Einen Tag im Traumjob

Arbeitswelt Wer träumte als Kind nicht von einem Beruf, den er später aus den Augen verlor? Fünf "Guardian"-Autoren haben ihre Traumjobs als Praktikanten einen Tag lang ausprobiert

Emine Saner: Tierärztin, Gehalt 30.000 Pfund

„Wenn Ihnen schwindelig oder übel wird, dann setzen Sie sich auf den Fußboden“, erklärt Laura Bowen, eine der Tierärztinnen, die in dieser großen Praxis kurz hinter der Ortschaft Maidenhead in Kent arbeitet. Das würden viele Studenten der Tiermedizin auch so machen, sagt sie, ich müsse mich also nicht schlecht fühlen.

Ich bin eigentlich nicht besonders zart besaitet, aber nun habe ich Angst, dass ich mich über den narkotisierten Jack Russell Terrier auf dem Behandlungstisch vor uns übergeben muss. Der Terrier soll sterilisiert werden. Er liegt auf dem Rücken, hat die Pfoten in die Luft gestreckt und sieht ein wenig wie die Parodie eines toten Hundes aus. Bowen macht einen ersten Schnitt in den rasierten Bauch der Hündin; ich halte mich tapfer auf den Beinen. Sie greift in den Hundebauch und zieht, bis ich einen grauenhaften Knall höre – Bowen hat ein Eierstockband durchtrennt. Sie klammert die Wunde, um die Blutung zu stoppen, nimmt noch einige Schnitte vor und dann zieht sie die Gebärmutter und die Eierstöcke heraus und breitet sie auf einem blauen Papierhandtuch aus. Mir ist nicht übel, ich finde das Ganze faszinierend. Bowen näht den Bauch der Terrierhündin so sorgfältig zusammen, als würde sie den Saum eines Hochzeitskleids umnähen.

Laura Bowen ist 48 Jahre alt, sie arbeitet seit 25 Jahren als Tierärztin und hat schon alle möglichen Tiere behandelt, darunter auch Elefanten und Tiger (die kastriert wurden). Einmal hat sie einem Hamster einen Blasenstein entfernt, weil sein Besitzer darauf bestand. Ich kann ihn verstehen – als mein Meerschwein Ruby krank war, habe ich 2.000 Pfund für Ultraschalluntersuchungen, Röntgenbilder, Operationen und Medikamente ausgegeben. Als Kind wollte ich, wie so viele, Tierärztin werden. Als ich erwachsen war, wurde der Tierarzt, der Ruby behandelte, in meinen Augen zu einem Gott und ich fragte mich ernsthaft, ob ich den falschen Beruf ergriffen hatte.

Heute ist Sterilisier-Tag. Um eine betäubte Deutsche Schäferhündin mit einem Schlauch im Hals auf den Operationstisch zu wuchten, sind zwei Krankenschwestern notwendig. Als Bowen sich an die Arbeit macht, merke ich, dass mein Magen knurrt. Dann höre ich, dass auch Bowens Magen knurrt. Sie sieht zu mir hoch, mit dem Skalpell in der Hand. „Es ist kein besonders angenehmer Gedanke, aber es gibt eine Theorie, die besagt, dass da der Fleischfresser in uns spricht. Unser Körper soll auf den Geruch des frischen Bluts reagieren.“ Ich schaue auf die dunkle, pinkfarbene Flüssigkeit, die aus der Wunde strömt und fühle mich unangenehm berührt. Ich bin seit 23 Jahren Vegetarierin, und selbst wenn ich das nicht wäre, würde ich wohl kaum einen Hund essen.

Den Rest des Tages verbringe ich in der Hundepension und sehe nach, ob die Hunde sich erholen und streichle ihre Nasen durch die Käfiggitter. Ich spüre, dass ich als Tierärztin glücklich geworden wäre, aber ich bezweifle, dass ich es geschafft hätte. Wer in Großbritannien Tierarzt werden will, braucht im Abitur drei Einsen in den naturwissenschaftlichen Fächern und selbst dann ist es nicht sicher, dass man einen der hart umkämpften Studienplätze bekommt. Die Ausbildung selbst dauert fünf Jahre. Aber was für ein herrliches Leben, wenn man den ganzen Tag unter Tieren sein kann. Und es muss sehr befriedigend sein, Diagnosen zu erstellen, die Tiere zu operieren und zu heilen. Bowen jedenfalls scheint ihren Job zu lieben.

