Ein Klima des Misstrauens

Kopenhagener Gipfel Im Dezember kommen die Umwelt-Unterhändler in der dänischen Hauptstadt zusammen: Worum geht es dabei überhaupt? Die Antworten zu den wichtigsten Fragen

Was geschieht auf dem Klimagipfel in Kopenhagen?

Vom 7. Dezember an werden die Umwelt-Unterhändler in Kopenhagen zur Klimakonferenz der Vereinten Nationen zusammenkommen, um ein Nachfolge-abkommen für das Kyoto-Protokoll auszuarbeiten, das 2012 ausläuft. Die Konferenz wird im Bella-Konferenz-Zentrum stattfinden und zwei Wochen lang dauern. Bei den Gesprächen handelt es sich um die letzten einer Reihe jährlicher Treffen, die auf den „Earth Summit“ zurückgehen, der 1992 in Rio de Janeiro stattfand und dessen Ziel es war, das internationale Handeln gegen den Klimawandel zu koordinieren.

Wofür steht das Kürzel „COP-15“?

COP-15 ist die offizielle Bezeichnung für den Kopenhagener Klimagipfel. Sie steht für „15. Conference of the Parties“ (15. Vertragsstaatenkonferenz) unter der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC). Die COP ist das höchste Gremium des UNFCCC und setzt sich aus den Umweltministern zusammen, welche einmal jährlich zusammenkommen und den Entwicklungsstand der Konvention diskutieren.

Wie viele Länder nehmen am Klimagipfel teil, und wie viele Menschen werden dort sein?

192 Länder haben die Klimakonvention unterzeichnet. Es wird erwartet, dass mehr als 15.000 Abgeordnete, Berater, Aktivisten und Journalisten die COP-15 besuchen werden. Hinzu kommen zahlreiche Staats- und Regierungschefs.

Wer sind die Hauptakteure?

Viele Länder, inklusive China und Indien, sind der Ansicht, es liege in der Verantwortung der wohlhabenden Industrieländer, bei der Reduzierung des Kohlen- stoffausstoßes mit Beispiel voranzugehen. Die USA haben das Kyoto-Protokoll nicht ratifiziert, weil die verlangte Reduktion der Emissionen „die (amerikanische) ­Wirtschaft ruinieren“ würde, das Protokoll jedoch kaum Ansprüche an die sich rasch entwickelnden Schwellenländer stelle.

Barack Obama hat erklärt, er wünsche sich, dass der Ausstoß von Treibhausgasen bis zum Jahr 2050 um 80 Prozent gesenkt wird. Bei einem Treffen der 20 größten Wirtschaftsmächte der Welt räumte US-Außenministerin Clinton im April den ­bisher ungenügenden Beitrag der USA zum Ausstoß vom Klimagasen ein. Sie sagte, die USA seien „entschlossen, ­sowohl zuhause, als auch im Ausland die verlorene Zeit wieder wett zu machen. Amerika fehlt nun nicht mehr unentschuldigt.“

Dennoch warnte die dänische Klima- und Energieministerin Connie Hedegaard, Amerikas Rolle in Sachen Klimaschutz werde untergraben, wenn die USA nicht schnell ein Klimagesetz verabschiedeten. Das aber ist unwahrscheinlich. Der Senat hat gerade erst damit begonnen, sich mit einem Entwurf zu befassen – und schon beschlossen, nicht vor 2010 zu entscheiden. Die Republikaner wollen massiven Widerstand gegen das Gesetz leisten, ebenso wie gegen ein „Kopenhagen-Protokoll“, sollte es denn zustande kommen. Ob Obama selbst nach Kopenhagen reist, wird zunehmend bezweifelt. Sollte er es tun, stünde er in den Verhandlungen wohl mit leeren Händen da.

Was soll auf dem Gipfel erreicht werden?

Die Delegierten wollen versuchen, sich auf einen neuen Vertrag zur Reduzierung des CO

1. Um wieviel sind die Industrienationen bereit, ihren eigenen Ausstoß von Treib­hausgasen zu reduzieren?

2. Um wieviel sind große Schwellenländer wie China und Indien bereit, die Zunahme ihrer CO

3. Wie wird die Hilfe finanziert, die Entwicklungsländer bei ihrem Engagement zur Reduktion ihrer Emissionen

und der Anpassung an die Einflüsse des Klimawandels brauchen?

4. Wie soll dieses Geld verwaltet werden?

Welche Punkte sind umstritten?

Hauptthema ist die Frage, wie die Lasten verteilt werden. Wissenschaftler sagen, die Welt müsse spätestens zwischen 2015 und 2020 damit anfangen, ihre Treibhausgase zu reduzieren, statt immer mehr davon zu produzieren. Schätzungen zufolge, muss der Ausstoß bis 2050 um 80 Prozent im Vergleich zu 1990 reduziert werden, damit der Anstieg der Durchschnittstemperatur zwei Grad Celsius nicht übersteigt.

Auch ums Geld wird gestritten. Die reichen Länder wissen, dass sie den ärmeren helfen müssen, um sich an den Klimawandel anzupassen. Anfang des Jahres sprach der britische Premier Gordon Brown davon, es müssten hierfür ab 2020 etwa 100 Milliarden Dollar jährlich zur Verfügung gestellt werden. Sollte die Wirtschaftskrise die Zahlungsbereitschaft der reichen Länder eingeschränkt haben, könnte dies in Kopenhagen zu Spannungen führen.

Wie stehen die Chancen auf eine Einigung?

Das rasant wachsende China hat vor kurzem die USA als größten Verursacher von Kohlendioxid abgelöst. Dennoch haben die Vereinigten Staaten insgesamt schon weitaus mehr emittiert als China, und wenn man die Emissionsmenge auf die Bevölkerungszahl umrechnet, so beläuft sich der chinesische Pro-Kopf-Ausstoß lediglich auf ein Viertel des amerikanischen.

Die chinesische Regierung verweist auf ihr Recht, die Wirtschaft des Landes weiter wachsen zu lassen – wobei der CO2-Ausstoß unweigerlich ebenso steigen werde. Zudem lagerten die Industrienationen ja quasi ihre Emissionen in Länder wie China aus, weil dort wegen der großen Nachfrage des Westens viele CO2-intensive Industrien betrieben würden.

China verlangt von importierenden Ländern daher, die Verantwortung für die Emissionen zu übernehmen, die bei der Herstellung von eingeführten Waren entstehen, statt dies den Ländern zu überlassen, in denen diese Güter produziert werden.

Inzwischen wachsen die Zweifel, ob COP-15 ein Erfolg wird. Der britische Energieminister Ed Miliband hat schon angekündigt, dass er von Kopenhagen ‚keinen völkerrechtlich bindenden Vertrag mehr erwartet, sondern bloß noch die Einigung auf einen Zeitplan bis wann die Verhandlungen abgeschlossen sein sollen.


Übersetzung: Zilla Hofman / Holger Hutt

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07:00 12.11.2009
Geschrieben von

Abigail Edge/David Adam, The Guardian | The Guardian

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The Guardian

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