Kira Cochrane
09.01.2014 | 12:40 12

Hand's up for feminism

Anleitung Wollen Sie dieses Jahr die Welt verändern? Feministische Aktivistinnen erklären die wichtigsten Schritte für eine starke, schlagzeilenträchtige Kampagne

Hand's up for feminism

Im November 2013 protestieren Aktivistinnen und Aktivisten in London gegen die barbusigen Models auf Seite 3 der "Sun"

Foto: Leon Neal/ AFP/ Getty Images

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Die vergangenen sechs Monate über war Yas Necati sehr beschäftigt. Die Schülerin hat eine Petition für einen wirkungsvolleren Sexualkundeunterricht gestartet, die bereits 52.000 Menschen unterschrieben haben. Sie hat in einem Affenkostüm vor dem Parteitag der Konservativen demonstriert, um auf die Petition aufmerksam zu machen, engagierte sich bei der Twitter Youth Feminist Army – einer hunderte Personen starken Online-Community – und schrieb regelmäßig Briefe an den Herausgeber der Sun, David Dingsmore, in denen sie ihn aufforderte, die barbusigen Models auf Seite 3 seiner Zeitung gegen selbstbewusstere und inspirierendere Frauenbilder auszutauschen.

Ihr Leben habe sich durch den persönlichen Kontakt mit anderen Feministen verändert, sagt Necati. „Man fühlt sich als Campaignerin so leicht allein“, sagt sie. „Schnell hat man das Gefühl, dass man sich nur noch mit seinem Computerbildschirm unterhält.“ Deshalb versucht sie jetzt, an möglichst vielen feministischen Protestaktionen teilzunehmen wie möglich. Der leibhaftige Protest kann ihrer Ansicht selbst bei einer noch so internetbasierten Kampagne entscheidend sein. Ihre Demo vor der Parteikonferenz der Torys brachte ihr innerhalb von zwei Tagen 17.000 Unterschriften für ihre Petition ein. Andere Feminstinnen hatte zu zuerst auf dem jährlich stattfindenden Women of the World Festival und der UK Feminista's summer school kennengelernt. Weitere zahlreich Events finden über die feministischen Seiten F Word blog, und die UK Feminista website statt.

Die Bedeutung eines guten Unterstützer-Netzwerks zeigt sich auch an anderen Kampagnen. Lucy-Anne Holmes sagt, sie habe ihre Kampagne gegen die Nacktmodels auf Seite 3 „No More Page 3“ mit einer Liste all derjenigen begonnen, die ihr möglicherweise hefen könnten und Nimko Ali, die sich mit ihrer Gruppe Daughters of Eve gegen weibliche Genitalverstümmelung engagiert, ergänzt, eine starke Unterstützung sei wichtig in Situationen, in denen eine Kampagne starken Gegenwind erhält, wie zum Beispiel, als sie wegen ihres Engagements Todesdrohungen bekam. Wenn es um den Widerstand geht, der feministischen Kampagnen so oft entgegenschlägt, ist die Unterstützung durch andere Feministinnen nachvollziehbarer Weise ein gewaltiger Vorteil.

 

Formulieren Sie eine klare Botschaft

Einige der eindrucksvollsten Kampagnen der vergangenen Jahre waren besonders einfallsreich darin, ein Problem ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken, indem sie einfach und prägnant über seine Auswirkungen informierten. Ein Beispiel: Als in den ersten drei Tagen des Jahres 2012 im Vereinigten Königreich sieben Frauen das Opfer von Gewaltverbrechen wurden, begann Karen Ingala Smith ihr Counting Dead Women-Projekt und dokumentierte jeden Mord aus frauenfeindlichen Motiven im Vereinigten Königreich im Internet. Ihre Arbeit gibt den Zahlen und Statistiken ein Gesicht und unterstreicht Smiths Forderung nach einer sorgfältigen Analyse und entschiedenem Vorgehen der Regierung gegen tödliche Gewalt gegen Frauen.

