Emer O’Toole
Ausgabe 0414 | 28.01.2014 | 06:00 54

Die Rückkehr der Schamhaare

Körperkultur Die Körperbehaarung scheint ein Revival zu erleben. Wieso hat frau sich überhaupt jemals dafür geschämt?

Die Rückkehr der Schamhaare

Trendsetter: Schaufensterpuppen von American Apparel

Foto: STAN HONDA/ AFP/ Getty Images

Es verdichten sich die Anzeichen dafür: Im Jahr 2014 werden wir wahrscheinlich das Revival des Schamhaars erleben. Cameron Diaz hat uns bereits per Interview wissen lassen, Schamhaare hätten einen Sinn. Wenn man sie entferne, sei das so, als ob man sagen würde: „Ich brauche meine Nase nicht.“

Zeitgleich mit Diaz’ Solidaritätsadresse stellte das Mode-Label American Apparel Schaufensterpuppen in Unterhosen mit ziemlich buschigen Schamhaartoupets in die Schaufenster seines New Yorker Ladens. Eine Sprecherin erklärte, man wolle eine Debatte darüber anstoßen, was in unserer Gesellschaft als weiblich, schön und sexy gelte.

Man kann das nun als typisch zyklisches Verhalten interpretieren, bei dem ein Trend von einem anderen abgelöst wird, bei dem auf eine haarfreie wieder eine haarigere Zeit folgt. Man kann aber auch noch mal zurücktreten und sich fragen: Was hatte es eigentlich mit der ganzen Wachserei auf sich, die die Körperkultur in den vergangenen zehn Jahren im Westen so dominiert hat?

Qui bono?

Bei dieser Frage zeigen viele mit dem Finger schnell auf die Porno-Industrie – und diese hat ohne Zweifel ihren Anteil an der Entwicklung. Ich kenne aber viele Frauen, die nie den Suchverlauf ihres Browsers löschen müssen, sich aber dennoch die Schamhaare abrasieren. Wenn man den uralten Journalistentrick anwendet und immer dem Geld folgt, kommt man zu der Frage, was denn die Porno-Industrie davon hat, wenn Frauen am ganzen Körper blitzblank sind wie ein Babypopo. Nicht eben wirklich viel. Also folgen wir dem Geld weiter: Es ist nämlich die Schönheitsindustrie, die die Profite einfährt und den Trend vorangetrieben hat.

Vor dem Ersten Weltkrieg hat praktisch keine amerikanische Frau sich die Beine rasiert. 1964 taten dies 98 Prozent aller Frauen unter 44. Vor dem Krieg schenkte man auch der Achselbehaarung keine besondere Beachtung. Die Mode war bis dahin zwar schon figurbetont, hielt den Großteil des weiblichen Körpers aber noch bedeckt. Doch jetzt wurde sie immer freizügiger. 1915 brachte Gillette seinen ersten Damenrasierer heraus und fuhr im Auftrag von mehr als einem Dutzend „Schönheitsunternehmen“ aggressive Werbekampagnen. Weibliche Körperbehaarung galt auf einmal als unansehnlich.

Diktat des Schämens

Die Kampagne, die uns weismachen sollte, dass weibliche Körperbehaarung unnatürlich und unsauber sei, war von erschreckendem Erfolg gekrönt. Die Enthaarungsindustrie verdient heute ein Vermögen und unzählige Frauen schämen sich für ihre Behaarung. Doch das genügte noch nicht. Die Branche musste weiter wachsen. Als Nächstes musste die Welt davon überzeugt werden, dass weibliches Schamhaar auch schmutzig und männliche Körperbehaarung genauso inakzeptabel ist.

Nur: Wenn es im 20. Jahrhundert so einfach war, Frauen hinters Licht zu führen, warum sind sie heute eher bereit, sich dem Diktat zu widersetzen? Ich schätze, das liegt daran, dass Schamhaare trotz allem immer noch eine sehr private Angelegenheit sind. Ein anderer Punkt dürfte aber auch sein, dass Waxing schrecklich schmerzhaft ist. Ich hatte mein erstes (und ganz sicher auch letztes) Hollywood Waxing im August im Rahmen einer Recherche – und ich konnte gar nicht glauben, wie schmerzhaft es war. Von dem Jucken, wenn die Haare nachwachsen, ganz zu schweigen. Es ist einfach zu viel. Wir mögen es nicht, unter Druck gesetzt zu werden. Und wir mögen es nicht, wenn uns jemand das Gefühl geben will, wir müssten uns schämen.

