Bush Era, sorry: Error

Wenn George Bush schließlich das Weiße Haus verlässt, wird die Satire-Industrie der restlichen Wirtschaft schnell in die Rezession folgen – das Ende einer Ära. Wenn Amerikaner „Ära“ sagen, hört es sich an wie „Error“ – eine phonetische Analogie, die dem Satz, mit Bushs Abschied aus dem Weißen Haus ende eine der größten Ären in der amerikanischen Präsidentschaftsgeschichte eine gänzlich neue Bedeutung verleiht.

Wir dürfen nicht vergessen, dass er eigentlich gar nicht gemeint war, sondern das Schicksal aus Unachtsamkeit den falschen Bruder ausgesucht hat. Der Oberste Gerichtshof erledigte dann den Rest. Marx sagte einmal, die Geschichte wiederhole sich, ereigne sich zuerst als Tragödie, dann als Farce. Bush schaffte beides auf einmal und produzierte dabei großartige Vorlagen für Imitatoren und Comedians auf der ganzen Welt. Es war wie mit einem Gewehr in einem Bottich Fische zu fangen: Schultern beugen, Ellbogen ausstrecken, schmollen wie ein Schimpanse, verwirrt aus der Wäsche gucken und losreden, in kurzen Sätzen und dabei Wörter wie „Leute“ benutzen. Das genügte schon, um die Leute zum Lachen zu bringen, um sie auf die eigentliche Pointe einzustimmen. „Es hieß, es gebe keine Verbindung zwischen dem Irak und Al-Qaida. Jetzt gibt es sie.“ „Ich habe eine Nachricht für diese Selbstmordattentäter. Wir werden euch finden.“ Er war sich selbst der schlimmste Feind und beste Satiriker. Es war schwer, mit ihm mitzuhalten.

Zu allem fähig, oder besser: unfähig

Bush hat viel von einem Clown: eine lustigen Art zu gehen, ein unschuldiges Aussehen und komödiantisches Talent. Er ist zu allem fähig. Oder besser „unfähig“? Und trotzdem war es, der zuletzt lachte: volle acht Jahre an der Spitze der mächtigsten Militärmaschine der Welt (wenn man die Chinesen mal nicht mitzählt, und Bush würde Ihnen womöglich weismachen, dass deren Soldaten ohnehin nur aus Terracotta sind. Denken Sie nur einmal! Weitere vier Jahre Bush und wir wären womöglich Zeugen eines Terracotta-Krieges geworden!)

Seine Amtszeit wurde von zwei der größten Krisen eingerahmt, die sein Land je erlebt hat: dem elften September und der Finanzkrise, die im Jahr 2007 begann. Ohne Zweifel hat George W. Bush seine Spuren hinterlassen – im Irak, im Ozonloch, in der Wall Street. 2001 übernahm er einen Haushaltsüberschuss von 218 Milliarden Dollar, die Prognose für 2009 liegt bei einem Defizit von 482 Milliarden. Das muss man erst einmal hinkriegen.

Hölzern und hohl - ein trojanisches Pferd eben

Das gilt gleichermaßen für die Leistung, das Mitgefühl, welches den USA nach den Anschlägen 2001 entgegengebracht wurde, in Argwohn und Feindseligkeit in großen Teilen der arabischen Welt zu verwandeln. Es greift zu kurz, ihn auf die Fauxpas und Versprecher zu reduzieren – das hieße, ihn zu unterschätzen. Er war in vielerlei Hinsicht ein trojanisches Pferd. Von den offensichtlichen Ähnlichkeiten – hölzernes Auftreten, unscheinbares Aussehen und ein hohler Schädel – einmal abgesehen, war er als Ablenkungsmanöver für die Machtübernahme der Neokonservativen wie geschaffen.


Übersetzung: Holger Hutt

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Geschrieben von

Rory Bremner | The Guardian

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