Will Hutton
22.04.2014 | 18:05 71

Der gescheiterte Kapitalismus

Gesellschaft Die Botschaft des linken Ökonomen Thomas Piketty ist finster: Die Schere zwischen arm und reich droht uns zu zerstören

Der gescheiterte Kapitalismus

Thomas Piketty

Foto: Fred Dufour/ AFP/ Getty Images

Auf einmal macht ein neuer Ökonom von sich reden, der nicht der politischen Rechten angehört. Auf der Konferenz des Institute of New Economic Thinking, die Anfang April in Toronto stattfand, wurde Thomas Pikettys Buch Capital in the Twenty-First Century bei jeder Veranstaltung, an der ich teilnahm, mindestens einmal erwähnt. Man muss in die 1970ern zu Milton Friedman zurückgehen, um einen Wirtschaftswissenschaftler zu finden, der einen solchen Einfluss ausübte.

Wie Friedman ist auch Piketty ein Kind seiner Zeit. An die Stelle der Inflationsangst der Siebziger sind heute Bedenken getreten, der Einfluss einer Schicht von Superreichen auf unsere Wirtschaft und Gesellschaft könnte zu groß geworden sein. Piketty hat keinen Zweifel daran, dass die immer weiter steigende Ungleichheit der Besitzverhältnisse ein Ausmaß erreicht hat, wo sie die Zukunft des Kapitalismus selbst bedroht. Er hat es sogar bewiesen.

Die überraschende These dürfte denjenigen missfallen, die glauben, die am Tauschwert orientierte Produktionsweise setzte die Ungleichheit der Lebens- und Einkommensverhältnisse voraus. Der Kapitalismus brauche eine ungleiche Verteilung des Reichtums als Anreiz für das Eingehen von Risiken und persönliche Anstrengung, lautet ihr wirtschaftsliberales Argument. Wenn der Staat versuche, die Marktwirtschaft mittels Steuern auf Vermögen, Kapital, Erbschaften und Eigentum zu regulieren, töte er damit die Gans, die die goldenen Eier legt. 

Piketty zeigt anhand von Wirtschaftsdaten und Steuerlisten, die einen Zeitraum von 200 Jahren umfassen, dass das nicht stimmt. Das Kapital, so argumentiert er, ist blind. Sobald seine Rendite – in Form jeglicher Art von Reinvestitionen von Mietwohnungen bis hin zu einem neuen PKW-Werk – das Realwachstum von Löhnen und Produktion übersteigt, wie dies in der Geschichte (bis auf einige wenige Phase wie etwa 1910 bis 1940 ) stets der Fall war – wächst das Kapital schneller als die Wirtschaft. Die Ungleichheit der Vermögen steigt exponentiell.

Dieser Prozess wird durch Erbschaften und dem Phänomen überbezahlter „Super-Manager“, vor allem in den USA und Großbritannien, noch weiter verschärft. Die Bezahlung von Spitzenfunktioniären habe hier nichts mehr mit wahren Verdiensten zu tun – in Kerneuropa und Japan falle sie wesentlich geringer aus. Wichtig in Pikettys Denken ist die Erkenntnis, dass Vermögensunterschiede kein Naturgesetz darstellen. Eine Gesellschaft kann sie hinnehmen oder gegen sie vorgehen.

Die Ungleichheit der Vermögen ist in Europa und den USA ungefähr doppelt so groß wie die Ungleichheit der Einkommen: Die reichsten zehn Prozent besitzen zwischen 60 und 70 Prozent des Gesamtvermögens, aber nur 25 bi 35 Prozent der Gesamteinkommen. Diese Konzentration des Reichtums existierte allerdings bereits vor dem Ersten Weltkrieg und geht bis ins späte 19. Jahrhundert zurück, als das Glück zu erben das dominierende Element im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben darstellte. Es besteht eine beständige Wechselwirkung zwischen Vermögen und Einkommen: Ein großes Vermögen sorgt dafür, dass verdientes Einkommen durch unverdientes Kapitaleinkommen ergänzt wird und die Spirale der Ungleichheit weiter anheizt.

Die Verschwendung und die unglaublichen sozialen Spannungen des edwardianischen Englands, des Frankreichs der Belle Epoche und des Amerikas der robber barons, schienen für immer der Vergangenheit anzugehören. Doch Piketty zeigt, dass die Phase zwischen 1910 und 1950, in der die Ungleichheit verringert wurde, eine Ausnahme darstellt. Krieg und Depression installierten die Dynamik der Ungleichheit wieder und brachten gleichzeitig die Einsicht in die Notwenidgkeit, hohe Einkommen, und insbesondere Einkommen aus Vermögen, hoch zu besteuern, um den sozialen Frieden aufrecht zu erhalten. Heute ist der Prozess des blinden Kapitals, das sich in immer weniger Händen immer schneller vermehr, wieder im globalen Maßstab in Gang. Mit möglicherweise fatalen Folgen, wie Piketty schreibt.

Es fängt damit an, dass mit Ausnahme von ein zwei spektakulären Sillicon-Valley-Startups fast kein neuer Unternehmer mehr soviel Kapital akkumulieren kann, um die unglaubliche Konzentration des bereits bestehenden Reichtums in Frage stellen zu können. In diesem Sinne „verschlingt die Vergangneheit die Zukunft“. Es ist bezeichnend, dass der Duke of Westminster und der Earl of Cadogan zwei der reichsten Männer Britanniens sind. Sie verdanken dies allein den Feldern in Mayfair and Chelsea, die ihre Familien vor Jahrhunderten besaßen und dem Unwillen, die Schlupflöcher zu schließen, die Familienvermögen immer weiter anwachsen lassen.

Jeder, der in Branchen Vermögenswerte besitzt, in denen die Renditen über dem Wirtschaftswachstum liegen, wird schnell und unverhältnismäßig reicher. Der Anreiz ist größer, von Zinsen und Einnahmen zu leben, als ein Risiko einzugehen. Man muss sich nur einmal die explosionsartige Zunahme von Mieteigentum ansehen. Unsere Unternehmen und unsere Reichen müssen keine Innovationen fördern. Sie müssen nicht einmal investieren: Alles, was sie tun müssen, ist, ihre Erträge und Steuererleichterungen einstreichen. Steueroasen und der Zinsensins erledigen dann den Rest. 

Die kapitalistische Dynamik wird so untergraben. Andere Kräfte verstärken diesen Effekt noch zusätzlich. Piketty bemerkt, dass die Reichen gut darin sind, ihre Vermögen der Besteuerung zu entziehen, und dass der Anteil am gesatmen Steueraufkommen, der von den mittleren Einkommen getragen wird, immer weiter ansteigt. Selbst wenn es stimmt, dass in Großbritannien die obersten ein Prozent ein Drittel der gesamten Einkommenssteuer zahlen, so macht die Einkommenssteuer doch lediglich 25 Prozent aller Steuereinnahmen aus: 45% stammen aus Mehrwertsteuer, Verbrauchssteuern und Versicherungsleitungen, die von der Masse der Bevölkerung bezahlt werden.

Dies führt dazu, dass die der Durchschnittssteuerzahler immer stärker für die Aufrechterhaltung öffentlicher Dienstleistungen wie Bildung, Gesundheit und Wohnungsbau aufkommen muss. Die Ungleichheit der Vermögen führt so zu einer ins Stocken geratenden, innovationsfeindlichen Renten-Ökonomien, härteren Arbeitsbedingungen und einer Verschlechterung des öffentlichen Dienstes. Mittlerweile werden die Reichen immer reicher und entfernen sich immer weiter vom Rest der Gesellschaft: nicht durch Verdienste oder harte Arbeit, sondern schlicht aufgrund der Tatsache, dass sie über Kapital verfügen, das langfristig mehr Rendite abwirft als die Löhne. 

Aus der Geschichte lässt sich lernen, dass Gesellschaften sich zu schützen versuchen: Sie schließen ihre Grenzen, es kommt zu Revolutionen – oder zu Krieg. Piketty fürchtet, das könnte sich wiederholen. Seine Kritiker entgegnen, dass die Abneigung gegenüber den Super-Reichen bei einem höheren Lebensstandard der Gesamtbevölkerung zurückgehen werde – und sie suchen in seinen Daten mit großer Sorgfalt nach Fehlern. Bislang allerdings ohne Erfolg.

