Oliver James
31.10.2010 | 11:00 29

Der Code des linken Geistes

Wunschdenken Die politische Rechte liebt Gene – sie sollen Armut und Seelenleiden erklären. Die Forschung kann da nur den Kopf schütteln

Als der Welt 2001 die – oft fälschlich als Entschlüsselung bezeichnete – Sequenzierung des menschlichen Genoms vorgestellt wurde, verbanden viele Psychiater damit große Hoffnungen. Eine Liste und Identifizierung all unserer Gene würde bestimmt molekulare Beweise dafür erbringen, dass die Hauptursache für psychische Krankheiten genetischer Natur sei, was einige Psychiater schon lange vermutet hatten. Die Chefs der großen Pharmaunternehmen bekamen gar feuchte Augen angesichts der massiven Profite, die sie mit speziellen Medikamenten für individuelle Seelenlagen künftig verdienen würden.

Ein Jahrzehnt später jedoch hat das Humangenomprojekt diese Hoffnungen enttäuscht: Wir wissen nun, dass Gene nur sehr wenig zur Klärung der Frage beitragen, warum ein Geschwister, eine gesellschaftliche Schicht oder ethnische Community ein größeres Risiko aufweist, psychisch krank zu werden als eine andere Person oder Gruppe. Dieses Ergebnis war von einer der Schlüsselpersonen des Humangenomprojekts prophezeit worden. Als die Sequenz des Genoms veröffentlicht wurde, sagte Craig Venter, weil wir nur 25.000 Gene hätten, sei es nicht möglich, dass diese großartigen Einfluss auf psychische Unterschiede haben und diese determinieren könnten. „Unsere Umwelt ist entscheidend“, schloss er aus dieser Erkenntnis. Und schon nach nur wenigen Jahren intensiver Gen-Forschung begannen selbst die überzeugtesten Genetiker öffentlich zuzugeben, dass es für die überwiegende Mehrheit psychischer Probleme keine individuell identifizierbaren Gene gibt.

Keine komplexen Kombis

2009 schrieb der führende Verhaltensgenetiker Professor Robert Plomin, es sei erwiesen, dass „genetische Effekte viel kleiner sind als vormals angenommen: die größten Effekte machen nur ein Prozent aller Charaktereigenschaften aus“. Er hielt allerdings nicht für ausgeschlossen, dass der Schlüssel in den komplexen Kombinationen liegen könnte. Bisher hat sich jedoch auch diese Hoffnung nicht bestätigt und es sieht auch nicht danach aus, als würde sich daran noch irgendetwas ändern.

In dem mit „It’s the enviroment, stupid!“ betitelten Editorial der Februar-Ausgabe des Journal of Child Psychology and Psychiatry schrieb Edmund Sonuga-Barke, die „seriöse Wissenschaft“ konzentriere sich nun „mehr denn je auf die Macht der Umwelt.“ Alle, außer den „verbissensten Verfechtern eines genetischen Determinismus“ hätten mittlerweile ihre Meinungen revidiert. In seinem eigenen Forschungsgebiet, der Aufmerksamkeitsstörung mit Hyperaktivität, hat Sonuga-Barke beobachtet, dass „selbst die umfassendsten verfügbaren Untersuchungen des gesamten Genoms, mit tausenden von Patienten unter Verwendung von hunderttausenden von Markergenen!“ nur eine relativ kleine Zahl von Krankheitsbildern erklärten. Gene seien gar nicht in der Lage zu erklären, warum manche Kinder Symptome eines ADHS entwickeln – und andere nicht.

Dies hat auch kürzlich eine viel beachtete Studie von Antia Thapar an der Cardiff University gezeigt. Obwohl die Forscherin mit ihrer Arbeit belegen wollte, dass es sich bei ADHS um eine genetisch bedingte Krankheit handelt, bewies sie wenn das Gegenteil. Nur bei 16 Prozent der Kinder mit ADHS fanden die Forscher jenes Muster von Erbanlagen im Genom, das die Krankheit verursachen soll. Das heißt das nur, dass ADHS in mehr als acht von zehn Fällen definitiv keine genetische Ursache hat.

Eine weitere Theorie wollte in den Genen einen Grund für bestimmte Anfälligkeiten erkennen. So trügen etwa Menschen mit einer bestimmten Gen-Variante, wenn sie als Kind schlecht behandelt worden waren, ein größeres Risiko an Depressionen zu erkranken als Menschen ohne diese Variante. Auch dies scheint heute unwahrscheinlich. Eine Untersuchung an 14.250 Personen ergab, dass die Träger kein erhöhtes Depressionsrisiko aufweisen. Auch nicht, wenn ihre Kindheit eher schwierig gewesen war.

Individuum oder Kollektiv?