Es gibt viele Beispiele dafür, wie heutzutage auf ein Problem aufmerksam gemacht, ein Bewusstsein geschaffen und zunächst im Netz eine Gruppe ins Leben gerufen werden kann, die sich mit dem Thema beschäftigt. Dazu gehört zum Beispiel auch der Twitter-Hashtag #girlslikeus der Autorin Janet Mocks. Hier können transsexuelle Frauen Erfahrungen und Informationen austauschen, sowohl über persönliche Dinge als auch über Kampagen-Fragen. Im April letzten Jahres startete Laura Bates das Everyday Sexism Project, in dessen Rahmen über 50.000 Frauen Fälle alltäglicher sexueller Diskriminierung veröffentlicht haben. Who Needs Feminism schließlich ist ein Projekt von Studentinnen der US-amerikanischen Duke University, das die vielen Gründe benennt, die auch heute noch eine Frauenbewegung notwendig machen. Die Frage für 2014 lautet: Welches Thema möchte frau am stärksten in den Vordergrund stellen und wie kann frau das einfach und wirkungsvoll tun?

 

Machen Sie es den Leuten einfach, Ihre Kampagne zu unterstützen

Als Laura Bates, Soraya Chemaly und Jaclyn Friedman eine Kampagne gegen frauenfeindliche Seiten auf Facebook ins Leben riefen, sorgten sie dafür, dass es unglaublich einfach war, ihr Anliegen zu unterstützen. Sie richteten sich an Werber, deren Produkte neben frauenfeindlichen Inhalten erschienen. „Auf unserer Internetseite befand sich eine Seite, auf der wir sagten: Hier ist das Unternehmen, hier das furchtbare Bild, das neben dessen Werbung erscheint. Hier müsst Ihr klicken, um ihnen einen Tweet oder eine E-Mail zu schicken oder etwas auf deren Facebook-Seite zu posten. Alles war automatisiert und vorformuliert.“ Innerhalb einer Woche wurden über 60.000 Tweets abgesetzt. Unternehmen begannen, keine Werbung mehr auf Facebook zu schalten und die Seite willigte ein, ihre Moderationspolitik zu ändern.

Ein weiterer Aspekt einer Kampagne bestehe Chemaly zufolge darin, dass sie die richtigen Anreize für eine Veränderung setzt. Petitionen gegen frauenfeindliche Inhalte auf Facebook hatten in der Vergangenheit bereits hunderttausende von Unterschriften gesammelt, das Unternehmen aber nicht dazu veranlasst, etwas zu verändern. Also wollten sie herausfinden, wo die Schmerzgrenze liegt – in diesem Fall da, wo Werbeeinnahmen verloren gingen. 

 

Persönliche Geschichten haben eine starke Wirkung

Von all den Kampagnen auf der Seite für Online-Petitionen Change.org haben diejenigen die größte Aussicht auf Erfolg, die Frauenrechte thematisieren. Zum Teil liegt das Brie Rogers Lowers, der Kampagnendirektorin für das UK der Seite zufolge an der Fähigkeit der Initiatorinnen, ihren Kampagnen mit persönlichen Geschichten Glaubwürdigkeit und Nachdruck zu verleihen.

Dennoch ist immer auch Vorsicht geboten, wenn man sich entschließt, seine persönliche Geschichte zu veröffentlichen. Ali sagt, sie bereue es nicht, in ihrer Kampagne über ihre Erfahrung mit Genitalverstümmelung gesprochen zu haben. Dadurch konnte sie große Aufmerksamkeit für das Thema gewinnen und anderen Frauen, die diese Erfahrung machen mussten, zeigen, dass sie ebenfalls überleben können. Sie hätte sich im Nachhinein nur gewünscht, sie wäre emotional besser vorbereitet gewesen, bevor sie sich an die Öffentlichkeit wandte. Zum persönlichen Gesicht einer Kampagne zu werden, erfordert Mut, es kann einen aber auch auslaugen. Frau muss sich auch nicht völlig offenbaren, um einen Beitrag zu leisten.

 

Nicht den Humor verlieren

Mit am eindrucksvollsten an Alis Kampange ist, wie sie ihren Humor einsetzt. Sie nennt sich selbst „die Bridget Jones der weiblichen Genitalverstümmelung," führt eine „Muschi vor“-Liste mit Unterstützern und hat von Vagina-Cupcakes bis hin zu Vulva-Decken nichts unversucht gelassen, um ihre Botschaft an die Frau zu bringen. Ihre Sprache und die Utensilien, die sie verwendet, ermöglichen ihr, über ein Thema zu sprechen, vor dem die Menschen ansonsten zurückschrecken. „Wenn man die Leute deprimiert, indem man ihnen ständig erzählt, wie schrecklich all diese Dinge sind, dann fühlen alle sich machtlos“, sagt sie. Es gibt nur einen Vorbehalt: Man muss vorsichtig sein. Dies ist keine Entschuldigung dafür, grobe Witze auf Kosten anderer zu machen.

