Sergej Lawrow
08.04.2014 | 15:08 36

Deeskalation beginnt mit Rhetorik

Lawrow In einem Gastbeitrag für den „Guardian“ schließt der russische Außenminister baldige Gespräche mit der Ukraine, den USA und der EU nicht mehr aus

Deeskalation beginnt mit Rhetorik

Foto: Vasily Maximov / AFP

Die tiefe Krise in der Ukraine bereitet Russland große Sorgen. Wir können die Lage eines Landes sehr gut nachvollziehen, das vor 20 Jahren unabhängig wurde und sich beim Aufbau eines souveränen Staates noch immer komplexen Herausforderungen gegenübersieht. Dazu gehört ein Ausgleich der Interessen zwischen den verschiedenen Regionen, deren Bewohner unterschiedliche historische und kulturelle Wurzeln haben, verschiedene Sprachen sprechen und aus unterschiedlichen Perspektiven auf ihre Vergangenheit, Gegenwart und den künftigen Platz ihres Landes in der Welt blicken.

Angesichts dieser Umstände hätten externe Kräfte daraufhin wirken müssen, der Ukraine bei der Stabilisierung des noch immer fragilen inneren Friedens zur Seite zu stehen. Russland hat mehr getan als jedes andere Land, um den unabhängigen ukrainischen Staat zu unterstützen und dessen Wirtschaft viele Jahre mit niedrigen Energiepreisen gefördert. Als die jetzige Krise im November ihren Anfang nahm, bekräftigten wir Kiews Wunsch nach schnellen Konsultationen zwischen der Ukraine, Russland und der EU, um die Harmonisierung des Integrationsprozesses zu diskutieren. Brüssel lehnte dies kategorisch ab. Dies spiegelte eine unproduktive und gefährliche Haltung wider, wie sie die EU und USA schon vordem eingenommen hatten. Es wurde versucht, die Ukraine zu einer schmerzhaften Entscheidung zwischen Ost und West zu drängen, und dadurch zu einer weiteren Vertiefung interner Differenzen beigetragen.

Vorschläge abgewiesen

Ungeachtet der in der Ukraine herrschenden Realitäten wurden politische Bewegungen, die eine Einflussnahme des Westens begünstigen, massiv unterstützt. Dies geschah überdies unter Bruch der ukrainischen Verfassung: Auf Druck der EU war schon 2004 Viktor Juschtschenko in einem dritten Wahlgang zum Präsidenten gewählt worden, obwohl dies in der Verfassung nicht vorgesehen war.

Im aktuellen Fall nun wurde die Regierungsgewalt in Kiew auf undemokratische Weise durch gewaltsame Straßenproteste ergriffen, an denen sich Minister und offizielle Vertreter der USA und verschiedener Ländern der EU beteiligten.

Behauptungen, Russland habe die Bemühungen um die Stärkung von Partnerschaften auf dem europäischen Kontinent untergraben, entsprechen nicht den Tatsachen. Im Gegenteil hat sich unser Land beständig für ein System der gleichen Sicherheit für alle im euro-atlantischen Raum stark gemacht. Wir haben vorgeschlagen, dies in einem Vertrag festzuhalten und uns für die Schaffung eines gemeinsamen Wirtschafts- und Gesellschaftsraums vom Atlantik bis zum Pazifik ausgesprochen, der auch für andere Mitgliedsstaaten der Sowjetunion offen stehen sollte.

Statdessen haben die westlichen Länder trotz wiederholter gegenteiliger Bekundungen die NATO immer stärker ausgeweitet, die militärische Infrastruktur des Bündnisses nach Osten verlagert und mit der Umsetzung von Plänen zur Raketenabwehr begonnen. Das EU-Projekt Östliche Partnerschaften dient dem Zweck, sogenannte Schwerpunktländer eng an sich zu binden, und die Möglichkeit einer Zusammenarbeit mit Russland zu verhindern.