Auch epidemiologische Studien bestätigen das: In den Industriestaaten tragen Frauen und Geringverdiener im Vergleich zu Männern und Vielverdienern ein doppelt so hohes Risiko, an Depressionen zu erkranken – ohne dass sie über besondere Gene verfügten. Am wenigsten sind Depressionen in Südostasien verbreitet, obwohl verdächtige genetische Varianten dort am häufigsten auftreten. Daraus kann man nur den Schluss ziehen, dass die Zahl der Depressionen durch das Ausmaß, in dem eine Gesellschaft individualistisch oder kollektivistisch ist, erklärt wird. Und nicht durch Gene. Das gilt auch für den jüngsten Fall: Mitte Oktober berichteten Forscher in Nature Medicine, sie hätten ein neues Depressionsgen gefunden. Einen kausalen Zusammenhang konnten sie in Menschen jedoch nicht nachweisen

Der Grund, warum die Medien dennoch so wenig über die Ohnmacht der Gene berichten, mag politischer Natur sein. Die politische Rechte argumentiert allzu gern, dass Gene erklären können, warum die Armen arm sind und ein doppelt so großes Risiko tragen, psychisch zu erkranken als die Wohlhabenden. Ihnen sind die Armen genetischer Morast, der auf den Grund des Genpools sinkt. Im Jahr 2000 wagte der Politikwissenschaftler Charles Murray eine steile These, die er heute vielleicht bereut. „Die Geschichte der menschlichen Natur, wie Genetiker und Neurowissenschaftler sie uns offenbaren, wird ihrer Gestalt nach konservativ sein.“ Es werde sich zeigen, dass die Gene der Armen Amerikas sich deutlich von denen der Wohlhabenden unterscheiden. „Dies ist nicht unvorstellbar, sondern mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wahr.“ Nun muss es heißen: Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit falsch.

Stattdessen liefert das Humangenomprojekt eine wissenschaftliche Basis für die politische Linke. Gewalt in der Kindheit, ökonomische Ungleichheit und die exzessive Orientierung an materiellen Werten sind demnach die wichtigsten Determinanten für psychische Erkrankungen. Maßnahmen gegen soziale Ungerechtigkeit bleiben das beste Mittel zu ihrer Bekämpfung.

Oliver James ist Autor des Guardian Übersetzung: Holger Hutt Ergänzungen: Kathrin Zinkant

Kommentare (29)

RAJmue 31.10.2010 | 17:07

Sehr geehrter Herr James,
sehr geehrte Frau Zinkant,

vielen Dank für diesen längst überfälligen, klaren Artikel. Aber die Beobachtung reicht ja noch viel weiter. Der Befund nämlich, dass nur ein kleiner Anteil der Varianz eines phänotypischen Merkmals durch die individuelle genetische Konstellation, jedenfalls in der Art wie sie bislang untersucht wird, erklärt wird, erstreckt sich ja auch auf so gut wie alle anderen Dispositionen zu Erkrankungen oder, allgemeiner gesprochen, Reaktionen auf Umwelteinflüsse. Die Modulation multivalenter, intensiv vernetzter genetischer Dispositionen durch die Umwelt im Sinne epigenetischer Weichenstellungen ist zur Zeit ein zentrales, wenn nicht das zentrale Forschungsthema; auch geht ja die moderne Systembiologie bzw. Computational Biology damit völlig konform. Die monogenetischen Erkrankungen, aus denen die in Politik und Medien vorherrschenden vulgärwissenschaftlichen Verarbeiter ihre "Logik" zu beziehen pflegen, stellen die Ausnahme dar; und selbst bei ihnen wird der enorme Einfluss der genetischen Umgebung und der Umwelt auf die individuelle Entwicklung der Erkrankung zunehmend erkannt. Sie dürften darüber hinaus auch für den Lauf der Evolution zumeist sekundär gewesen sein, weil sie eine zu geringe Plastizität beinhalten und primär Pathologien, nicht aber Entwicklungspotenziale liefern.

Was "konservative" oder "rechte" "Denker" angeht, so liegt in der Tat m.E. die Sache denkbar einfach. Man hat ein Interesse daran, dass alles so bleibt, wie es ist, und sich weiter zum eigenen Vorteil entwickelt. Früher war es Gott, der die Welt in diesem Sinne unverrückbar eingerichtet hat, jetzt sind es eben die Gene, die Natur, mithin das Schicksal. Man kehrt damit zur Logik der Antike zurück, wie ja bei einigen publizistischen Protagonisten, die beispielsweise in nietzscheanischen Reminiszenzen schweifen oder über Elite-Stolz bramarbasieren, deutlich zu beobachten ist. Wer bei dieser Art von "Denkern" nachfasst, stößt denkbar schnell auf dasjenige ausgesprochen Schlichte, das sich auch bei den ihnen nur scheinbar kontrastierenden Nichtdenkern ausgeprägt findet; allein Pose und Anspruch sind anders.

Mit freundlichen Grüßen

Avatar
sozenschiss 31.10.2010 | 17:23

Die politische Rechte liebt Gene – sie sollen Armut und Seelenleiden erklären. Die Forschung kann da nur den Kopf schütteln.
-------------------------------------------------------------------------
Ob die politisch Rechte oder sonst wer Gene lieben oder nicht, ist nicht wichtig.
Forschung ist Forschung! Die Ergebnisse werden normalerweise veröffentlich.