Es ist wenig wahrscheinlich, dass die Menschen ihren angeborenen Gerechtigkeitssinn verloren haben. Natürlich kommt es zu verschiedenen Zeiten zu unterschiedlichen Reaktionen: Ich vermute, dass ein Teil der Energie hinter dem schottischen Nationalismus sich aus dem Wunsch speist, ein Land aufzubauen, in dem der Reichtum nicht so ungleich verteilt ist wie in England.

Seine Lösungen – ein Spitzensteuersatz von bis zu 80 Prozent, eine wirkungsvolle Erbschaftssteuer, und eine globale Vermögenssteuer – sind gegenwärtig unvorstellbar.

Doch, wie Piketty sagt, besteht die Aufgabe der Ökonomen darin, sie weiter in den Bereich des Vorstellbaren zu rücken. Sein Buch leistet dazu ohne Zweifel einen Beitrag.  

Übersetzung: Zilla Hofman/ Holger Hutt

Kommentare (71)

Hans Springstein 22.04.2014 | 21:19

Danke, dass der Text aus dem Guardian übersetzt wurde.

Ich hatte vor zwei Tagen an anderer Stelle auf zwei weitere Beiträge zu und mit Piketty hingewiesen, auch auf einen weiteren Guardian-Beitrag:

In einem Interview hat Paul Krugman das neue Buch des französischen Ökonomen Thomas Piketty "Le capital au 21e siècle" hochgelobt. Das berichtet das Online-MagazinCommon Dreams. Der moderne Kapitalismus habe die Welt nicht nur in Richtung einer Gesellschaft der Ungleichheit gebracht, sondern "hin zu einer oligarchischen Gesellschaft, einer Gesellschaft des ererbten Reichtums". Piketty Schlussfolgerungen seien aufschlusreich und zeigten, dass selbst jene, die sich mit der Rhetorik des "1 Prozent gegen 99 Prozent" beschäftigen nicht in vollem Umfang die Katastrophe erfassen, die die globale Vermögensungleichheit verursacht. Zu dieser Katastrophe gehöre, dass die ererbten Vermögen schneller wachsen als die Gesamtwirtschaft.

"Es ist ein echtes Aha-Buch", sagt Krugman in dem Interview. "Sie stellen plötzlich fest: 'Oh, die Welt ist nicht so, wie ich sie gesehen habe." Pikettys These sei, dass, obwohl die Ungleichheit bereits ein riesiges Problem ist, wird es noch schlimmer.

Krugman stellt außerdem fest: "Wenn es ein paar Leute gibt, die so wohlhabend sind, dass sie effektiv das politische System kaufen können, dann tendiert das politische System dazu, deren Interessen zu dienen."

Im Interview mit dem Guardian, veröffentlicht am 13.4.14, sagte Piketty u.a., dass die beschleunigte Entwicklung der Vermögensungleichheit im 21. Jahrhundert samt des gefährlichen Tempos politische Folgen haben werde: "Wir werden alle ärmer sein in Zukunft und das führt zu Krisen. Der Kapitalismus kann unter den gegenwärtigen Verhältnissen einfach nicht funktionieren."

Ludwig Brunner 22.04.2014 | 22:51

Der Anpassungsdruck an die Volkswirtschaften, sich kapitalistischen Interessen zu öffnen, um im Wege von Skaleneffekten (oder überhaupt hinreichend) am (Welt-)Markt als Teilnehmer (überhaupt) agieren zu dürfen, bevorzugt per se bestimmte Interessen und wird über die Institutionen des Weltmarkt-Regimes ausgeführt.

Für viele durch kapitalistische Verhältnisse Privilegierte funktioniert dieser Kapitalismus bzw. diese Form von Marktwirtschaft in ihren Augen sehr gut.

Dass er bzw. eine Volkswirtschaft unter anderen Vorzeichen durchaus besser und effektiver für den Großteil der Bevölkerung funktionieren könnte, wird von dieser Seite schon deswegen nicht geteilt, weil der intellektuelle Horizont dafür fehlt und "Planwirtschaft" nur als (bürokratische) Zentralverwaltungswirtschaft interpretiert werden kann.

Angesichts nicht zu verhehlender intellektueller Bedürftigkeit auch auf "linker" Seite, welche bisher nicht akzeptabel in der Lage (gewesen) ist, Marx angemessen zu interpretieren samt seines philosophischen Begriffes des "neuen Materialismus", der sich daraus ergebenden Konsequenzen und das "Überlesen" der Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie als zentraler Standpunkt philosophischer und soziologischer Kritik sind neben der "idealistischen" Kritik an nominalen Eigentumsverhältnissen und deren vermeintlichen Abhilfemaßnahmen für alle Zeit, einer an 4 Stellen hinter dem Komma abgesoffenen (Arbeits-)Werttheorie und der "Zentralkunst", einen tendenziellen Fall der Profitrate aufgrund der sich verändernden organischen Zusammensetzung des Kapitals als relative Todeskrankheit kapitalistischer Verhältnisse zu überhöhen und damit fehlzuinterpretieren, hauptursächlich für diese Misere, falls man von den destruktiven Tiefschlägen des Gegners mal absieht.

Sozialismus ist eben mehr als Sowjetmacht plus Elektrifizierung, wobei dieses Begriffspaar zeithistorisch richtig zu deklinieren ist, um nicht schon der Anfangshürde zum Opfer zu fallen.

Die Leidenschaft der utopischen Sozialisten nach einer menschlicheren Gesellschaft und besseren Welt wurde schlicht vergessen, obwohl das der eigentliche Sauerteig für eine Gesellschaftsveränderung gewesen wäre. So ist der eigentlich neue Materialismus nicht so richtig beachtet worden und die Technik- und Organisations-Affinität der Apparate verkam meist zum alten "La-Place"-Materialismus, den Marx schon in den wichtigeren Thesen zu Feuerbach als (der bekannteren) 11. mehr als nur in Frage stellte.

Die Weichen sind aber dafür gestellt, dass die "Verarsche" vieler Menschen, denen ein besseres Leben vorenthalten wird, bewusst nicht mehr von einem signifikanten Teil der Menschheit hingenommen wird.,Und würde Adam Smith posthum nochmal die Welt betreten, könnte er der Großkritik von Marx an ihm nur zustimmen und müsste sich in die Riege der Veränderer einreihen, falls er seine Gedanken ernst gemeint hat und eine hinreichende Konsequenz beinhalten sollten.

lauterklabauter 23.04.2014 | 09:05

Sehr guter Artikel. Dass an unserem Wirtschaftssystem etwas gehörig faul ist, sieht man auch etwa daran, wenn man sich den Irrsinn der Wertpapierspekulation, Börsenhändler.. anschaut. Die kassieren Enormen Summen im Gegenzug für verschwindend geringe Wertschöpfung. Zweck von Börsen und Wertpapierhandel ist eigentlich die Zurverfügungstellung von Kapital für Aktiengesellschaften etc.. Also eine Finanzdienstleistung. Leider ist diese Finanzdienstleistung irrsinnig überbezahlt und der ursprüngliche Zweck dieser Börsen schon lange im Hintergrund und die meisten Bürger wissen bestimmt nicht von dieser eigentlich Sinnvollen Aufgabe dieses Börsensystems. Ein anderer Aspekt ist natürlich auch die Vermögensanlage.

Dass dieses System, verschwinden geringe Wertschöpfung für Unsummen an Einkommen für die Händler nicht gesund für ein Wirtschaftssystem sein kann, kann man sich vorstellen. Bei den irrsinnigen Gehälter von US-Managern verhält es sich genau so.

Unser Wirtschaftssystem ist extrem ungerecht. Auch deshalb, weil unser Geldsystem unfassbar ungerecht ist.

Eine sehr gute Darstellung und Erklärung, wie das mit dem Geld so funktioniert, finden Sie in einem Vortrag mit untenstehendem Link. Da wird auch die Sache mit der Besteuerung aufgegriffen.

https://www.youtube.com/watch?v=N5QsbIgbBek

JR's China Blog 23.04.2014 | 10:19

Mir scheint, das fällt in Großbritannien schon länger auf als in Deutschland - vom durchaus neoliberalen "Economist" bis zu den politischen Parteien pilgern Besucher nach Schweden, um sich dort über eine - jedenfalls aus ihrer Sicht - funktionierende Wirtschaft und Gesellschaft und ihre Grundlagen zu informieren.

Auch der Begriff Rentenökonomien kommt dabei ins Spiel - bis zu diesem Artikel hatte ich mit dem Begriff rent-seeking regimes noch ein Übersetzungsproblem.

