Fox gibt den Kampfhund

USA Nach monatelangen Scharmützeln zwischen dem US-Privatsender Fox News und dem Weißen Haus ist nun offiziell der Krieg erklärt – der Angriff gilt Barack Obama

Die förmliche Erklärung der Feindseligkeiten zwischen Fox News und dem Weißen Haus kommt trotz aller bisherigen Geplänkel einigermaßen überraschend. Anita Dunn, Barack Obamas Kommunikationschefin, gab den ersten Schuss ab, als sie am Wochenende sagte, Obama habe im September, als er bei anderen Sendern auf Tour war, um Werbung für seine Gesundheitsreform zu machen, einen Auftritt bei Fox News abgelehnt. Der Grund: Der US-Nachrichtenkanal mit der höchsten Einschaltquote mache in rechter Propaganda, nicht in Nachrichten.

„Fox News operiert oft entweder als Recherche- oder als Kommunikationsarm der Republikaner“, so Dann. „Sie bringen ihre Themen, suchen nach kompromittierendem Material und setzen es dann ein. Das ist auch in Ordnung. Aber lassen Sie uns nicht so tun, als ob wir es mit einem Nachrichtensender wie CNN zu tun hätten ... Wir werden sie behandeln, wie wir einen Gegner behandeln würden.“

Eine Bande Kriegstreiber

Beck und Bill O’Reilly, die beiden reizbarsten Fox-Moderatoren, führen nun den Gegenangriff an. „Die machen sich mehr Gedanken über den Krieg gegen Fox als über den Krieg in Afghanistan“, stürmte Beck los. Der neue Star des Senders legt mit Hilfe einer Landkarte, ein paar Spielzeugpanzern und eines Helikopters aus Plastik den Schlachtplan dar. „Was für eine Bande Kriegstreiber wir da im Weißen Haus haben. Amerika kämpft den Krieg im Irak. Sie kämpfen in Afghanistan, gegen Osama bin Laden, gegen al-Qaida und die Taliban. Und jetzt haben sich diese Leute einen neuen Feind vorgenommen: Fox News“, sagte der Moderator, dem einst vor patriotischem Eifer die Tränen kamen, als er Sarah Palin vorstellte. „Ich möchte ihnen zeigen, wo der Feind sich befindet“, fuhr Beck dann fort und kreiste auf einem New Yorker Stadtplan das Fox-Hauptquartier mit grüner Tinte ein. „Amerika, das hier ist der Feind!“

Dann attackiert Bill O’Reilly die übrige Presse für ihre „rhapsodische“ Berichterstattung über Obama. Die New York Times beschreibt er als „so links, wie man nur sein kann.“ Von Fox selbst heißt es, das Weiße Haus sei nicht imstande, zwischen seinen Nachrichtenreportern und Kommentatoren zu unterscheiden. Letztere, gibt man freimütig zu, seien konservativ. Die Obama-Regierung hält entgegen, diese Unterscheidung sei angesichts Fox’ oftmals aktiver Unterstützung einer bestimmten politischen Agenda so gut wie unmöglich. Scott McClellan, Pressesekretär des Obama-Vorgängers George Bush, meint derweil, das Weiße Haus habe früher regelmäßig Themen bei Fox News eingereicht, um die eigene Agenda zu fördern.

Hass gegen Weiße

Die Regierung Obama hat der Sender mit dem energischen Beistand so genannter „Tea-Party“-Proteste (benannt nach dem Boston-Tea-Party-Aufstand gegen die britische Herrschaft im 18. Jahrhundert) gereizt. Fox-Moderatoren schwelgten in Begeisterung für das angeblich spontane Aufbegehren der Bürger gegen eine zunehmend unterdrückerische Regierung. Bei einer Gelegenheit wurde ein Fox News-Produzent dabei gefilmt, wie er die Teilnehmern einer „Tea Party“ in Washington anwies, wann sie für die Kameras jubeln sollten.

Gleichsam räumt man dem Widerstand gegen Obamas Pläne für eine Gesundheitsreform großen Stellenwert ein und wirbt ausgiebig für Meetings, bei denen der Präsident als Nazi und Kommunist bezeichnet wird. An anderer Stelle scheint der Sender sich am Motto Keep Fear Alive (Die Angst wach halten) zu orientieren. Die Zuschauer werden regelmäßig über die offizielle Terrorwarnstufe informiert, obgleich die sich selten ändert. Weiter wirft man der Regierung vor, durch die Absicht, das Lager Guantánamo-Bay aufzulösen, die USA in Gefahr zu bringen. O’Reilly hüllt sich selbst in die Flagge des Patriotismus – auf seiner Internetseite verkauft er Tassen und Mützen, die der legendäre „amerikanische Patriot“ ziert. Er stellt gern die Loyalität jener in Frage, die anderer Meinung sind als er. Das gilt auch für Obama und seine Bemühungen, die Beziehungen zur übrigen Welt zu verbessern.

Eventuell hätte es bei harten politischen Differenzen bleiben können. Doch als Obama im Juli einen weißen Polizisten kritisierte, der den schwarzen Harvard-Professor Henry Louis Gates festgenommen hatte, nahm der Konflikt andere Dimensionen an. Beck warf dem Präsidenten „tief verwurzelten Hass gegen weiße Menschen oder die weiße Kultur“ vor. „Ich sage nicht, dass er keine Weißen mag. Ich sage, dass er ein Problem hat. Dieser Mann ist meiner Meinung nach ein Rassist“, so Beck. Daraufhin verhängten mehr als 20 Unternehmen einen Werbeboykott gegen seine Show oder den gesamten Sender.

Doch selbst einige derer, die den Frust des Weißen Hauses über Fox News teilen, fragen, ob es klug ist, sich in eine offene Konfrontation mit dem wichtigen Nachrichtenkanal zu begeben. Fox macht sich die hieraus entstehende Aufmerksamkeit zu Nutze und stellt sich gegenüber einem wachsenden Publikum als einziger Sender dar, der bereit ist, sich dem Präsidenten entgegen zu stellen. Kommentatoren zitieren bereits wieder ein altes Sprichwort über Zeitungen, das seinerzeit schon Präsident Clinton bemühte: „Nie einen Streit mit jemandem anzetteln, der Tinte literweise kauft.“
Übersetzung: Zilla Hofman

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11:22 17.10.2009
Geschrieben von

Chris McGreal, The Guardian | The Guardian

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The Guardian

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