Hormon

Apple-Gründer Steve Jobs Der Apple-Chef hat erklärt, er leide an einer Hormonstörung. Wird nun die Gerüchteküche aufhören zu brodeln?

Steve Jobs und Apple haben endlich ihr Schweigen über den Gesundheitszustand des CEO, des alleinigen Geschäftsführers des Unternehmens gebrochen. Zuvor war über mehrere Wochen hinweg zugelassen worden, dass sich in Folge der Ankündigung, Jobs werde nicht die Eröffnungsrede bei der MacWorld-Konferenz halten, die gestern in San Fransisco begann, Gerüchte gehäuft, Jobs sei ernstlich krank.

Der für diese Stellungnahmen gewählte Zeitpunkt ist bemerkenswert: Statt frühzeitig Spekulationen eine Ende zu machen, veröffentlichten Jobs und Apple ihre Stellungnahmen, in denen sie eine „Hormonstörung“ für Jobs’ Gewichtsverlust verantwortlich machen, während der Vorbereitungen kurz vor Beginn der MacWorld ... und während Steve Ballmer, der CEO des Apple-Konkurenten Microsoft seine Rede für die jährlich stattfindende Consumer Electronics Show (CES) am Mittwoch probt - ohne erhebliche Mühen hat Jobs die Aufmerksamkeit von der CES und der MacWorld abgelenkt, ohne auch nur dort aufzutauchen.

Was ist also die Urache für Jobs „Abmagerung“? In seinem Brief sagt er:

„Wie viele von Ihnen wissen, habe ich durch das Jahr 2008 hindurch Gewicht verloren. Die Ursache hierfür war sowohl mir als auch meinen Ärzten ein Rätsel. Vor einigen Wochen entschied ich, dass ich dies zuallererst herausfinden musste. Glücklicherweise denken meine Ärzte, nach weiterführenden Untersuchungen die Ursache gefunden zu haben – eine Hormonstörung hat meinem Körper die Proteine, die er braucht, um gesund zu bleiben, „geraubt“. Bluttests haben diese Diagnose bestätigt. Die Heilung für dieses Nährstoffversorgungsproblem ist recht simpel und ich habe bereits mit der Behandlung begonnen. Wie auch mein Verlust an Körpergewicht- und Masse sich nicht in einer Woche oder einem Monat ereignet hat, erwarten die Ärzte, dass es bis zum späten Frühjahr diesen Jahres dauern wird, bis ich ihn wieder wettgemacht habe. Während meiner Genesung werde ich weiterhin als Apples CEO fungieren.“

Schon 2003 wurde ein Krebs diagnostiziert

Erinnern wir uns daran, warum Besorgnis über Jobs Gesundheit herrscht: Im Oktober 2003 wurde bei ihm Bauchspeicheldrüsenkrebs festgestellt – eine Krebsart, die gewöhnlich schnell zum Tode führt. Jobs hatte aber außergewöhnliches Glück: Er litt an neuroendokrinem Krebs, einer seltenen und behandelbaren Form. Im Juli 2004 unterzog er sich einer sogenannten Whipple-Operation, bei der der obere Teil der Pankreas, an dem der Tumor saß und der Zwölffingerdarm, der Magen und Leerdarm verbindet, entfernt wurden. Der vorhergehende Versuch, die Krankheit durch eine Ernährungsumstellung zu behandeln, hatte zu keinem Erfolg geführt und war Anteilseignern von Apple außerhalb des Vorstandes geheim gehalten worden.

Laut der britischen Krebshilfe-Organisation Pancreatic Cancer UK, müssen Patienten nach einer Whipple-Operation in besonderem Maße auf ihre Ernährung achten:

„Da es sich bei der Bauchspeicheldrüse um ein Organ handelt, das Enzyme bereitstellt, die bei der Werwertung und Aufnahme von Nahrung benötigt werden, beeinflusst jede Art von Behandlung, bei der Teile oder die vollstänige Pankreas entfernt werden, die Fähigkeit zur Nahrungsaufnahme- und Verwertung. Deshalb ist es nach jedem Eingriff wichtig, eine Diät einzuhalten, die so
nahrhaft wie möglich ist, was am Besten durch kleine, regelmäßige Mahlzeiten erreicht werden kann.“

Nahm Jobs zu wenige Proteine zu sich?

Es ist allgemein bekannt, dass Jobs Frutarier war und nun Veganer ist. Es stellt sich also die Frage, ob er genug proteinhaltige Nahrung zu sich genommen hat. Es erstaunt schon, dass eine Hormonstörung Kaliforniens besten Mediziner verborgen geblieben sein soll. Man sollte eigentlich annehmen, dass ihnen Hormonstörungen, die durch Operationen des Pankreas ausgelöst werden, bekannt sein sollten.

Wird die Gerüchtküche nun aufhören zu brodeln? Vielleicht für kurze Zeit. Doch solange Jobs bei öffentlichen Auftritten nicht wenigstens einen Ansatz von Pausbäckigkeit zeigt, werden einige Leute nicht aufhören zu spekulieren.



Übersetzung: Zilla Hofman

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Ihre Freitag-Redaktion

10:14 09.01.2009
Geschrieben von

Charles Arthur | The Guardian

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