Schon für solche Artikel lohnt sich die "Freitag"-Kooperation mit dem "Guardian". Jedenfalls aus meiner persönlichen Lesersicht. Vorschlag: noch viel weiter weg von der "Zeit", die zu einer Lifestylezeitung verkommt, und hin zu mehr Information.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 23.04.2014 | 12:18

Wichtig in Pikettys Denken ist die Erkenntnis, dass Vermögensunterschiede kein Naturgesetz darstellen.

...

Die kapitalistische Dynamik wird so untergraben.

Ja, wunderbar, noch ein bürgerlicher Ökonom, der Antritt, um den Kapitalismus zu retten! Die Voraussetzung für die Rettung liegt dabei wohl in der Annahme, Produktions- und Distributionsverhältnisse seien gegeneinander weitgehend gleichgültig. (vgl. MEGA² II.1.1, p. 24) Kapitalistische Unternehmer auf der einen, Lohnarbeiter auf der anderen Seite, muß es immer geben (wenn nicht gleich eine Gesellschaft einfacher Warenproduktion, wo sozusagen alle Kapitalisten sein sollen), aber in der Distribution des gesellschaftlichen Reichtums soll dann allerlei Willkühr statt finden. Die angelsächsischen Ökonomen kommen über Mill genausowenig hinaus wie die angelsächsischen Philosophen über Hume.

Die kapitalistische Dynamik wird hier typisch bürgerlich allein von der Gebrauchswertseite gefaßt und meint offenbar hauptsächlich die Entwicklung der Technik (Innovationen - Schumpeter: schöpferische Zerstörung), die die materielle Bedingung für die Produktion des relativen Mehrwerts (Marx) darstellt - was historisch den Eingang von ehemaligen Luxusgütern in den Massenkonsum nach sich zieht. Darin soll die vielbeschworene 'Leistung' des Kapitalismus liegen, die affektinkontinenten Massen im Konsum still zu legen. Und weil die absehbare Entwicklung des real-existierenden Kapitalismus diese 'Zivilisation' wieder in die bloße, inhaltsleere Verwertungsbewegung (G-G') einschmelzt, aus der sie einmal aufgetaucht war, sei der Kapitalismus nun gescheitert.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 23.04.2014 | 12:55

Thomas Piketty ist nun nicht der erste Ökonom, der auf diese Problematik hinweist. Und er steht in der Tradition derjenigen, die 1970ern solchen Einfluss ausübten, denn seine Thesen werden von sehr sehr sehr mächtigen und reichen Personen und Kreisen unterstützt, Warren Buffet gehört dazu, die rechtzeitig Reformen einleiten wollen, bevor das System von dem immer größer werdenen Ungleichgewicht zerfetzt wird.

Kurz: Bestimmte "Superreiche" wollen das System durch dringend notwendige Reformen schützen.

Frage: Gibt es Alternativen zu den von Super-Kapitalisten präferierten "Lösungsansätzen", die auch nur den Hauch einer Chance haben?

knattertom 23.04.2014 | 14:05

Ein guter Artikel....., Dank an die Übersetzer.

Warum einige der Thesen im Text allerdings noch bewiesen werden mussten, erschliesst sich mir nicht so ganz......, im kapitalistischen Wirtschafts- mit Zinseszins-Geldsystem, hätten einige der nun erwiesenen Zusammenhänge, den meisten schon lange einleuchten müssen.

https://encrypted-tbn3.gstatic.com/images?q=tbn:ANd9GcRxXWdEslcED9n4ELkIgErXaET5tNSqAgyndeEX_3idOk5I-xiI-g4MRGY

Vor allem, dass eine mathematisch-graphische Darstellung der Eigentumsverteilung, sich langfristig an eine Hyperbel mit exponenzialer Steigerung annähert, so lange keine politischen Entscheidungen diesen Verlauf unterbrechen oder wenigstens verändern, sollte doch eigentlich recht klar sein. Gestern wie heute.

Das ein Entwicklung, wie durch diese Kurve beschrieben, allerdings ab einem gewissen Punkt für den gesamtgesellschaftliche Zusammenhalt zur Bedrohung wird, können wir nun life and in Farbe selbst erleben.

lauterklabauter 23.04.2014 | 14:31

Manche bezeichnen des ehemaligen Sozialismus in der DDR oder der Sowjetunion nicht zu unrecht als Staatskapitalismus. Manchmal können Begriffe in die Irre führen und man sollte sich auch nicht an Begriffsdefinitionen verlieren. Nennen wir unser derzeitiges System mal (soziale) Marktwirtschaft. Die Grundprinzipien des sog. Kapitalismus mit Märkten, Anbieter und Nachfrager, Wettbewerbsituation, Innovationsantrieb, Leistungsmotivation sind gewiss nicht verkehrt und beruhen auch auf natürlichen menschlichen Eigenschaften.

Der Staat hat in diesem System die Aufgabe, die Rahmenbedingungen zu setzen und auf deren Einhaltung zu achten. Denn ebenso aufgrund einiger negativen menschlichen Eigenschaften (Gier, Rücksichtslosigkeit, merkwürdige Weltanschauungen (Calvinismus ..) kann es zu illegalen Praktiken, Bildung von Oligopolen und solchen Extrem-Blüten kommen, wie wir sie derzeit erleben. Und dann funktioniert das System eben nicht mehr: Wirtschaftskollaps, Finanzkrise,...

Leider kommt der Staat diesen wichtigen Aufgaben nicht mehr richtig nach: Lobbyismus, Opportunismus verhindern das.

Ein großes Problem sehe ich auch darin, dass die Leute dumm gehalten werden. Es wäre so wichtig, dass die Leute das bestehende Wirtschafts- und vor allem das Geldsystem verstehen. Aber kaum jemand kann da mitreden, weil das ja wirklich alles ungeheuer kompliziert scheint und dem Normalsterblichen nicht zu vermitteln ist. Wirklich? Wenn man natürlich nicht darum bemüht ist, wirklich etwas erklären zu wollen und sich stattdessen in intellektuelle Diskussionen in den "Elfenbeinturm" begibt, die niemanden weiterbringen, weil sie hochtheoretisch, philosophisch sind, oft nur mit dem Ziel geführt werden, die eigene Sichtweise, das eigene Lager zu untermauern sowie die eigene intellekte Überlegenheit und sein enormes Fachwissen unter Beweis zu stellen und deshalb keine konkreten Handlungsvorschläge für die Praxis geführt werden.

Das Philosophieren und Diskutieren über Sozial- und Wirtschaftssysteme hat auch seine Berechtigung, keine Frage. Aber meiner Meinung nach kommt die praktisch ausgerichtete Diskussion sehr oft zu kurz. Und es braucht jetzt wirklich Lösungen, das ist doch nicht zu übersehen!

alalue 23.04.2014 | 15:09

Um die Wirtschaft zu kontrollieren, braucht es Macht über den ganzen Wirtschaftsraum: und der ist jetzt die ganze Welt.

Gäbe es Mindestlöhne und Steuern überall, wäre es einiges besser. So aber verschieben die Konzerne ihre Gewinne in Niedrigsteuerländer, dreckige Produktion in Länder ohne Umweltschutz und arbeitsintensive Produktion in Billiglohnländer.

Vielleicht gefallen Ihnen einige Beiträge meinerseits zu dem Theoma:

https://www.freitag.de/autoren/alalue/vermoegen-parasiten

https://www.freitag.de/autoren/alalue/qualifizierte-einsichen

https://www.freitag.de/autoren/alalue/empirie-oder-axiomatik

Gruss und Freude im voraus, die Texte sind in Ihrem Sinne.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 23.04.2014 | 15:18

«Mittlerweile werden die Reichen immer reicher und entfernen sich immer weiter vom Rest der Gesellschaft: nicht durch Verdienste oder harte Arbeit, sondern schlicht aufgrund der Tatsache, dass sie über Kapital verfügen, das langfristig mehr Rendite abwirft als die Löhne. »

Das ist leider nur die halbe Wahrheit.

