Julian Borger
24.01.2012 | 18:42 16

Die Zeitbombe ist gestellt

Iran/USA Das europäische Ölembargo verstärkt die Spannungen mit dem Iran. Selbst wenn beide Seiten keine Krieg wollen, könnten kleinste Versehen nun eine Eskalation herbeiführen

Die Entscheidung der EU, ein Ölembargo gegen den Iran zu verhängen, bedeutet, dass nun eine Zeitbombe tickt, die am ersten Juli detonieren könnte. An diesem Tag wird die EU, dem in Brüssel beschlossenen Maßnahmenpaket zufolge, die Einfuhr von Öl aus dem Iran stoppen, was ungefähr ein Fünftel der Gesamtexporte des Iran ausmacht. Zur gleichen Zeit werden US-Sanktionen gegen die mit dem iranischen Ölhandel in Verbindung stehenden Banken in Kraft treten. Der Iran könnte immer noch eine gewisse Menge seines Öls nach Asien exportieren, dies allerdings mit großen Preisverlusten.

Anders als vorangegangene Sanktionen würde das Ölembargo fast alle Iraner treffen und das Regime in ernsthafte Schwierigkeiten bringen. Teheran hat schon vor langem geäußert, derlei Aktionen kämen einer Kriegserklärung gleich und es gibt westliche Rechtsexperten, die diese Einschätzung teilen.

Der Knick in der Ölleitung

Am Wochenende schien sich die Situation zu entspannen. Der amerikanische Flugzeugträger USS Lincoln konnte von Kriegsschiffen flankiert die Straße von Hormus ohne Zwischenfälle passieren, obwohl die Islamische Revolutionsgarde anfang des Monats gedroht hatte, man werde seine Rückkehr in die Region nicht zulassen.

Doch die Spannungen werden in Anbetracht des nahenden Beginns der Sanktionen mit ziemlicher Sicherheit wieder zunehmen. Die USA haben bereits damit begonnen, ihre Militärpräsenz in der Region zu verstärken und die Revolutionsgarde wird im kommenden Monat mit neuen Flottenmanövern provozieren. Konteradmiral Ali Fadavi äußerte Anfang Januar gegenüber der Nachrichtenagentur Fars, die bevorstehenden Manöver würden sich von den vorhergehenden unterscheiden, ohne dabei ins Detail zu gehen.

Die Straße von Hormus ist der Knick in der Leitung, über die der Golf die Welt mit Öl versorgt. Ein klein wenig Druck kann eine große Wirkung entfalten, die Weltmarktpreise für Rohöl in die Höhe treiben und die ölabhängigen Volkswirtschaften des Globus trocken legen. An seiner engsten Stelle zwischen der Halbinsel Oman und den iranischen Inseln vor Bandar Abbas, ist der Seeweg 20 Meilen breit. Einige Kanäle sind sogar noch schmaler; obwohl über sie 17 Millionen Barrel (mehr als ein Drittel des auf dem Seeweg transportierten globalen Ölbedarfs) pro Tag transportiert werden. Die Fahrrinnen für die Tanker sind in den tiefen Gewässern vor Oman und dann weiter westlich, in iranischen Hoheitsgewässern, in jede Richtung teilweise nur 2 Meilen breit.

Hier wären die Tanker einem iranischen Versuch, die globale Ölpumpe abzustellen, am empfindlichsten ausgeliefert. Es genügte schon, dass ein iranischer Funktionär die Schließung der Meerenge als Vergeltung für verschärfteSanktionen in Aussicht stellte, um den Weltmarktpreis für Rohöl auf 115 US-Dollar pro Barrel ansteigen zu lassen. Auf Dauer würde dieses Preisniveau ausreichen, um die Erholung der Weltwirtschaft abzuwürgen.
 

Dies macht ein iranisches Vorgehen im Golf zu einer solch schlagkräftigen Waffe. Es handelt sich aber um ein zweischneidiges Schwert, das für den Iran möglicherweise größeren Schaden birgt als für seine Gegner. Denn Saudi Arabien kann die Straße mittels einer Pipeline umgehen und alle iranischen Öl-Terminals liegen westlich des Engpasses. Der Iran würde sich selbst das Lebenselixier abdrehen, mit dessen Verkauf das Land über 60 Prozent seines BIP erwirtschaftet.