 

Gründen Sie eine eigene Gruppe

Die einflussreiche Gruppe Black Feminists begann mit einem Treffen zum Kaffeeklatsch, zu dem Chitra Nagarajan und ein paar andere Aktivistinnen einluden. Bis dahin habe sie immer nur sehr begrenzt auf einzelnen Gebieten gearbeitet. „Mit den Antirassisten ging es nur um den Kampf gegen Rassismus. Mit den Frauenrechtlerinnen ging es immer nur um Frauenrechte“, sagt Nagaraja. „Natürlich hatten die verschiedenen Bereiche miteinander zu tun, aber ich hatte das Gefühl, es fehlt der Raum, um alles zusammenzubringen.“ Zum ersten Treffen kamen viermal so viele Leute wie sie erwartet hatte. Die Diskussion war von Anfang an engagiert und gut und was als einmalige Veranstaltung gedacht gewesen war, wurde zu einer lebendigen und aktiven Gruppe. Wenn es eine feministische Perspektive oder ein feministisches Thema gibt, das Ihnen besonders am Herzen liegt, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es anderen damit ähnlich ergeht.

Jinan Younis, die gerade erst mit ihrem Studium begonnen hat, fand die Richtlinen für die Gründung einer feminnistischen Gruppe von UK Feminista sehr hilfrei, als sie an ihrer Schule eine ins Leben rief. Sie begannen mit ein paar einfachen Übungen. Zum Beispiel stellte jede sich vor und nannte eine Frau, die sie bewundert. Dies half ihnen, die weiblichen Rollenmodelle wahrzunehmen, die im Blick der Öffentlichkeit stehen, machte ihnen aber auch deutlich, was für eine Seltenheit sie darstellen, sagt Younis, und illustriert damit einen der Gründe, warum der Feminismus immer noch notwendig ist.

 

Seien Sie auf Widerstand gefasst

Heute hat man den Vorteil, ein Thema sehr schnell ansprechen zu können, indem man eine Facebook-Seite oder einen Twitter- oder Youtube-Account einrichtet – und die Möglichkeit, schnell zu reagieren, ist Rogers Lowery zufolge von entscheidender Bedeutung. Petitionenen nähmen sehr viel mehr Fahrt auf, sagt sie, wenn sie 12 bis 24 Stunden gegründet werden, nachdem die Nachricht über ein Ereignis in den Schlagzeilen war.

Wenn eine Kampagne dann erst einmal Fahrt aufgenommen hat, muss man auf sich Acht geben. Während der ersten Monate ihrer Kampagne gegen die Seite-Drei-Girls arbeitete sie über weite Strecken allein und hatte oft das Gefühl, sie müsse permanent online sein, selbst bei Familientreffen. Dies führte dazu, dass sie nach fünf Monaten einen Burnout erlitt. „Um ehrlich zu sein, fühlte es sich an, wie eine ziemlich düstere Depression“, sagt sie. Daraufhin kontaktierte sie einige der lautstärksten Unterstützer der Kampagne und bat sie, ein Team zu bilden, um ihr zu helfen. Alle sagten zu, sodass der Rückschlag zu einem wichtigen Faktor für die dauerhafte Sichtbarkeit der Kampagne wurde.

Die meisten der Aktivistinnen mit denen ich gesprochen habe, sagen, dass die frauenfeindlichen Kommentare sie nur noch mehr motivierten. Sie können ihnen als Beweise dienen, die sie veröffentlichen können, wenn jemand behauptet, der Feminismus habe keine Berechtigung mehr. So kann aus einer negativen Reaktion ein Vehikel zur Stärkung einer Kampagne werden. Feministinnen: 1. Frauenfeinde: 0.   

Übersetzung: Holger Hutt

Kommentare (12)

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Ehemaliger Nutzer 09.01.2014 | 20:43

Hmmm... und trotz der vielen Aktionen (in England solche in Deutschland etwas andere) kann man in Zahlen nicht zu dem Schluss kommen, dass sich für Frauen wirklich etwas verbessert hätte in den letzten Jahrzehnten. Ich mein ich hab nichts gegen Femen, im Gegenteil ich seh sie gern und finde sie sehr hübsch. Aber irgendwie wäre es für "die Frauen" dann doch entscheidender ihr Geschlecht wäre kein Altersarmutsrisiko etc.

lurch 10.01.2014 | 09:26

Richtig! Nieder mit Realismus, Mechanismus, Organismus und Syllogismus, nicht aber mit der Ignoranz (kein Ismus) die zu hohlen Phrasen wie deiner führt.