Aber wie ist es für sie, wenn sie ein Tier einschläfern muss? „Es ist niemals einfach“, sagt sie. „Aber man tut es, weil man weiß, dass es das Beste für das Tier ist.“

Steve Chamberlain: Klempner, Gehalt: bis zu 21.000 Pfund

Wie jeder Mann mittleren Alters, der schon einmal ein Ikea-Regal montiert oder versucht hat, einen tropfenden Wasserhahn zu reparieren, träume ich schon seit langem davon, alles hinzuschmeißen und etwas Handfestes anzufangen. Also versuche ich es einmal mit der Klempnerei.

Es geht um ein Badezimmer im Osten Londons und mein Mentor an diesem Tag ist Rick von der Firma Roman Baths, der von sich selbst sagt, er sei mehr oder weniger zufällig dazu gekommen. Ein Blick auf seine fliesenlegerischen Fähigkeiten sagt mir, dass ich mich in der Obhut eines Meisters befinde.

Mein erstes Problem ist allerdings Tee, beziehungsweise meine Abneigung gegen selbigen. Rick hat zur Tee-Zubereitung einen ganzen Korb dabei – regelrecht eine Art mobiler Starbucks. „Du willst keinen Tee?“, fragt er ungläubig. „Bis du wirklich sicher? Nun, dann machen wir uns halt sofort an die Arbeit.“

Okay, also her mit meinem Schweißgerät und den Kupferrohren. Bringen wir das Ding hier schnell in Ordnung, damit wir endlich wieder mit unserem Van durch die Gegend heizen können ... Aber nein! Rick lässt mich auf nichts los, was hinterher tropfen könnte. Für mich heißt es Fliesen legen. Ich hab mir die Videos auf der Internet-Seite eines Baumarkts angesehen, also sollte das kein Problem darstellen. „Vergiss diese Videos“, warnt mich Rick. „Bei denen wird immer so getan, als würde man in einem perfekten Haus arbeiten. In der wirklichen Welt hast du aber nie diese Bedingungen. Sieh dir nur an, wie schief diese Wand ist. Da geht es rauf und runter, überall sind Dellen. Und wir müssen damit klarkommen.“

Also gilt es erst einmal, das bisschen wieder zu vergessen, was ich mir in Sachen Fliesenlegen angeeignet hatte. Die Arbeit ist mühsam und erfordert viel Fingerspitzengefühl. Schließlich machen wir eine Pause, die allerdings nur eine halbe Stunde dauert. Rick sagt, manchmal arbeite er auch durch. Das hier ist richtige Arbeit, man muss schwer heben, richtig schuften und alles, was so dazugehört. Und dazu dann noch das viele Teetrinken – ich bin mir nicht sicher, ob ich dem Ganzen wirklich gewachsen bin.

Laura Barton: Hutmacherin, Gehalt: 15.000 Pfund

Als meine Großtante Evelyn starb, hinterließ sie mir, zusammen mit zwei senffarbenen Sesseln und einem geblümten Teeservice, ihre riesige Hutsammlung. Darunter kleine, helle Strohhüte, eine Kugel aus gelbem und weißem Filz, ein Pillbox-Hütchen aus künstlichem Ozelotfell und eine braune Schirmmütze aus Wildleder.

Großtante Evelyns Hutsammlung ist schuld daran, dass ich schon als Mädchen den Wunsch hatte, Hutmacherin zu werden und mich für Glockenhüte, Scheitelkäppchen, den Promi-Hutdesigner Philip Treacy und Federn und Schleier interessierte. Ich belegte in der Schule textiles Werken als Wahlfach und noch in dem Sommer, in dem ich mein Abitur schrieb, war ich hin- und hergerissen, ob ich nun Literaturwissenschaften studieren oder mich professionell der Hutmacherei zuwenden sollte. Ich entschied mich für ersteres und träume manchmal von all den Cocktailhüten, die ich entworfen hätte, wäre es anders gekommen.

Über ein kleines Treppenhaus in der Crown Passage, gleich in der Nähe von St. James, gelangt man zu Rachel Trevor-Morgans Atelier und Showroom. Trevor-Morgan arbeitet seit 17 Jahren als Hutmacherin. Als sie 19 war rutschte sie in das Gewerbe eher zufällig hinein, sie bekam einen Ausbildungsplatz bei Graham Smith und machte sich Schritt für Schritt selbständig. Ihre Hüte sind elegant und äußerst feminin: ein gewelltes Haarband aus Pfauenfedern, ein halbmondförmiger Hut aus pfirsichfarbener Spitze mit Straußenfedern und einer Blume, eine einfach Scheibe aus Ripsband. Die Preise für ihre Couture-Hüte variieren zwischen 150 und 900 Pfund. Die meisten Hüte sind maßgefertigt, ihre Kunden reichen von reichen Society-Damen bis zu Bräuten, die etwas Ungewöhnliches suchen. Sie hat sogar schon Hüte für die Queen entworfen, darunter eine weiß-silberne Kreation, die sie an ihrer diamantenen Hochzeit trug.

