Maggie O'Kane, Chavala Madlena und Guy Grandjean
30.05.2011 | 17:20 10

Die Welt auf einem Post-it

Wikileaks Als "Kriegs-Pornos" bezeichneten die Soldaten auf Bradley Mannings Stützpunkt die US-Geheimdienst-Filme. Recherchen des Guardian zeigen, wie leicht der Zugriff darauf war

Der 23jährige Gefreite Bradley Manning aus Oklahoma, dem vorgeworfen wird, für den größten Datenleak verantwortlich zu sein, der je einer US-Regierung widerfahren ist, befindet sich derzeit im Militärgefängnis Fort Leavenworth in Kansas. In 34 Punkten wurde Anklage gegen ihn erhoben. Sollte er schuldig gesprochen werden, steht ihm eine Gefängnisstrafe von bis zu 52 Jahren bevor.

Warum ignorierte die US-Armee Warnungen ihrer Offiziere, Manning sei labil? Warum schickten sie den keine ein Meter sechzig großen Homosexuellen, der beim Militär wiederholt schikaniert worden war, in eine der abgelegensten und trostlosesten Militärbasen im Irak? Warum wurde dort mit den Sicherheitsvorschriften so nachlässig umgegangen, dass die Passwörter für Computer, auf denen sich Geheiminformationen des Militärs befanden, auf Haftnotizzetteln ganz in der Nähe klebten?

Naheliegendes Opfer für Hänseleien

Ein Jahr nach Mannings Verhaftung am 29. Mai 2010 offenbaren Recherchen des Guardian eine Spur in den Wind geschlagener Warnungen, von Schlägen und gescheiterten persönlichen Beziehungen. Im Jahr 2001 war Manning nach der Scheidung seiner Eltern aus den USA, wo er bis dahin gelebt hatte, mit seiner Mutter in deren Heimatstadt Haverfordwest im Westen von Wales gezogen. Dort besuchte der Dreizehnjährige die örtliche Gesamtschule. Der klein gewachsene Computerfreak mit dem Oklahoma-Akzent war ein naheliegendes Opfer für die Hänseleien seiner Mitschüler. Auf die reagierte er wutentbrannt, erinnern sich Freunde von damals: „Bradleys Sinn für Humor unterschied sich von unserem“, so sein Schulfreund Tom Dyer: “Er nahm die Sachen wörtlich und schnappte zurück, wenn er meinte, ein Witz sei zu weit gegangen, was dann wiederum alle anderen zum Lachen brachte.“

Mit siebzehn – zu dieser Zeit hatte er sich bereits als homosexuell geoutet – kehrte Manning nach Amerika zurück und lebte bei seinem inzwischen wieder verheirateten Vater. Aus dem Softwarejob, den ihm dieser in Aussicht gestellt hatte, wurde nichts und auch das Verhältnis zu seiner Stiefmutter und deren Sohn gestaltete sich schwierig. „Jetzt bin ich ein Niemand“, schrieb er seiner Mutter.

Im März 2006 rief seine Stiefmutter die Polizei, weil er „außer Kontrolle“ geraten sei. Manning zog aus und verbrachte die Nächte des folgenden Jahres bei Freunden auf dem Sofa oder in seinem Pick-Up. Sein Geld verdiente er mit Gelegenheitsjobs. Er wollte gern mit Computern arbeiten, merkte aber rasch, dass er ohne Abschluss keine Chancen hatte. Den, sagte er sich, würde er am ehesten erhalten, indem er zur US-Armee ginge, da diese im Rahmen des GI-Gesetzes zur Finanzierung seiner Ausbildung beitragen würde. „Er trat der Armee bei, weil er auf die Universität wollte“, berichtet Keith Rose, ein Freund Mannings aus Boston. Die Haltung des Militärs Schwulen gegenüber habe ihn nicht abgehalten können.