Emer O’Toole schreibt für „Comment is free“, das Meinungsressort des Guardian

 



AUSGABE

Übersetzung: Holger Hutt

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 04/14.

Kommentare (54)

afromme 28.01.2014 | 15:03

Es wird also wieder die Rueckkehr der Schamhaare ausgerufen. Wie alle paar Jahre. Vor einigen Jahren sah auch die ZEIT schon ein solches Revival aufziehen, in einem kruden Artikel, der eine direkte Linie von der Schamhaarentfernung zur Schamlippenschoenheitsoperation zog.
Das ganze Gerede ueber "Revival der Scham- und Achselhaare" alle paar Jahre weist fuer mich eindeutig auf ein zyklisches Phaenomen hin.
Wobei das Entfernen der Scham- und Achselhaare auch keineswegs ein neuzeitliches Phaenomen ist - sie findet in islamischen Texten ebenso Erwaehnung (und Empfehlung) wie in Darstellungen aus dem antiken Griechenland, Mesopotamien, Aegypten, roemischen Reich, mittelalterlichen Europa usw.

Ich finde das Aufladen dieses Themas mit Phrasen wie "Wir mögen es nicht, unter Druck gesetzt zu werden. Und wir mögen es nicht, wenn uns jemand das Gefühl geben will, wir müssten uns schämen." auch ein bisschen zu weit gehend. Zumal damit letztlich versucht wird, Leuten mit entfernten Haaren ein Stigma zu verpassen, das kurzgefasst besagt, dass diese Menschen fremdbestimmt sind. Was auf dieselbe Weise bevormundend ist, die den Enthaarungsanhaengern in ihrer Attitude gegenueber Scham-/Achselhaartraegern unterstellt wird.
Maenner sind Haarwuchsmoden uebrigens sehr viel staerker ausgesetzt - der Druck, sich das Gesicht zu rasieren (was meist uebrigens viel haeufiger noetig ist als das Rasieren/Wachsen von Achseln und/oder Schambereich) ist sehr viel groesser, als der, sich andernorts am Koerper die Haare zu trimmen. Das kann ich als dreimaliger Movember-Teilnehmer aus eigener Erfahrung bestaetigen.
Niemand wird gezwungen, sich die Haare zu entfernen, was umgekehrt genauso gilt. So wie niemand zu einem bestimmten modischen/unmodischen Outfit oder einer bestimmten Frisur gezwungen wird. Man sollte bloss nicht von jedem uneingeschraenkte Begeisterung ueber Frisur/Outfit/Behaarung erwarten.

Um mal einen Schritt zurueck zu tun: Man kann Haare - egal wo - nun einmal stutzen, entfernen, zurechtfrisieren, richten, usw. Der Mensch tut dies schon seit langer Zeit, wie man nicht nur Darstellungen von Frisuren und Maennerbaerten aus vergangenen Epochen entnehmen kann, sondern auch Fotos aus den 1950ern bis 1980ern... die Popularitaet von Schnuppi, Achselhaare, Nackenmatte, Haargel und -oel usw. durchlief allein in diesem Zeitraum mehrere Zyklen. Auf Aktfotos aus den 70ern finde ich beispielsweise die Kopf- und Gesichtshaare der Dargestellten in den meisten Faellen sehr viel bemerkenswerter als ihre Achsel-/Schamhaare.
Solche Zyklen werden auch nicht verschwinden solang der Mensch noch Haare hat. Weder wird der Wildwuchs aussterben, noch die Komplettentfernung - so wenig wie diverse Zwischenformen.

knattertom 28.01.2014 | 15:21

Guten Tag,

ich finde diesen Artikel gut, und was hat es mit Boulevard zu tun, sich zu fragen, warum sich annähernd 100% der weiblichen Mitmenschen in der westlichen Hemisphäre dazu verleiten liessen und lassen, sich in ständig wiederkehrender schmerzhafter Prozedur ihrer Haare zu entledigen........, wer wird denn in der Regel geschoren?