Die Forschung schüttelt darüber auch nicht den Kopf, weil Genforschung von ihr betrieben wird.

Den Kopf kann man höchsten über die Interpretation von Genforschungsergebnissen seitens der Rechten schütteln.
Ebenso, wie über die Leugnung von Genforschungserkenntnissen seitens der Linken.

Forschungsergebnisse sind gemeinhin exakt und bedürfen keiner Interpretation, sondern sind reproduzierbar!

RAJmue 31.10.2010 | 18:43

ad sozenschreck

Sehr geehrter Herr, sehr geehrte Dame,

Ihre Bemerkungen erscheinen mir nicht ganz adäquat.

Es ist trivial, dass jedes wissenschaftliche Ergebnis der qualifizierten Interpretation bedarf. Genau daran mangelt es aber i.d.R. politischen Protagonisten und ihrem Gefolge, und zwar nach meiner Beobachtung i. A. auf der "rechten" deutlich mehr und häufiger als auf der "linken" Seite. Das mag etwas damit zu tun haben, dass sich "Denken" nach wie vor eher "links" als "rechts" findet.

Um die qualifizierte Interpretation ging es in dem Artikel. Die unlängst vorgeführte Genetik-Kultur-Farce und die ungeheure öffentliche Resonanz gehen mit der jedem Wissenschaftler wohlbekannten Tatsache konform, dass die meisten Menschen sich in ihrem Denken nicht durch eine der Wissenschaft angemessene Genauigkeit auszeichnen. Viele ziehen allerdings daraus nicht den Schluss, sich entweder solide fachkundig zu machen oder aber des Urteils zu enthalten.

Zum anderen, und das ist der wichtigere Punkt, sind Forschungsergebnisse nicht "exakt" in irgendeinem nichttrivialen Sinne; das gilt nicht einmal für die Physik. In genetischen Analysen beispielsweise hängt das Ergebnis, wie weit externe Einflüsse eine Rolle spielen, in hohem Maße von der Population und Umwelt ab, die man wählt. In einer homogenen Umwelt, die auf alle Individuen ungefähr den gleichen Einfluss ausübt, kommt naturgemäß der genetische Faktor stärker zum Tragen als in einer heterogenen Umwelt. Es ist aber extrem schwer, a priori homogene Umwelten zu definieren, wenn man nicht weiß, wo die sensiblen Einflussfenster liegen. Nicht einmal genetisch identische Tiere verhalten sich im Versuch gleich. Zum Umwelteinfluss hinzu kommen unbeabsichtige Auswahleffekte der untersuchten Population beim Menschen. Im Verein damit zeichnen sich, wie jedem an solchen Analysen Beteiligten bekannt, genetische Assoziationsstudien gerade notorisch durch ein hohes Maß an Nichtreproduzierbarkeit aus, und das hat zur deutlichen Anhebung der Qualitätstandards geführt, die man inzwischen an solche Studien legt. Man ist immer froh, wenn sich einmal ein Genkandidat als reproduzierbar assoziiert herausstellt, aber das ist eben oft nicht der Fall.

Mit freundlichen Grüßen

little Louis 31.10.2010 | 18:52

Zum letzten Absatz von RaJmue um 16.07

Nur gut, dass die Umwelt außer den Denkern des "ausgesprochen Schlichten" und den "bramarbassierenden Nichtdenkern" auch noch einige wenige Exemplare von Denkern der reinen und absoluten Erkenntnis und frei von jedweder ideologischen Voreingenommenheit hervorgebracht zu haben scheint.
Verabscheuungswürdig der Gedanke, dass hierbei die Umwelt auch nur ein Quäntchen sich der (poly-) genetischen Methode bedient haben könnte.
Wir sollten also unsere Umwelt ganz konsequent darauf ausrichten, dass sie nur noch der Kaste der letzteren, über jeglichen Elite -Stolz erhabenen Denkern den gebotenen(Lebens-) Raum zur Verwirklichung bietet.

Doch jetzt im Ernst:der Rat eines KRITISCHEN Linken:

Überlasse die Erforschung der Ursache von Unterprivilegierung zunachst mal den (Natur-) Wissenschaftlern.Selbst diese vermögen es auf diesem Gebiet kaum, sich von "ideologischer Verseuchung" freizuhalten.
Die Aufgabe eines linken und kritisch-humanistischen Politikers/Bürgers sollte es sein, funktionierende Methoden zur Herstellung humaner Verhältnisse für Benachteiligte in der Gesellschaft herzustellen.Und zwar gerade auch dann, wenn sich herausstellen sollte, dass auch "schicksalhaftere Faktoren eine Rollespielen sollten und die Unterprivilegierung nicht nur durch die simple Bereitstellung einer optimierten "Umwelt" zu beseitigen ist.

