Hüttenkäse mit Sardinensaft

Mahlzeit Eine Kochbuchautorin hat geheime kulinarische Landschaften erkundet: die Essgewohnheiten von Leuten, wenn sie alleine sind. Ergebnis: Alle brechen die kultivierten Regeln

Für das Buch What We Eat When We Eat Alone: Stories and 100 Recipes (Was wir essen, wenn wir alleine sind: Geschichten und 100 Rezepte) stellten die Kochbuchautorin Deborah Madison und ihr Mann, der Maler Patrick McFarlin, verschiedenen Menschen die Frage, was sie essen, wenn sie allein sind. Zutage kam eine unbekannte kulinarische Landschaft. Madison schreibt hierzu: „Wenn wir alleine essen, brechen wir alle oft jene Regeln, die nicht nur das bestimmen, was gegessen wird, sondern auch das Wann und sogar das Wo - ungeachtet unseres Wissens über Kochen oder darüber, was eine ordentliche Mahlzeit ausmacht.“

Eine Frau gesteht, einmal Brathähnchen über der Spüle zerrupft und sich dann einverleibt zu haben, einer der Befragten erzählt, wie er Brot in einen Margarita-Cocktailmix eingetunkt habe. Ein anderer gesteht seine Liebe zu gebratenem Frühstücksfleisch, wieder ein anderer vertilgt Sandwiches, gefüllt mit übrig gebliebenen Spaghetti (übrigens eine überaus beliebte Zutat. Ein anderer brät Spagettireste mit Schweizer Käse). Und dann ist da noch der, der zugibt, er habe einmal „Sardinensaft über Hüttenkäse gegossen und dabei auf einem Bein vor dem Kühlschrank gestanden, ohne das andere aufzusetzen, weil Flüssigkeit vom Fleisch im Gemüsefach ausgelaufen war“. Köstlich!

Werden die Menschen nach ihren einsamen Essgewohnheiten gefragt, haben ihre Antworten doch häufig etwas enthüllendes. Ein Kollege schwört auf „Egg and Soldiers“, weich gekochtes Ei mit Toaststreifen, und ein Glas Milch. „Dabei mag ich Milch noch nicht einmal. Es erinnert mich nur an meine Kindheit.“ Eine Kollegin macht sich über Gemüse her, wenn ihr Freund, ein Fleischliebhaber, mal nicht zu Hause ist.

Eltern kleiner Kinder scheinen eine Vorliebe für das ultimative „Comfort Food“ zu haben – heißen Toast mit Butter. Während die einen sich mit ihren Lieblingsspeisen den Bauch voll schlagen, können andere sich überhaupt nicht zum Kochen überwinden. „Neulich hatte ich nichts zu essen im Haus, wollte aber etwas Geschmacksintensives,“ erzählte mir eine Freundin. „Also schleckte ich Chillisauce mit den Fingern.“

Nun erleben die meisten von uns irgendwann einmal längere Phasen, in denen sie regelmäßig alleine essen. Einige halten diese Perioden für Zeiten, die uns Freiraum zum experimentellen Erfinden von Gerichten gestatten, die wir in Zukunft gerne in Gemeinschaft genießen würden. Ich allerdings glaube kaum, dass ich mit den Backkartoffeln mit Sojasauce, die ich gelegentlich schlemme, einen Blumentopf gewinnen kann. Wie sieht es bei Ihnen aus? Sind Zeiten des Alleinseins für Sie Zeiten kulinarischer Höchstgenüsse? Was verputzen Sie, wenn Ihnen niemand dabei zusieht? Und warum?

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Übersetzung: Zilla Hofman
Geschrieben von

Keira Cochrane, The Guardian | The Guardian

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