Vor allem Häftlinge, denn Haare sind immer auch mit Macht assoziiert und das scheren der Haare ist mit Machtlosigkeit gleichgesetzt.

Das Argument, Haare seien unhygienisch, total an den Haaren herbeigezogen, allerdings, Geruchsträger sind sie schon und von daher erfüllen Sie einfach den wichtigen Zweck, uns zu zeigen, ob wir eine andere Person riechen können, was auch ein Hinweis auf potentielle Geschlechtspartner beinhaltet.

Ich lobe mir Afrika, wo eine starke Körperbehaarung weiterhin als Schönheitsideal gilt.

janto ban 28.01.2014 | 16:37

|| Wieso hat frau sich überhaupt jemals dafür geschämt? ||

Wieso nur frau..? Auch die Männer**, die in meinem Bekanntenkreis etwas auf sich halten, sind seit Jahren vollrasiert. Meine Schamhaare waren hingegen nie weg - woraus ich nie einen Hehl gemacht habe. Und zwar egal, wie theatralisch sie die Nasen gerümpft, publikumswirksam Igitt geschrieen oder mir fürsorglich erklärt haben, dass wir nicht in den 90ern leben. Hygienisch sei es angeblich nicht. Das versteh' aber bitte, wer will. Ich weigere mich.

** Wohlgemerkt besteht mein Bekanntenkreis hauptsächlich aus heterosexuellen Personen, Männern wie Frauen. Alles Kleinstädter. Das nur für's Protokoll. Und als Zusatzinfo: Ich besitze sogar die Frechheit, mich in meinem Zustand von Zeit zu Zeit in Saunen zu zeigen. Ekelhaft, oder..? Aber ein echter Eye-Catcher ;o)

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Ehemaliger Nutzer 29.01.2014 | 13:08

Ich weiß nicht, ob ich dem neuen Sündenbock (nach Porno jetzt Schönheitsindustrie) folgen mag.

Schaut man in der Geschichte noch viel weiter zurück, so zeigt sich in fast allen Hochkulturen der Trend Schambehaarung (vor allem bei Frauen) zu entfernen. Auch zu Zeiten, als noch keine Industrie dafür existierte.

Die Ausbreitung scheint vielmehr etwas mit dem Wohlstand und der (sexuellen) Offenheit der entsprechenden Gesellschaft zu tun zu haben. Letzteres wird natürlich massiv von Werbung und Medien verstärkt.

Man muss sich offenbar erst ein Bewusstsein für derartige sexuelle Ästhetik leisten können (die Bäuerin im Mittelalter hatte andere Probleme) und es muss möglich sein, dass dieses Bewusstsein andere sozusagen ansteckt und sich dadurch ausbreitet (Medien, Werbung, körperliche Freizügigkeit).

Für diese These spricht auch, dass viele Männer nicht mehr mit einem ungepflegten "Busch" untenrum und unter den Armen herumlaufen, obwohl die nicht primäres Ziel der Schönheitsindustrie sind.

Die Vorteile sind offensichtlich: besserer Oralsex, bessere Sichtbarkeit der Genitalien (erregungssteigernd), gefühlt bessere Hygiene und weniger unangenehmer Geruch. Man wirkt (auch intim) gepflegter. Es besteht theoretisch ja auch kein Grund die Haare auf dem Kopf in eine bestimmte Form zu bringen. Trotzdem tun es alle...

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Ehemaliger Nutzer 29.01.2014 | 13:09

Ich weiß nicht, ob ich dem neuen Sündenbock (nach Porno jetzt Schönheitsindustrie) folgen mag.

Schaut man in der Geschichte noch viel weiter zurück, so zeigt sich in fast allen Hochkulturen der Trend Schambehaarung (vor allem bei Frauen) zu entfernen. Auch zu Zeiten, als noch keine Industrie dafür existierte.

Die Ausbreitung scheint vielmehr etwas mit dem Wohlstand und der (sexuellen) Offenheit der entsprechenden Gesellschaft zu tun zu haben. Letzteres wird natürlich massiv von Werbung und Medien verstärkt.

