Die Klimagegner

Ökologie Die Kritik an der Klimapolitik der USA nimmt zu. Auch Topterrorist Osama bin Laden spricht sich für eine ökologische Wende aus

Die Klimaforschung steht laufend unter dem Beschuss ihrer Gegner, ein weltweites Abkommen zur Reduktion der Treibhausgase liegt vorerst auf Eis und Barack Obama hat Probleme, mit seiner Agenda für saubere Energien voran zu kommen.

Dass sich nun ausgerechnet Osama Bin Laden zum Klimaretter berufen fühlt, ist das allerletzte, was sich da jemand noch gewünscht hätte. In einer Audio-Botschaft, die am Freitag bei Al-Dschazira aufgetaucht ist, erklärt Osama Bin Laden, er glaube an die wissenschaftlichen Erkenntnisse über den Klimawandel. Er wirft den USA und anderen Industriestaaten vor, sie bekämen die Treibhausgase nicht in den Griff, die zur Erwärmung der Erdatmosphäre führen. „Der Klimawandel ist eine Tatsache und keine intellektuelle Kapriole“, zitiert al-Dschazira bin Laden. „Alle Industrienationen, insbesondere die großen, tragen die Verantwortung für die Erderwärmung.“

Die Äußerung wurde von rechten Blogs wie dem Drudge Report groß aufgegriffen und auch Fox News berichtete – beide Medien sind Horte der Opposition gegen den Klimaschutz. Der konservative Weblog RedState stellte die Frage: „Was ist der Unterschied zwischen Bin Laden und Al Gore?“

Das Tonband, dessen Authentizität von den Geheimdiensten noch bestätigt werden muss, ist die zweite angebliche Nachricht des Al-Qaida-Anführers innerhalb einer Woche. Er wirft den Industriestaaten darin vor, dass sie weiterhin Klimagase produzieren, obwohl sie das Kyoto-Protokoll unterschrieben haben. Amerika unterschrieb das Protokoll nicht, was auch Osama anmerkt: „George Bush Junior, und mit ihm der Kongress, lehnte das Abkommen ab, um die großen Firmen zu besänftigen. Diese sind für Spekulationen, Monopole und Teuerungen verantwortlich; und für die Globalisierung und ihre tragischen Auswirkungen. Und wann immer die Betrüger für schuldig befunden werden, kommen die Staatsoberhäupter und retten sie mit öffentlichen Geldern.“ Das Oberhaupt von Al-Qaida forderte die Weltwirtschaft dazu auf, den Dollar zu meiden und pries die politische Analyse Noam Chomskys.

Dass Osama sich um die Umwelt sorgt, ist nicht neu, er äußert sich jedoch nur sporadisch dazu. 2002 schrieb er an das amerikanische Volk: „Ihr habt mit euren Industrieabfällen und -gasen mehr als jede andere Nation in der Geschichte der Menschheit zur Zerstörung der Natur beigetragen. Dennoch habt ihr euch geweigert, das Kyoto-Protokoll zu unterschreiben, damit ihr euch den Profit eurer gierigen Firmen und Industrien sichern könnt.“

Seine jüngste Erklärung kommt zu einer Zeit, da die Regierung Obama sich gezwungen sieht, einen neuen Ort für den Prozess gegen das Mastermind der Anschläge vom 11. September zu suchen. Der Plan, den Prozess in Manhattan stattfinden zu lassen, war auf heftigen Widerstand gestoßen. Die Regierung versuchte Wege zu finden, um ihre Klima- und Energieagenda trotz der Lähmung im Kongress voranzubringen. Obama hatte in seiner Rede zur Lage der Nation versprochen, er werde zwei Optionen, die die Republikaner befürworten, in seinen Energieplan mit einbauen: Die Ausweitung der Offshore-Bohrungen und den Bau weiterer Atomkraftwerke. Unterdessen tut das Weiße Haus, was es kann, um die Emission von Treibhausgasen zu reduzieren – auch wenn es dem Kongress nicht gelingen will, eine entsprechende Gesetzgebung durchzubringen.
Das Weiße Haus kündigte heute an, es habe alle Ministerien angewiesen, ihre Emissionen bis 2020 um 28 Prozent unter die Werte von 2008 zu senken. Dieses Ziel ist ehrgeiziger als Amerikas offizielle Haltung bei den Verhandlungen in Kopenhagen. Dort sprach man davon, die Emissionen bis 2020 um 17 Prozent unter die Werte von 2005 zu senken.
Das Weiße Haus gab an, die Aktion würde 205 Millionen Barrel Öl einsparen und wäre so effektiv, wie wenn in einem Jahr 17 Millionen Autos von den Straßen genommen würden.
Unterdessen plant das Pentagon den Kampf gegen den Klimawandel in seine offizielle Langzeitstrategie zu integrieren. Der neue Fokus ist Teil eines für heute anstehenden Verteidigungsberichts, der dem Kongress alle vier Jahre vorgelegt wird.

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Übersetzung: Christine Käppeler
Geschrieben von

Suzanne Goldenberg | The Guardian

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