Robin McKie
12.06.2012 | 11:10 11

Ein stilles Vermächtnis

Umweltbewegung Vor 50 Jahren brachte Rachel Carson mit „Der stumme Frühling“ das ökologische Bewusstsein in die Welt. Leider ist das Buch noch heute hochaktuell

Ein stilles Vermächtnis

Rachel Carson war als höflich und bescheiden bekannt – wem die Wahrheit nicht passte, sah in ihr ein Hysterikerin

Foto: Alfred Eisenstaedt/Time & Life Pictures/Getty Images

Nahe eines Baches im Südosten Englands, 1961: Der Vogelbeobachter J.A. Baker wird Zeuge einer bewegenden Szene. „Ein Fischreiher lag im vereisten Gestrüpp. Seine Flügel waren am Boden festgefroren, seine Augen offen und lebendig, der Rest des Körpers reglos. Als ich mich näherte, sah ich, wie das Tier mit aller Kraft zu fliegen versuchte. Es konnte nicht. Ich erlöste den Vogel.“

Das Leiden des Tieres hatte keine natürliche Ursache, und sein Schicksal blieb kein einzelnes. In jenem Jahr wurden in Großbritannien Tausende tote Vögel gefunden: Lerchen, Moorhühner, Gold- und Buchfinken, Sperber, Nebelkrähen, Rebhühner, Fasane, Holztauben. „Es war eine regelrechte Schwemme“, sagt Martin Harper, Naturschützer der Royal Society for the Protection of Birds (RSPB). Und das Sterben beschränkte sich nicht auf Großbritannien. In den USA etwa verschwanden die Weißkopfseeadler. Forscher stellten fest, dass die Tiere kaum Eier legten oder sie nicht ausbrüteten. Mit den Vögeln der westlichen Hemisphäre stimmte etwas nicht.

Man spekulierte über die Ursachen, niemand kannte die Antwort – bis auf Rachel Carson. Sie hatte sich in jenem Jahr in ihr Ferienhaus zurückgezogen, um in einem Buch zu erklären, woran all die Vögel starben. Carson war überzeugt, dass synthetische Pestizide wie DDT die Nahrungsketten vergiftet hatten. „Fast überall, ob auf Farmen, in Gärten, Wäldern oder Wohnungen, werden heute Sprays, Pulver und Aerosole eingesetzt“, schrieb die Biologin. „Chemische Gifte, die unterschiedslos alle Tiere töten, gute wie schlechte. Sie bringen den Gesang der Vögel zum Verstummen, bedecken die Blätter mit tödlichen Belägen und reichern sich im Boden an – und all das nur, um ein paar Unkräuter oder Insekten loszuwerden.“ Vor ihr hatten schon andere Experten vermutet, dass moderne Pflanzenschutzmittel eine schwer einschätzbare Bedrohung darstellen. Aber keiner von ihnen konnte so gut schreiben wie Carson.

Kritik an industrieller Praxis

Im Sommer 1962 veröffentlichte der New Yorker Carsons Text als Serie, im September erschien Silent Spring – Der stumme Frühling als jenes Buch, das bis heute eine der wirkungsvollsten Kritiken industrieller Praktiken darstellt und weithin als das Werk gilt, das erstmals ein breites ökologischen Bewusstseins in den USA und Europa geschaffen hat. Friends of the Earth und Greenpeace führen ihre Wurzeln direkt auf Der stumme Frühling zurück. „In den Sechzigern fingen wir gerade erst an zu verstehen, in welchem Maße wir imstande sind, die Natur zu zerstören“, sagt der ehemalige Friends-of-the-Earth-Direktor Jonathon Porritt heute. „Rachel Carson war die erste, die diese Bedenken auf eine Weise artikulierte, die die Gesellschaft auch erreichte.“

