Jeff Jarvis
29.11.2013 | 13:41 33

Ist es schon zu spät?

Überwachung Falls die Geheimdienste nicht rechtzeitig in ihre Schranken gewiesen werden, könnte es zu einem gesellschaftlichen Super-GAU kommen, meint Jeff Jarvis

Ist es schon zu spät?

Foto: AFPTV / AFP / Getty

Die offiziellen Mechanismen der Geheimdienstaufsicht in den USA und Großbritannien haben versagt. Uns bleibt nur noch die letzte Schutzinstanz: Das Gewissen des Einzelnen, der sich Machtmissbrauch widersetzt oder ihn publik macht, wenn er geschehen ist.    

Bei einer Konferenz, die der Guardian in der vergangenen Woche in New York ausrichtete, habe ich eine hitzige Podiumsdiskussion über die NSA-Affäre moderiert. Es diskutierten: Der ehemalige US-Senator Bob Kerrey, der Mitglied der Untersuchungskommission zu den Anschlägen vom 11. September war, außerdem Professor Yochai Benkler, der einer der Direktoren des Berkman Center for Internet and Society ist, und die Journalistin Rebecca MacKinnon, die für den Thinktank New America arbeitet.

"Wir verfügen über keine angemessenen Mechanismen um Missbrauch aufzuzeigen und zu kontrollieren," sagte MacKinnon. Mehr oder weniger waren alle Diskussionsteilnehmer der Ansicht, die Aufsicht sei zumindest zu schwach. Dazu Benkler: "Die bestehenden Aufsichts- und Kontrollsysteme haben immer wieder versagt. Dies war absehbar und für diejenigen im System auch zu erkennen. Sie vermochten sich wegen der Terrorismusangst und Befürchtungen um die nationale Sicherheit aber nicht zu widersetzen.“ Kerrey meinte: "Ich bin nicht der Ansicht, dass man auch nur annähernd von unkontrollierter Überwachung sprechen kann. Von guter Aufsicht allerdings auch nicht.“ Ich lasse das als Konsens gelten. Im Folgenden unterzogen wir die bestehenden Aufsichtsmechanismen einer genaueren Betrachtung:

• Eine Aufsicht durch die Exekutive existiert allem Anschein nach überhaupt nicht.

• Der US-Kongress habe erst nach Watergate eine Aufsichtsfunktion übernommen, erklärte Kerrey. Als diese eingeführt worden sei, sei sie aber bewusst schwach angelegt worden. Eigentlich, so Kerrey, sollte der Kongress „ständige, militante Skepsis“ walten lassen. Der deutlichste Beweis dafür, dass vorhandene Befugnisse nicht genutzt würden, sei, dass im Rahmen der Snowden-Affäre keine einzige Zwangsvorladung durch einen der Sonderausschüsse des Repräsentantenhauses oder des Senats ergangen sei.

• Die Fisa-Geheimgerichte haben sich als Einrichtungen erwiesen, die alles mit unsichtbarerer Tinte abstempeln, erklärte Benkler. Auch wenn die Richter zuweilen durchaus Skepsis oder Bedenken gezeigt hätten. Als Aufsichtsinstanz seien die Gericht aber unwirksam gewesen.

• Die nächste Instanz wären die Journalisten. Jedoch – das machte MacKinnon deutlich – ist die Arbeit von Journalisten, die über Schnüffelei recherchierten, gleichzeitig durch diese bedroht. Zu jedem Anruf und jeder Nachricht werden Metadaten gesammelt, roher Datenverkehr wird rekonstruiert. Somit können weder Reporter noch ihre Quellen davon ausgehen, nicht beobachtet zu werden.

Bleiben nur noch die Whistleblower. Hierzu noch einmal ein Zitat von Benkler:

„Der Whistleblower durchbricht diese Systeme mit seinem persönlichen Gewissen. Verlassen kann man sich darauf nicht, da dies weder systematisch, noch alltäglich geschieht. Der Whistleblower verfügt nur über sehr begrenzte und zufällige Einblicke in das System. Von Zeit zu Zeit durchbricht er aber die Schichten der Hilflosigkeit innerhalb des Systems.“

Doch auch diese Möglichkeit der Kontrolle ist bedroht – etwa durch die schweren Strafen für Chelsea Manning oder die Bezeichnung Edward Snowdens als Verräter.

