Ist die noch scharf?

Atomare Abrüstung Die Nuklearmächte wollen ihren Waffenpark um ein paar Sprengköpfe erleichtern. Experten fordern eine umfassende Kontrolle durch die Wissenschaft

Einer der bedeutensten britischen Wissenschaftler hat die Vereinten Nationen dazu aufgefordert, ein weltweites Netz von Laboratorien zu spannen, mit deren Hilfe Atomwaffen aufgespürt und entschärft werden können. Sir Martin Rees, der Präsident der Royal Society, will, dass Wissenschaftler umgehend neue Technologien und Testmethoden entwickeln, als Vorbereitung für den Fall, dass eine Reduzierung der Arsenale beschlossen werden kann.

In New York sitzen schon seit geraumer Zeit Diplomaten zu Beratungen über eine Erneuerung des Atomwaffensperrvertrags von 1968 zusammen, in dem die fünf Atommächte USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien sich auf Abrüstungsverhandlungen und andere sich zum Verzicht auf Atomwaffen verpflichten. Den von Rees geforderten Labors muss nach Ansicht von Experten künftig eine zentrale Rolle in der Überwachung solcher Abrüstungsbemühungen zukommen. Man sieht darin eine entscheidende vertrauensbildende Maßnahme gegenüber Ländern , die selbst den Besitz von Atomwaffen anstreben.

Vergangenen Monat haben die USA und Russland ein Nachfolgeabkommen des Abrüstungsvertrages für strategische Atomwaffen beschlossen, das eine Obergrenze für die von beiden Staaten stationierten Atomsprengköpfen festschreibt. Tatsächlich gibt es aber keine Testverfahren um zu prüfen, ob und wie viele Sprengköpfe auch tatsächlich entschärft werden. In einem Artikel im Magazin Nature plädieren Lord Rees und andere Strategieberater der Royal Society nun also dafür die Untersuchung und Überprüfung der internationalen Abrüstungsanstrengungen durch ein Spezialteam anzuleiten und eine Reihe von Labors aufzubauen, in denen festgestellt werden kann, ob aus dem Verkehr gezogene Sprengköpfe ordnungsgemäß demontiert und entschärft wurden.

Radioaktiver Fingerabdruck

Großbritannien hat auf dem Gebiet der Abrüstungstechnologie mit der Einsetzung eines Überprüfungsprogramms durch das Atomic Weapons Establishment Berkshire bereits eine Führungsrolle eingenommen. „Es sollten mehr internationale Abrüstungslabore dieser Art eingerichtet werden“, schreiben die Autoren. Waffeninspektoren brauchen neue Geräte, die scharfe Sprengköpfe identifizieren können. Andere Technologien werden benötigt, um via Satellit und anderer aus der Ferne zu bedienender Mittel sicherzustellen, dass niemand heimlich am Bau von Raketensystemen oder Atombomben arbeitet.

In vielen Bereichen konnten die wissenschaftlichen Hürden bereits überwunden werden, es gab allerdings bislang noch keine konzertierten Anstrengungen für die Konstruktion und den Bau geeigneter Geräte. Das in den Sprengköpfen befindliche Plutonium kann durch die Gamma-Strahlen und Neutronen ausfindig gemacht werden, die von dem Material ausgehen. An den Strahlen kann man auch erkennen, ob es sich um kriegsfähiges Material handelt. Mithilfe anderer radioaktiver Signaturen kann stark angereichertes Uran in Nuklearsprengköpfen identifiziert werden. Bliebe nur noch das Problem, dass die Geräte zur Suche nach verbotenen Atomwaffen nach dem Atomwaffensperrvertrag keine sensiblen Details über die Art der Konstruktion der betreffenden Waffen preisgeben dürfen.

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Übersetzung: Holger Hutt
Geschrieben von

Ian Sample | The Guardian

Der Freitag ist Syndication-Partner der britischen Tageszeitung The Guardian

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