Des Weiteren haben die USA klargemacht, dass mit der Unterbrechung des Seeverkehrs im Golf eine rote Linieüberschritten wäre, was eine gewaltige militärische Reaktion zur Folge hätte. In diesem Fallstünden auch die iranischen Atomanlagen auf der Abschussliste. Bislang hat das amerikanische Militär Schläge gegen das iranische Atomprogramm ausgeschlossen. Die Kosten eines Krieges würden den Nutzen übersteigen, den man sich davon verspricht. Nach Einschätzung von Verteidigungsminister Leon Parnetta würde ein solcher Einsatz es höchstens ein bis zwei Jahre zurückzuwerfen Sollten die USA zur Sicherung des Ölnachschubs aber ohnehin einen Krieg begnnen, würde dies die Kosten-Nutzen-Rechnung natürlich ändern.


Der Schatten der Iran Air 655

Die Meerenge offen zu blockieren wäre folglich wenn nicht direkt selbstmörderisch, so doch extrem selbstschädigend für den Iran. Doch Teheran steht nicht nur diese eine Möglichkeit offen. Es gibt eine Reihe weniger drastischer Optionen, die den Ölhandel ausreichend stören könnten, um den Weltmarktpreis in die Höhe zu treiben und ihn dort auch zu halten. Das würde dem Iran zugute kommen, dürfte aber als Kriegsgrund nicht ausreichen. Zu solchen Mitteln zu greifen, erfordert allerdings großes Fingerspitzengefühl auf allen Seiten, das nicht ohne Weiteres vorausgesetzt werden kann.

In einer Phase anhaltend hoher Spannungen könnte ein übereifriger Kommandeur der iranischen Revolutionsgarden die Gelegenheit für einen Krieg nutzen: Oder ein amerikanischer Kapitän, dessen Schiffe nur Sekunden von iranischen Seezielflugkörpern trennen, könnte die Nerven verlieren. Als die beiden Länderes 1988 in der Straße von Hormus zum letzen Mal auf eine Mutprobe anlegten, schoss der Lenkwaffenkreuzer USS Vincennes einen iranischen Airbus ab und tötete 290 Zivilisten, darunter 66 Kinder.

Der Schatten der Iran Air 655 hängt über dem gegenwärtigen Kräftemessen und erinnert daran, dass selbst die mächtigsten und modernsten Armeen eine Situation nicht zwingend unter Kontrolle halten können, wenn eine Eskalation der Spannungen erst einmal zugelassen wurde.


Die militärischen Optionen der USA

Die Amerikaner verfügen ohne Zweifel über die größere militärische Schlagkraft. Die am Golf patrouillierende Fünfte US-Flotte wird voraussichtlich auf zwei Flugzeugträger verstärkt. Im Zuge des Abzugs aus dem Irak hat das Pentagon ohne großes Aufsehen seine Militärpräsenz in Kuwait erhöht. Nach einem Bericht der Los Angeles Times sind dort mittlerweile 15.000 Soldaten stationiert, einschließlich zweier Brigaden und einer Hubschraubereinheit. Unterstützt werden sie von einer beträchtlichen Seepräsenz Großbritanniens und regionaler Verbündeter.

Verglichen damit wirkt die iranische Armee kümmerlich. Sie ist aber auf jeden Fall stark genug, um dem Seehandel ernsthaften Schaden zuzufügen. Sie verfügt über drei russische Jagd-U-Boote, die angeblich Minen auslegen können. Des weiteren verfügt sie über eine große Flotte kleinerer U-Boote, die mit Seezielflugkörpern ausgestattet sind. Sie können sich bis auf eine sehr geringe Distanz Schiffen nähern, ohne vom Radar erfasst zu werden.

Die größte Sorge der Fifth Fleet besteht darin, dass solche Taktiken asymmetrischer Kriegsführung angewendet werden könnten, um die technisch anspruchsvollen Verteidigungsmechanismen ihrer Schiffe zu umgehen. Die gilt insbesondere in den engen Regionen der Straße von Hormus, die mit felsigen Inseln und Buchten übersät sind und sich für heimliche Angriffe ideal eignen.