Krasse Doppelmoral

Wenn diejenigen, die die Sezession des Kosovo von Serbien und Mayottes von den Komoren betrieben haben, den freien Willen der Krim-Bewohner infrage stellen, kann man dies nur als krassen Fall von Doppelmoral betrachten. Nicht weniger besorgniserregend ist, dass so getan wird, als sehe man nicht die Gefahr, die von Extremisten und Neo-Nazis für die Zukunft der Ukraine ausgeht.

Russland unternimmt alles in seiner Macht Stehende, um in der Ukraine schnell eine Stabilisierung herbeizuführen. Wir sind fest davon überzeugt, dass dies erreicht werden kann durch:

  • eine echte Verfassungsreform, die die legitimen Rechte aller ukrainischen Regionen gewährleistet und auf Forderungen aus dem Südosten eingeht, Russisch zur zweiten Amtssprache des Landes zu machen.

  • der Verankerung einer Sicherheitsgarantie für einen neutralen Status der Ukraine in den Gesetzen des Landes, wodurch seine Rolle als Verbindungsglied in einer unteilbaren europäischen Sicherheitsarchitektur sichergestellt würde.

  • sofortige Maßnahmen, um der Aktivität illegaler bewaffneter Formationen des Rechten Sektors und anderer ultranationalistischer Gruppen Einhalt zu gebieten.

Keine Grundschule

Wir zwingen niemandem etwas auf. Wir sehen nur, dass die Ukraine ohne diese Schritte noch tiefer in die Krise gerät und dies unabsehbare Folgen hätte. Wir stehen bereit, uns an internationalen Anstrengungen zum Erreichen dieser Ziele zu beteiligen. Wir unterstützen den Vorschlag der Außenminister Deutschlands, Frankreichs und Polens, das Abkommen vom 21. Februar umzusetzen. Ihr Vorschlag – Gespräche zwischen Russland und der EU mit der Ukraine und anderen Staaten der Östlichen Partnerschaft über die Konsequenzen des EU-Assoziierungsabkommens zu führen – entspricht unserer Position.

Die Welt von heute ist keine Grundschule, in der Lehrer willkürlich Strafen verhängen. Aggressive Erklärungen, wie jene, die auf der NATO-Außenminister-Tagung am 1. April in Brüssel zu hören waren, passen nicht zur Forderung nach Deeskalation. Deeskalation sollte mit Rhetorik beginnen. Es ist Zeit, nicht weiter unbegründet Spannungen zu schüren und zu ernsthafter gemeinsamer Arbeit zurückzukehren.

Kommentare (36)

Columbus 08.04.2014 | 17:18

So viel Witz und rhetorische Flexibilität hätte ich dem russischen Außenminister gar nicht zugetraut. Gut, dass der dF noch Syndication-Partner hat. Gut, dass irgendwer (?) den Text flüssig übersetzte.

Allerdings werden solche Botschaften wohl nur noch einer Teilöffentlichkeit serviert, die sich mit nichtssagenden und rhetorisch schlechten Aussagen unseres Außenministers und der Kanzlerin vollauf zufrieden gibt.

Beste Grüße

Christoph Leusch

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Ehemaliger Nutzer 08.04.2014 | 18:37

In diesem Tonfall und aus dieser Grundüberzeugung handelt und spricht die russische Diplomatie nun schon seit bestimmt 10 Jahren.

Allein, es fruchtet nicht, weil der Westen die offene Hand immer wieder ausschlägt, ja sie nicht einmal sieht. Solche Texte sind in Transatlantikerhirnen der Aufruf zur Gewalt aus der Feder einer finsteren Diktatur. Dabei ist das Gegenteil richtig. Die westliche "Diplomatie", die es allen Ernstes fertig brachte, die innerlich zerrissene Ukraine vor eine Wahl zwischen Ost und West zu stellen, ist eine Katastrophe, nicht die russische. Und wenn Russland aus der Ignoranz gegenüber dem Inhalt solcher Texte (es ist nicht der erste) und dem Verbrennen der westlichen Glaubwürdigkeit seine Schlüsse zieht - was tut der Westen dann? Genau: Er beschimpft Russland. Und wie soll es Lawrow als Diplomat denn finden, wenn westliche Außenminister, um eine ganzheitliche Lösung des Ukraineproblems zu besprechen, es fertig bringen nach Kiew reisen statt nach Moskau?