Man muss sich offenbar erst ein Bewusstsein für derartige sexuelle Ästhetik leisten können (die Bäuerin im Mittelalter hatte andere Probleme) und es muss möglich sein, dass dieses Bewusstsein andere sozusagen ansteckt und sich dadurch ausbreitet (Medien, Werbung, körperliche Freizügigkeit).

Für diese These spricht auch, dass viele Männer nicht mehr mit einem ungepflegten "Busch" untenrum und unter den Armen herumlaufen, obwohl die nicht primäres Ziel der Schönheitsindustrie sind.

Die Vorteile sind offensichtlich: besserer Oralsex, bessere Sichtbarkeit der Genitalien (erregungssteigernd), gefühlt bessere Hygiene und weniger unangenehmer Geruch. Man wirkt (auch intim) gepflegter. Es besteht theoretisch ja auch kein Grund die Haare auf dem Kopf in eine bestimmte Form zu bringen. Trotzdem tun es alle...

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Ehemaliger Nutzer 29.01.2014 | 13:09

Ich weiß nicht, ob ich dem neuen Sündenbock (nach Porno jetzt Schönheitsindustrie) folgen mag.

Schaut man in der Geschichte noch viel weiter zurück, so zeigt sich in fast allen Hochkulturen der Trend Schambehaarung (vor allem bei Frauen) zu entfernen. Auch zu Zeiten, als noch keine Industrie dafür existierte.

Die Ausbreitung scheint vielmehr etwas mit dem Wohlstand und der (sexuellen) Offenheit der entsprechenden Gesellschaft zu tun zu haben. Letzteres wird natürlich massiv von Werbung und Medien verstärkt.

Man muss sich offenbar erst ein Bewusstsein für derartige sexuelle Ästhetik leisten können (die Bäuerin im Mittelalter hatte andere Probleme) und es muss möglich sein, dass dieses Bewusstsein andere sozusagen ansteckt und sich dadurch ausbreitet (Medien, Werbung, körperliche Freizügigkeit).

Für diese These spricht auch, dass viele Männer nicht mehr mit einem ungepflegten "Busch" untenrum und unter den Armen herumlaufen, obwohl die nicht primäres Ziel der Schönheitsindustrie sind.

Die Vorteile sind offensichtlich: besserer Oralsex, bessere Sichtbarkeit der Genitalien (erregungssteigernd), gefühlt bessere Hygiene und weniger unangenehmer Geruch. Man wirkt (auch intim) gepflegter. Es besteht theoretisch ja auch kein Grund die Haare auf dem Kopf in eine bestimmte Form zu bringen. Trotzdem tun es alle...

Lethe 29.01.2014 | 16:52

Die Körperbehaarung scheint ein Revival zu erleben. Wieso hat frau sich überhaupt jemals dafür geschämt?

Im Wesentlichen deswegen, weil frau noch der dümmsten Mode folgen möchte, wenn sie sich davon eine Erhöhung ihres persönlichen Marktwertes verspricht. Die Schönheitsindustrie hat das nur verstanden und großindustriell umgesetzt und ausgenutzt. Glücklicherweise ist es schwierig, den Busen auf dem Rücken zu tragen.

Lethe 29.01.2014 | 17:03

Die Vorteile sind offensichtlich: besserer Oralsex, bessere Sichtbarkeit der Genitalien (erregungssteigernd), gefühlt bessere Hygiene und weniger unangenehmer Geruch. Man wirkt (auch intim) gepflegter.

wir sprechen aber über Sexualität, also über Chaos, nicht über die Sterilitätsvorschriften einer OP-Vorbereitung. Außerdem ein typischer Denkfehler: Lust wird hauptsächlich über Pheromone erzeugt. Die verteilen sich besser und riechen instensiver bei vorhandenem Haarbestand. Die Entfernung der Scham- und Achselbehaarung ist somit direkt entgegengesetzt dem Ziel der Luststeigerung. Aber in Zeiten, in denen Sex nichts mehr damit zu tun hat, dass die Menschen ergriffen sein sondern lieber die Kontrolle behalten wollen, passt das schon. Was ihnen entgeht, erfahren sie ja nie.