Swarming

Im Jahr 2002 führte die US-Armee ein 250 Millionen Dollar teures Manöver namens Millennium Challenge gegen einen nicht namentlich genannten Schurkenstaat durch, der mittels vieler kleiner Boote und Märtyrerbrigaden agierte. Der Schurkenstaat gewann, oder hatte zumindest die Oberhand gewonnen, als das Pentagon beschloss, die Übung abzublasen. Damals ging man davon aus, es handele sich um den Irak, da der Krieg gegen Saddam Hussein in der Luft lag. Aber die militärische Taktik entsprichteher den iranischen Revolutionsgarden.

Seitdem beschäftigt sich die amerikanische Marine intensiv mit der Frage, wie man mit einer solchen „Schwarmtaktik“ umgeht, bei der Schiffe gleichzeitig von einer großen Anzahl von Booten, hunderten von Raketen, Selbstmordattentätern und Minen angegriffen wird.

„In Washington kann man alle paar Wochen eine andere Konferenz zum Thema „Swarming“ besuchen, sagt der pensionierte US-Airforce-General Sam Gardiner, der einst am National War College Strategie und Militärische Operationen lehrte. „Kriegssimulationen und Manöver haben gezeigt, dass Swarming zusammen mit dem Einsatz von Raketen und Minen der Verteidigungsfähigkeit eines Schiffes gewaltig zusetzen kann. Die Herausforderung besteht darin, wie man seine Minenräumboote beschützt.“

Eine der Reaktionen bestand in der Entwicklung eines neuartigen Kriegsschiffes, das maßgeschneidert ist, um der Seetaktik des Iran zu begegnen. Es ist schnittig, klein und beweglich, flachkielig und schnell und kann somit gut vor Küsten operieren, denen viele Inseln vorgelagert sind. Am Low-Tech-Ende der Skala hat die Fünfte Flotte Berichten zufolge eine beträchtliche Anzahl von Delphinen zur Minensuche ausgebildet.

Letztlich würden die USA einem Swarming aber mit ihrer Luftüberlegenheit und präzisionsgesteuerten Raketen begegnen. Sie würden sofort eine gewaltige Anzahl von Angriffen fliegen, um jede iranische Raketenbasis, jede Radaranlage, militärisch genutzte Häfen und Landungsstege an der Küste zu zerstören. Mit großer Sicherheit würden die Luftschläge auch Kommandoposten und Nuklearanlagen ins Visier nehmen. Es bestehen wenig Zweifel an der abschreckende Wirkung einer solchen Strategie. Sie riskiert allerdings, ein Seescharmützel in kürzester Zeit zu einem vollständigen Krieg eskalieren zu lassen.

Modell: Tanker-Krieg

Aus diesem Grund gehen die meisten Analysten davon aus, dass der Iran einen anderen Weg wählen, sollte er sich für das Embargo rächen wollen. Gardiner hält den „Tanker-Krieg“ zwischen Irak und Iran von 1984 bis 1987 für das wahrscheinlichste Modell. Das Ziel bestünde darin, die Versicherungssummen und somit auch den Ölpreis in die Höhe zu treiben, dadurch dem Westen zu schaden und die durch das Embargo entstandenen Verluste zu kompensieren.

„Sie würden nicht zwangsläufigsofort etwas unternehmen. Wenn sie so vorgingen wie im Tankerkrieg, würde ein Tanker auf eine Mine fahren, von der man nicht genau wüsste, wie lange sie sich schon an dieser Stelle befunden hat. So etwas treibt den Ölpreis in die Höhe“, so Gardiner. „Die Antwort liegt darin, eine Eskalation zu vermeiden. Man beschützt die Tankschiffe und sucht nach Minen.“

Selbst wenn der Iran sich zu Vergeltungsmaßnahmen entschließen sollte, gäbe es keinen Grund zu einer unmittelbaren Reaktion in der Straße von Hormus. Er könnte den Ölpreis mit Sabotageakten an den Ölförderanlagen arabischer Nachbarstaaten entlang der südlichen Golfküste ins Visier nehmen. Westliche Interessen könnten überall auf der Welt angegriffen werden, Monate oder Jahre nach Verhängung des Embargos.

Der ehemalige CIA-Funktionär Bruce Riedel sagte vor kurzem bei einem vom Atlantic Council organisierten Seminar in Washington: „Über eine der Möglichkeiten, wie der Iran uns schaden könnte, wird nicht oft gesprochen: Er könnte uns in Afghanistan treffen. Die Iraner sind bereits hervorragend aufgestellt, um den Krieg in Afghanistan – der bereits schwierig genug ist – unmöglich zu machen.