Ein bisschen einfältig vielleicht?

Costa Esmeralda 08.04.2014 | 20:57

Warum geht auf solche Angebote die deutsche und europäische Diplomatie nicht ein und macht sich endlich unabhängig von der Bevormundung durch das US-Imperium.

Wann legen wir endlich die US-Büttel-Rolle ab?

Der europäische politische, wirtschaftliche und kulturelle Raum braucht Russland, wie Ukraine und auch die Türkei.

Berlin, wann füllt sich Dein leerer Wasserkopf mit Geist?

Wir dürfen Soros, Fischer und die Grünen (siehe Sönke Paulsens Beitrag über die Soros-Machine) nicht bei ihrem Bestreben unterstützen, die Welt für das internationale Kapital freizuschaufeln.

LG, CE

kaygeebee 08.04.2014 | 21:04

Wie weit wir doch gekommen sind... die Stimme der Vernunft kommt aus Moskau und deren Position und Interessen sind deutlich verständlicher sowie friedlicher als die der USA/NATO (NordAtlantische TerrorOrganisation).

Lawrow macht hier einen besonneneren und respektableren Eindruck als unsere Scharfmacher in der EU. Natürlich hat Russland auch seine Interessen und will diese auch durchsetzen, nur schreit man dort nicht sofort nach einer bewaffneten Intervention.

schna´sel 08.04.2014 | 21:28

Echt wohltuend, so einen Artikel in einer überregionalen deutschen Zeitung lesen zu können.

Bei mit hatte die einseitige Darstellung der Ereignisse in der Ukraine zu einem echten Vertrauensverlust in die unabhängige Presse geführt. Ich hab überhaupt keine Lust mehr, Artikel zu diesem Thema in einem unsrer so genannte Leitmedien zu lesen oder die Berichterstattung im TV zu verfolgen. Ich bin wirklich der Meinung, dass das, was sich da ist in den letzten Monaten abspielt einen Schaden hinterlässt, der schwer zu reparieren sein wird. Um so dankbarer bin ich für die Möglichkeit, dieses Forum zu nutzen, das ich eigentlich gerade erst entdeckt habe.

navigant 08.04.2014 | 22:32

Das Hoffnungsvolle in den Systemmedien sind doch die Leserkommentare, die den klaren Disconnect zwischen systemgesteuerten Medien und der Meinung der denkenden Leserschaft offenbart. In der FAZ wächst wohl so langsam schon die Angst davor, die Rolle des Neuen Deutschland in der DDR zu übernehmen. Das hat auch kaum jemand gelesen, aus dem gleichen Grund. Deshalb immerhin ein kleiner Hoffnungsschimmer, der aber wohl ein Schimmer bleiben dürfte...

http://blogs.faz.net/wost/2014/04/06/die-schlafwandler-deutsche-medien-der-krim-krise-953/

solnyshko 08.04.2014 | 22:42

Es ist nicht die erste Botschaft dieser Art von Lawrow. Ähnliche Worte fielen bereits mehrmals am Anfang März. Bevor die Krim-Krise richtig ausbrach. Aber die Medien im Westen zeigten diese Ansprachen einfach nicht. Nur sämtliche russischen Medien (hiermit meine ich nicht nur zensierte Staatssender, sondern alle) veröffentlichten dies. Außerdem ist es doch keine Propaganda, wenn man ohne Kommentare einfach eine öffentliche Ansprache einer Amtsperson transliert.