"Es steht außer Frage, dass Snowden gegen das Gesetz der Vereinigten Staaten verstoßen hat“, erklärte Kerry während unserer Diskussion. "Das muss Konsequenzen haben.“ Benkler hingegen sprach sich für Straffreiheit für Edward Snowden aus. "Es gibt ein Gesetz, dieses wird jedoch immer auch politisch beeinflusst und erlaubt Ermessensspielräume.“ Weiter führte er aus: "Eine Person sollte nicht der Strafverfolgung ausgesetzt werden, wenn sie ein Thema der Öffentlichkeit zugänglich macht, das von dermaßen großem öffentlichen Belang ist und zu einem derart breiten Konsens über die Notwendigkeit von Veränderungen und Reformen führt.“

Im Anschluss versuchten wir, eine Linie zu finden, die Akte des Gewissens und des zivilen Ungehorsams zur Kontrolle der Mächtigen ermöglicht. Benkler argumentierte, es gebe eine „Kern- oder Herzstück des Whistleblowing“ das beschützt werden müsse. Dieses sei der Fall, wenn „ein Whistleblower Informationen enthüllt, die zu einer wichtigen öffentlichen Debatte und einer politischen Änderung oder Umkehr durch Handlungen der Judikative oder der Legislative führen.“

Auch hier war Kerrey anderer Meinung. Er verglich den Fall Edward Snowden mit dem von Klaus Fuchs, der ebenfalls aus Gewissensgründen Geheiminformationen über die Atombombe an die Sowjets übergeben habe. Benkler bemühte sich daraufhin um eine Trennung zwischen der im Dienste der Demokratie stehenden Enthüllung von Informationen für die Öffentlichkeit und der Preisgabe von Geheimnissen an einen Feind. Kerry erwiderte daraufhin, dass Fuchs genau wie Snowden eine öffentliche Debatte ausgelöst habe. Sie sehen schon, in diesem Punkt konnten wir uns nicht einigen.

Ich wollte diese Debatte gern über das Thema Whistleblowing hinaus und aus der Vergangenheit in die Gegenwart übertragen. Dann ging es darum, sich zu weigern, eine verlangte Arbeit auszuführen. Benkler stellte die Frage: "An welchen Punkt verlangt das Gewissen einer Person, etwas zu verweigern, das ihr innerhalb das Systems, in dem sie sich befindet, vollkommen akzeptabel erscheint, vor ihrem Gewissen aber völlig inakzeptabel?“.

Kerrey entgegnete: "Es sollte nicht immer, wenn eine Gruppe von Personen sich mit einer Gefahr [für die nationale Sicherheit] befasst, möglich sein, dass eine dieser Personen sagt, ihr gefalle das nicht, aus Gewissensgründen alles platzen lässt und dabei davon ausgehen kann, dass dies nicht bestraft wird.“

Dennoch muss es einen Raum geben, in dem das Gewissen die Macht kontrollieren kann, ohne 35 Jahre Gefängnis, ein Leben im Exil oder eine unumkehrbare Gefährdung unserer Sicherheit fürchten zu müssen. Von den ehrlichen Technikern, die im tiefsten Inneren von Google, dem Netzwerkbetreiber Level 3 oder der NSA und dem GCHQ arbeiten, müssen wir erwarten können, dass sie eine Grenze definieren und sich weigern, diese zu übertreten. Können wir das auch?

Der NSA-Chef Keith Alexander hat kürzlich vor dem US-Kongress ausgesagt, kein anderer Arbeitgeber in den USA beschäftige so viele Mathematiker wie die NSA – genau sind es 1.103 Mathematiker, 966 Mitarbeiter mit Doktortitel und 4.374 Computerwissenschaftler.

Wo ist der Ethikkodex, nach dem diese Menschen, die unsere Kommunikation oder deren Verschlüsselung knacken, arbeiten? Wo ist die Linie, die sie nicht überschreiten werden? Ärzte haben ihren Kodex. Sogar wir Journalisten (und selbst wenn einigen offenkundig nie in den Sinn gekommen ist, dass darunter auch das Abhören von Telefonen fallen könnte, haben andere sie daran erinnert).

Kürzlich schleuderten zwei Google-Ingenieure der NSA ein „Fuck You“ entgegen, weil diese sich laut den Snowden-Enthüllungen im Rahmen des Programms Muscular Zugang zum internen Datenverkehr zwischen Google- und Yahoo-Servern verschafft hatte.

Darf uns das zuversichtlich stimmen, dass auch andere Google-Mitarbeiter der NSA mit einem „Nein“ entgegentreten? Und wer hat eigentlich zu dem Abhörprogramm Muscular „Ja“ gesagt? Und in welcher Firma? Handelte dieses Unternehmen auf Anordnungen der NSA oder aus freien Stücken? Warum sagten die beteiligten Techniker nicht „Fuck You“? Würden sie es jetzt, nachdem das Abhörprogramm bekannt wurde, eher tun? Und was passiert mit denjenigen, die ab irgendeinem Punkt nicht mehr bereit sind mitzumachen?