Die Mutter aller Feministinnen, Dr. Kanzlerin, hat das Hartz-IV nicht erfunden; aber auch nichts dazu beigetragen, daß besonders allein erziehende Mütter den Schikanen des Hartz-IV-Amtes und dem asozialen Arbeitsdienst entgehen; sie hat nichts dazu beigetragen, daß Frauen in D einen vergleichsweise gleichberechtigten Lohn erhalten; sie hat nichts dazu beigetragen, daß Hebammen weiter in D arbeiten können und nicht über die Haftpflichtversicherung aus dem Land getrieben werden; sie hat nichts dazu beigetragen, daß weniger Kinder von Hartz-IV betroffen sind; sie hat nichts dazu beigetragen, daß Kinder einen Hartz-IV-Satz erhalten, der ihren Lebensbedürfnissen entspricht.

Einige dieser Punkte mußten gegen den Willen der Politik vor Gerichten erstritten werden, etliche werden mit dieser Kanzlerin bis zum Sankt Nimmerleinstag nicht zu machen sein.

Manfred Fröhlich 23.04.2014 | 15:24

BGE statt Revolution & Krieg

Die Forschungsergebnisse von Thomas Piketty haben Gewicht, weil er ein anerkannter Ökonom ist. Neu und überraschend sind die Erkenntnisse nicht. Dass der Einfluss einer Schicht von Superreichen zu groß geworden ist, wird neuerdings sogar von Milliardären beklagt. Die Politik will die Zukunft des Kapitalismus nicht bedroht sehen - Politiker im Ruhestand oder im Abseits ausgenommen.

Pikettys Thesen widerlegen alle "wirtschaftsliberalen Argumente", die für das kapitalistische System gemeinhin angeführt werden. - Für die Befürworter eines bedingungslosen Grundeinkommens dagegen, untermauern Pikettys Thesen die Argumente der BGE-Initiatoren, wie Götz W. Werner.

Piketty zeigt anhand von Wirtschaftsdaten und Steuerlisten, die einen Zeitraum von 200 Jahren umfassen die Folgen auf: Gute Arbeit. Danke.

Reiche entziehen ihre Vermögen der Besteuerung - Einkommenssteuer macht nur 25 Prozent aller Steuereinnahmen aus: 45% stammen aus Mehrwertsteuer, Verbrauchssteuern und Versicherungsleitungen, die von der Masse der Bevölkerung bezahlt werden.

Aus der Geschichte lässt sich lernen, dass Gesellschaften sich zu schützen versuchen: Sie schließen ihre Grenzen, es kommt zu Revolutionen – oder zu Krieg.

Pikettys Lösungsvorschläge – ein Spitzensteuersatz von bis zu 80 Prozent, eine wirkungsvolle Erbschaftssteuer, und eine globale Vermögenssteuer – sind (nicht nur gegenwärtig) unvorstellbar.

Sein Buch könnte aber auch oder gerade einen Beitrag dazu leisten, eine Art "Kulturbündnis pro BGE"zu versuchen - Darum mein Lösungsvorschlag: BGE statt Revolution & Krieg.

Weitere Gründe und Fakten pro BGE

knattertom 23.04.2014 | 15:49

"Manche bezeichnen des ehemaligen Sozialismus in der DDR oder der Sowjetunion nicht zu unrecht als Staatskapitalismus."

Ja, der Begriff ist mir geläufig und ich verwende ihn selbst.

Auch wenn im ehemaligen Ostblock die Produktionsmittel vergesellschaftet waren, musste mit diesen doch noch immer ein Mehrwert, entweder zur Bedienung der Kredite, die der Osten im Westen genommen hatte, oder zur Bezahlung von Waren, die im kapitalistischen Ausland erworben wurden, erwirtschaftet werden.

Nachdem sich die "Rote Armee" im russischen Bürgerkrieg nach der Oktoberrevolution durchgesetzt hatte, lautete eine der Parolen.

"Kommunismus ist Sowjetmacht plus Elektrifizierung"

Die Lastwagen zur schnellen Elektrifizierung des Landes wurden allerdings von "Ford" geliefert.

....."Nennen wir unser derzeitiges System mal (soziale) Marktwirtschaft.".....

Ich finde, eine Marktwirtschaft hatten wir bis vor ca. 20 Jahren....., inzwischen scheint mir eher, wir leben in einer "Totalwirtschaft", in der die politischen Beschränkungen, also die Regeln, welche die Politik den Märkten auferlegt, auf ein Minimum zurückgefahren wurden. Das beginnt bei Ladenöffnungszeiten und endet bei Waffenexporten...........

Hartmut Lau 23.04.2014 | 16:22

@ Knattertom, und an die interessierten Leser

wer sich ueber die Wirkungen des exponentiellen Wachstum absolut bewusst ist, der weiss, dass das Zinseszins System den naturgesetzlichen Ablaefen folgt. Es gibt kein Entrinnen aus dieser Versklavungsfalle.

Damit auch mit "einfachem Denken" dieser Sachverhalt absolut verstaendlich wird, empfehle ich das Monopoly Spiel zu praktizieren. Den Mitspielern ist bekannt, dass letztendlich, alle Geld und Sachwerte in einer Hand sich buendeln. So ist es auch in der Realitaet.

Somit ist aus der mathematischen Vorgabe der Zeitpunkt gegeben, indem die Zinsforderungen der Glaeubiger, groesser wird als die Leistungsfaehigkeiten der Schuldner. Alle sozialen Wirkungen sind nur die Folgen dieser Tatsache, die bis zu kriegerischen Auseinandersetzungen muenden.

Damit entlarvt sich auch die Politik, denn deren Unkenntnis muendet z.Zt. in einer endlosen geistigen Ratlosigkeit und der unbedachten Masse von "Hilfspaketen". Es ist in der Konsequenz absolut Wirkungsvoll, dass die Absturzhoehe dadurch nur verbessert wird.

Das Dilemma heist Zinseszins System. Deren Aufloesung muss zwangslaeufig das Ziel sein.

Freigeld ist eines der Loesungsmoeglichkeiten. In der Geschichte gab es schon genuegende positive Ansaetze.

Doch wie alle Veraenderungen die dringend Notwendig sind, muss zuerst im Kopf die Erkenntnis zwingend sein, dass der Zins das Problem ist, und somit verstanden sein muss, dass in dieser Form; das arbeitlose Einkommen ( Zinsertraege), absolut verboten sein muss.

Es gab in der Geschichte andere "Belohnungssysteme", indem das in Umlauf bringen des Geldes belohnt wurde. Das ist der Weg....

Hilfreiche professionelle vertiefende Informationen:

Prof. Franz Hoermann

Prof. Bernd Senf

Fritz B. 23.04.2014 | 16:50

Vielleicht war die Idee der alten Kulturen gar nicht so schlecht den Verstorbenen ihre Schätze mit ins Grab zu legen. Es verhinderte dass die Nachkommen faul und unbeholfen wurden. Außerdem wurde die Akkumulation vor Reichtum, die offensichtlich zu nichts Gutem führt, eingedämmt.

Dass die Schätze Reiseproviant wäre haben sie nur den Unbedarften erzählt. ;-)

Die unersättliche Gier nach immer mehr Schätzen kann ich nur krankhaft nennen. Meines Erachtens die gleiche Krankheit die auch Menschen haben die nicht rechtzeitig mit essen aufhören können (in beiden Fällen werden sie einfach nicht satt). Zur Zufriedenheit führt "immer mehr" offensichtlich nicht. Sonst könnte man ja spätesten nach der ersten Milliarde aufhören. Einen Zugewinn an Lebensqualität ist nicht weiter möglich. Und was das andere Suchtmittel Macht betrifft; wer zu viel da von hat muss delegieren. Das heißt die Macht wieder abgeben.

Eine "Kultur“, die der Raffgier keine Grenzen setzt ist, kann auf Dauer nicht bestehen.

Wir leben in einem Land dessen König sein Volk nicht liebt sonder für Abschaum hält der Dreck essen kann.

karamasoff 23.04.2014 | 18:25

Wenn man Piketty oder ähnliche Kritiker liest sollte man auch Marx lesen oder gelesen haben. Da ich bis vor kurzem noch Robert Kurz gelesen habe und den Zusammenbruchstheoretikern mehr oder minder auf der Spur bin, sollte ich auch Marx gelesen haben. da bin ich grade dabei. Kurz selbst hat auf den historischen Hintergrund dieser Theorien mehrfach hingewiesen: angefangen von Rosa Luxemburg über Hans Jürgen Krahl bis Robert Kurz.