RAJmue 31.10.2010 | 19:45

ad little Louis

Sehr geehrter Herr,

Kommentar 1 (17:52):

Wer die offenkundigen Ideologeme anderer benennen kann, muss deshalb nicht selbst beanspruchen, die "Wahrheit" zu besitzen, oder sie für eine Gruppe reservieren. Das schiene mir eine eigenartige Schlussfolgerung. Dass die Verbesserung der Verhältnisse eine im genauen Sinne humane Aufgabe und nicht ein Derivat irgendwelcher Wissenschaft ist, darin stimme ich Ihnen zu.

Kommentar 2 (18:04):

Wissenschaft muss immer, schon von Design jeder Untersuchung her, von Annahmen ausgehen, die ihrerseits die möglichen Ergebnisse limitieren, und Ergebnisse lassen in der Regel unterschiedliche Interpretationen zu. Man muss es sich nur eben in jedem Einzelfall klar machen. So wie das Ergebnis einer Umfrage ohne Wert ist, wenn man nicht genau examiniert, mit welchen Fragen welche Leute wie gefragt wurden. Der Einfluss der gerne und rituell beschworenen "political correctness" auf die genetische Forschung beim Menschen dürfte minimal sein. Der Begriff scheint mir im Übrigen eine typische politische Mystifikation Fiktion und wird typischerweise genau in dem Sinne verwendet, den er anderen unterstellt.

Mit freundlichen Grüßen

little Louis 31.10.2010 | 20:35

@ RAJmue um 18.45
Ich wills mal - obwohl Skeptiker - so stehenlassen bzw so "Ggauben". Doch kann ich nicht umhin, auf den gegenwärtigen "Skandal" um den Hirnforscher und "Moralforscher" Stephan Schleim und die diesbezüglichen Mängel bei der "wissenschaftlichen Selbstkontrolle"hinzuweisen. Auch weitere diesbezügliche Vorfälle aus der näheren Vergangenheit dürften Ihnen ja wohl nicht unbekannt sein.
Mit herzlich dunklen Grüßen,
little Louis

PUM 31.10.2010 | 21:23

Tja, hier ist ja richtig was los. Was beweist das? Wie aufregend der Artikel von Oliver James wirkt. Ich wollte nur sagen: Danke, Danke. Dergleichen habe ich zwar gelegentlich gehört und von Anfang an gefühlt, als ich hörte, wie klein die Zahl unserer Gene ist, bzw. wie groß unsere Ähnlichkeit mit Fruchtfliegen. Aber es ist ja nicht nur die Rechte, die genetisch-deterministisch reagiert, sondern jeder, einfach jeder. Nur die nicht, die Fragen nach der genetischen Disposition einfach konsequent ignorieren. Die sind zwar nett, aber helfen einem ja nun auch nicht weiter. Was aber würde daraus folgen, wenn ich damit recht hätte? Doch wohl, dass es mit einem solchen Artikel überhaupt nicht getan sein kann. Es muss an diesem Thema konsequent weitergearbeitet werden, nicht nur von der Forschung, sondern von der öffentlichen Meinung. Denn wie will einer links, rechts oder bloß kompetenter Bürger sein, wenn er keine Ahnung hat. Und dass Sarrazin in der öffentlichen Meinung vernichtend geschlagen und als dummer Scharlatan entlarvt sei, das kann man ja nun wirklich nicht behaupten. Hinter ihm stehen Tausende. (Geisterfahrer.) Um zu konkretisieren, wo Aufklärung über "die Wahrheit hinter den "Genen"" dringend vonnöten wäre, nur eins: James' Artikel ist ja überzeugend, aber wie will er die Fluten an konkreten Nachrichten ungeschehen machen, die uns sagen, dass hier und da und dort (Grippe, Sex, Krebs, Politik, schlechte Manieren, Mundgeruch usw. usw.) irgendwas irgendwo ein Gen hat? Ich habe den Verdacht, dass auch die Wissenschaft mehrere verschiedene Aussagentypern verwendet: die eine meint mit "genetisch", wir haben da ein Ding gefunden, das kann man anfassen und von dem wissen wir, das macht das alles; die zweite meint, wir haben da ein Ding gefunden, das kann man anfassen und von dem glauben wir, das macht das alles (weil es statistisch einigermaßen ebenso häufig vorkommt, wie das was es anscheinend bewirkt); die dritte meint mit "genetisch", das kommt statistisch so häufig vor, dass muss genetisch sein. Welche davon jeweils gemeint ist, wenn der Mensch in der Zeitung liest, dass dies oder das genetisch bedingt sei, muss der Mensch wissen. (Auch wenns vielleicht ein bisschen schwierig ist, das auseinanderzuhalten, oder feststellen zu müssen, dass es es in Wirklichkeit noch ganz anders ist.) Jedenfalls mehr davon, ich bitte drum.
PUM

Ernst 01.11.2010 | 07:34

Der Artikel strotzt nur so von Vereinfachungen. Und das führt notwendigerweise zu ziemlich primitiven und irrigen Schlußfolgerungen.