Um diese Jahreszeit ist relativ wenig los, doch im Frühjahr, wenn das Pferderennen in Ascot ansteht und die meisten Hochzeiten geplant werden, dann empfängt Rachel Trevor-Morgan unten in ihrem Showroom oft bis zu acht Kundinnen am Tag, die stundenlang beraten werden wollen. Heute hat nur eine einzige Kundin einen Termin, für die Trevor-Morgan auf einem kleinen Herd in der Küche Stoffstücke einfärbt, während ihre Assistentinnen Lucy und Ann eine Bestellung von Harrods abarbeiten, eine üppige Konstruktion aus Schleifen und Federn.

Sie setzen mich vor einen Sack mit weißen Federn und lehren mich in der Kunst, wie man kleine Federchen herstellt: Man sucht nach einer kleinen, hübschen Federspitze, rupft die unteren Wedel ab und schneidet sie dann scharf in Form. Später kann sie dann eingefärbt und als Dekoration für den Hut benutzt werden. Es ist eine sehr ruhige Arbeit. Wir schwatzen und hören dem Radio, dem Klang der Regentropfen, die gegen das Fenster prasseln und dem Zischen des Dampfbügeleisens zu. Unterdessen schlummert Trevor-Morgans winziger Hund Daphne in einem Korb, der neben dem Ofen liegt.

Nach der Mittagspause bringt Lucy mir bei, wie man einen Hut formt, während wir uns auf Radio 4 die Serie The Archers anhören. Wir formen einen kleinen, feinen Hut in Tropfenform, der zunächst nicht mehr als ein steifes, weißes Baumwollnetz ist, das wir mit dem schweren Eisen über dem Holzblock formen. Die Enden werden heruntergeklebt und geglättet und dann wird der Tropfen mit dicker, pinkfarbener Seide überzogen, die mit beinahe unsichtbaren Stichen befestigt wird. Es ist eine kniffelige Arbeit und ich bin ein wenig tollpatschig, aber es bereitet mir viel Spaß. Der pinke Tropfen kann mit einer Bordüre versehen und dann an einem Haarband befestigt werden. Man trägt ihn ein wenig schief auf dem Kopf.

Ich genieße meinen Abstecher in die Welt der Hutmacher, aber ich glaube, dass ich den Abwechslungsreichtum des Journalismus bald vermissen würde. Ich glaube, dass ich nicht wirklich für einen Job gemacht bin, bei dem ich beim Aufstehen schon ganz genau weiß, was ich an diesem Tag machen werde.Im Moment jedoch finde ich es wesentlich angenehmer, als den ganzen Tag auf einen Computerbildschirm zu starren, und es ist spannend, etwas herzustellen, das so greifbar ist. Etwas Schönes, das jemand vielleicht sein Leben lang gut aufbewahrt.

Stephen Moss: Offizier, Einstiegsgehalt als Zweiter Lieutnant: 24.133 Pfund

Ich möchte jetzt nicht behaupten, ich hätte als 20-Jähriger ernsthaft eine Karriere bei der Armee in Erwägung gezogen. Aber nun, 30 Jahre später, erscheint mir ein Leben als Soldat plötzlich reizvoll. Man dient seinem Land, wenn auch möglicherweise in einem riskanten Krieg im Ausland. Aber ich mag einfach die Uniformen. Also melde ich mich mit 30 Jahren Verspätung bei der Offizierbewerberprüfzentrale in Westbury, um herauszufinden, ob ich aus dem richtigen Holz für diesen Beruf geschnitzt bin. Westbury ist die erste Stufe, wer hier besteht kommt auf die königliche Militärakademie in Sandhurst, die er 11 Monate später mit dem Grad des Leutnants verlässt, der ihn dazu befähigt, einen Zug von 30 Soldaten zu kommandieren.