Ich kanns nur empfehlen zumindest mal die ersten paar Seiten von "Das Kapital" EXTENSIV zu lesen. Nicht nur schmökern, abhaken oder sich bestätigen lassen. Selbst auf den ersten Seiten gibt Marx tiefen Einblick in grundlegende Mechanismen des Kapitalismus und in die quasireligiöse Natur des Begriffes "Arbeit" und dem was Kurz die "Innere Schranke" nennt, von der ich annehme, daß es sogar zwei Schranken sind, die den dem Mechanismus des Kapitalismus Unterworfenen umklammern in einem System aus Zwang und Wahn. Dieses System trägt in sich ein Paradoxon welches meiner Meinung nach auch objektiv ableitbar ist ohne Zahlenkolonnen bemühen zu müssen. Der Knackpunkt aber bleibt die Übertragung der Vorstellung Marx vom Kapitalismus damaliger Prägung in die Neuzeit, ohne jetzt dadurch zwingend den härtesten Kritikern Marx Vorschub leisten zu wollen.
"Das Kapital" ist jedoch ein echter Fleischwolf fürs Hirn. Wird nicht leicht sich da durchzukämpfen^^. Viel zu lange von viel zu vielen leichtfertig abgelehnt als Lektüre, da bin ich mir sicher.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 23.04.2014 | 18:27

Bevor ich hier Kritik übe - ich will auch ein BGE.

Allerdings will ich, daß eine soziale Sicherung für Bürger-Innen, die ja eigentlich das BIP ( Bruttoinlandsprodukt ) durch ihre Arbeit und ihren Konsum erst schaffen, mit den richtigen Argumenten begründet wird.

Aus den Fakten pro BGE greife ich einmal den Punkt 3 heraus:

Kein Mensch wird wegen Schwarzarbeit verurteilt, weil er arbeitet, sondern weil er Abgaben hinterzieht.

Die Arbeit wird mit 100% Brutto + 25% Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung berechnet. Mit Steuern und Sozialabgaben fallen ca 53% Gesamtabgaben von der Arbeitsleistung an.

Gegen den Steuerbetrug von Großkapitalisten im deutschen Fußball sind das Peanuts, die läppern sich aber zusammen und sind wegen der Hinterziehung strafbar.

Das deutsche Sozialsystem wurde im 19. Jahrhundert erfunden, als es noch eine völlig andere Struktur der Altersschichtung gab.

Inzwischen wissen wir ( seit den 1960er Jahren und selbstverständlich die Politiker auch ), daß die bisherige soziale Sicherung in dieser heutigen Form nicht weiter bestehen kann.

Das nächste System wird eine Grundsicherung sein, wie sie bereits von Ludwig Erhardt entworfen worden war, als Mindestsicherung, praktisch als Notanker.

Die Entwicklung der Rentenversicherung war anders verlaufen, weil die Rentenkasse von der Politik als "Portokasse" missbraucht werden konnte; von den Sozialversicherungen werden ca 30% versicherungsfremde Leistungen getragen, ein Teil davon wird durch Zuschüsse des Bundes ausgeglichen.

Wenn flächendeckend die soziale Sicherung in D auf ein BGE umgestellt werden soll, sind wegen der inzwischen aufgelaufenen Besitzstände in der Rentenversicherung diese ABZUSCHMELZEN.

Die höhere Altersgrenze mit 67, die in den nächsten Jahren steigenden Beitragszahlungen und die sinkenden Erträge aus der Rentenversicherung sind Maßnahmen der POLIT-ELITEN, den Kollaps der Sozialsysteme hinaus zu zögern.

Von diesen Maßnahmen sind die Pensionen der Beamten und Politiker nicht betroffen, weil die bereits steuerfinanziert sind - daran hat bisher noch keine Sau gewagt zu denken - als Steinbrück das im Herbst 2013 mal kurz erwähnt hatte, wurde er öffentlich von Gabriel demontiert.

Mit einem BGE können wir also ab ca 2030 rechnen.

knattertom 23.04.2014 | 18:57

Guten Tag Herr Lau,

vielen Dank für den Beitrag. Als kleine Hilfe, wenn Sie auf die Sprechblase unter dem Kommentar, zu dem Sie kommentieren möchten klicken, erhält der Schreiber des Kommentars eine Benachrichtigung, und oben wird gleich das @xyz eingeblendet.

Im übrigen stimme ich Ihnen voll und ganz zu, Monopoly spielen ist zum Verständnis sicherlich auch hilfreich, aber unendlich langweilig :o)

Avatar
Ehemaliger Nutzer 23.04.2014 | 21:57

Der Mehrwert fällt auf zweierlei Weise an:

1. Durch Verwendung des Geldes, mit dem ein Produkt gehandelt wird, also durch den Mehrwert des Geldes oder Urzins.

2. Durch die Mischkalkulation in den Produktionsbedingungen, mit der ein kalkulatorischer Gewinn ermittelt wird.

In diesen Betrachtungen sei die Verwendung des kalkulatorischen Gewinns einmal nicht differenziert, weil die sich oft erst nach dem Verkauf einer Ware oder Leistung ergibt.

Anders ausgedrückt, ein neues attraktives Produkt erzielt einen hohen Gewinn, subventioniert damit aber einen alten Ladenhüter ...

Diese Kakulation wird auch ein Betrieb machen müssen, der vergesellschaftete Produktionsmittel hat, die ausschließlich von Betriebsangehörigen gehalten werden.

knattertom 23.04.2014 | 23:02

Natürlich, wirtschaftlich zu handeln ist ja unabhängig vom Wirtschaftssystem in welchem die Taten vollbracht werden.

Und der im damaligen Ostblock entzogene und somit nicht zur Verfügung stehende Mehrwert, der nach Westen abgeflossen ist, fehlte dann an anderer Stelle. Denn ohne diesen, hätten bestimmte Produkte günstiger angeboten werden können oder es hätten höhere Löhne ausgezahlt werden können. Auch im Bereich Arbeitsschutz oder generell in die Förderung von Innovationen könnten solche Mittel ansonsten fliessen.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 23.04.2014 | 23:11

Eigentlich will ich dich weglocken von der Realwirtschaft mit Produktion, Arbeit und Gewinn, denn unser heutiges Problem ist das schon lange nicht mehr.

Was die heutige globale Lage prägt, ist die gigantische Abzocke durch leistungslose Gewinne aus den Börsengeschäften. Selbst hinterzogene Steuern eines Hoeneß stammen aus der globalen Zockerei und die schöpft in der Realwirtschaft ihre Gewinne ab.

Mit der klassischen Lehre vom Mehrwert, Boden, Kapital und Arbeit kommen wir heute einfach nicht weiter.

karamasoff 24.04.2014 | 01:39

Haben sie es schonmal mit Computerspielen gehabt?

In MMORPGS gibt es Wirtschaftssysteme gegen die Monopoly harmlos daherkommt. In WOW spielen in etwa 2000 pro Server Marktwirtschaft mit Ressourcenabbau über produzierendes Gewerbe bis Kaufmann inklusive Inflation durch Eingriffe des Herstellers ins Geldsystem (Helikopter). Die Marktwirtschaft selbst läuft über Auktionshausverkauf der Waren und Privatverkauf von Spieler zu Spieler. Gestartet ist das 2004, also 10 Jahre Laufzeit.

Sicherlich auch kein 1zu1 Vergleich, aber doch ganz interessant.

Zu Beginn florierendes Gewerbe mit stetigem Ab und Auf von Nachfrage und Angebote oder Preisen.Grosses Warenangebot. relative geringe Vermögensschere

Die Wirtschaft stagniert inzwischen seit Jahren und die Gründe ähneln denen in der Realität: , Inflationen, Deflationen, Kapitalakkumulation und Ressourcenakkumulation der Spieler, Verknappung des Angebots an Waren durch Anbieterschwund Nachfrageschwund, Gildenkonzentrationen (quasi Kartelle), Rückgang der Anzahl von Gilden (weniger, dafür mehr Mitglieder und abgeschottete Gildenmärkte), Schwund an individuellen Spielern.Extreme Preissteigerungen und Vermögenssteigerungen seit 2004. Inklusive 2-Klassenbildungen nach anfänglich offener gesellschaft (der leistungsstarke pro-gamer mit bester Ausrüstung und dickem Konto und der casual-player-noob auf dem sozialen Rang eines Hartz4 Empfängers. Beide strikt sozial getrennt "lebend", eine wirklich EXTREME Vermögensschere)

Eine wissenschaftlich exakte 10jährige sozio-ökonomische Studienarbeit darüber wäre sehr wahrscheinlich interessant geworden. Vor allem, weil es für das Spiel in etwa 50-100 Server weltweit gab mit je mindestens regelmässig 2000 aktiven Spielern und einer strukturellen Globalisierung durch Serverzusammenlegungen.