1) Die Genforschung bezüglich psychischer Merkmale ist noch recht jung; vieles ist noch unerforscht und unklar. Kein ernsthafter Wissenschaftler wird sagen, man hätte das Gebiet nun schon mit eindeutigen und unumstößlichen Wahrheiten ergründet.

2) Was Medien und andere öffentliche Meinungen daraus machen ist häufig nicht das, was der Wissenschaftler wirklich gesagt hat.

3) Besonders gern versuchen Politiker und Ideologen Einzelergebnisse aus der Wissenschaft für ihre eigenen Zwecke umzudeuten und umzubiegen. Der Forscher kann dafür aber nicht verantwortlich gemacht werden.

4) Es ist nicht einfach so, daß bestimmte Wesenszüge, bestimmte Charaktermerkmale und bestimmte Verhaltensweisen irgendwelchen einzelnen Genen zugeschrieben werden. Ein derartiges lineares Denken übersieht die Komplexität der Faktoren und der Abläufe. Die Wechselwirkungen von Genen und Gengruppen und die Interaktionen mit anderen Substanzen bzw. Auslösern lassen sich nicht in simplen deterministischen Aussagen erfassen.

5) Die Anwendung stochastischer Modelle und die Analyse durch vernetzende Betrachtung ist in diesem Gebiet - wie auch in vielen anderen Wissenschaftsbereichen - ein unerläßliches Muß. Simple Kombinatorik würde schon für wenige hundert Gene eine geradezu fantastische Fülle von Möglichkeiten für Aktionen und Reaktionen eröffnen.

6) Die politische Zuordnung nach links-rechts, konservativ-progressiv anhand von medialen Simplifizierungen der Genomforschung führt hier zu einer Schwarzweißmalerei nach dem Motto: Gene~Rechte und Umwelt~Linke. Welch "heilige" Einfalt. Zitat:"Gewalt in der Kindheit, ökonomische Ungleichheit und die exzessive Orientierung an materiellen Werten sind demnach die wichtigsten Determinanten ..." . Es ist eine unzulässige Überspitzung, hier zu folgern, dies sei das Wichtigste. Niemand würde behaupten, diese Dinge seien unwichtig; aber wo ist der Beleg für den Superlativ?

PUM 01.11.2010 | 15:48

An Ernst:
Eben, man muss da näher dran.
Aber wieso "strotzt" der Artikel von Vereinfachungen? Das haben Sie m.E. nicht gezeigt. Und deshalb hilft Ihr Kommentar zumindest in dem von mir gemeinten Sinn nicht wirklich weiter. Außerdem hat RAJmue ja längst Interessantes, aber auch leider sehr viel Sachkenntnis Voraussetzendes, d.h. nich so leicht zu Überprüfendes, hinzugefügt. Strotzt das nun auch und führt zu primitiven und irrigen Schlussfolgerungen? Ich würde mir dazu Klärenderes wünschen.
PUM

ed2murrow 01.11.2010 | 16:57

Man möge mir den vielleicht sehr simplizistischen Zug verzeihen. Dort, wo eine weitaus unvollständige (Natur-)Wissenschaft als Vehikel für politische Aussagen benutzt wird, ist die Parallele zur Handhabung zu sog. „Rassenlehren“ (und der darauf aufbauenden Eugenik) nicht zu weit hergeholt.

www.3sat.de/page/?source=/nano/cstuecke/35903/index.html
mag das verdeutlichen. Der genetische Unterschied, der dort beschrieben wird, habe sich in einigen Millionen Jahren manifestiert, was wiederum von einigen in Zweifel gezogen wird, wenn nicht ein entsprechender Anpassungsdruck „von außen“ mitgewirkt hätte. Und wir reden hier über die unterschiedliche Entwicklung von Homo einerseits, Affen andererseits. Wenn schon die Familienbande unklar sind, wie sieht es da erst innerhalb der Gattung aus? Über Unterschiede, die sich kulturell in nur in wenigen Jahrhunderten genetisch niedergeschlagen haben sollen oder umgekehrt? Da hallt die Rassenlehre selbst noch unüberhörbar nach.

Die Crux liegt in der Unvollständigkeit selbst: Da bestimmte Ergebnisse nach wie vor nicht nur interpretationsbedürftig sondern vor allem –fähig sind, eröffnet sich die Chance, nicht durch Wissenschaft, sondern in deren Verkleidung a-prioristische Zielsetzungen zu verfolgen: Der gute und der schlechte Mensch. Das gelingt ganz gut, wie man an Herrn S. sieht, obwohl die Wissenschaft dagegen hält.