Die Umdeutung von "Aktfotos auf Seite 3 der größten Tageszeitung Großbrittaniens" in "Aktmodelle" ist als Strohmann (auch kein Ismus) ebenfalls voll in Ordnung, so lange nur der Surrealismus endlich unterbunden wird.

Zum Glück sind auch Maskulisten auf der sicheren Seite, solange sie ihren "Einsatz für Männerrechte" (nicht etwa "rechte Männer") nicht Maskulismus nennen.

lurch 11.01.2014 | 00:58

Und wieder nur Phrasengeschleuder...

Obwohl du dir keine Mühe gibst, das Argument zu den Nacktfotos in Tageszeitungen zu verstehen, will ich mal versuchen es dir zu erklären. Dann hast du wenigstens die Chance, es informiert für ungültig zu befinden.

Die Frage, ob die abgebildeten Frauen sich zum Sexualobjekt degradiert oder erniedrigt fühlen, ist nicht entscheidend für die Frage, ob der Abdruck dieser Bilder in einer Tageszeitung (also keinem ausgesprochen pornografischen Zusammenhang) als allgemein Frauen zu Sexualobjekten degradierend oder erniedrigend betrachtet werden kann. Gerade wegen des fehlenden pornografischen Kontextes, also der Beiläufigkeit mit der Frauenkörper als leckeres Stück Fleisch abgebildet werden (es wird ja eben nicht mit Männerkörpern gemacht), wie man auch einen schnittigen Sportwagen präsentieren würde - eben als erstrebenswerten Konsumgegenstand - kann man diese Bilder in diesem Kontext durchaus berechtigt problematisieren. Dafür ist es völlig unerheblich, ob die abgebildeten Frauen das so sehen, denn sie sind nicht die einzigen Betroffenen - von dem kollektiven Effekt, der Frauen als solche betrifft sind sie nicht einmal stärker betroffen als jede(r) andere.

Bei "Wahlen gewinnt man damit nicht" zweifle ich an deiner Fähigkeit zum sinnerfassenden Lesen. Im Artikel geht es doch unter anderem darum, dass der Einsatz gegen Diskriminierung heute zu steifem Gegenwind führt und wie es handelnden Personen gelingt diesem zu widerstehen. Willst du allen Ernstes behaupten, dass alles was gegen den Zeitgeist verstößt falsch oder unsinnig ist? Welche Bewegung für Emanzipation und Rechte und gegen Diskriminierung wurde zu keiner Zeit von einer Mehrheit der Gesellschaft als Haufen hysterischer Querulanten abqualifiziert?

Du bringst kein belastbares Argument dafür, dass gerade das von dir kritisierte Anliegen unsinnig ist und beschränkst dich stattdessen feministisches Engagement ohne Unterfütterung als ideologische Borniertheit (ismus) darzustellen. Diese substanzlose Sprechblase als solche zu markieren war, das muss ich zugeben, schon arg pseudointellektuelles Geschreibsel von mir. Tut mir nicht leid und wird wieder vorkommen.

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Ehemaliger Nutzer 11.01.2014 | 09:45

Die Frage, ob die abgebildeten Frauen sich zum Sexualobjekt degradiert oder erniedrigt fühlen, ist nicht entscheidend für die Frage, ob der Abdruck dieser Bilder in einer Tageszeitung (also keinem ausgesprochen pornografischen Zusammenhang) als allgemein Frauen zu Sexualobjekten degradierend oder erniedrigend betrachtet werden kann. Gerade wegen des fehlenden pornografischen Kontextes, also der Beiläufigkeit mit der Frauenkörper als leckeres Stück Fleisch abgebildet werden (es wird ja eben nicht mit Männerkörpern gemacht), wie man auch einen schnittigen Sportwagen präsentieren würde - eben als erstrebenswerten Konsumgegenstand - kann man diese Bilder in diesem Kontext durchaus berechtigt problematisieren. Dafür ist es völlig unerheblich, ob die abgebildeten Frauen das so sehen, denn sie sind nicht die einzigen Betroffenen - von dem kollektiven Effekt, der Frauen als solche betrifft sind sie nicht einmal stärker betroffen als jede(r) andere.