Don Isi 24.04.2014 | 08:11

Der Kapitalismus an sich ist eben so. Karl Marx hat das vor langer langer Zeit bereits erkannt. Das Geld geht immer den Gang der höchsten Rendite. Es kommt hinzu, dass große Geldmacht einzelner auch immer politisch ausgenutzt wird, damit die Rendite noch mehr gesteigert werden kann.

Selbst Goethe hat das erkannt in dem er sagte: "Je mehr er hat, je mehr er will. Nie schweigen seine Wünsche still."

Man kann diese Art Raubtierkapitalismus überhaupt nicht verstehen, wenn man weiß, dass die meisten der Großkapitalisten irgendeinem Glauben anhängen. Sei es, dass sie Christen sind, Muslime, Menschen jüdischen Glaubens, Hinduisten oder Buddhisten.

In jeder dieser Religionen wird eine Ethik gepredigt, die dem Raubtierkapitalismus streng entgegensteht. So heißt es in der Bibel, dass man nur einem Herrn dienen kann, Gott oder dem Mammon.

Nein, der Punkt ist, dass die Menschheit viel zu sehr darauf fixiert ist, egoistisch zu sein und reich zu werden. Reiche und egoistische Menschen werden sogar gemocht. Sie sind Werbeikonen und zieren die Presseerzeugnisse auf der Seite 1. Sie sind das Erfolgsmodel. Sie sind die Alphatiere.

Ein Steuerfachangestellter, ein Beamter im gehobenen Dienst, ein Fließbandarbeiter, ein Koch in einem gutbürgerlichen Restaurant ohne Stern eine Krankenschwester in der Nachtschicht, ein Milchbauer schafft es da nicht hin. Sie wirken nicht inspirierend. Sie sind so normal. Keiner strebt die Rolle des Underdogs in der Jugend an. Und doch sind genau diese Menschen das, was wichtig ist. Sie sind die Daseinsvorsorge. Der Multimilliardär lässt zwar die Puppen tanzen und ist interessant, kommt aber nicht, wenn man im Krankenhaus liegt und klingelt, wenn es einem schlecht geht.

Kapital sollte den Menschen dienen und nicht umgekehrt. Das ist so, wie auch Maschinen den Menschen dienen sollten und nicht umgekehrt. Kapital zu haben ist nicht schlecht. Erträge aus seinem Kapital zu erzielen bestimmt auch nicht. Aber das Maß zu verlieren, der Schrei nach MEHR und immer MEHR, das zerstört diese Gesellschaft. Das reißt Gräben auf und lässt letztendlich auch immer wieder Kriege entstehen.

Jeder Krieg auf dieser Welt wird aus wirtschaftlichen Gründen geführt. Niemand soll glauben, dass ethnische Probleme oder Religionskonflikte ausgetragen werden. Es geht immer nur um Geld. Hier zeigt der Raubtierkapitalist sein wirklich wahres Gesicht. Er/Sie sitzt in der sicheren Lounge, schlürft seinen Cocktail und lässt unerträgliches Leid um sich herum geschehen. Der kapitalist verdient selbst hier dran. Er verkauft die Waffen, die Munition, die Flugzeuge, stellt die Anlagen her, die für den Krieg benötigt werden, liefert Material hinzu, die Computer, die Software.

Der einfache Mensch hat nur eins zu tun. Er muss funktionieren und im richtigen Augenblick für das Geschmeiß aus der Lounge verrecken.

Wir haben so viele geschichtliche Beispiele, wohin der Kapitalismus führt. Warum werden wir nicht schlau? Warum werden nicht Schritte unternommen, um dem Einhalt zu gebieten?

Für die Genderdebatte:

Ja, mir ist aufgefallen, dass mein Text die klassischen Rollenverteilungen wiederspiegelt. Ich mag das nicht. Für den Beamten kann also auch die Beamtin stehen, die Krankenschwester können Sie durch einen Pfleger ersetzen und den Kapitalisten duch die Kapitalistin usw. Ein Gendermäßig korrekter Text war nicht Ziel Sinn und Zweck dieses Kommentars.

w.endemann 24.04.2014 | 11:37

Wie auch immer man zu unserer Gesellschaftsordnung steht, die Fehler und Schwächen dieses Systems, insbesondere die dysfunktionale Polarisierung in arm und reich, sind nicht zu übersehen, auch für bürgerliche Wissenschaftler nicht, die ihre Profession ernst nehmen. Nur suchen die nach Lösungen und Korrekturen innerhalb des Systems, was die, die nicht affirmativ befangen sind, als naiv und illusionär betrachten.

Dennoch, an Zustimmung mangelt es der Gesellschaft noch nicht. Der Kapitalismus veranlaßt, motiviert, organisiert eine hinreichend große Arbeitsleistung der Bevölkerung, er produziert nach wie vor eine riesige Warenmenge, und er produziert immer mehr Verlierer, die sich kaum etwas davon leisten können. So lange jedoch die Mehrheit nicht von Verarmung betroffen ist und Gefallen an all dem Tand findet, besteht keine Gefahr für das System. Das kann sich schneller als man glaubt ändern. Einfacher ist es dann, wenn sich nicht alles ändern muß, Institutionen und Gewohnheiten beibehalten werden können.

Die institutionellen und mentalen Mindestbedingungen für einen radikalen Wandel zum Besseren sind: 1. ein BGE, wie von MANFRED FRÖHLICH schon erwähnt, und 2. eine starke Steuerprogression, beide begrenzen Einkommen, prinzipiell nach unten und tendenziell nach oben. Und neben dem mehrheitlichen Willen zu solcher Angleichung der Lebensverhältnisse muß 3. die Bereitschaft vorhanden sein, ohne Zwang nichtwesentlich weniger zu arbeiten als bisher, wobei immerhin die Möglichkeit zu selbstbestimmterer Arbeit gegeben ist und durch gleichmäßigere Verteilung der Arbeit, Verteilung auf mehr Hände, die Lebensarbeitszeit für die meisten sinken könnte. Unter diesen drei Bedingungen bliebe kaum etwas vom Kapitalismus übrig, schon ohne daß man Kapital enteignete oder die Marktwirtschaft abschaffte. Daß die drei Bedingungen erfüllbar sind, muß hier eine Behauptung bleiben. Zu Argumenten verweise ich auf meinen Essay „Links – Aktualisierung eines politischen Schlüsselbegriffs“.

gelse 25.04.2014 | 04:40

>>Warum, das Kasino könnte man mit einer handvoll Gesetzen schliessen und dann wären wir wieder bei einer Waren- und Wertewirtschaft.<<
Hätte „man“ gekonnt, könnte „man“ und wird „man“ können. Für wichtiger als dies immer wieder festzustellen halte ich die Frage warum „man“ nicht will.

Haben wir das geklärt, kommt die nächste Frage auf uns zu: Das "wieder" meint, die die Ökonomie zurückzudrehen bis einem bekannten Zeitpunkt und dann noch mal die gleiche Entwicklung zu erleben. Können wir, nachdem wir die derzeitigen Mavchtverhältnisse überwunden haben, Neues wagen? Indem wir aus den Problemen, die der Kaputalismus verursacht und aus den Fehlern erster Sozialismusversuche lernen?

knattertom 25.04.2014 | 13:39

"Das "wieder" meint, die die Ökonomie zurückzudrehen bis einem bekannten Zeitpunkt und dann noch mal die gleiche Entwicklung zu erleben."

Hallo Gelse,

ich glaube nicht, dass man die Zeit zurückdrehen kann, und sozusagen nur beim Monopoly wieder "ein neues Spiel anzufangen" ist m.E. ebenfalls nicht sinnvoll.

Warum es von fast allen etablierten Parteien offensichtlich "durch die Bank" nicht gewollt ist, den Kasinokapitalismus wieder in eine mehr oder weniger funktionierende Marktwirtschaft zu verwandeln, kann ich nicht beantworten.

Schön wäre die Vorstellung auf jeden Fall, die Fehler der Vergangenheit zu analysieren und nach Wegen zu suchen, wie das Wirtschaftssystem menschlich und nachhaltig gestaltet werden kann.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 25.04.2014 | 16:14

Das Thema dieses Bloggs ist der gescheiterte Kapitalismus, aktuell in der neoliberalen und global verbreiteten Form.