All diese Strategien sind jedoch hochriskant. In dem Tankerkrieg-Szenario bliebe es beispielsweise letztlich relativ jungen Offizieren überlasen, die Grenze vom Frieden zum Krieg nicht zu überschreiten. Sie wären gezwungen, in ein paar Sekunden Entscheidungen zu fällen, die gewaltige Folgen haben könnten. Dies sind exakt die Umstände, welche zu der Airbus-Katastrophe von 1988 geführt haben. Selbst wenn Washington und Teheran entschlossen bleiben, es nicht zu einem vollständigen Krieg kommen zu lassen, steigt mit jedem Monat die Wahrscheinlichkeit, dass er durch einen dummen Zufall ausbricht.

Übersetzung der gekürzten Fassung: Holger Hutt

Kommentare (16)

bettercentury 24.01.2012 | 20:30

TIME TO ATTACK IRAN

lautet die überschrift eines artikels in der "foreign affairs" - der zeitschrift des führenden us-amerikanischen aussenpolitik-thinktanks "council on foreign relations" - nur damit mal klar ist, wohin die reise geht.

Etwas ausführlicher hier:

bettercentury.blogspot.com/2012/01/time-to-attack-america.html

Äußerst schade, dass auch unsere Regierung sich nicht zu schade ist, in diese Kriegshetze einzustimmen.

So paradox es klingt: Ein mit Atomwaffen gerüsteter Iran wäre eine friedenssichernde Maßnahme in der Region.

deviant 24.01.2012 | 20:37

Die Perser sind ein stolzes Volk; zu glauben, ein Ölembargo, dass sich in erster Linie ja gegen die Zivilbevölkerung richtet, würde die Heimatfront schwächen, ist schlicht dumm - äußere Feinde schweißen ein angegriffenes Volk nur weiter zusammen (siehe die USA, die sich hinter den Kriegsverbrecher Bush scharten), im Actionfilm würde man sagen: "Ab jetzt wird es persönlich."

Zusätzlich muss man sich die Frage stellen: "Würde man sich gegenüber einem atomar aufgerüsteten Staat so einen Affront erlauben, oder würde man da zu weniger aggressiven Methoden greifen?"
Wenn man im Iran nur einen kleinen Zweifel daran hat, dass die Methoden so aggressiv wären, wird das gar die Anstrengungen bekräftigen, eine Atombombe zu bauen, wenn es diese überhaupt gibt - denn auch davon bin ich nicht so absolut überzeugt: Wenn es dem Iran tatsächlich darum ginge, Atombomben zu besitzen, um Israel damit zu vernichten (so ja die These der Gegner des iranischen Atomprogrammes), dann hatte er über zwanzig Jahre Zeit, sich zum Beispiel aus sowjetischen Restbeständen oder anderweitig über den Schwarzmarkt atomar bestückte Raketen, Raketensprengköpfe oder schmutzige Bomben zu besorgen.
Dass er es nicht getan hat, straft die angeblich pro-israelischen Falken des Westens lügen...

LazyVisionary 25.01.2012 | 00:05

Doch, die gibt es. Sie werden aber auch bewusst aus manchem Zusammenhang gerissen und als vollkommen isolierte Aussage überbewertet.

Tatsache ist doch, dass der Iran niemals Israel angreifen würde, ganz zu schweigen vom Einsatz der Atomwaffe. Das würde zum sofortigen Ende des iranischen Regimes, vielleicht sogar zum Ende der persischen Kultur führen. Davon auszugehen käme der Behauptung gleich, Ratzinger würde mit Freuden eine Bombe auf Mecca werfen, auch wenn der Vatikan im Anschluss aufhören würde zu existieren.

Würde man die Aussagen einiger amerikanischer Akteure ähnlich hervorheben, müsst man sich zwangsläufig fragen, wer hier der fanatische Gegner ist.

Es geht hier auch nicht um Israel oder die Menschenrechte im Iran. Es geht um knallharte Interessenpolitik, um geo-strategische Überlegungen und um Rohstoffe. Die halten die große Machine "Westen" nämlich am laufen. Da kann nicht einfach irgendein Muselmann daher kommen und irgendeinen Seeweg zu machen. Wo kämen wir denn da hin?