Dadurch, dass ich russisch, ukrainisch, deutsch und englisch verstehe und mich entsprechend vielerseits informiere, bin ich über einseitige, tendenziöse und teilweise gelogene (mit Absicht oder ohne) Berichterstattung in den deutschen Medien verzweifelt. Nicht nur weil ich richtig informiert werden will, sondern auch durch das hilflose Zuschauen, wie sich unumkehrbare Ereignisse überstürzen und wie viel bereits nicht mehr einfach zurecht zu biegen ist.

inselfan 08.04.2014 | 22:44

Ja, wenn man vom Rothschildt Clan die Vorgaben bekommt, hilft nur noch der Meinungsgleichrichter und Glättungskondensator. Alle noch verbleibenden Meinungsabweichungen müssen mit dem Lügendetektor in das System eingepaßt werden. Das ist dann das, was die Mainstrommedien präsentieren: Einen sauberen Gleichstrom, der mit der Vielfalt des Originals nichts, aber auch gar nichts, mehr zu tun hat!

schna´sel 08.04.2014 | 23:08

Hallo Navigant. Vielen Dank für den Link. (Der übrigens nicht direkt funktioniert.) Interessanter Artikel. Und auch mehr als nur ein Schimmer, wie ich finde. Das ist schon ein Stück weit der Klartext, den man sonst so sehr vermisst in der letzten Zeit. Absurd, dass ein eher konservatives Medium wie die FAZ liberaler schreibt als die traditionell liberalen Blätter. Verkehrte Welt.

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Ehemaliger Nutzer 09.04.2014 | 08:22

Nicht nur weil ich richtig informiert werden will, sondern auch durch das hilflose Zuschauen, wie sich unumkehrbare Ereignisse überstürzen und wie viel bereits nicht mehr einfach zurecht zu biegen ist.

zum glück geht es immer mehr menschen so ... als "gegenschlag" werden jedoch auch die lügen und nicht-informationen immer raffinierter ... um die verwirrung und desinformation als normalzustand von manipulation salonfähig zu machen ... es bleibt ... immer mehr ... aufgabe jedes einzelnen sich dem zu stellen >>> ich hoffe, dass dieser "nebeneffekt" dabei entstehen kann >>> für mich ist selbstverantwortung und selbstdenken DIE herausforderung der gegenwart - jeden einzelnen tropfen gehirnwaschmittel durch selbstentsorgung klar zuspülen >>> ich fürchte, es wird ein riss durch die gesellschaft gehen >>> zwischen menschen, die zu diesen aufwendigen job bereit sind und denen, die sich gern weiter ihren kopf von anderen "kraulen" lassen

Frank Linnhoff 09.04.2014 | 11:41

Ein aufschlußreicher Artikel des russischen Außenministers, in welchem er die Positionen seiner Regierung klar und deutlich ausspricht. Andererseits wäre es naiv anzunehmen, dass der russische Geheimdienst die "prorussischen Demonstranten" in der Ostukraine nicht unterstützt. Es wird von allen Beteiligten mit sehr harten Bandagen gekämpft; da gibt es kein Fairplay mehr, wenn es dies je gegeben hat. Eines scheint schon jetzt gewiß zu sein, einen EU-Beitritt der Ukraine wird es in absehbarer Zeit nicht geben, einen NATO-Beitritt schon gar nicht. Sehr wahrscheinlich wird es den USA nicht gelingen, die Mehrheit der EU-Länder zu echten Sanktionen gegen Rußland zu veranlassen. Bis zur Wahl eines neuen ukrainischen Präsidenten und einer gewählten ukrainischen Regierung wird alles in der Schwebe bleiben.

Aussie42 09.04.2014 | 12:05

Ich kann Lavrov nur zustimmen. Aber nuetzt das was?

Wenn man im Guardian die Leserkommentare liest, wird einem sehr schnell klar, dass die westliche Propaganda zumindest in UK geglaubt wird. Dagegen hat Lavrov keine Chance. Die "Annexion der Krim" wird als "Beweis" fuer die expansiven Plaene Russland gesehen. Schluss.

Ich denke, wenn in einer deutschen Mainstream-Zeitung der Artikel veroeffentlich wuerde, waeren die Reaktionen nicht anders.

Etwas klomplexer zu denken ist ja auch schwierig.

toxicbuddha 09.04.2014 | 16:06

Der Beitrag mit den meisten Zustimmungen scheint dieser Kommentar zu Herrn Lawrows Text zu sein:

I could not agree more. If only NATO and the EU had stayed out in the first place this need not have happened.