Rachel Carson besaß eine seltene Kombination von Fähigkeiten: Sie war eine ebenso fähige Meeresbiologin wie Autorin, ihr Stil war präzise, gleichzeitig aber gefühlvoll und lebendig. Allerdings ist Der Stille Frühling, anders als ihre übrigen Bücher, doch überraschend schwer zu lesen. „Es ist dicht und äußerst fachsprachlich gehalten – kein Buch, das man am Strand liest“, sagt der Ornithologe Conor Mark Jameson, Autor von Silent Spring Revisited, in dem er Carsons Vermächtnis aus Sicht der Gegenwart neu in Augenschein nimmt. Carson wollte ja weit mehr, als nur dem Pestizid-Einsatz ein Ende zu setzen. „Sie hatte beschlossen, das in den USA damals dominante Paradigma des wissenschaftlichen Fortschritts infrage zu stellen“, sagt ihr Biograf Mark Hamilton Lytle. „Das war mutig. Selbst legitime Kritik an der Regierung war in den USA damals ein riskantes Unterfangen.“

„Wissenschaft und Technik wurden als Retter der freien Welt und als Garanten des Wohlstands angesehen“, bestätigt Linda Lear, die ebenfalls eine Biografie Carsons verfasst hat. „In Der Stumme Frühling setzt sie die Wissenschaft dem kritischen Blick der Öffentlichkeit aus und macht deutlich, dass die Forscher bestenfalls ihre Hausaufgaben nicht gemacht und schlimmstenfalls mit der Wahrheit hinterm Berg gehalten hatten.“

Es handelte sich bei dem Buch also nicht nur um eine ökologische Warnung, sondern um einen Angriff auf den Paternalismus der Wissenschaft nach dem Krieg – auch wenn man vielen Wissenschaftlern zugutehalten muss, dass sie Carson mit Hintergrundmaterial versorgten, um den Reaktionen der Industrie vorauszugreifen.

„Eine kinderlose alte Jungfer“

Und die Chemiegiganten Amerikas enttäuschten die Erwartungen nicht. Als sie mit einer Klage gegen Carson, den New Yorker und Carsons Verleger Houghton Mifflin keinen Erfolg hatten, initiierten sie eine 250.000-Dollar-Kampagne, um Carson und ihre Botschaft zu vernichten. Man unterstellte ihr Hysterie und Unwissenschaftlichkeit. Ein Ex-US-Landwirtschaftsminister fragte gar, warum „eine kinderlose alte Jungfer sich denn so sehr für Genetik“ interessierte. Eines ihrer schlimmsten Vergehen war offenbar, dass sie den ihr zugewiesenen Platz als Frau verlassen hatte.

Obwohl sie an Brustkrebs erkrankt war und unter den Folgen der Bestrahlung litt, wehrte Carson sich. Öffentlich kritisierte sie die Verbindungen, die sich zwischen Wissenschaft und der Industrie etabliert hatten. „Wenn eine wissenschaftliche Organisation spricht, wessen Stimme hören wir dann?“, fragte sie. „Die der Wissenschaft oder die der Industrie, die sie unterstützt?“ Eine Frage übrigens, die heute so aktuell ist wie vor 50 Jahren.

Die Aufregung hatte zur Folge, dass Der stumme Frühling sich bis zu Carsons frühem Tod im Jahr 1964 eine Million mal verkaufte. Gedrängt, seine Meinung über das Buch zu äußern, bekundete Präsident John F. Kennedy sein Interesse und wies das wissenschaftliche Beratergremium der US-Regierung schließlich an, Carsons Kritik zu prüfen. Der abschließende Bericht bestätigte ihre Ergebnisse. Der ausgiebige Einsatz von Pestiziden führt dazu, dass sich Gifte in der Nahrungskette ansammeln und stellt damit auch eine konkrete Gefahr für den Menschen dar. Zehn Jahre und zwei Präsidenten später wurden die Produktion und der Einsatz von DDT in der Landwirtschaft in den USA verboten.

Carsons Gegner können das nicht vergessen. Noch immer findet sich auf Internetseiten (von denen viele von rechten Industrie-finanzierten Institutionen betrieben werden) die Behauptung, die Biologin sei eine Massenmörderin. Mit den Todesfällen durch Malariaerkrankungen, die auf das Verbot von DDT zurückgingen und die man andernfalls unter Kontrolle gehabt hätte, habe sie mehr Menschen auf dem Gewissen als die Nazis. Der US-Klimatologe Michael E. Mann beschreibt die Strategie, „Symbolfiguren anzugreifen, wann immer sich die Gelegenheit bietet. Wenn man sie mit genügend Dreck beworfen habe, müsse schließlich auch deren gesamtes Anliegen fragwürdig erscheinen.“ Dabei ist der Vorwurf des „Massenmords“ klar haltlos, wie Wissenschaftshistoriker wissen: DDT wurde nicht nur verboten, weil es sich in der Nahrungskette festsetzt, sondern auch weil die Mücken, auf die das Gift abzielt, Resistenzen gegen DDT entwickelten.

