Die gucken so komisch

Maskottchen Kein Sportereignis ohne Maskottchen: In London wurden Mandeville und Wenlock vorgestellt. Sie sollen für Olympia werben, erinnern aber vor allem an Überwachungskameras

An den Anblick von Mandeville und Wenlock sollten wir uns gewöhnen, denn spätestens 2012 werden die wenigsten von uns – mal abgesehen von denen, die den Planeten verlassen wollen – in der Lage sein, sich ihrer Allgegenwart zu entziehen. Ihre Aufgabe ist es, die Olympischen Spiele 2012 in London kindgerecht zu machen. Das heißt, sie sollen mehr Kuscheltiere verkaufen, als am Fuße des Olymp Platz hätten. Was die beiden eckigen Figuren, die einem Computerspiel entsprungen scheinen, mit London, Großbritannien oder gar mit den Olympischen Spielen zu tun haben, bleibt der Fantasie des Betrachters überlassen.

Sie sind weiß mit orangefarben beziehungsweise türkisen Flecken. In einem Video klatschen sich die beiden auf sehr amerikanische Art ab, als würde sie sagen wollen: „Yo! Dude“. Trotz dieser Gepflogenheit sehen Mandeville und Wenlock aus, als habe sie jemand aus eine japanischen Comic oder Computerspiel hervorgezaubert. Einzig ihre zyklopischen Augen weisen sie eindeutig als Londoner aus, denn diese erinnern an die Linsen der unzähligen Überwachungskameras, die einen in der Stadt von so gut wie jedem Gebäude, jeder Haltestelle und jeder Straßenecke aus beobachten.

Erfunden wurden die olympischen Maskottchen bei den Winterspielen in Grenoble 1968, ihren endgültigen Durchbruch hatten sie 1980 während der Spiele in Moskau. Bär Misha, gezeichnet von dem rührigen Kinderbuchillustrator Victor Chizhikov, war damals äußerst beliebt. Seitdem hatten alle Maskottchen etwas Kindliches, und auch Mandeville und Wenlock könnten – obgleich sie High-Tech-Spielzeuge aus einer digitalen Welt sind – auch von Wallace und Gromit inspiriert sein.

Die Maskottchen seien Tropfen, erklärte Lord Coe, 1980 und 1984 Olympiasieger im 1.500-Meterlauf und der Mann, der die Spiele nach London brachte. Tropfen von dem Stahl der Träger, die bei der Konstruktion des neuen Olympiastadions zum Einsatz kommen. Wow! Am bekanntesten dürften sie allerdings nicht aus Stahl, sondern als Plüschfiguren werden. Ob all die Mandevilles und Wenlocks in Großbritannien statt in China produziert werden, bleibt abzuwarten. Eine Verbesserung gegenüber dem bisherigen, lächerlichen Olympia-Logo der Londoner Spiele ist das seltsame Paar dennoch allemal.

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Geschrieben von

Jonathan Glancey | The Guardian

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