Abgeschoben in die Discharge Unit

Im Oktober 2007 wurde Manning dann Soldat, auch wenn er nicht gerade das Zeug zum Soldat hatte. Er war schlau, schwul, körperlich schwach und politisch gebildet. „Er kannte sich aus“, erinnert sich Rose. „Er hatte weitreichende naturwissenschaftliche Kenntnisse. Er kannte sich mit Mathe aus. Er wusste, was in der Welt vor sich ging.“

Nachdem Manning sich eingeschrieben hatte, wurde er für die Grundausbildung nach Fort Leonard Wood in Missouri geschickt. Bereits nach etwas mehr als einem Monat wurde er allerdings in eine sogenannte Discharge Unit versetzt und stand kurz davor, vom Militär ausgeschlossen zu werden. Einer derer, die mit ihm in dieser Discharge Unit waren und der anonym bleiben möchte, erklärt, was dies bedeutet: „Da landet man nicht eines Tages aus Versehen. Irgendjemand muss gesagt haben: „Der taugt nichts – lass ihn uns hier rausbefördern.“ Es muss schon eine Menge passieren, bis man in der Discharge Unit landet.“

Manning wurde Opfer der Schikane der anderen, berichtet dieser Freund weiter. Einmal habe er sich eingenässt: „Einmal hatten drei Typen ihn sich vorgenommen. Sie hackten auf ihn ein und er brüllte und schrie. Ich und ein paar andere gingen dazwischen. Ich nahm Manning zur Seite und ja, er pinkelte sich ein. Es war nicht das einzige Mal, dass ihm das passierte, aber das einzige Mal, an das ich mich erinnere.“

Vorgesetzten war er eine "Last"

Trotz der Bedenken seiner unmittelbaren Vorgesetzten wurde Manning nicht entlassen, sondern wieder im Militärdienst eingesetzt. Der Irakkrieg befand sich im vierten Jahr, dem Militär gingen die Rekruten aus. Im August 2008 wurde er nach einer Ausbildung zum Datenanalysten in Fort Drum im Norden des Bundesstaates New York stationiert, wo er auf seinen Einsatz im Irak wartete. Seine Vorgesetzten dort nahmen ihn als „Last“ wahr.

Die Wochenenden verbrachte Manning mit Besuchen bei seinem ersten richtigen Freund Tyler Watkins, der an der Brandeis University in der Nähe von Boston studierte. Watkins nahm Bradley mit zu Veranstaltungen von Triskelion, der Schwulen-, Lesben-, Bisexuellen- und Transgendergesellschaft der Hochschule und machte seinen computervernarrten Freund mit dem MIT-Studenten Danny Clark bekannt. Der wiederum verschaffte ihm Zugang zu der Bostoner „Hacktivisten“-Szene, der einige der bekanntesten und klügsten Hacker der Welt angehören.

Hier schien Manning seinen Platz gefunden zu haben. Fotos zeigen ihn sonnengebräunt und glücklich wirkend im Studentenwohnheim Pika House in den Vororten von Cambridge, Massachusetts. Im Oktober 2009 wurde Manning in den US-Militärstützpunkt Hammer versetzt, einen der abgelegensten US-Posten im Irak, nahe der Grenze zum Iran. Ehemalige von dort beschreiben einen trostlosen Ort, der hauptsächlich aus Frachtcontainern besteht.

„Beinahe jeden Morgen zog ein Nebel herauf, der aus Abgasen aus der nahen Umgebung bestand und der sauer und übel roch“, berichtet Jacob Sullivan, der gemeinsam mit Manning seinen Dienst in Hammer leistete. In Hammer herrscht Langeweile, gegenseitige Schikane war nicht ungewöhnlich, gelangweilte Unteroffiziere hackten auf Untergebenen herum. Zu ihrer Unterhaltung luden die Soldaten sich am Arbeitsplatz Pornos runter oder griffen auf Filmaufnahmen von Angriffen mit Apache-Helikoptern zu, die zeigten, wie auf Zivilisten geschossen wurde. Oftmals geschah das über SIPRNet, das geheime Datennetzwerk das sowohl das Außen- als auch das Verteidigungsministerium der USA nutzen.

Passwörter klebten in der Nähe der Computer

Ein Datendownload aus diesem Netzwerk sollte später den Weg auf die Whistleblowing-Website WikiLeaks finden. Sullivan sagt, die Sicherheitsvorkehrungen seine extrem lasch gewesen. „Wenn man einen Laptop sah, in dem ein rotes Netzwerkkabel steckte, wusste man, dass er an SIPRNet angeschlossen war. Und wenn man das Passwort hatte, hatte man zu SIPRNet Zugang. Alle haben ihre Passwörter einfach auf Haftnotiz-Zettel geschrieben und an ihren Computer geheftet. Kein Wunder, dass da etwas durchgesickert ist.“