Ein BGE ist ein ganz anderes Thema, kann jedoch als eine Form der sozialen Sicherung auch beim Kapitalismus mit betrachtet werden. Dein "kurzer" Kommentar bezog sich nicht auf das BGE, sondern auf den Kasinokapitalismus, den du glaubst, mit einer Hand voll Gesetzen beheben zu können.

Du hast weder geschrieben, mit welchen Gesetzen, noch hast du geschrieben, wie und wann du das umsetzen willst, bzw wie realistisch deine Gesetze sein sollten.

knattertom 25.04.2014 | 16:57

"Dein "kurzer" Kommentar bezog sich nicht auf das BGE, sondern auf den Kasinokapitalismus, den du glaubst, mit einer Hand voll Gesetzen beheben zu können."

Nun, ich allein kann das wohl kaum, darauf bezog sich mein "Witzbold"-Kommentar......

...... wenn der politische Wille bei den Menschen an den Machthebeln vorhanden wäre, könnten tatsächlich entsprechende Gesetze, wie eine Börsentransaktionssteuer, das Verbot von Leerverkäufen, ein Verbot von Spekulationen auf Nahrungsmittelm etc. pp. verabschiedet werden. Ich meine Instrumente, die dafür sorgen, dass sich das Geschehen an den Börsen wieder einer mit tatsächlichen Werten unterlegten Normalwirtschaft annähert.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 25.04.2014 | 19:09

Eine Tobinsteuer ändert nichts, sondern zockt nur etwas ab, unterstützt die Börsenzocker also noch in ihrem kapitalistischen Glauben.

Thomas Pikettys Konzept: «Seine Lösungen – ein Spitzensteuersatz von bis zu 80 Prozent, eine wirkungsvolle Erbschaftssteuer, und eine globale Vermögenssteuer – sind gegenwärtig unvorstellbar.»

Das bezieht sich alles auf die Volkswirtschaft und die Realwirtschaft, die Finanzwirtschaft an den Börsen wird davon überhaupt nicht betroffen. Die LINKE in D fordert die gleichen populistischen Lachnummern, die ein neoliberales Paradigma nur weiter bestätigen.

Um die ungedeckten Börsengeschäfte zu begrenzen und damit die ständige Blasenbildung, dürfen Banken und Quasibanken, also Fonds, nur noch mit Eigenkapital zocken.

Die Einlagen und das Giralgeld der Banken ist kein Eigenkapital der Banken, sondern Eigenkapital der Einleger.

Börsenverluste sind nicht von Versicherungen zu decken, auch nicht durch eine Kreditausfallversicherung.

karamasoff 25.04.2014 | 19:26

Sie können es gar nicht. Der Casino-Kapitalismus ist struktureller Bestandteil. Die inneren Widersprüche dieses Produktionssystems sind zu stark. Die internen Scheinalternativen, die sich noch bieten, sind reiner Zeitgewinn.

Das grosse K ist per Selbstdefintion dazu verdammt Arbeitskraft über Produktivität zu vernichten. Ein zuviel an Arbeit ist gar nicht vorgesehen. Man produziert mit immer weniger Arbeitskraft immer mehr Produktivkraft. Die veraltete Vorstellung von Wachstum (Nationenmärkte) wird schon dadurch konterkariert, daß sämtliche Möglichkeiten diese auszuschöpfen mit der Kapitalakkumulation vernichtet wird.

Globalisierung war so eine veraltete Vorstellung im neuen Gewand.

Das BGE könnte es eventuell noch schaffen soviel Zeit rauszuschinden, daß noch vollwertige Alternativen ausgearbeitet werden und um die gröbsten Unmenschlichkeiten zu vermeiden. Nur von Wem (auf legalerGrundlage wohlgemerkt) ? Und auf wessen Buckel?

knattertom 25.04.2014 | 19:28

"Um die ungedeckten Börsengeschäfte zu begrenzen und damit die ständige Blasenbildung, dürfen Banken und Quasibanken, also Fonds, nur noch mit Eigenkapital zocken.

Die Einlagen und das Giralgeld der Banken ist kein Eigenkapital der Banken, sondern Eigenkapital der Einleger."

Vielen Dank Heinz,

das Giralgeldproblem, also die fast unlimitierte Geldschöpfung ist ja auch bereits häufig hier als extrem problemverschlimmernd benannt worden. Und so etwas könnte doch durchaus mit gesetzlichen Regelungen beschränkt oder gänzlich unterbunden werden.

knattertom 25.04.2014 | 19:38

Vielen Dank für den Kommentar.

"Die veraltete Vorstellung von Wachstum (Nationenmärkte) wird schon dadurch konterkariert, daß sämtliche Möglichkeiten diese auszuschöpfen mit der Kapitalakkumulation vernichtet wird."

Ja, ausdrückliche Zustimmung, aber die extreme systembedingte Kapitalakkumulation könnte über eine Erbschafts- oder/und Vermögenssteuer schon stark gebremst werden.

Wenn man denn wollte......,

und über ein BGE währe auch endlich die Allgemeinheit an der, von der Allgemeinheit mit erreichten, Steigerung der Poduktivität, inbesondere durch die weitreichende Automatisierung von Arbeitsprozessen, beteiligt.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 25.04.2014 | 19:48

Richtig, aber nicht mit den falschen Argumenten, die Piketty aufzählt, und die auch hier in einigen Kommentaren aufscheinen.

Wer heute den Turbo- oder Kasino-Kapitalismus argumentativ widerlegen will, hat nicht auf Marx zu verweisen, weil im 19. Jahrhundert an der Börse nur Couponschneider gehandelt hatten; das ist heute völlig anders, da sind Ausschüttungen eigentlich kontraproduktiv und zeugen von wirtschaftlicher Schwäche.

knattertom 25.04.2014 | 20:23

"3. die Bereitschaft vorhanden sein, ohne Zwang nicht wesentlich weniger zu arbeiten als bisher, wobei immerhin die Möglichkeit zu selbstbestimmterer Arbeit gegeben ist und durch gleichmäßigere Verteilung der Arbeit, Verteilung auf mehr Hände, die Lebensarbeitszeit für die meisten sinken könnte. "

Um ein "funktionieren" der Gesellschaft und der erforderlichen Infrastruktur zu gewährleisten, könnte ich mir z.B. innerhalb eines solchen Systems vorstellen, das es einen Tätigkeitskatalog gibt, der all diese Tätigkeiten umfasst und aus dem sich dann jeder etwas heraussuchen kann.

Das ganze vielleicht gepaart mit Erschwernisszulagen oder einer anderen Form von Belohnung für besonders anspruchsvolle oder belastende Tätigkeiten.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 25.04.2014 | 21:23

Einerseits ist da Blei im Hintern, andererseits sind die realwirtschaftlichen Verhältnisse daran beteiligt.

Ein durchschnittlicher Arbeitnehmer ist spezialisiert auf seine Tätigkeit und nicht beliebig verwendbar, aber auch gezwungen, damit seinen Lebensunterhalt zu bestreiten und den seiner Familie.

Wenn nun die neoliberalen Paradigmen sowohl in den Köpfen der Unternehmensmanager, der Politiker und der Gewerkschaftsfunktionäre brodeln, hat der einzelne Arbeitnehmer keinerlei Chance mehr, aus der Verelendung heraus zu kommen.

Beispiel dafür ist der Arbeitszwang beim Hartz-IV-Amt.

gelse 26.04.2014 | 06:55

>>…nach Wegen zu suchen, wie das Wirtschaftssystem menschlich und nachhaltig gestaltet werden kann.<<
Falls mit „Wirtschaftssystem“ das Prinzip gemeint ist „Investor sucht nach Anlagemöglichkeiten, in denen „sein Geld arbeitet“ und ihm leistungsloses Einkommen beschert. Als Nebenwirkung kann dabei ein „verkäufliches Produkt“* herauskommen“: Das halte ich nicht für reformierbar. Denn mit einem winzigen Anteil des Privatprofites können politische Entscheidungen gekauft werden. Und die privaten Entscheider hinter den amtlichen, gewählten "Entscheidern" haben keinen Grund, an dem für sie sehr komfortablen System etwas ändern zu wollen.