An den strategischen Schlüsselpunkten - dazu gehört der Nahe Osten nun mal - akzeptiert man keine Unwägbarkeiten. Wer da regiert, regiert entweder im Interesse des Westens, oder er wird zu Tode befreit.

Ich finde das haben die letzten 10 Jahre recht deutlich gezeigt.

deviant 25.01.2012 | 00:09

Wasn das für ne blödsinnige Aussage.
Sie argumentieren wohl auch: "Was, die FDP hat nicht geliefert? Und die ganzen Reden, jetzt werde endlich geliefert, hat es dann wohl nie gegeben?!"

Es ist doch das eine, was so ein populistischer Spinner in seinen Reden äußert, um vorhandene Stimmungen zu nutzen und daraus seine Machtbasis zu stärken und das andere, was er tatsächlich tut.
Und bei Achmadinejad klaffen Reden und Tun so weit auseinander, wie sonst nur noch vielleicht bei Friedensnobelpreisträger und Kriegshetzer Barack Obama.

Die CDU hat auch jahrzehntelang die Oder-Neisse-Linie nicht anerkannt, sie hat aber nie einen neuen Polenfeldzug geführt, nicht einmal geplant, auch weil es selbstmörderisch gewesen wäre und ebenso selbstmörderisch wäre ein Angriff des Irans auf Israel: Er wuürde notwendigerweise in der totalen Vernichtung des Irans und einigen anderen Ländern münden - das weiß auch die iranische Führung, weshalb sie, sich in ihrer radikalen Propaganda verrennend, immer weiter mit dem Säbel rasselt (genau wie Israel übrigens auch), ohne das es einer der beiden aber tatsächlich auf einen Krieg hinauslaufen lassen kann.
Die einzigen, die zur Zeit an einem solchen Krieg Interesse haben können, sind die USA, und die rüsten sich derzeit...

rioja 25.01.2012 | 11:07

Nach Plan
Die "Sicherheitsarchitektur" heute, der status quo, muss erhalten werden. Das bedeutet final: Krieg gegen Iran. Die USA, Krieger seit eh und jeh, dulden nur ihr Paradigma. Die A-Bombe des Iran, dessen Existenz nur in der US-Paranoia existiert, ebenso, wie die Chemiewaffen von Saddam. Doch, man braucht eine Legitimation für sein Handeln, wie immer. Nehmen wir nur das 20.JH - Kriege, Kriege, nix als Kriege: 1.Weltkrieg, 2. Weltkrieg inkl. Hiroshima, Koreakrieg, Vietnamkrieg, 1. Golfkrieg, 2. Golfkrieg/Irak, Afghanistan und bald Iran - husch und schon sind wir im 21.JH - Sie sind fighter, von Anbeginn ihrer Existenz an. Gewalt hat sie nach oben gebracht, gewaltbereit sind sie immer geblieben. Sie kennen sonst nix, was sehr gefährlich ist. Und mit der Natur gehen sie genauso um, immer nur Zerstörung, immer nur Gewalt. Die Welt muss wieder in einen Krieg ziehen, den Ölkrieg, Auftakt für die kommen Kriege um die Rohstoffe des "Blauen Planeten". Was Herbert Gruhl (CDU) schon 1975 in seinem Buch "Ein Planet wird geplündert" schrieb, trifft heute zu.
Die EU hängt da voll mit drin und die BRIC-Länder schauen erst mal aufmerksam zu. Noch ist die US-Dominanz da, doch es ist wie in Rom, damals, nicht an einem Tag ging man unter, nein, es war ein Zerfallsprozess, wie heute auch. Nach Innen völlig dekadent, verfault, kaputt, daher nach Aussen hoch aggressiv und kriegerisch. Nur die Dimension ist heute anders, als vor 2000 Jahren, mit einem feinen Unterschied, des over kill, der Möglichkeit, die Welt komplett in Schutt und Asche zu legen.
Der homo sapiens eine Irrung der Evolution!? Denn eines ist klar: Einsicht, Änderung, Umkehr zu planeterhaltendem Verhalten ist nicht zu erwarten. ecce homo

SchmidtH. 25.01.2012 | 12:08

Ach wenn es nur um die Fragestellung, bräuchten wir uns keine Sorgen machen. Nur, weder wollen, noch können die USA Israel davon abhalten.