Ein Baustein dieser Entwicklung liegt im System der Forschung selbst: Solange das menschliche Genom der (privaten) Kommerzialisierung via Patent zugänglich ist, solange wird sich selbst seriöse Wissenschaft nicht enthalten können, manchmal recht skurrile Eigenwerbung zu betreiben. Dass dies jedoch nur Partikularinteressen in jeder Hinsicht dient, scheint nun auch die u.s.-Administration gemerkt zu haben, die sich in einem laufenden Rechtsstreit dafür einsetzt (nach mehr als 40.000 bereits erteilten Patenten), das Genom und damit zusammenhängende Verhältnisse von der Patentierbarkeit auszunehmen, siehe www.nytimes.com/2010/10/30/business/30drug.html?_r=1=science

Tier-, Pflanzen- (www.br-online.de/wissen/umwelt/leben-gentechnik-patent-ID1267607069884.xml) und schließlich Menschenzucht, das ist in manchen Phantasien eine Linie. DAS ist, was immer und immer wieder transparent gemacht gehört.

RAJmue 01.11.2010 | 17:04

ad PUM 14:48

Sie haben völlig recht, der Artikel redet nicht der Vereinfachung das Wort, sondern zeigt in verständlicher Sprache und mit anschaulichen Beispielen, dass die Beziehung zwischen Genotyp und Phänotyp viel komplizierter ist, als man sich das je gedacht hat.

Auch ist die Verhaltensgenetik m. W. keine ganz so junge Wissenschaft (es gibt darüber schon Monographien), und vor allem gibt es keinen Anlass zu glauben, dass für sie andere Prinzipien gelten als für die Genetik irgendwelcher anderen Funktionen eines Organismus, denn für die Evolution ist das Verhalten ebenso wichtig wie irgendein körperliches Merkmal. Wenn ich in meinen Kommentaren fachliche Voraussetzungen gemacht habe, so bitte ich Sie zu bedenken, dass es sich um eine Materie handelt, die so komplex ist, dass man m. E. selbst als Wissenschaftler kaum noch einen Überblick beanspruchen kann und weiß, "wo es langgehen wird". Diejenigen, die glauben, dass man erst durch die schrittweise experimentelle Synthese neuartiger Organismen aus elementaren Modulen weiterkommen wird (Craig Venter u.a.), haben durchaus starke Argumente für sich.

Eine entscheidende Erkenntnis auch für medizinische und bio-anthropologische Anwendungen liegt, so glaube ich, darin, sich zu vergegenwärtigen, dass wir das Produkt der Evolution sind. Die Evolution arbeitet aber ganz anders als ein Ingenieur. Es gab in der Zeitschrift der American Academy (PNAS) vor einigen Monaten einen systematischen Vergleich der Genomarchitektur und der Architektur von Computerbetriebssystemen. Beide sind modular (also in gewissem Sinn "ökonomisch") aufgebaut, aber die Hierarchie ist im Computersystem viel stärker ausgeprägt, und die Breite der Redundanz und Parallelität im Genomsystem. Das hat auch damit zu tun, dass das Computersystem extern gewartet und als Ganzes verändert werden kann, hingegen das Genomsystem sich sozusagen selbst warten muss, ganz gleich ob es um die Beseitigung von Fehlern oder die Anpassung geht. Jede Veränderung eines Moduls stösst in unvorhersehbarer Weise auf Interaktionen mit anderen Modulen, welche die Funktionsfähigkeit des Ganzen tangieren können, andererseits aber leichter als in einem Computerbetriebssystem "mit dem Leben vereinbar" sind. In einem Computersystem kann eine Veränderung an einer einzigen zentralen Stelle alles zum "Absturz" bringen. Der Organismus ist "sicherer", dafür aber auch weniger "überschaubar" aufgebaut.

Im Zusammenhang damit können vergleichweise kleine Reorganisationen weitreichende Wirkungen haben. Das hat Konsequenzen auch für evolutive Sprünge; eine simple Verschiebung in den zeitlichen Aktivierungen von Modulen, die für Organbildungen zuständig sind, kann ganz neue Organisationsformen hervorbringen. Man kann das in der modernen Theoretischen Biologie mit strukturellen oder mathematischen Modellen teils nachvollziehen, wie das für den Krallenfrosch, die Seegurke oder auch Drosophila gemacht wurde (Übersicht z.B. Davidson: The Regulatory Genome), aber es handelt sich dabei immer noch um recht einfache Schemata.

Die ungeheure Bedeutung nicht von "Strukturgenen", sondern von regulatorischen Prozessen wird auch durch die Tatsache unterstrichen, dass Mensch und Schimpanse weitgehend genetisch identisch sind bzw. Entsprechungen aufweisen. Es ist so, als ob man ein riesiges Konvolut von Wörtern hat, aus denen man einmal einen Trivialroman und ein anderes Mal ein Werk der "Hochliteratur" (eines, das keinen exklusiven Wortschatz beinhaltet, z. B. Kafka) herstellen kann. Die Statistik der Worthäufigkeiten, der Satzlängen usw. mag völlig gleich sein, aber das Ergebnis ist es offenbar nicht.

Aus Zeitgründen muss isch es dabei belassen. Wenn Ihnen diese Ausführungen jedoch eine Idee davon geben, wie spannend diese Materie ist, würde mich das freuen. Und wenn sie nicht so schwierig wäre, wäre sie ja auch nicht so spannend.