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Ehemaliger Nutzer 30.01.2014 | 22:51

"wir sprechen aber über Sexualität, also über Chaos, nicht über die Sterilitätsvorschriften einer OP-Vorbereitung"

Chaos? Kaum. Zumindest aus männlicher Sicht ist Sex immer ein starkt kontrollierter Akt, zumindest wenn es der Frau auch Spaß machen und länger als 2 min gehen soll.

Die meisten rasieren sich übrigens als Teil der Körperpflege (die insgesamt viel aufwendiger geworden ist), nicht als explizite GV-Vorbereitung. Und wenn man im normalen Familienalltag einmal die Woche welchen hat, solls bitte auch schön und anspruchsvoll sein.

"Außerdem ein typischer Denkfehler: Lust wird hauptsächlich über Pheromone erzeugt."

Definitiv nicht. Lust wird AUCH über Pheromone erzeugt, obwohl das nicht sehr umfangreich erforscht ist. Zumindest bei mir ist Lust wie Hunger, sie kommt ganz von selbst und immer wieder und wird stark durch optische Reize getriggert.

"Die verteilen sich besser und riechen instensiver bei vorhandenem Haarbestand."

Genauso wie Schweiß, Urin- und andere Gerüche. Ne, ne, lass mal. Ich kenne beides und rasiert gefällt mir definitiv besser.

Die Entfernung der Scham- und Achselbehaarung ist somit direkt entgegengesetzt dem Ziel der Luststeigerung.

Bei dir vielleicht.

"behalten wollen, passt das schon. Was ihnen entgeht, erfahren sie ja nie."

Jede Menge uneheliche Kinder und unangenehme Geschlechtskrankheiten? Sprechen wir es doch aus: unkomplizierter Spontansex ist die absolute Ausnahme in unserem durchgeplanten Alltag. Das mag früher besser gewesen sein, keine Ahnung, aber dieser Zustand macht sich nicht am Schamhaar fest und ist auch nicht ohne weiteres wieder herstellbar.

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Ehemaliger Nutzer 30.01.2014 | 23:07

"den Jungmädchen-Look, auf den anscheinend mehr Männer stehen, als zugegeben."

Eine typische EMMA-Position. Unwiderlegbar, da Kinder nunmal keine Schambehaarung haben, man also keine Gegenprobe machen kann.

Tatsächlich ist das aber unlogisch, sonst würden nicht auch Männer (ich zum Beispiel) ihre Schamhaare entfernen.

Es ist vermutlich ähnlich wie mit dem Sitzpissen. Der klassische Chauvinist wird das immer als unmännlich ansehen. Ebenso wie eine Alice Schwarzer halt Damenbärte und Schambehaarung als ständiges Zeichen für ihr Erwachsensein offenbar nötig hat.

Sollen sie doch. Mir egal. Die dämlichen Unterstellungen sollte man aber besser weglassen, nicht wahr werter GEBE?

Lethe 31.01.2014 | 11:53

Zumindest aus männlicher Sicht ist Sex immer ein starkt kontrollierter Akt

Mag sein, zumindest dann, wenn der Gesamtkomplex aus Sexualität, Erotik und Liebe auf unmittelbar lusterzeugende mechanische Komponenten beschränkt bleiben soll. Dazu passt dann auch Pornographie als Argument. Es scheint doch sehr viele Männer zu geben, die nie zu der Erkenntnis vorgedrungen sind, dass Gefühle zur Sexualität gehören wie das Atmen zum Leben.

Die meisten rasieren sich übrigens als Teil der Körperpflege (die insgesamt viel aufwendiger geworden ist)

ja, die meisten sind süchtig danach geworden, nicht mehr sie selbst zu sein, sondern ein Abziehbild von Werbephantasien zu werden.

Lust wird AUCH über Pheromone erzeugt

gut, das war mein Fehler, ich habe tatsächlich erzeugt gesagt. Was ich eigentlich ausdrücken wollte, ist folgendes: Lust unter Beteiligung intensiver Pheromondüfte verhält sich zu Lust unter Beteiligung massiver Körperhygiene wie Lust unter Einfluss von Amylnitrid zu Lust ohne Einfluss von Amylnitrid. Oder falls Ihnen das nichts sagt: Wie das Fahrgefühl in einem Ferrari gegenüber dem Fahrgefühl in einer VW-Käfer.