---
Symptomatisch für das Machtsystem war zum Beispiel die öffentliche Reaktion einiger Besitzender auf die Forderung nach höherer Reichtumsbesteuerung: „Wir würden ja gerne mehr Steuern bezahlen, aber der Gesetzgeber lässt uns doch nicht!“. Kaum jemand traute sich zu antworten: „Dann pfeift mal eure Lobbyisten zurück, pfeift eure Manager zurück, die Regierungen mit der Verfügungsmacht über „Arbeitsplätze“ erpressen, schickt eure Steuerberater nach hause: dann dürft ihr bezahlen!“

-------------------

*"verkäufliches Produkt" Viele Produkte sind nur mit massivem Werbeaufwand protitabel verkäuflich. Wir sind so sehr an die „Schaffung von Nachfrage“ gewöhnt, dass dies kaum jemals hinterfragt wird. Aber auch das hat natürlich Grenzen: wohin dann mit der ständig weiter laufenden Kapitalrendite? Dann spielt man eben damit herum.

gelse 26.04.2014 | 06:59

>>Das bezieht sich alles auf die Volkswirtschaft und die Realwirtschaft, die Finanzwirtschaft an den Börsen wird davon überhaupt nicht betroffen.<<
Schon. Es bringt aber nichts, von korrumpierten Regierungen ein Schmerzmittel gegen das Symptom „Finanzwirtschaft“ zu verlangen.

Der Urspung des Problems liegt in der privaten Akkumulation der Kapitalrenditen aus der „Realwirtschaft“. Für diese wachsenden Reichtumsansammlungen werden stets Anlagemöglichkeiten gesucht, nach dem Prinzipe: „Geld muss Geld bringen und mehr Geld muss noch mehr Geld bringen.“ Der Privatreichtum hat die Reinvestitionsmöglichkeiten in die „Realwirtschaft“ schon lange überschritten. Deswegen wächst das „Kasino“ immer weiter.

gelse 26.04.2014 | 07:10

>>Wenn nun die neoliberalen Paradigmen sowohl in den Köpfen der Unternehmensmanager, der Politiker und der Gewerkschaftsfunktionäre brodeln, hat der einzelne Arbeitnehmer keinerlei Chance mehr, aus der Verelendung heraus zu kommen.<<
Ja. Ich komme auch immer mehr zu dem Schluss, dass die Arbeiterbewegung noch mal neu erfunden werden muss. Aus den vergangenen 100 Jahren lernend, müssen wir zunächst das Hauptaugenmerk auf die Frage richten, wie sie weder durch Korruption noch durch Demagogie zerstört werden kann.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 26.04.2014 | 08:13

Dieser Blogg befasst sich mit dem "gescheiterten Kapitalismus" und will den mit ungeeigneten Maßnahmen "bekämpfen", mit den gleichen Lachnummern, wie das die LINKE auch will.

Das halte ich für Populismus ...

Die Akkumulation von Kapital in privatem Eigentum ist eine Erklärung des Problems, eine andere ist die Akkumulation von vergesellschaftetem Kapital in Pensionsgesellschaften, das in der Regel Kleinanleger erbracht haben, um ihre Renten zu sichern, siehe Pensionsfonds.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 26.04.2014 | 08:31

Eine Möglichkeit könnte ( ich weiß Konditional ) der Bancor oder Indor als globale Börsenwährung sein, damit kann die Finanzwirtschaft weitgehend von der Realwirtschaft abgekoppelt werden und damit von der realen Geldschöpfung der Kreditwirtschaft, insbesondere vom manipulierbaren US$.

Allerdings höre ich gerade im Radio, daß diese unsere Koalitionärsregierung den jungen Unternehmen den Weg an die Börse erleichtern will - Börse 2.0 :-))))) Nachtigall ik hör dir trapsen.

Sehr grundsätzlich ändern sich die Verhältnisse damit aber nicht, weil jedes Unternehmen an der Börse ein einziges Mal Kapital einsammelt und anschließend als Rennpferd die Peitsche kriegt und damit auch die Arbeitnehmer dieses Unternehmens.

Also abkoppeln vom Börsenmarkt und vergesellschaften des Unternehmens zum großen Teil bei den Arbeitnehmern ( bloß nicht beim Staat ).

Dem Finanzmarkt die Finanzen entziehen:

1. Die Spareinlagen

2. Das Giralgeld

3. Die Renten- oder Pensionskasse

4. Die Produktionsmittel

Das läuft auf den Zinsgroschen hinaus:

Der Zinsgroschen( Mt 22,15-22; Mk 12,13-17; Lk 20,20-26; )
Pharisäer fragten Jeschua vor dem Volk und vor Anhängern des Herodes: Ist's recht, daß man dem Kaiser Steuern zahlt oder nicht?
Jeschua erkannte die Heuchler: Was versucht ihr mich? Zeigt mir die Steuermünze!
Und sie reichten ihm einen Silbergroschen.
Und er sprach zu ihnen: Wessen Bild und Aufschrift ist das?
Sie sprachen zu ihm: Des Kaisers.
Da sprach er zu ihnen: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und gebt Gott, was Gottes ist!
Als sie das hörten, wunderten sie sich, ließen von ihm an und gingen davon.

Was heißt das?
Ein römischer Besatzer in Israel war's zufrieden, denn er hatte gehört: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist - also zahlt Steuern.


Ein Israeli war's zufrieden, denn er hatte gehört: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist - also handelt nicht mit des Kaisers Geld.

knattertom 26.04.2014 | 11:01

"Falls mit „Wirtschaftssystem“ das Prinzip gemeint ist „Investor sucht nach Anlagemöglichkeiten, in denen „sein Geld arbeitet“ und ihm leistungsloses Einkommen beschert. Als Nebenwirkung kann dabei ein „verkäufliches Produkt“* herauskommen“"

Schön formuliert.

Aber das meinte ich mit dem Begriff nicht, sondern einfach nur, welches System hinter dem Warenaustausch steht. Z. B. "Der Markt" als Begriff, ich bin kein Wirtschaftshistoriker, aber das Wort beschreibt für mich erstmal nur im althergebrachten Sinn, einen Ort an den Menschen kommen um Waren zu tauschen. Inzwischen interpretieren wir bei dem Begriff aber automatisch "mit Gewinn zu tauschen". Es gab auch in der DDR Wochenmärkte, wo man überschüssige Waren gegen überschüssige Waren eines anderen eintauschen konnte.

Die beiden Worte "Markt" + "Wirtschaft" wurden missbraucht,, indem man Sie verbunden hat um danach etwas vollkommen anderes zu machen, nämlich "Supermarktkapitalismus".

Auch in einem sozialisierten Wirtschaftraum wäre es logisch, bestimmte Produkte auf einem Markt zum Tausch anzubieten.

"*"verkäufliches Produkt" Viele Produkte sind nur mit massivem Werbeaufwand protitabel verkäuflich. Wir sind so sehr an die „Schaffung von Nachfrage“ gewöhnt, dass dies kaum jemals hinterfragt wird."

Ja, Bedarf (der Grundlagen) wird gedeckt, Bedürfnisse nach Luxus werden geweckt.

knattertom 26.04.2014 | 18:37

"Wenn nun die neoliberalen Paradigmen sowohl in den Köpfen der Unternehmensmanager, der Politiker und der Gewerkschaftsfunktionäre brodeln, hat der einzelne Arbeitnehmer keinerlei Chance mehr, aus der Verelendung heraus zu kommen.

Beispiel dafür ist der Arbeitszwang beim Hartz-IV-Amt."

Ja, und im Zweifelsfall wird von denen zu einer "Arbeit" verdonnert, die auch noch gesellschaftlich schädlich und in keinster Weise nutzbringend für irgendjemanden ist. Total Paradox!

Ludwig Brunner 26.04.2014 | 22:56

Der Finanz-Kapitalismus ist die logische Folge und Konsequenz tendenziell mangelnder Mehrwertschöpfung durch unmittelbare Arbeitskraft- und mittelbarer Gesellschafts-"Ausbeutung".

Diesen Finanzkapitalismus aber nun zu unterbinden in der Form, dass man ihm die Möglichkeiten der Bildung "fiktiven Kapitals" nimmt, vergrößert eher die Probleme, indem die inneren Schranken schneller und unmittelbarer zu Tage treten werden.

Es gibt auch einen riesengroßen Unterschied zwischen einem Volcker-Zinssatz anfangs der 80er Jahre und den Maßnahmen eines "Helicopter-Ben".

Die Notwendigkeit einer intrinsischen Kurantwährung bestreite ich nicht nur, sie ist auch kontraproduktiv - und vor allem fetischistisch.