Am 17. Juli 1945 richteten sich 155 der am Bau der Atombombe beteiligten Wissenschaftler mit einer Petition an US-Präsident Harry Truman. Sie riefen ihn darin auf, die Bombe nicht gegen Japan einzusetzen. „Entdeckungen, die den Bürgern der Vereinigten Staaten nicht bewusst sind, könnten in naher Zukunft das Wohl dieser Nation beeinträchtigen“, schrieben sie.

Doch es war zu spät.

Übersetzung: Zilla Hofman

Kommentare (33)

Lethe 29.11.2013 | 15:12

Die bestehenden Aufsichts- und Kontrollsysteme haben immer wieder versagt.

Das ist so naiv, dass man nur müde abwinken kann. Die bestehenden Aufsichts- und Kontrollsysteme sind so gebaut worden, dass sie den Absichten der Mächtigen im Lande nicht entgegenstehen. Da wird immer noch versucht, so zu tun, als seien die USA eine Demokratie.

PapaSchlumpf 29.11.2013 | 15:15

"An welchen Punkt verlangt das Gewissen einer Person, etwas zu verweigern, das ihr innerhalb das Systems, in dem sie sich befindet, vollkommen akzeptabel erscheint, vor ihrem Gewissen aber völlig inakzeptabel?“

Den Punkt an dem der Einzelne vom Systemkonformen Uniformtraeger zum Widerstandskaempfer wird, ist bestimmt von einer intern im Kopf ablaufenden Kosten/Nutzenrechnung. Letztlich fragt sich jeder von uns: Wieviel habe ich zu verlieren? Nur die Sache ist die, wenn wir die Geheimdienste machen lassen was die wollen, werden wir Alle, Alles verlieren. Ich moechte hier an dieser Stelle an die Tribute von Panem erinnern: Erinnere Dich, wer der wirkliche Feind ist!

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Ehemaliger Nutzer 29.11.2013 | 15:44

Den sogenannten "Leaks" und den zweckmäßig an sie geknüpften Debatten scheint ein gesellschaftlicher Fluchtpunkt sonnenhell durch alle Knopflöcher: Die Erwartung, Vorbereitung und Schaffung einer Lage, in der exekutive Funktionäre der Herrschaft vor die Wahl gestellt werden, entweder vor, oder hinter den Mündungen der Gewehre zu stehen, wenn die für die Kapitalakkumulation unbrauchbar Gemachten Hungerkatastrophen ausgeliefert, in Elendsaufstände getriegen werden, wenn Anarchie und Chaos Leichen zu 100 Tausenden auf die Straßen und Böschungen werfen und die Herrschaft mit den seit Jahren dafür angesammelten Mitteln, 650 Mio Schuss Hohlspitzgeschosse inclusive, "der Welt" den gewaltigsten Aderlaß der jüngeren geologischen Geschichte verordnet um sich, und einen Kern der Besitzstände der Herrschenden, IRGENDWIE zu retten.

Das weiß auch "eigentlich" fast jedermann und jedefrau, fühlt es zumindest durch die Metaphern und Allegorien hindurch, und das publizistische Verfahren ist darauf berechnet, daß es so ist; auf die Evasion, in der niemand es wahr haben will.

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Ehemaliger Nutzer 29.11.2013 | 21:05

Immer wieder muss auch betont werden, dass es nicht nur um Ausspähung, sondern darauf gestütztes Handeln geht! Ein harmloseres Beispiel: http://wipokuli.wordpress.com/2013/11/29/big-brother-was-er-alles-kann-und-naturlich-macht/

Aber der Möglichkeiten sind viele: http://wipokuli.wordpress.com/2013/08/14/terrorismus-ein-kleines-naturlich-fiktives-szenario/

Da fällt es schwer, ein schönes Wochenende zu wünschen, dennoch!

Andreas Schlüter

Soziologe

Berlin

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Ehemaliger Nutzer 29.11.2013 | 21:05

Immer wieder muss auch betont werden, dass es nicht nur um Ausspähung, sondern darauf gestütztes Handeln geht! Ein harmloseres Beispiel: http://wipokuli.wordpress.com/2013/11/29/big-brother-was-er-alles-kann-und-naturlich-macht/

Aber der Möglichkeiten sind viele: http://wipokuli.wordpress.com/2013/08/14/terrorismus-ein-kleines-naturlich-fiktives-szenario/

Da fällt es schwer, ein schönes Wochenende zu wünschen, dennoch!