Nur zur Erläuterung: mit "massiver Körperhygiene" meine ich eine Körperhygiene, die sich zu normaler Reinlichkeit verhält wie ein Putzfimmel zum notwendigen Maß an Sauberkeit in der Wohnung.

Genauso wie Schweiß, Urin- und andere Gerüche

Pheromongeruch ist mit persönlicher Sauberkeit durchaus kompatibel^^

unkomplizierter Spontansex

ist eine Phantasmagorie^^

ansonsten: leben und leben lassen^^ derzeit ist es eher so, dass das Enthaarungsgebot normativ wirkt und nicht der Lobgesang auf die Schamhaare

Lethe 31.01.2014 | 12:06

Wenn ich es gelegentlich nicht vermeiden kann, einen Blick auf Pornos zu werfen, bestätigt sich immer wieder ein Eindruck von früher: da agieren Puppen. Ich empfinde Puppen als maximal unerotisch. Aber du hast natürlich recht: da ich kein Interesse an Pornos habe, kenne ich auch nicht die vorhandene Bandbreite. Ich kann nur sagen, dass ich Bilder und Filme von der Sache nie für die Sache gehalten habe.

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Ehemaliger Nutzer 31.01.2014 | 15:45

"sind, dass Gefühle zur Sexualität gehören wie das Atmen zum Leben."

Vielleicht ist das bei vielen Männern (und einigen Frauen) einfach nicht so? Liebe intensiviert zweifelsohne das Empfinden, andererseits ist Liebe der Luxus der frisch Verliebten.

Und für mich ist Sex vergleichbar mit essen, man muss es ab und zu machen um sich besser zu fühlen, es macht mit geliebten Menschen uU mehr Spaß, aber man könnte auch ins Restaurant gehen oder allein essen (was auch jeweils Vor- und Nachteile hat :-)

"ja, die meisten sind süchtig danach geworden, nicht mehr sie selbst zu sein, sondern ein Abziehbild von Werbephantasien zu werden."

"Selbstsein" ist eine Sache, die ich für Esoterik halte. Zweifelsohne übertreiben einige in ihrem Buhlen um Anerkennung, andererseits gab es seit jeher bestimmte Moden und Schönheitsideale. Und da die Wenigsten ausreichend selbstsicher sind und Partnersuche immer bestimmendes Thema (zumindest in der Jugend), ordnen sie sich diesen Idealen halt unter. Die Industrie weiß darum und versucht es auszunutzen.

"Beteiligung intensiver Pheromondüfte verhält sich zu Lust unter Beteiligung massiver Körperhygiene"

Wie auch immer. Ich bin niemand der auf Intim-Desinfektionssprays steht usw. aber bei Schambehaarungsrasur überwiegen für mich schlicht die Vorteile. Und wie gesagt: ich kenne beides. Du auch?

"ansonsten: leben und leben lassen^^ derzeit ist es eher so, dass das Enthaarungsgebot normativ wirkt und nicht der Lobgesang auf die Schamhaare"

So wie jedes Schönheitsideal. Früher musste man sich halt Beleidigungen gefallen lassen, wenn man sich rasierte (insbesondere als Mann). Aber glücklicherweise bekommen das die meisten ja nicht mit.

Lethe 01.02.2014 | 10:53

Schaust du auch keine normalen Filme? Ich meine ein Krimi ist ja auch nicht gerade die Realität

ach, je älter ich werde, je weniger schaue ich. Gibt immer wenige, was sich lohnt. Aber der springende Punkt: wenn ich einen Krimi anschaue, tue ich das nicht, um mich auf reale Handlungen einzustimmen. So wie ich das Konzept von Pornos bisher verstanden hatte, liegt ihr Daseinszweck und ihre Vollendung außerhalb ihrer selbst^^

Lethe 01.02.2014 | 11:05

Und für mich ist Sex vergleichbar mit essen, man muss es ab und zu machen um sich besser zu fühlen

okay, das erklärt einiges^^ guten Appetit

"Selbstsein" ist eine Sache, die ich für Esoterik halte.