Mir scheint, auch die Leser in GB sind mehrheitlich imstande, die Propaganda - nicht des "Westens", sondern der USA und ihrer EU-Büttel - zu durchschauen und die wahren Verantwortlichen für die Spaltung Europas und die Inszenierung eines Bürgerkriegs (nach Nordafrika und nach dem Nahen Osten) in Europa zu erkennen. Dass gerade in GB die Geheimdienste rühriger in den Leserforen sind, sollte man auch berücksichtigen. Laut Snowden haben sie ja u. a. Facebook und Twitter genutzt, um Unruhen zu stiften.

http://german.ruvr.ru/news/2014_04_07/Geheimdienste-des-Westens-trieben-Propaganda-uber-Sozialnetzwerke-Snowden-3967/

Mister Lovely aka Obama könnte sich böse verrechen. Nicht nur, weil Russland hier als Underdog erscheint, sondern weil das Ausmaß der Gleichschaltung der Presse die Leser empört. Selbst einzelne Journalisten sind schon angewidert (siehe FAZ-Kritik an Klebers Verhalten gegenüber dem Siemens-Chef). Die deutsche Presse verspielt hier - mit Ausnahmen - den letzten Kredit. Bei mir hat Russland sehr an Sympathien gewonnen, und ich weiß nun - nicht aus den Mainstream-Medien wesentlich mehr über Ukraine und Russland als vorher. Wenn die Medien hier versuchen, Mauern zwischen den Menschen aufzubauen, sollten wir uns weniger darüber ärgern, sondern für uns selbst das Gegenteil tun!

janto ban 09.04.2014 | 18:37

Das hört sich ja gut an. Soll man das glauben dürfen oder ist ein Text des russichen Außenministers in einem irgendwie westlichen Medium dieser Tage per se P-Wort..?

Lawrows Hauptvorderungen (diesen drei •) sollte man eigentlich begegnen können. Obwohl das hier...

|| Verankerung einer Sicherheitsgarantie für einen neutralen Status der Ukraine in den Gesetzen des Landes, wodurch seine Rolle als Verbindungsglied in einer unteilbaren europäischen Sicherheitsarchitektur sichergestellt würde ||

...ziemlich verquirlt daherkommt.

Russland wolle eine regional-föderal organisierte Ukraine, heißt es in den hiesigen Medien immer. Und es ist doch gerade die Angst des Westens, dass Russland sich an einer föderalisierten Ukraine nachträglich noch "bedienen" könnte, wie an der Krim. Obwohl man mit dieser Angst andererseits natürlich auch leben können müsste..

Am Montag hieß es aus dem russischen Außenministerium jedenfalls:

|| "Das ukrainische Volk verlangt von Kiew klare Antworten auf alle Fragen." Die Führung in Kiew müsse unverzüglich ihre "unverantwortliche Einstellung zum Schicksal des Landes" ändern || spiegel.de

Das hatte ich noch als spärlich chiffrierte Drohung verstanden. Wäre ja schön, wenn ich mich geirrt hätte. Aber an der Deeskalation der Lage in der (Ost-)Ukraine scheint Putins Russland vorerst kein sonderliches Interesse zu haben.

Dabei ist Russland der einzige Player, der es momentan mit wenigen, offiziellen Worten könnte. Spricht sie aber nicht. Sieht eher so aus, als dürfe die Ukraine keine handlungsfähige Regierung bekommen, die nicht Kremls Segen hat. Was der Ukraine genauso wenig gut tut, wie die fragwürdige Enthebung Janukowitschs. Die ja sogar in unseren Medien durchaus als "Sturz" bezeichnet wird. Powered by USA. (Das waren jetzt meine Worte.)

Aber ein hoffnungsvoll stimmender Zwischenruf, Herr Lawrow. Gar keine Frage.

Sikkimoto 09.04.2014 | 19:20

Ich wurde ja nun oft genug als Putinversteher und Russlandfreund diffamiert, aber ganz so blauäugig wie das hier Usus ist sollte man an einen solchen Text dann doch nicht gehen. Um mal ein Beispiel herauszugreifen: "Auf Druck der EU war schon 2004 Viktor Juschtschenko in einem dritten Wahlgang zum Präsidenten gewählt worden, obwohl dies in der Verfassung nicht vorgesehen war."