Ich bin mir sicher, dass ich ein Naturtalent bin und liebäugle mit einer Karriere als Feldmarschall (dem höchsten militärischen Dienstgrad). „Manche, die zu uns kommen, haben eine sehr verklärte Vorstellung davon, was es bedeutet in der Armee zu sein“, meint Brigadegeneral Philip Mostyn, der befehlshabender Offizier in Westbury ist. „Wir achten darauf, dass sich hier keiner Illusionen über die Ernsthaftigkeit des Jobs macht.“ Seine Worte werden mich später noch verfolgen.

Der Tag beginnt mit einer Art Intelligenztest. Ich muss zwischen Wörtern, Zahlenreihen und abstrakten Formen die richtigen Zusammenhänge herstellen. Ich weiß, dass letzteres mein Handikap ist, denn ich habe kein räumliches Vorstellungsvermögen. Oberstleutnant Mark Pomroy, der mich beaufsichtigt, wird mein Ergebnis in diesem Abschnitt des Tests später als „katastrophal“ bezeichnen. Mein Punktestand ist aber auch in den anderen beiden Teilen nicht berauschend. „Durch den Test erfahren wir, wie viel PS Ihr Hirn hat“, erklärt Mostyn. Meine Hirn scheint ziemlich leer zu sein.

Wir machen in der Turnhalle weiter, wo ich fünf Hindernisse überwinden muss. Natürlich verdient der Umstand, dass ich 50 bin, etwas Nachsicht, aber ich muss zugeben, dass mir die Aufgabe selbst mit 20 Mühe bereitet hätte. Ich komme über die Hürden und schaffe es mehr schlecht als recht mit einem Holzklotz auf dem Rücken über eine Reihe von Balken zu klettern, aber ich versage beim Weitsprung, ich schaffe es nicht, über die Mauer zu klettern (obwohl ich mich an der kleineren Wand für Frauen versuchen darf) und ich falle von dem Seil, an dem ich mich über ein Hindernis schwingen soll.

Als nächstes steht eine Gruppenübung im Freien an. Zunächst üben wir Knoten zu knüpfen und binden ein paar Bretter zu einer improvisierten Brücke zusammen. Dann bekommen wir von Pomroy zwei Aufgaben gestellt: Wir müssen eine Kiste und ein Fass durch einen Hindernisparcours tragen, ohne den Boden zu berühren. Ich bin so sehr mit mir selbst beschäftigt, dass mir vollkommen entgeht, wie einer in der Gruppe plötzlich das Kommando an sich reißt. Er erarbeitet einen Plan und zieht ihn mit eiserner Entschlossenheit durch. Ich hingegen schaffe es nicht einmal, zwei Bretter ordentlich zusammenzuknüpfen. Hätte ich bei der Landung der Alliierten in der Normandie das Sagen gehabt, dann würde Europa noch heute auf seine Befreiung warten.

Erschöpft essen wir im Offizierskasino zu Mittag, und hier kann ich endlich zeigen, was ich kann. Ich bewältige eine ungeheure Menge an Sandwiches und stelle mir eine grandiose Karriere als gichtkranker Feldmarschall vor. Ich glaube kaum, dass der Duke of Welligton einen Intelligenztest absolvieren musste oder sich beim Weitsprung hervortat, bevor er Napoleon besiegte. Hier geht es um Krieg – und nicht um modernen Fünfkampf.

Der Todesstoß erwartet uns nach dem Essen. Wir sollen uns vorstellen, wir seien tief im Dschungel und einer unserer Männer sei an Malaria erkrankt. Wie können wir ihm beistehen und trotzdem rechtzeitig den Flughafen erreichen? Ich lese mir die Anweisung nur halbherzig durch und lasse den Mann vor Ort behandeln, anstatt ihn ins Krankenhaus zu bringen. Der Vorteil ist, dass ich einige Stunden zu früh am Flughafen eintreffe. „Da kann ich sogar noch auf ein Getränk in die Bar gehen“, erkläre ich stolz. Die Kehrseite ist, dass das Malaria-Opfer vermutlich sterben wird. Mein Plan sei „grottenschlecht“, stellt Pomroy kurz und treffend fest.