Wenn mensch so manchem Esoteriker zuhört, könnte dieser Eindruck entstehen, das ist wahr. Trotzdem halte ich jene für arme Pfropfe, die sich an Werbung und Lifestyle-Klischees orientieren. Nicht nur dass sie - aus irgendwie linker Perspekive ganz besonders schlimm - dem Klassenfeind ins offene Messer laufen^^ viel schlimmer aber, dass so viele jener armen Pfropfe so gerne um ihrer selbst willen geliebt werden wollen, aber immer nur erleben, dass sie wegen ihrer Klamotten oder anderer Äußerlichkeiten nebst ihrem sozialen Status geliebt werden. Warum machen sie aus Liebe auch eine Marktfrage. Moderates Mitleid^^ Wirklich schlimm ist aber etwas anderes: dass die Betreffenden ein Selbstbewusstsein immer nur von anderer Leute Gnaden aufbauen.

Ich kenne beides. Du auch?

War ich mal jung und ahnungslos? Welche Frage^^

So wie jedes Schönheitsideal.

wenn mensch sich ihm ergibt, ja^^

Ernstchen 02.02.2014 | 15:37

Also ich hatte in meinem Leben bisher nur zwei Frauen die komplett rasiert waren. Ich fand es toll, weil es einfach, sagen wir mal beim Cunnilingus, schön angenehm ist. Ich habe es nie von einer Frau verlangt, ich kann nur sagen, dass es mir gefällt. Wenn eine Frau mir einmal vorschlagen würde, dass ich mir die Schamhaare rasieren könnte, ich würds halt mal ausprobieren. Der gesellschaftliche Druck lastet übrigens auf allen. Auf Dicken, auf Pickeligen, auf sehr haarigen Männern, auf Glatzköpfen, auf sehr blassen, auf sehr braungebrannten, bei zu kleinen Penissen, bei zu kleinen Brüsten, bei nicht knackigen Hintern, bei zu großen Nippeln, etc. etc. Was wir daraus machen ist unsere Sache, wie weit wir uns zu etwas zwingen lassen. Und ob man es nun ästhetisch findet und es deswegen tut, z.B. abnehmen oder Muskeln trainieren oder die Schamhaare rasieren oder epilieren, dann: so be it!

rebelcat86 15.02.2014 | 14:50

Ich finde, es schränkt doch sehr die Intimsphäre ein, wenn jedermann meint, bei so intimen Körperdetails mitreden zu wollen....

Wem ein Busch gefällt, soll ihn haben - wer auf den Landing Strip steht, soll ihn sich schaffen - wer es lieber kahl mag, hat auch das Recht dazu.

Mich störts bei anderen (fremden) Leuten nicht, wenn sie an bestimmten Stellen des Körpers behaart sind. Persönlich finde ich nur Bein- und Achselhaare bei Frauen nicht besonders ästhetisch, wenn sie sichtbar sind.

rebelcat86 15.02.2014 | 14:51

Ich finde, es schränkt doch sehr die Intimsphäre ein, wenn jedermann meint, bei so intimen Körperdetails mitreden zu wollen....

Wem ein Busch gefällt, soll ihn haben - wer auf den Landing Strip steht, soll ihn sich schaffen - wer es lieber kahl mag, hat auch das Recht dazu.

Mich störts bei anderen (fremden) Leuten nicht, wenn sie an bestimmten Stellen des Körpers behaart sind. Persönlich finde ich nur Bein- und Achselhaare bei Frauen nicht besonders ästhetisch, wenn sie sichtbar sind.

rebelcat86 15.02.2014 | 14:52

Ich finde, es schränkt doch sehr die Intimsphäre ein, wenn jedermann meint, bei so intimen Körperdetails mitreden zu wollen....

Wem ein Busch gefällt, soll ihn haben - wer auf den Landing Strip steht, soll ihn sich schaffen - wer es lieber kahl mag, hat auch das Recht dazu.

Mich störts bei anderen (fremden) Leuten nicht, wenn sie an bestimmten Stellen des Körpers behaart sind. Persönlich finde ich nur Bein- und Achselhaare bei Frauen nicht besonders ästhetisch, wenn sie sichtbar sind.