Uri Avnery bringt es schön auf den Punkt:
"ISRAEL hat keine Außenpolitik, es hat nur eine Innenpolitik,” bemerkte Henry Kissinger einmal.

Dies hat vielleicht für jedes Land mehr oder weniger gegolten– seitdem es die Demokratie gibt. Doch in Israel scheint dies noch mehr zuzutreffen. (Ironischerweise könnte fast gesagt werden, dass die US keine Außenpolitik hat, nur eine israelische Innenpolitik .)
zmag.de/artikel/die-blockbrecher

LazyVisionary 25.01.2012 | 14:22

Historisch war das 20. Jhd auch für die USA eine Zäsur. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von der Phase der Isolation zum Interventionismus.

Die iranische Atombombe ist sicherlich kein Hirngespinnst der Amerikaner. Es gibt ja genügend Bilder, die Ahmadinejad inmitten hunderter Gaszentrifugen zeigen. Die Hife zur zivilen Nutzung der Atomkraft - wie von den Europäern in Aussicht gestellt - sähe solche Anlagen im Iran gar nicht vor. Es würden unter fremder Leitung AKWs gebaut und mit importiertem, bereits angereichertem Material bestückt. Besitzt ein Land Anlagen zur Anreicherung von Uran - sprich Gaszentrifugen - ist es nur noch die Frage, wie lange man den Anreicherungsprozess laufen lässt, um letztlich kernwaffenfähiges Material zu bekommen.

Die Frage ist für mich nicht, ob der Iran an der Bombe bastelt, sondern wieso er es nicht machen sollten. Die USA haben in der letzten Dekade den Wunsch vieler Staaten nach nuklearer Abschreckung neu entfacht. Keiner kann den USA konventionell die Stirn bieten, damit werden Kernwaffen paradoxer Weise zum letzten Garanten für Souveränität. Gerade der Iran dürfte spätestens 2003 den Braten gerochen haben, denn sowohl Afghanistan, als auch der Irak haben eine Grenze mit dem Iran. Man muss den Griff nach dem Atom vor diesem Hintergrund eher als folgerichtig, denn fanatisch bezeichnen.

Da man bei einer Atommacht Iran allerdings die Möglichkeit zur Erpressung mit konventionellen Mitteln einbüßen würde, versucht man jetzt Nägel mit Köpfen zu machen. Die Entsendung von Flugzeugträgern ist meiner Ansich nach auch keine reine Drohgebärde, sondern die Vorbereitung zu gezeilten Luftschlägen gemeinsam mit Israel.

Meine persönliche Einschätzung ist, dass es bis spätestens April zu einem militärischen Vorgehen gegen den Iran kommen wird. Was darauf folgt, darüber kann man bloß spekulieren. Frei nach Clausewitz: Nur der erste Schritt des Krieges ist planbar.

Wahrscheinlich werden wir ganz bald wieder von einem Ultimatum hören, dass ohnehin ein Affront für jeden souveränen Staat ist. Im Anschluss kann der Westen seine explosiven Restbestände in Teheran endlagern. Wäre ja auch schade wenn das teure Zeug in den Bunkern verrostet.

LazyVisionary 27.01.2012 | 20:26

Wieso es - zumindest gemäß meiner Auffassung - um keine der beiden Aspekte geht, habe ich doch relativ ausführlich beschrieben. Also geben Sie sich doch wenigstens die Mühe Ihren Standpunkt darzulegen. Auf das sokratische Fragespiel können wir uns dann immer noch einlassen.

Krieg als Nebelkerze bei gesellschaftlichen Spannungen ist Israel wohl auch geläufiger als irgendeinem anderen Staat in der Region.

Das irrationale Moment - wie Sie es nennen - wird in den westlichen Medien ja gehegt und gepflegt, gerade damit die Menschen einen Krieg für unvermeidlich und moralisch gerechtfertigt halten.
Sie können mir bei Gelegenheit ja mal verraten, wie es um das irrationale Moment eines Avigdor Lieberman bestellt ist.

Die Rezeption ist vorsätzlich selektiv, da geht es nicht darum was "nicht sein darf". Meinetwegen kann sowieso alles, aber dann bitte auch so kommunizieren.