Andreas Schlüter

Soziologe

Berlin

Rudi K. Sander 30.11.2013 | 01:13

Dieser Aufsatz (= Zeitungsartikel) ist in meinen Augen - mich vollkommen überraschend - eine klare und distincte (im Descarteschen Sinne) Argumentaions- und Gedabkenführung. Und genau dies ist ja bei einem unausweichlichen Streitthema schon mal die "halbe Miete". Ich wollte, hierzulande würde dieses ambivalente und intrinsisch auch hochkomplexe Thema mit der gleichen Verve diskutiert !

Rudi K. Sander 30.11.2013 | 01:13

Dieser Aufsatz (= Zeitungsartikel) ist in meinen Augen - mich vollkommen überraschend - eine klare und distincte (im Descarteschen Sinne) Argumentaions- und Gedabkenführung. Und genau dies ist ja bei einem unausweichlichen Streitthema schon mal die "halbe Miete". Ich wollte, hierzulande würde dieses ambivalente und intrinsisch auch hochkomplexe Thema mit der gleichen Verve diskutiert !

Rudi K. Sander 30.11.2013 | 01:13

Dieser Aufsatz (= Zeitungsartikel) ist in meinen Augen - mich vollkommen überraschend - eine klare und distincte (im Descarteschen Sinne) Argumentaions- und Gedabkenführung. Und genau dies ist ja bei einem unausweichlichen Streitthema schon mal die "halbe Miete". Ich wollte, hierzulande würde dieses ambivalente und intrinsisch auch hochkomplexe Thema mit der gleichen Verve diskutiert !

Rudi K. Sander 30.11.2013 | 01:13

Dieser Aufsatz (= Zeitungsartikel) ist in meinen Augen - mich vollkommen überraschend - eine klare und distincte (im Descarteschen Sinne) Argumentaions- und Gedabkenführung. Und genau dies ist ja bei einem unausweichlichen Streitthema schon mal die "halbe Miete". Ich wollte, hierzulande würde dieses ambivalente und intrinsisch auch hochkomplexe Thema mit der gleichen Verve diskutiert !

Rudi K. Sander 30.11.2013 | 01:14

Dieser Aufsatz (= Zeitungsartikel) ist in meinen Augen - mich vollkommen überraschend - eine klare und distincte (im Descarteschen Sinne) Argumentaions- und Gedabkenführung. Und genau dies ist ja bei einem unausweichlichen Streitthema schon mal die "halbe Miete". Ich wollte, hierzulande würde dieses ambivalente und intrinsisch auch hochkomplexe Thema mit der gleichen Verve diskutiert !

bonus_bonus 30.11.2013 | 03:35

"Es ist schon längst zu spät!"

lol, als ob! Hochkomplexe Systeme haben nahezu unendlich viele Sicherheitslücken. Snowden zeigt doch, das es ist nicht zu spät ist. Menschen werden immer wieder gegen Unrecht und unethische Praktiken aufbegehren. Schon alleine weil diejenigen, die das System am laufen halten älter werden, sterben, ersetzt werden müssen, auch ein Gewissen haben, eingeschleuste Saboteure sein können und so weiter.

Aber schon allein aus Effektivitätsgründen werden diese antidemokratischen Überwachungsapparate langfristig aussterben. Das ist viel zu teuer und uneffektiv, es ist nur eine Frage der Zeit, bis das in der Mehrheit der Köpfe etabliert ist, und diese Köpfe werden sich nach und nach in die Chefetagen der Geheimdienste und in die Parlamente bewegen und dort wirken.
Veränderung wird also wie immer stattfinden.

Seid nicht so deprimiert, nur weil Ihr Euch im Moment ohnmächtig vorkommt!

apatit 30.11.2013 | 10:57

Es ist zu diesem Thema schon allerhand gesagt wurden. Als alter Ossi verwundert mich allerdings wo der laute Aufschrei von Politiker, Bürgerrechtler, Uni-Professoren, Mensamitarbeiter usw. bleibt? Stichwort: Stasi/ MfS - da gibt es Behörden Untersuchungsgruppen, Aufarbeitung von SED Diktatur mit immer “neuen“ Argumenten von Unrecht und was ist hier los, dass ist wohl Pillepalle? Das ist auch Unrecht und ein Skandal höchster Güte und wer da sagt, "wenn ich nichts zu verbergen habe, dann ist das nicht so schlimm, dass meine E- Mail gelesen werden, mein Handy angezapft wird", dann sage ich auch, leider ist es dann schon zu spät, wenn alle so denken würden!

susi sorglos 30.11.2013 | 13:20

Ich glaube, der neue Absolutismus muss noch schlimmer werden, ehe es besser wird. Und ohne Snowden wüssten wir gar nichts. Wir dürfen ihn nicht im Stich lassen.