Eine Botschaft bleibt ungehört

Carsons Warnungen sind noch heute aktuell, sowohl was die Gefahr von DDT und verwandter Chemikalien im Besonderen angeht als auch in Bezug auf die allgemeinen ökologischen Gefahren. 50 Jahre nach der Veröffentlichung von Der stumme Frühling stellt sich im Angesicht der Erderwärmung, des steigenden Meeresspiegels und zerfallender Korallenriffe aber die Frage, ob sich die Umwelt nicht in größerer Gefahr denn je befindet. „Heute erleben die Weltmeere jene Gräuel, den Der Stumme Frühling für das Festland beschrieben hat“, sagt der Ozeanograf Callum Roberts von der Universität York. „Die Meere sind die ultimativen Abfallgruben. Chemikalien werden aus dem Boden gespült und gelangen in die Flüsse. Eigentlich sollten sie sich am Meeresboden ablagern und dort bleiben. Der Fischfang hat aber eine solche Intensität erreicht, dass wir diese Gifte, DDT inbegriffen, permanent aufwühlen und sie wieder ins Wasser bringen.“ Und auch an Land hat sich die Lage keineswegs verbessert. Neonicotinoide für den Schutz von Saat- und Pflanzgut werden mit der Colony Collapse Disorder in Verbindung gebracht – einer Erkrankung, der 2007 allein 800.000 Bienenvölker zum Opfer gefallen sind (siehe Freitag 12/2011). In Asien wurden die Geier durch den Einsatz von Diclofenac ausgerottet. Wie Carson schrieb: „So ist der chemische Krieg niemals gewonnen, und in seinem Kreuzfeuer bleibt alles Leben auf der Strecke.“

„Carson glaubte, dass wir ein Gleichgewicht zwischen uns und der Natur brauchen. Aber der Drang, die Welt in Macho-Manier zu beherrschen, scheint heute so stark zu sein wie 1962“, sagt Porritt. „Wir haben viel geringere Fortschritte gemacht, als wir damals hofften.“ Martin Harper vom RSPB sieht es ähnlich. „Es hat zehn Jahre gedauert, bis DDT verboten wurde, nachdem erwiesen war, welche Folgen es hat. Und so verhält es sich bis heute. Wenn Experten vor einer Chemikalie warnen, warten die Regierungen ab, bis der letzte Zweifel ausgeräumt ist. Dann fordern sie freiwillige Maßnahmen der Industrie. Und erst wenn das zu nichts führt, werden Verbote ausgesprochen – Jahre zu spät.“

Was also ist Rachel Carsons Vermächtnis? Mehr als jeder andere hat sie dazu beigetragen, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, welches Potenzial zur ökologischen Zerstörung die Menschheit hat. Aber es ist klar, dass die Erde sich heute in einem weitaus schlechteren Zustand befindet als im Jahr 1962. Die Weltbevölkerung hat sich mehr als verdoppelt. Die Meere sind abgefischt, natürlicher Lebensraum zerstört und wildlebende Tiere getötet. „Der stumme Frühling hat eine klare und wichtige Botschaft formuliert: dass alles in der Natur mit allem zusammenhängt“, sagt Porritt. „Trotzdem haben wir diesen Gedanken nicht wirklich in vollem Umfang beherzigt oder seine Bedeutung nicht gänzlich verstanden. Ich denke, Carson wäre entsetzt.“

Robin McKie ist Redakteur des Observer
Übersetzung d. gekürzten Fassung: Holger Hutt

Die nachhaltige Macht der Worte

Rachel Louise Carson wurde 1907 in Springdale, Pennsylvania, als jüngstes von drei Kindern geboren. Die Liebe zu Tieren und Pflanzen erbte sie von ihrer Mutter Maria. Während des Studiums am Woods Hole Marine Biological Laboratory und an der Johns Hopkins University entpuppte sie sich sowohl als erstklassige Forscherin als auch als begabte Autorin.