Da haben Sie den Mechanismus gut dargelegt. Ich möchte noch hinzufügen, dass die Frauen, wenn auch evtl. Opfer, doch einwilligen (manchmal sogar eine Gegenleistung erhalten, wie öffentliche Aufmerksamkeit, Entgelt), die Kosten der frauenverachtenden gesellschaftlichen Sicht aber alle Frauen tragen.

Das Gleiche gilt allerdings auch für die Feministinnen, die wenn sie unnötig-provokante Thesen äußern, darin einwilligen, dass sie und ihre Vorgaben polemisch diskutiert werden und sie nebenbei Broterwerb und öffentliche Aufmerksamkeit davon haben. Aber alle Frauen haben die Kosten der polemischen Auseinandersetzung, die Absenkung im Niveau in der Sache zu tragen.

Ich nehm mal ein historisches Beispiel: "Alle Männer sind potenzielle Vergewaltiger." Es ist klar, dass so ein Satz nicht auf uneingeschränkte Zustimmung stoßen wird, ebenso klar ist, dass er keinerlei inhaltlichen Aussagewert hat und von da an nur emotionalisiert diskutiert wird. Das kann der einen oder anderen Feministin Spaß machen (im besten Fall hatte sie zumindest ein emotionales Bedürfnis gehabt ihn zu äußern und es war ihr nicht nur darum gegangen Auflage zu machen), aber faktisch musste sich jede Frau, zu diesem an sich aussagelosen Satz positionieren und oft mit Nachteilen kämpfen, in die sie keineswegs eingewilligt hat. So zum Beispiel wenn man in der Frauenpolitik von Männern Türen aufgestoßen bekommt, die kein originär feministisches Interesse hatten, aber ein übergeordnetes Interesse an Gerechtigkeit, das sie dazu treibt, Dinge zu tun, die ihrer Karriere durchaus schaden können und sich für Frauenbelange einzusetzen. Die irgendwann, während sie viel für einen tun, irritert fragen: "Glauben Sie denn auch, alle Männer seien potenzielle Vergewaltiger?"

"In dem Sinn, wie alle Menschen potenzielle Mörder sind, ja. Aber nicht in dem Sinn, dass ich mich nicht trauen würde mit Ihnen ihr Büro zu gehen." Man fragt sich dann schon, womit man es verdient hat, dass wirkliche Fortschritte wegen Sätzen riskiert werden, die niemandem etwas bringen und offenbar nur geäußert werden, weil man sich des öffentlichen Theaters danach sicher sein kann.

Also beide Seiten tragen eine Verantwortung, Frauen, die für ein bisschen Aufmerksamkeit und Zustimmung frauenfeindliche Klischees bedienen, ebenso wie die, die für sehr viel Aufmerksamkeit unter "feministischer" Flagge die Umsetzung von Verbesserungen für Frauen erschweren.

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Ehemaliger Nutzer 11.01.2014 | 14:19

@ sämtliche Vorredner

Die Frauenbewegung, ich spreche bewusst nicht vom Feminismus" hat ihre Berechtigung in der Geschichte und zahlreiche, wichtige Rechte erkämpft. Sie war notwendig und unverzichtbar.

Ginge es in obigem Artikel um die Situation der Frau in der Dritten Welt oder im Islam, würde ich gerne zustimmen. Nun geht es aber nicht zuletzt um die Sun und um die Mädels auf Seite 3 - siehe Titelfoto. Gegen dies zu demonstrieren finde ich geradezu - Sie mögen verzeihen - hirnrissig. Ende der Sechziger haben viele Feministinnen die sexuelle Freiheit gefordert, heute stehen sie anscheinend Seite an Seite mit den damaligen Gegnern und mokieren ein paar leichtbekleidete Mädchen in einem Boulevardblatt.

@Lurch: "Die Frage, ob die abgebildeten Frauen sich zum Sexualobjekt degradiert oder erniedrigt fühlen, ist nicht entscheidend..."