Mit freundlichen Grüßen

little Louis 01.11.2010 | 18:56

@ RAJmue um 16.04
1) Ihrer einer Formulierung im letzten Absatz wohl impliziten These, dass die Komplexität eines Sachverhaltes (oder nur die Komplexität der Darstellung eines Sachverhaltes?) gleichbedeutend sei mit wissenschaftlicher Relevanz oder gar mit dem Grad an Wahrheitsgehalt einer Theorie möchte ich mal ein übergroßes Fragezeichen hintanstellen.
Genauso gut kann zunehmende Komplexität und Unübersichtlichkeit ein Hinweis darauf sein, dass der Theoretiker bzw. Wissenschaftler versucht, Inkonsistenzen der Theorie oder ihr widersprechende Beobachtungsdaten durch immer abenteuerlichere Hilfskonstruktionen doch irgenwie zu bewältigen, bzw diese Mängel so gut es eben geht zu verstecken. Wie sie zweifellos, selbst wissen, empfanden und empfinden zahllose Naturwissenschaftler eine Theorie, d.h. die Erklärung eines (wissenschaftlichen) Sachverhaltes um so "schöner", je "einfacher " sie ist bzw. war.Andere wiederum können beim besten Willen keinen Zusammenhang zwischen dem subjektiven Schönheitsempfinden und der Qualität einer Theorie erkennen.

2) Sie schreiben im 2. Absatz, die Molekulargenetik sei so komplex, dass selbst Wissenschaftler sie kaum noch überblicken, das heißt wohl vollständig verstehen könnten.
Soll das heißen,dass die Molekularbiologen die Ergebnisse ihrer Forschung selbst nicht oder noch nicht (ganz) verstehen,oder nur, dass ein fachfremder Wissenschaftler nicht zur allgemeinverständlichen Erklärung der Ergebnisse der Molekulargenetik in der Lage ist. Und wenn ja, warum sollte das so sein? Ist es nicht so, dass das, was klar ist ( was verstanden wurde), anderen auch klar erklärt werden kann?
Oder gibt es ein Wissen über die Welt, das GRUNDSÄTZLICH nur einer kleinen Elite von besonders befähigten Spezialisten zugänglich ist?
Freundliche Grüße,
little Louis

little Louis 01.11.2010 | 19:10

@ RAJmue um 16.04
1) Ihrer einer Formulierung im letzten Absatz wohl impliziten These, dass die Komplexität eines Sachverhaltes (oder nur die Komplexität der Darstellung eines Sachverhaltes?) gleichbedeutend sei mit wissenschaftlicher Relevanz oder gar mit dem Grad an Wahrheitsgehalt einer Theorie möchte ich mal ein übergroßes Fragezeichen hintanstellen.
Genauso gut kann zunehmende Komplexität und Unübersichtlichkeit ein Hinweis darauf sein, dass der Theoretiker bzw. Wissenschaftler versucht, Inkonsistenzen der Theorie oder ihr widersprechende Beobachtungsdaten durch immer abenteuerlichere Hilfskonstruktionen doch irgenwie zu bewältigen, bzw diese Mängel so gut es eben geht zu verstecken. Wie sie zweifellos, selbst wissen, empfanden und empfinden zahllose Naturwissenschaftler eine Theorie, d.h. die Erklärung eines (wissenschaftlichen) Sachverhaltes um so "schöner", je "einfacher " sie ist bzw. war.Andere wiederum können beim besten Willen keinen Zusammenhang zwischen dem subjektiven Schönheitsempfinden und der Qualität einer Theorie erkennen.

2) Sie schreiben im 2. Absatz, die Molekulargenetik sei so komplex, dass selbst Wissenschaftler sie kaum noch überblicken, das heißt wohl vollständig verstehen könnten.
Soll das heißen,dass die Molekularbiologen die Ergebnisse ihrer Forschung selbst nicht oder noch nicht (ganz) verstehen,oder nur, dass ein fachfremder Wissenschaftler nicht zur allgemeinverständlichen Erklärung der Ergebnisse der Molekulargenetik in der Lage ist. Und wenn ja, warum sollte das so sein? Ist es nicht so, dass das, was klar ist ( was verstanden wurde), anderen auch klar erklärt werden kann?
Oder gibt es ein Wissen über die Welt, das GRUNDSÄTZLICH nur einer kleinen Elite von besonders befähigten Spezialisten zugänglich ist?
3) Zum vorletzten Absatz: Wenn die Unterschiede in den statistischen Strukturmerkmale zweuer "Codes" gleich null sind,
woraus ergibt sich dann der Unterschied in der Qualität von Literatur bzw der (Qalitäts?!! - ) Unteschied zwischen Mensch und Schimpanse? Oder unterscheiden sie zwischen Syntax - und Semantik- Unterschieden?