Sie schrieb für die Baltimore Sun und wurde 1936 Chefredakteurin für alle Publikationen des US Fish and Wildlife Service. 1951 erschien Carsons The Sea Around Us, das ein preisgekrönter Bestseller wurde. Sie kündigte, um sich ganz dem Schreiben zu widmen.

Carson fing an, sich mit dem unkontrollierten Einsatz von Pestiziden zu befassen. Das Ergebnis ihrer Recherchen war jenes Buch, für das Carson zuerst keinen Titel fand. Ihr Vorschlag Mensch gegen Natur fiel beim Verlag durch. Der stumme Frühling war eigentlich der Titel eines Kapitels über Vögel gewesen.

Carson erlebte den Erfolg ihres Buches noch, bevor sie 1964 dem Krebs erlag. Heute gibt es sogar eine Regierungsorganisation, die auf ihr Werk zurückgeht: die Environmental Protection Agency, der lange Schatten des stummen Frühlings. 1980 bekam Carson posthum die Freiheitsmedaille verliehen, die höchste zivile Ehrung der USA.

Kommentare (11)

anne mohnen 12.06.2012 | 14:07

Ein hervorragend geschriebener, packender Artikel über eine große Biologin und engagierte Wissenschaftlerin, Ökologin.

Dass Rachel Carsons Buch Der stumme Frühling hart bekämpft und die Wissenschaftlerin mit „allen“ Mitteln diffamiert wurde, erklärt sich daraus, dass Carsons Überlegungen in den Vietnamkrieg hineinplatzten wie einen Bombe, geradezu vorwegnahmen, was schließlich auch Menschen infolge dieses Kriegs erlitten: u.a. Sterilität, Schäden am Erbgut.
Unlängst sah ich einen Film über Nordvietnamesische und kambodschanische Bauern und ihre schwerstbehinderten Kinder. Direkt nach dem Krieg waren sie, schierer Not folgend, u.a. in die Killing Fields gezogen, um Nahrung aufzutreiben. Über die Nahrungskette, aufgrund von mit Dioxin vergifteten Böden, erzählten sie, sei ihr Erbgut beschädigt worden. Vierzig Jahre nach Ende des Vietnam-Kriegs kämpfen diese Menschen nun via Sammelklagen um Wiedergutmachung und Hilfe für ihre Kinder. Die größte Sorge dieser Menschen ist, nicht zu wissen, was mit ihren schwerbehinderten Kindern einmal wird, wenn sie nicht mehr sind.
Ich erinnerte mich während des Films an Rachel Carson Silent Spring, das ich während des Studiums antiquarisch erstanden hatte. Da stand längst fest, was nicht nur chlorierte Kohlenwasserstoffe - Agent Orange/Dioxin oder auch DDT - angerichtet haben. Längst waren diese Gifte in der Landwirtschaft reicher Industriestaaten verboten.
Besonders zynisch ist, dass fünfzig Jahre nach Erscheinen von Ein stummer Frühling, Carsons Gegner die Wissenschaftlerin immer noch eine Massenmörderin schimpfen, ausgerechnet ihr zur Last legen wollen, dass durch das Verbot von DDT die Malariaerkrankungen anstiegen.