Das ist meines Erachtens die einzige wichtige Frage. Es geht schließlich um den freien Willen dieser Mädchen, die sich dazu entschlossen haben, dies zu tun.

fegalo 11.01.2014 | 16:20

Die Frage, ob die abgebildeten Frauen sich zum Sexualobjekt degradiert oder erniedrigt fühlen, ist nicht entscheidend für die Frage, ob der Abdruck dieser Bilder in einer Tageszeitung (also keinem ausgesprochen pornografischen Zusammenhang) als allgemein Frauen zu Sexualobjekten degradierend oder erniedrigend betrachtet werden kann.

Ja, das kann man so betrachten, muss man aber nicht. Wenn eine Frau sich für eine solche Zeitung auszieht, dann ist das ein privater wirtschaftlicher Akt. Wenn es weiter Frauen gibt, die ein solches Verhalten stört, dann ist es deren privates Problem, solange wir in einer Gesellschaft leben wollen, in der Menschen verschieden sein und verschiedene Präferenzen leben dürfen - auch wenn diese sich widerstreiten – solange nicht die gesamte Ordnung dadurch nicht in Gefahr gerät.

Die Rede von einer angeblichen „allgemeinen Degradierung oder Erniedrigung von Frauen“ ist eine höchst voraussetzungsreiche und bedenkliche Sichtweise. Voraussetzungsreich zum Beispiel dahingehend, dass sie die Forderung impliziert, ein Individuum müsse jederzeit „die Frau“, „den Mann“, etc. verkörpern und dabei sich den Normen einer definierten universalistischen Moral unterwerfen. Wenn eine Frau stets stellvertretend für „alle Frauen“ handeln soll, und dabei ein Verhältnis zu Männern an den Tag legen, in dem sie ebenso in ihrem individuellen Gegenüber stets „alle Männer“ anspricht, dann ist das weltfremder Unfug.

Es läuft hinaus auf „Das Private ist das Politische“, und das ist ein dämliches und totalitaristisches Prinzip.

Wer soll denn diese Normen definieren? Wenn es eine Anzahl von Frauen gibt, die es genießen, sich als Sexualobjekt zu präsentieren, weil sie sich dabei nämlich selbst als Sexualsubjekte erfahren - wie sollte das delegitimiert werden durch andere Sichtweisen von Frauen, denen eine solche Zurschaustellung unangenehm ist?

Wenn wir eine freie und offene Gesellschaft haben wollen, dann sind diese Bildchen eben Teil davon und nicht weiter der Rede wert. Ich habe allerdings immer den Eindruck, dass bei denjenigen, die das thematisieren, Gelüste des Verbietens oder mindestens der Ächtung am Werk sind, und mithin der Bekämpfung der Vielfalt und der Freiheit.

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Ehemaliger Nutzer 13.01.2014 | 12:08

Ich bin auch für mehr solcher Aktionen. Die "Aufschrei"-Aktion vom letzten Jahr hat mich ja zum erbitterten Feministen-Feind gemacht. Ich hoffe dass solche Aktionen auch anderen Menschen zeigen was für Personen mittlerweile solche Aktionen starten bzw. befürworten. Das hat nichts mehr mit Frauenrechten zu tun.

Sie erwähnten die Aktion "Why I need Feminism". Vielleicht wäre es klug gewesen ein paar Gründe zu nennen, auch ein einziger hätte es getan.

Ich fordere mehr solcher Aktionen und mehr Artikel wie Ihrer. Nur so kann der normale Deutsche überzeugt werden, dass es sich bei heutigen Feministen entweder um Opportunisten (pro-Quote, Gender-Professoren, Frauenbeuaftragte und viele "Journalisten" die für "Geschlechterthemen" eingestellt wurden) oder schlichtweg männerhassende Frauen(Alice Schwarzer-Fraktion) handelt.

Vor 50 Jahren gab es zwar auch diese Personen bei den Feministen, doch damals gab es eben auch Personen wie Doris Lessing denen es schlicht um Menschenrechte und Gleichheit ging. Diese Personen sehe ich leider nicht mehr bei den Feministen. Nur noch Extremisten und Opportunisten.

Dass heutzutage Indien bemüht werden muss damit der normale Bürger mit dem Kopf schüttelt angesichts solcher Frauendiskriminierung, sagt wohl alles. In Deutschland wird man wohl eher auf eine Diskriminierung von Männern stossen als von Frauen. Ich las dass es angeblich jetzt so eine Art Bewegung für Männer gäbe, die sich Maskulisten nennen.

Da haben Sie den Salat. Noch eine verrückte Bewegung.