Peter van Buren, der als Leiter eines zivilen Wiederaufbauteams auf der Basis war, erzählt, man habe dort den Eindruck gehabt, dass jeder sich einfach so bei SIPRNet reinschauen konnte: „Die Soldaten nannten es „Kriegsporno“ oder „den Kriegskanal“ oder einfach „Kriegs-TV“. Dieser faule Blick von oben herab auf die Welt, die einen umgab, war hypnotisch, auch wenn nicht viel passierte. Für viele Soldaten war das das einzige, was sie vom Irak zu sehen bekamen.“

Er habe mitgekriegt, wie die Soldaten SPIRNet „zur Unterhaltung schauten. Damit waren die meisten Leute dort den Großteil der Zeit beschäftigt. Meistens war uns ziemlich langweilig“, erinnert er sich. „Als wir in den Irak kamen und letztlich auf dem Stützpunkt Hammer landeten, sagte man uns: 'Hier sind die Videos, hier das Internet und hier die interessanten Spiele.'“

Im Januar 2010 ging Manning auf Heimaturlaub und besuchte Freunde in Boston, darunter auch Watkins. Zu dieser Zeit stellte sich heraus, das die Beziehung – eine der wichtigsten in Mannings Leben – vor dem Aus stand.  In diesem Januar, so Rose, „war Bradley wirklich fertig. Tyler war für ihn in diesem Jahr ein Anker gewesen, die wichtigste Konstante. Zwei Stunden lang hat er mir lang und breit erzählt, was er an der Beziehung alles nicht verstand. Er war zum Militär gegangen, zurückgekommen und auf einmal hatte er keine Beziehung mehr.“

Unter Hackern fühlte er sich wohl

Die Bekanntschaft mit Clark hingegen intensivierte sich zu jener Zeit. Bei der Launch-Party für Builds – einer Hacker-Spielwiese an der Fakultät für Computerwissenschaften der Universität Boston, wo das Knacken von Codes und das Umgehen von Sicherheitsvorkehrungen im Netz simuliert werden – kamen die beiden ins Gespräch. Auf Videomaterial ist zu sehen, wie Manning sich an einen Tisch lehnt, ein Soldat im Hemd mit Kragen, der sich rein äußerlich deutlich von den eher grungig aussehenden studentischen Hackern der Spitzenuni unterscheidet. Trotzdem scheint er sich in diesem elitären Kreis wohl zu fühlen.

Weniger als eine Woche später saß er wieder als Datenanalyst an seinem Arbeitsplatz im Irak.  „Ich lebe in einer sehr realen Welt, in der Tod und Inhaftierungen nur Statistik und idealistische Rufe nach „Befreiung“ und „Freiheit“ vollkommen bedeutungslos sind“, schrieb Manning bei Facebook in einer letzten Botschaft an Watkins. „Ich habe keinen wirklichen Ort, den ich Zuhause nennen könnte, außer einen Wohnwagen mit einer Schlafkoje, einem Laptop und einem Wecker. Bitte lass die LETZTE PERSON, der ich traue und die mir etwas bedeutet, nicht gehen. Ich habe nicht aufgegeben.“

Am fünften Mai schrieb er, er sei „mehr als frustriert über die Menschen und die Gesellschaft im Allgemeinen. Einen Tag später dann: „Bradley Manning ist kein Ausrüstungsgegenstand.“ Am siebten Mai wurde er in einem Lagerraum in fötaler Haltung aufgefunden. Er hatte bei dem Versuch die Worte „Ich will“ in einen Stuhl einzugravieren, mit dem Messer auf das Möbelstück eingestochen. Er hatte die Frau, die seine befehlshabende Offizierin war, ins Gesicht geschlagen.

Er wurde bestraft und degradiert und erfuhr, dass er aufgrund von „Anpassungsstörungen“ endgültig aus der Armee entlassen werden sollte. Innerhalb weniger Wochen hatte er seinen Job, seinen Freund und die Aussicht auf ein Studium verloren.

In den darauf folgenden zwei Wochen wandte sich Manning wieder seinem Computer und seinen Hackerfreunden zu und begann mit dem Hacker Adrian Lamo zu chatten, den er noch nicht einmal kannte. In den frühen Morgenstunden des 25. Mai unterhielt Manning sich zum letzten Mal mit Lamo. Am nächsten Tag zeigte dieser ihn bei den Behörden an und Manning wurde aus seinem Computerraum abgeführt. Nach dreitägigen Verhören wurde er in Zusammenhang mit dem größten Datenleak in der Geschichte des US-Militärs angeklagt.