anne mohnen 12.06.2012 | 14:10

Ein hervorragend geschriebener, packender Artikel über eine große Biologin und engagierte Wissenschaftlerin, Ökologin.
Dass Rachel Carsons Buch Der stumme Frühling hart bekämpft und die Wissenschaftlerin mit „allen“ Mitteln diffamiert wurde, erklärt sich daraus, dass Carsons Überlegungen in den Vietnamkrieg hineinplatzten wie eine Bombe, geradezu vorwegnahmen, was schließlich auch Menschen infolge dieses Kriegs erlitten: u.a. Sterilität, Schäden am Erbgut.
Unlängst sah ich einen Film über Nordvietnamesische und kambodschanische Bauern und ihre schwerstbehinderten Kinder. Direkt nach dem Krieg waren sie, schierer Not folgend, u.a. in die Killing Fields gezogen, um Nahrung aufzutreiben. Über die Nahrungskette, aufgrund von mit Dioxin vergifteten Böden, erzählten sie, sei ihr Erbgut beschädigt worden. Vierzig Jahre nach Ende des Vietnam-Kriegs kämpfen diese Menschen nun via Sammelklagen um Wiedergutmachung und Hilfe für ihre Kinder. Die größte Sorge dieser Menschen ist, nicht zu wissen, was mit ihren schwerbehinderten Kindern einmal wird, wenn sie nicht mehr sind.
Ich erinnerte mich während des Films an Rachel Carson Silent Spring, das ich während des Studiums antiquarisch erstanden hatte. Da stand längst fest, was nicht nur chlorierte Kohlenwasserstoffe - Agent Orange/Dioxin oder auch DDT - angerichtet haben. Längst waren diese Gifte in der Landwirtschaft reicher Industriestaaten verboten.
Besonders zynisch ist, dass fünfzig Jahre nach Erscheinen von Ein stummer Frühling, Carsons Gegner die Wissenschaftlerin immer noch eine Massenmörderin schimpfen, ausgerechnet ihr zur Last legen wollen, dass durch das Verbot von DDT die Malariaerkrankungen anstiegen.
Gerade für Vietnam und seine Nachbarstaaten gilt, dass dort der Anstieg der schweren Malariaausbreitung, die vor allem Säuglinge und Kleinstkinder getroffen hat und in ländlichen Gebieten immer noch trifft, unmittelbar mit dem Vietnam-Krieg und seinen Folgen zusammenhängt.
Die unzähligen durch Bombenangriffe in die Erde geschlagenen Löcher (insgesamt ein Krater mit dem Umfang, indem das Stadtgebiets Hamburg versinke) wurden zur idealen Brutstätte des Malaria-Erregers. Die auch nach Kriegsende lange noch politisch gebeutelten Länder erhielten nicht die nötige Hilfe, die Epidemie zügig einzudämmen. Zeitweise wurde sogar wieder das inzwischen in der Landwirtschaft der reichen Industriestaaten, wie die USA, EU, verbotenen DDT eingesetzt.
Ein Ende dieses Dramas von Erbgutschäden in den Ländern des Vietnam-Krieges ist nicht abzusehen. Zuviel Munition verrottet noch in den Böden, zu wenig Hilfe zur Bodenanalyse steht in den armen ländlichen Regionen von Vietnam, Kambodscha und Laos zur Verfügung.
Für mich ist und war Rachel Carson „a hero of mine“!

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Ehemaliger Nutzer 12.06.2012 | 14:43

Einzigartiger Bericht. Wir können uns aber getrost sicher sein, dass der Mensch seiner gerechten Strafe nicht entgeht, wenn es zum Schluß vielleicht auch die falschen trifft.
Was der Mensch hier auf dem Erdball veranstaltet, kann man nur als paranoid und verrückt bezeichnen. Übrigens, auch ich, sollten wir uns alle dafür in Verantwortung nehmen lassen.
Es ist ein Skandal, dass sich auf den Meeren riesige Plastikinseln tummeln, die Verursacher aber auf der Hand bzw. bekannt dafür sind, aber es tut sich nichts.

anne mohnen 12.06.2012 | 17:23

@ Lieber Tlacuache

Ich verstehe Ihre Einlassung nicht - wie meinen Sie das?

"“Dengue stieg seit den Katalysatoren in PKW's der 90er bestimmt auch noch an..."

Ja, die Malaria ist ein weltweites Phänomen. Doch die Schwere des Verlaufs und die Ausbreitung der Erkrankung stehen im Zusammenhang mit dem Krieg und seinen Folgen.
Sicherlich kann man über die Bekämpfung und Prophylaxe streiten! Doch ging es McKie nicht darum, an ein wichtiges Buch in der Geschichte der Ökologiebewegung zu erinnern?
Ich verstehe Ihre Einwände nicht!

Lieschen 13.06.2012 | 16:42

Das Verbot von DDT war aus Sicht der von Malaria hauptsächlich betroffenen Länder (Afrika, Südasien, Mittelamerika) ein klassisches koloniales Projekt mit absolut verheerenden Folgen. Wenn es hart auf hart kommt sind europäische und nordamerikanische Vögel den Umweltschützern eben doch mehr wert als ein paar Millionen Afrikaner oder Asiaten. "Gibt doch eh schon mehr als genug von denen", wird sich der Umweltschützer sagen, und irgendwie muss man der Übervölkerung der Erde doch Herr werden, nicht wahr?