Mit ist klar, dass ich mich nicht qualifizieren werde. Der Brigadegeneral hat ein kleines Trostpflaster: „Vielleicht ist es gut, dass Sie jetzt entdecken, dass sie es nicht geschafft hätten. Sonst würden Sie ihr Leben lang denken, sie hätten den falschen Job gewählt.“

Maxton Walker, Spezialeffekte-Künstler, Gehalt: 20.000 Pfund

Zu meinen eindrücklichsten Kindheitserinnerungen gehört jene Szene der Fernsehserie Dr. Who, in der der Schauspieler Jon Pertwee auf magische Weise die Gesichtszüge Tom Bakers annimmt. Ich kann also mein Glück kaum fassen, als ich mich an einem milden Novembermorgen im Zentrum von London einfinde. „Hier ist das Drehbuch für die Weihnachtsfolge“, sagt Will Cohen, der die Abteilung Fernsehen bei Mill, einer auf visuelle Effekte spezialisierten Firma, leitet. „Lies es dir durch und mach dir ein paar Gedanken darüber, wie man die Effekte umsetzen kann.“

Ich hocke mich auf ein Sofa und kann mich vor Aufregung kaum konzentrieren. Ich und meine Kollegen – 60 „coole Nerds“, die meisten um die zwanzig oder dreißig Jahre alt – sind auf einem dunklen, stickigen Dachboden eingepfercht und arbeiten die Spezialeffekte für verschiedene TV-Produktionen aus. Auf den Computern taumeln, knurren und drehen sich Drachen und andere magische Figuren, die zugehörige Software heißt Maya, Shake oder Nuke.

Eine frühe Szene in meinem Drehbuch erregt meine Neugier. John Simm, der den Master spielt, tritt in einem Wirbel aus Licht auf. An einem der Bildbearbeitungsplätze lädt Marie Jones, die als zuständige Produzentin dafür verantwortlich ist, dass alle digitalen Effekte den Anforderungen entsprechen und rechtzeitig fertig sind, eine frühe Version der Szene. Bei dieser Version fehlen die visuellen Effekte noch ganz. Die eigentliche Szene ist so gut wie fertig, mehrere Künstler haben insgesamt 90 Tag lang auf ihren Computern an diesem Wirbel gearbeitet. Zunächste haben sie den Wirbel mit einer Spezial-Software erstellt, dann mussten die Bewegungen der Schauspieler auf dem Computer genau festlegen, damit die Lichtstrahlen mir ihnen interagieren. Am Ende wurden 1.200 Arbeitstage in die digitalen Effekte für die beiden letzten Folgen mit David Tennant, die an Weihnachten gezeigt wurden, investiert. Marie räumt ein, dass es bei ihrem Job im Prinzip vor allem darum geht, eine sehr komplexe, logistische Aufgabe zu erfüllen.

Ich sehe mich selbst eher als der Typ „besessener Künstler“, deshalb hänge ich mich nach der Mittagspause an Simon Wicker, der am Computer außerirdischen Planeten und andere Szenerien „malt“, in die die Schauspieler dann hineinmontiert werden. Ich bewundere Wicker nicht – ich bin wahnsinnig eifersüchtig, er lebt das Leben, das eigentlich für mich bestimmt war.

Wicker ist schon immer ein großer Fan von Star Wars und Dr. Who gewesen, und er war an den Effekten für den Film Gladiator beteiligt. Nachdem sie mit Gladiator einen Oscar für The Mill gewonnen hatten, wurde er für Star Wars angeheuert – „Ich dachte, da will mich einer verarschen, als der Anruf kam“ – und ging in die USA. Als er zurückkam, begann gerade die Arbeit an der neuen Staffel von Dr. Who: „Nachdem ich eine meiner Obsessionen abgehakt hatte, dachte ich, es sei an der Zeit, die nächste in Angriff zu nehmen.“

Ist es zu spät für mich, um Umzuschulen? Vielleicht nicht. Cohen meint, dass London zur Zeit die Stadt für computergenerierte Effekte ist, er kann gar nicht genügend Leute einstellen. Viele besuchen spezielle Kurse, arbeiten dann ein paar Jahren als Freie. Es gibt aber auch Fälle von Leuten, die sich von ganz unten hochgearbeitet haben. Während der Fotograf, den ich mitgebracht habe, sein paar Bilder macht, verbessere ich Marie in Punkto einer bestimmten Folge von Dr. Who. Der Fotograf schaut mich entgeistert an: „Jesus, Sie wissen besser über Dr. Who Bescheid als die Leute, die die Serie machen.“ Vielleicht ist das wahre Besessenheit.

Eigentlich wollten Sie auch immer etwas anderes machen? Schreiben Sie uns Ihre Geschichte zum Text. Was wären Sie gern geworden? Oder welcher Beruf wurde für Sie überraschend zum Traumjob?

Übersetzung: Holger Hutt/Christine Käppeler

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09:00 14.01.2010
Geschrieben von

The Guardian

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