Das die Abstimmung wiederholt wurde, lag nicht primär an der bösen EU, sondern am massiven Wahlbetrug in der Wahl zuvor. Ich habe keine Ahnung ob die Ukrainische Verfassung einen entsprechenden Passus hat, aber das eine solche Wahl wiederholt wird, erscheint nur gut und richtig. Beschlossen wurde die Wiederholung übrigens vom obersten ukrainischen Gerichtshof, also den Chefauslegern der Verfassung.

mymind 09.04.2014 | 20:58

...Ich denke, wenn in einer deutschen Mainstream-Zeitung der Artikel veroeffentlich wuerde, waeren die Reaktionen nicht anders.

Das sieht z.Zt hierzulande anders aus & grenzt an Wunder. Aktuell ist zu beobachten, dass die Kommentare in den MS-Medien mehrheitlich eben nicht die gewünschte Propaganda-Position vertreten, sondern sich sehr kritisch bis abgegessen bis verächtlich darüber äußern. Die Reaktionen lassen zwar keine Rückschlüsse auf die allgemeine Mehrheit zu, sind dennoch ein Phänomen, das etliche Leitmedien beschäftigt. Tw. artet dies in Vorwürfen aus, dass die meisten Kommentatoren aus Moskau gesteuert wären etc.

Interessant zu verfolgen, wie derart lächerliche als auch hilflose Erklärungen dazu herhalten müssen, die eigene Propaganda aufrecht zu erhalten. Die Macher werden nervös & das ist gut so!

janto ban 09.04.2014 | 23:01

|| Tw. artet dies in Vorwürfe aus, dass die meisten Kommentatoren aus Moskau gesteuert wären ||

Fragt sich halt, wie man "steuern" auslegt.

Ich habe ein bisschen Angst, dass sie in Neubrandenburg und Jena auch bald die Verwaltungen stürmen und gen Osten um Hilfe rufen. Immerhin ist das kapitalistische Unrechts-System 1989 ohne zu fragen einmarschiert und hat das (Wir-sind-das-)Volk auf hinterhältigste Weise annektiert.

Das ist - einschließlich meiner Angst - zwar alles nicht wahr, aber was heißt das dieser Tage schon..

Aussie42 09.04.2014 | 23:06

Hi,

Ich will mit Dir nicht streiten. Wenn Deine Wahrnehmungen zutreffen, wuerde ich mich freuen. Ich habe (natuerlich) nicht alle Kommentare gelesen, aber auch einige Lavrov zustimmende gesehen.

Natuerlich gibt's auch in UK Kritik an den Geheimdienst-Praktiken der Regierung. Aber insgesamt scheinen mir kritische Kommentare (oder Medienberichte) zur Haltung der USA in der Ukraine doch eher in der Minderheit zu sein.

Gut, kritischer als in Australien geht's in UK-Medien allemal zu. Keine Frage.

Greeting from Hyde-Park to Hyde-Park.

mymind 09.04.2014 | 23:13

Hey Janto, mach doch nicht alles öffentlich...;-)

Wenn morgen zig Steuergelder verballert werden, um diese Einrichtungen zu schützen, dann wissen wir, bei wem wir uns bedanken können! Noch ernthafter wird es aber für Dich, wenn die Radikalnationalisten ihren Plan vereitelt sehen, au weia...

Aber don´t worry, dafür stehen wir bzw. ich Dir bei _ trotz manchen Unsinn, den Du hier verbreitest... .;-)

janto ban 09.04.2014 | 23:41

|| mach doch nicht alles öffentlich ||

Doch. Die Welt muss es erfahren..!!

Aber mal Spaß beiseite. Warum soll ich mich denn zwischen dem lupenreinen Demokraten und der kackbraunen Pest entscheiden..? Muss ich doch Gott sei Dank nicht.