Das US-Militär weigert sich, zu Mannings geistigem Gesundheitszustand in der Vergangenheit etwas anderes zu sagen, als dass dieser untersucht werde. Im Dezember soll Bradley Manning vor das Militärgericht gestellt werden.

Übersetzung: Zilla Hofman

Kommentare (10)

Columbus 30.05.2011 | 21:04

Seltsamer Artikel, der sich mehr Sorgen um die psychische Labilität des Gefreiten Manning, seine Gender-Präferenz und sein Privatleben macht, sowie sich tiefschüftende Gedanken zur Frage abringt, wie "so einer" zum Militär, in den Irak und dort an Geheimmaterial, kommen konnte.

Wichtiger wäre, sich mit den Hintergründen solcher pornografischer "Ausgestaltungen" der Menschenjagd und mit jenen Menschengeistern zu befassen, die dabei keine Skrupel und kein Unrechtsempfinden entwickeln, als Killer und Zuteiler von Leben und Tod über dem Irak zu kreiseln.

„Ich lebe in einer sehr realen Welt, in der Tod und Inhaftierungen nur Statistik und idealistische Rufe nach „Befreiung“ und „Freiheit“ vollkommen bedeutungslos sind“.

Dieser Satz klingt so unangestrengt wahr, dass doch dazu nachgedacht werden müsste, wer hier aus dem Rahmen der Normalität fällt. Die Militärpornografen und Täter, oder der gewissenhafte Publizist der Schandtaten, der das nun büßen soll.

Was auch vollkommen fehlt, jedenfalls sprachlich nicht vermittelt wird: Die journalistische Distanz zu Erklärungen und Erzählungen von Augen- und Ohrenzeugen, sowie zur Begutachtung Mannings durch das Militär.

Sollte Manning tatsächlich dessen schuldig sein, was man ihm vorwirft und sollte dies dann das Einizige sein, was als Tat in seinem Leben öffentlich berichtenswert ist, dann ist dieser, vielleicht nicht mustergültige Soldat und fehlerhafte Mensch, ein Held, säße er auch bis an sein Lebensende dafür.

Grüße
Christoph Leusch

schnirkelschnecke4000 31.05.2011 | 01:28

Ich kann null nachvollziehen, was Mannings Homosexualität mit der Thematik zu tun hat.

Weiterhin würde mich interessieren, woher der Autor diese Informationen hat. Kennt er Manning persönlich? Hat er selbst mit Augenzeugen gesprochen?

Was mich stört, ist die Intension des Artikels Manning zu diskreditieren.
Ich kann mir vorstellen, dass die Amipropaganda diese Startegie fährt. Für den "Freitag" wünsche ich mir aber eine differenziertere Betrachtungsweise.

Ich persönlich (Gefreiter der Reserve) kann den Hintergrund der Aussage: "Ich bin kein Ausrüstungsgegenstand!" 100% nachvollziehen.

Manning scheint im Gegensatz zu dem abgestumpften Umfeld sensibel und gebildet. Sein Handeln beweist neben einer gehörigen Portion Verzweiflung auch extrem grossen Mut. Er bleibt sich treu.

Ist er ein Held? Ich denke, er war in der Lage, die Tragweite dessen was er tat, zu beurteilen. Ich denke auch, dass er aus moralischen Überlegungen heraus das tat was er tun musste.
Ja, ein Held - wenn auch ein tragischer …

Popkontext 31.05.2011 | 02:38

Was will dieser Artikel sagen - Manning ist ein armes Würstchen, weil er klein, schwul und zu klug ist und deshalb ein Opfertyp? Einer, den man hätte wegfangen müssen, bevor er Schaden anrichtet?

Vielleicht kann man nur den Mut aufbringen, solche Sachen zu machen, wenn man nicht dazu gehört, weil man eh nichts zu verlieren hat. Ein Mann, der zu seinem Gewissen steht. Davon gibt es viel zu wenige gibt.

Für mich ein Held - und ein ganz übler Artikel. Nicht weil er kritisch ist und gegen den Strich, sondern das an den falschen Momenten, den ganz falschen.

Popkontext 31.05.2011 | 02:42

(nochmal an der richtigen Stelle)

Was will dieser Artikel sagen - Manning ist ein armes Würstchen, weil er klein, schwul und zu klug ist und deshalb ein Opfertyp? Einer, den man hätte wegfangen müssen, bevor er Schaden anrichtet?