Die grundlegende Menschenfeindlichkeit (oder grenzenlose Dummheit) dieser Leute zeigt sich am Beispiels des Verbots von DDT in den Industrieländern (das die Malaria-Länder nicht selbst herstellen konnten).

Es gibt bis heute keinen wirklich wirksamen Impfstoff gegen Malaria; wenn ich die Wahl hätte, entweder mit Malaria infiziert zu werden oder einer Dosis DDT ausgesetzt zu werden, die um mehrere Größenordnungen über den europäischen (rein technischen) Grenzwerten liegt, dann entscheide ich mich für letzteres, denn während Malaria eine hohe Letalität aufweist, ist das tatsächliche Risiko von DDT für den menschlichen Organismus bis heute nicht zweifelsfrei geklärt.

Alles in allem ist die Bezeichnung von Rachel Carson als Massenmörderin (wenn auch zunächst unwissentlich) keine Übertreibung. Bei über einer Million Malariatoten jedes Jahr...

Lethe 14.06.2012 | 02:55

Zu dem Zeitpunkt, an dem die DDT-basierten Kampagnen gegen Malaria tatsächlich eingestellt wurden, war die Mehrzahl der Anopheles-Stämme längst resistent; auch spätere Wiederaufnahmen der Programme bestätigten dies. Zudem ist es falsch, Carson zu unterstellen, sie wäre für ein Verbot von DDT gewesen; sie hat sich vielmehr für eine wesentlich kontrolliertere Verwendung mit kleinflächigen Zielbereichen und entsprechender Absicherung der Umgebung eingesetzt.

Wenn Sie ein modernes Äquivalent benötigen: Sie hat sich nicht gegen die Verwendung von Antibiotika ausgesprochen, sie hat sich nur für ein Verbot von Antibiotika in der Massentierzucht eingesetzt. Aber wahrscheinlich halten Sie Letzteres auch für unproblematisch, weil nicht wissenschaftlich eindeutig bewiesen ist, dass Antibiotika was ganz anderes bewirken als die Tiere glücklich zu machen.

anne mohnen 14.06.2012 | 13:46

@ Lethe

"Zudem ist es falsch, Carson zu unterstellen, sie wäre für ein Verbot von DDT gewesen; sie hat sich vielmehr für eine wesentlich kontrolliertere Verwendung mit kleinflächigen Zielbereichen und entsprechender Absicherung der Umgebung eingesetzt."

Ich stimme Ihnen vollumfänglich zu. Hinzu kommt allerdings noch, dass Rachel Carson bereits 1964 starb.
de.wikipedia.org/wiki/Rachel_Carson

Sicherlich hätte Carson nach Alternativen verlangt und die Ursachen der Verbreitungen besagter Epedemien benannt.

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Ehemaliger Nutzer 14.06.2012 | 14:53

"Das VERBOT von DDT war aus Sicht der von Malaria hauptsächlich betroffenen Länder (Afrika, Südasien, Mittelamerika) ein klassisches koloniales Projekt"...
Ja, welch "koloniales Land" hat es denn eingeführt und dann daheim verboten?

DDT Preparation and Use in 1946 Health Campaign Against Malaria in Kenya:



DDT Wars:
Dazu noch ein Leckerli...



Koloniale Produkte zu verkloppen, sehe ich auch in meiner Wahlheimat, Chlor in der Küche, Salzsäure um ein paar Schimmelpilze von den Wänden zu putzen, "MMMHH",
alles so 2012 in Wunderländern wie der Schwellenländer...
Und jetzt ratet mal, wer das Chlor verkloppt ???

Ich glaube, ich werde mal der oben genannten mit einheimischen "kolonialen" Produkten die Haare waschen...
Aber hinterher nicht meckern...

Das Thema war schon vor 30 Jahren ein Riesenhit, aber die Chemielobby hat es scheinbar "FAST" aus dem Netz gemerzt...
So, jetzt muss ich mal kurz auf das Klo...
Ich bin schon ganz lila vor so viel Weisheit im Freitagsblog...