Freundliche Grüße,
little Louis

Ernst 02.11.2010 | 07:53

PUM schrieb am 01.11.2010 um 14:48

Hi PUM,
unter 6) schrieb ich, daß der Artikel (von Oliver James!) in mehreren Passagen pauschal und vereinfachend das Thema so darstellt, als ob die 'politische Rechte' die Probleme (Armut, Seelenleiden) lediglich über Genome erklären will - und das stimmt eben nicht. Es gibt solche und solche.

Und es stimmt auch nicht, daß alle 'Linken' die Erkenntnis besitzen, daß genetische Veranlagungen sich auch im Bereich der Charaktere bemerkbar machen. Nicht alle 'Linken' sind allerdings so verbohrt, daß sie den Einfluß von Genomen total abstreiten.

Ich hatte ja überhaupt nicht die Kommentare von Ihnen und RAJmue kommentiert, sichtbar daran, daß mein Kommentar ganz links eingerückt ist. Mir fehlt im Moment die Zeit, auf die Kommentare näher einzugehen; eventuell komme ich noch darauf zurück.

Nelly 02.11.2010 | 22:36

Der Mensch ist eine biopsychosoziale Einheit.
Der politischen Linken (um mal den gleichen Jargon zu benutzen wie der Artikel) paßt das "bio" darin nicht. Flugs erklärt sie jeden, der das "bio" nicht bereit ist zu ignorieren, der politischen Rechten zugehörig und urteilt dann im Zirkelschluß, daß "die Rechten" ja das biologische so strapazieren würden.

Mal ganz ehrlich: Der Streit "nature vs nurture" ist uralt und mittlerweile um Lichtjahre der Argumentation dieses Artikels voraus.
Worin sich praktisch alle einig sind, ist daß es sowohl "nature" als auch "nurture" sind, die den Menschen formen, wieviel von beidem nun genau zu welchem Anteil für was verantwortlich ist - da mögen die Meinungen auseinandergehen oder auch nicht.
Ob jemand Mukoviszidose bekommt oder Chorea Huntington hat ziemlich wenig mit nurture zu tun. Jemand mit fragilem X-Syndrom kann mit viel nurture möglicherweise einiges erreichen, aber promovieren wird er wahrscheinlich nicht können. Und da gibt es sogar einen Gen-Dosis-Effekt - Hilfe, wie bringen wir das in unserem linken Weltbild unter!

Daß alles nur nurture und nie nature sei, hört man immer nur aus dieser einen linken Ecke, die damit am weitesten entfernt von jeder ernstzunehmenden Wissenschaft ist.

Querdenker 03.11.2010 | 11:32

2009 schrieb der führende Verhaltensgenetiker Professor Robert Plomin, es sei erwiesen, dass „genetische Effekte viel kleiner sind als vormals angenommen: die größten Effekte machen nur ein Prozent aller Charaktereigenschaften aus“. Er hielt allerdings nicht für ausgeschlossen, dass der Schlüssel in den komplexen Kombinationen liegen könnte. Bisher hat sich jedoch auch diese Hoffnung nicht bestätigt und es sieht auch nicht danach aus, als würde sich daran noch irgendetwas ändern.

Absolut lächerlich. Die Forschung steht doch hier noch ganz am Anfang, und Sie wollen von vornherein Ergebnisse ausschließen?
little Louis 05.11.2010 | 13:26

Selbst wenn es sich herausstellen sollte, dass die Unterprivilegierung von Menschengruppen auch nur irgendwie "biologisch" (hier im Sinne von Körperintern) und nich rein "umweltbedingt" wäre, wäre das für einen kritischen, nicht- naiven
naturalistisch und skeptisch denkenden LINKEN kein Problem. Denn auch dann stellt sich ihm fast die gleiche humanistisch- linke Aufgabe:
Wenn Beseitigung von Ungleichheit schon der "Startchancen" wegen der "Biologie" nicht möglich wäre und auch keine diesbezüglichen Eingriffe in die Biologie (der Menschen) erlaubt wären, stände gerade auch der Linke vor der Aufgabe,
aus biologischen Gründen Benachteiligte in humaner Weise in die Gesellschaft zu integrieren , damit sie trotz ihrer objektiven "Ungleichheit" in Bezug zur Mehrheit der Bevölkerung (einiger maßen) ähnlich "kompfortable " Lebensverhältnisse vorfinden.
Ich weiß nicht, ob es einem auch nur irgendwie Behinderten oder Benachteiligten hilft, in humanitärer ABSICHT (!) sein Handicap einfach totzuschweigen. Zumindest ich hätte mit solcher Behandlung bei Vorliegen einer "genetischen" Benachteiligung ein Problem.
Mein Fazit also: Zumindest kritische Linke sollten sich von naiver, zum Teil auch irrationaler Bio- Wissenschafts- oder auch nur Technik- Feindlichkeit fernhalten. Gerade auch, weil diese Bereiche der Schlüssel zur (nachhaltigeren!) Herstellung höhergradig humaner und fairer "gesellschaftlicher Zustände" sein KÖNNEN.(Aber natürlich keineswegs zwangsläufig müssen).
Grüße
little Louis