Vielleicht kann man nur den Mut aufbringen, solche Sachen zu machen, wenn man nicht dazu gehört, weil man eh nichts zu verlieren hat. Ein Mann, der zu seinem Gewissen steht. Davon gibt es viel zu wenige gibt.

Für mich ein Held - und ein ganz übler Artikel. Nicht weil er kritisch ist und gegen den Strich, sondern das an den falschen Momenten, den ganz falschen.

Tycho 31.05.2011 | 03:06

hui! an dieser Stelle darf ich der erste sein, der den Beschreibungen der Vita Mannings nichts besonderes entnehmen darf, was irgendwie dazu geeignet sei, stereotypisches oder klischeehaftes bedient zu sehen. Aber vielleicht täuscht mich mein Textgefühl. Natürlich hat Mannings Homosexualität nix mit den Vorgängen zu tun des Geheimnisverrats zu tun (welcher im Grunde keiner ist), und sei an sich nicht besonders erwähnenswert, außer die Antagonismen, die in eine Zuordnung innerhalb der US Armee für einen Homosexuellen so mit sich bringt. Aber ob das das Denouement war?

Puh!
Sehe nicht die Verknüpfung Homosexualität und Verrat von (Pseudo)-Geheimnissen?

Wo seht ihr das?

Columbus 31.05.2011 | 15:24

Lieber Tycho, die Erwähnung seiner Homosexualität, ist in der Tat nur ein Aperçu.

Die ganze Menschheit der westlichen Welt hat es doch mittlerweile gefressen, dass Sexualität variat und daher in allen möglichen Konstellationen normal ist, womit nicht gesagt ist, dass Homosexuelle, wie Hetero- oder Bisexuelle, ihre Neigung krankhaft, krank machend oder selbstzerstörerisch ausleben können. Aber das wäre nun ein ganz anderes Thema.

Der Artikel kann aber nur in zwei Richtungen gelesen werden. Entweder ist er ein gescheiterter, weil in der Presse unternommener Versuch, Manning als emotional gesteuerten, kranken und nicht verantwortlich Handelnden hin zu stellen, der daher nicht voll verantwortlich für das Leak sein kann. - Zudem seien die geleakten Informationen ja gar nicht besonders geschützt gewesen.

Oder aber, man möchte, dann wäre der Text tatsächlich ein Pamphlet übelster Sorte, "so einen" (als Person) unmöglich als das größte Leak der US-Armee denken.

Der Mann sitzt seit Monaten in Haft. Die Anklageeröffnung lässt auf sich warten. Zeitweise waren seine U-Haft-Bedingungen so schlecht, dass sogar hohe Regierungsbeamte der USA von Skandal sprachen. Sein "Verbrechen", wenn es überhaupt eines war, deckte schwerste, viel schlimmere Verbrechen auf.

LG
Christoph Leusch

Popkontext 31.05.2011 | 16:48

Das Problem ist, dass seine Homosexualität in einen Kontext mit anderen nicht normativen Eigenschaften (Körpergröße, psychische Labilität etc.) gestellt wird, die letztendlich unter dem Strich als negativ gewertet werden und Manning als nicht ernst zu nehmend.

Das einzig "Positive" ist, dass man ihn vielleicht die die Rolle der "armen Sau", des Opfers schreiben will, als eigentlich nicht wirklich fähig, seine "Taten" zu verantworten, um ihn vor einer hohen Strafe durch die US-Justiz zu bewahren. Selbst wenn das die Intention gewesen sein soll, ist der verbale Kollateralschaden zu groß und unverantwortlich.

schnirkelschnecke4000 01.06.2011 | 22:38

"Das Problem ist, dass seine Homosexualität in einen Kontext mit anderen nicht normativen Eigenschaften (Körpergröße, psychische Labilität etc.) gestellt wird, die letztendlich unter dem Strich als negativ gewertet werden und Manning als nicht ernst zu nehmend."

Ja genau diese Tendenz geht mir gegen den Strich. Manning wird als ein armer Irrer dargestellt, was für mein Empfinden nicht gerechtfertigt ist. "Ein Verrückter konnte unbemerkt in das Allerheiligste vordringen und hat dort Schaden angerichtet … "

Das scheint die offizelle Leseweise des Falles zu sein. Unreflektiert übernommen.
(Oder es ist die Strategie der Verteidigung - lieber 10 Jahre Klappse als 50 Jahre Knast … wer weiss das schon.)