Doris Grey

Silver Models Schön altern: Designer schicken Models mit grauem Haar auf den Laufsteg und erklären sie zu Stilikonen. War's das nun mit dem Haarefärben?

Angeblich ist es ja der Albtraum jeder Frau: Das erste graue Haar. Inzwischen aber gibt es eine Frauengeneration, die gerne „Silver Power“ zur Schau trägt, aber längst noch nicht im Rentenalter ist. Und plötzlich springt auch die Modeindustrie auf den Zug auf.

Die Models der neuen Kampagnen der Modehäuser Marks Spencer und Clarks sind in den Vierzigern und Fünfzigern und haben graues Haar. Bei der Präsentation der aktuellen Herbstkollektion des britischen Marke Toast sind zwei Frauen mit silberner Haarpracht zu sehen. Caryn Franklin, Anfang Fünfzig und ehemals eine der Moderatorinnen der BBC1-Clothes Show, hat aufgehört, die Stirnpartie ihrer Haare zu färben. Die Strähnen, die ihr Gesicht umrahmen, sind nun vollkommen grau.

In einigen Modekreisen rümpft man beim Anblick grauer Haare allerdings weiterhin die Nase und allein in Großbritannien färben sich über sieben Millionen Frauen zuhause die Haare. Eine Studie der Haarpflegemarke John Frieda kam aber auch zu dem Ergebnis, dass Frauen heutzutage früher grau werden. 32 Prozent der Befragten gaben an, bei sich schon vor dem dreißigsten Lebensjahr das erste graue Haar gefunden zu haben. Vor zwanzig Jahren waren es erst zwanzig Prozent gewesen. Ursache sei Stress, so die Studie.

Metallgrau oder silberweiß

Immer mehr Frauen fänden graues Haar eben aber auch schick, sagt Elaine Dugas, die bei der britischen Modeagentur Models One für „klassische“ (d.h. ältere) Frauen zuständig ist: „Früher dachte man bei grauem Haar an das Alter. Dabei werden viele Frauen schon in jungen Jahren grau. Durch karrierebewusste Frauen [die ihr Haar nicht färben] wird das Stigma... von grauem Haar und Alter widerlegt. Graues Haar wird anders wahrgenommen.“
In den letzten Jahren hat die Modeindustrie bereits ihre Liebe für ältere Frauen mit natürlich weißem Haar entdeckt – die 82jährige Daphne Self schmückte dieses Jahr bei der Londoner Fashion Week den Laufsteg für die Marke Antipodium, beliebt bei den Designern sind auch die 80jährige Carmen dell'Orefice, die dieses Jahr für Alberta di Ferretti lief und Valerie Pain, 67.

Zur neuen Riege „mitteljunger“ Silbermähnen gehören unter anderem Su Daybell, Amateurmodel mit metallgrauen Locken, die Amerikanerin Roxane Gould und die Norwegerin Velaug, die zwar erst in den Vierzigern ist, aber mit langem weißen Haar unter anderem für Nivea wirbt. Catherine Hayward, Modechefin beim Magazin Esquire ist in Modekreisen bekannt für ihre grauen Strähnen. Ihre Stilikone ist die IWF-Vorsitzende Christine Lagarde, die ihre Haare silberweiß trägt. „Mir wuchsen schon mit neunzehn Jahren die ersten grauen Haare“, berichtet Hayward. „Mein Großvater war schon mit zwanzig komplett grau und auch ich hatte schon immer ein helles Strähnchen - es fühlte sich also ganz natürlich an.“

Angst vor älteren Frauen

Bei Franklin fing es an, als sie noch die Clothes Show moderierte: „Als ich 34 war tauchte plötzlich eine breite graue Strähne an meinem Vorderkopf auf. Ich fand das eigentlich ganz gut. Allerdings war bei der Show nicht jeder damit einverstanden. Ein Kollege rief mich an und erzählte mir, dass bei einem Meeting darüber gesprochen worden sei, wie alt ich aussähe und dass man beschlossen habe, mich immer seltener einzusetzen, wenn ich mir nicht das Haar färben würde. Ich war natürlich empört und weigerte mich.“ Sie blieb dann noch fünf Jahre bei der Sendung.

„In unserer Kultur herrscht Angst vor Frauen“, sagt Franklin „besonders vor alternden Frauen. Ich sage: „Hört auf, euch dafür zu entschuldigen, dass ihr älter werdet. Nehmt es an.“ Für die von mir gegründete und preisgekrönte Initiative All Walks beyond the Catwalk habe ich ganz bewusst auch Frauen mit grauen Haaren ausgewählt. Zwei unserer Models haben natürlich graues oder weißes Haar und die Frauen lieben sie.“ All Walks beyond the Catwalk setzt sich dafür ein, dass Frauen jedes Alters, jeder Größe und jeder Hautfarbe in der Modewelt vertreten sind.

„Ich möchte, dass junge Frauen erkennen, dass Schönheit auch schön altert und das Älterwerden nichts ist, dem mit Medikamenten oder Operationen entgegengewirkt werden müsste, oder das einem zu viel Kopfzerbrechen bereiten müsste.“

Übersetzung: Zilla Hofman

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Ihre Freitag-Redaktion

15:30 21.09.2011
Geschrieben von

Viv Groskop | The Guardian

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The Guardian

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