Ich bin im Ukraine-Konflikt keine Partei. So könnte ich es sagen. Dem Agieren des sog. Westens, allen voran der USA, stehe ich doch selbst einigermaßen fassungslos gegenüber. Das muss ich doch nicht immer wieder betonen..

Und dass die sog. Mainstream-Medien in dieser Sache propagandistischer berichten, als z.B. über einen Parteitag der Linkspartei, kann ich beim besten Willen nicht feststellen.

Die Zustimmung für Merkel's Sichtfahrt kam ja immer schon irgendwo her. Aus der Bildzeitung oder den bis zur Unkenntlichkeit des Eigentlichen um Neutralität bemühten Nachrichtensendungen des ÖR zum Beispiel.

Wir müssen alle mehr WDR5 hören. Ich kann es nur immer wieder sagen. Das hier ist vom 10.03. (!) download als mp3

mymind 10.04.2014 | 01:13

Also Pletgen erzählt auch viel Unsinn, wenn das Interview zu lange wird. Klitschko als Hoffungsträger ist mehr als platt oder naiv. Ich anerkenne die deutsche Bemühung einen Kontrakandidaten zum US-Szenario überhaupt aufgebaut zu haben, aber bitte: Gab es da keine politisch ernstzunehmendere Persönlichkeit? Oder wird Politik inzwischen nur noch als Kampf-, Sport- & Unterhaltungs-Entertainment verstanden?

Fragt sich dann wirklich wer & welche Kultur irgendwie fortschrittlich rückständig ist...

janto ban 10.04.2014 | 21:18

Ich hatte mir das gestern Abend auch nochmal angehört und konnte mir genau vorstellen, an welchen Stellen du mit dem Kopf schütteln würdest :o)

Aber Pleitgen weicht da vom Skript ab, welches besagt, dass zu den Meinungen A und B auch die Meinungen C und D gehören.

Aussie schreibt oben: "Denken ist anstrengend, vor allem, wenn einem der Nachbar nicht zustimmt und der Kollege auf Arbeit auch ne Meinung aus Bild hat." Das gleiche gilt für meine Begriffe aber auch allzu oft hier. Wir sind hier ja auch eine Ingroup. Und frag mich mal, was man zu erwarten hat, wenn man im Einzelfall die Erwartungen nicht erfüllt..

Frag mal ;o)

mymind 11.04.2014 | 21:36

Weißt Du Janto, wenn irgendwelche Kollegen ne Meinung aus Bild haben, einige meiner aus SPON, Zeit, ARD,ZDF & COKG _ was nahezu bez. spez. Themen identisch ist, dann schüttele ich auch mit meinem Kopf & diskutiere hin & wieder auch darüber. Schnell kommt die Erkenntnis, dass deren Einschätzungen rein aus der Speisung vorgenannter Medien beruhen, berechtigte Fragen entweder ein grosses Fragezeichen oder Plattitüden aber auch Nachdenken auslöst. Ich erwarte von niemandem, dass er politisch derart interessiert ist, dass er auch mal abends oder am WE im Netz im Sinne einer weiteren Erkenntnis recherchiert statt auf U-Seiten.

Von Politikern erwarte ich da mehr _ so wie ich von jedem Berufszweig erwarte , einschließlich meinem, dass die Vertreter ihre Aufgaben gut, anständig, überlegt & kritisch reflektierend & nachhaltig machen. Das klingt streng & krass _ I know ;-)_ aber ich reiss mir jeden Tag den Arsch auf, um einen guten Job zu machen, doch jede noch so kleine Unstimmigkeit oder gar ein minimaler Fehler, ein stressbedingtes Übersehen etc. wird sofort aufgebauscht & einem unter die Nase gepopelt. Pardon ? _ vergiss es!

So wie mir geht es Vielen in diesem Land. Ja, auch einigen Politikern! Aber etliche in verantwortlicher Position vollbringen zweifelhafte Ergebnisse, kontraproduktive, gesamtgesellschaftlich auswirkende Entscheidungen, von den unnötigen Provokationen möchte ich erst nicht anfangen, die auf dem ´freien´ Markt schlicht niedergemacht werden würden.

SO _ genug gekotzt _ nun ist WE