Der Bericht :"Der geheime Krieg" bei Panorama vom 28.11.13 war sehr gut und hat mich völlig erschlagen. Verfassungen, Menschenrechte, Gewaltenteilung rufen nur noch ein müdes Lächeln hervor. Vielleicht müssen wir alles verlieren, um zu begreifen, was wir verloren haben. Amen.

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Ehemaliger Nutzer 30.11.2013 | 16:18

Ihr Glaube an einen Absolutismus, der schlimmer wird, dürfte wahr werden, weil die technischen Möglichkeiten der Dienste ständig zunehmen, während die demokratische Kontrolle gegen Null tendiert. Bereits heute, in einem Zustand, in dem nur einzelne Punkte durch Mr Snowden ans Licht kamen, ist der Kampf sehr ungleich, um das einmal diplomatisch zu umschreiben. Beten hilft da nichts mehr, ein Amen wäre reine Selbstsuggestion. Niemand verbietet es derzeit einem Menschen sich diesem Uberwachungssystem zu entziehen, eine Möglichkeit, die vermutlich als einzige Lösung dem Einzelnen am Ende bleiben dürfte.

derde 30.11.2013 | 18:51

"Aber schon allein aus Effektivitätsgründen werden diese antidemokratischen Überwachungsapparate langfristig aussterben."

Ich verstehe, worauf Sie hinaus wollen, aber es geht hier "leider" nicht darum, ein weltweites, flächendeckendes Netz von technisch aufwendigen und kostenintensiven Atombomben zu unterhalten. Wir reden von Technik zum Abhören und Überwachen, die auf den Einzelnen runtergebrochen im Cent-Bereich liegt: das betrifft nicht nur den Einbau von Software-seitigen Hintertüren in Smartphone, Tablets und anderen mobilen internetfähigen Geräten, sondern auch die schnell wachsenden und somit preiswerter werdenden Speicherkapazitäten. Ist die Installation der Infrastruktur erst einmal finanziell gestemmt, werden auch immer Ressourcen für die Wartung und den Ausbau dasein.

Die einzige Hoffnung in diesem Wahnsinn ist tatsächlich nur der Mensch selbst!

Alienne Laval 01.12.2013 | 08:05

Wieso wird es als so selbstverständich unterstellt, dass parlamentarische Kontrolle von Geheimdienstaktivitäten - und Justiz - das gelbe vom Ei sei? Als wenn eine politische und mehrheitsmoralische Deduktion von Wahrnehmungs- und Wahrheitsfindungsorganen möglich sei? Man muss sich doch nur ansehen, wohin diese Ideen im Dritten Reich geführt haben!

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Ehemaliger Nutzer 01.12.2013 | 15:38

Die Überwachung zeigt das die Achse des Bösen aus einer Richtung kommt die man nicht vermutet hätte(Big Five). Mit der so genannten Freihandelszone wird der totale Kapitalfaschismus in Europa eingeführt wenn die Staaten Europas da mitmachen. Mit der Freihandelszone wird die Gerichtsbarkeit der Staaten ausgesetzt und in die Hände der Großaktionäre gelegt. Internationale korrupte Gerichtskommissionen, die den Namen nicht wert sind, werden entscheiden. Das Ergebnis wird sein das niemand in Europa mehr Nein sagen kann und sich wehren könnte ohne zu sterben. Wir alle werden tatenlos zusehen müssen wie unsere Umwelt verseucht wird, derzeitig bei der nafta schon der Fall und wir mit vergifteten gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln versorgt werden die jede Lebensqualität in Europa aussetzten wird. Sowie den Mittelstand, größere Unternehmer als auch die Polithandlager selbst dauerhaft betreffen wird. Denn wenn das erst mal der Rückschritt ins Vormittelalter eingeführt ist wird man sie nicht mehr brauchen sowie den größten Teil der Menschheit darum wird die Kontrolle jetzt schon eingeführt, Bundeswehreinsatz im Innern, ESM(Gouverneur(Absolutist)). Folgen werden sein, das tausende von Menschen Beispielsweise an den Folgen von Produkten, Dioxinskandal, Gentechnik, Medikamente, usw oder Beispielsweise Fräcking verseuchtes Trinkwasser krepieren könnten aber die Hersteller müssen nicht mehr haften.

Die Entwicklung geht klar in Richtung einer vollautomatischen Produktion siehe die Forschung künstliche Intelligenz Schwarmintelligenz. Weiterhin weise ich wiederholt darauf hin das unsere so genannte Regierung klar ein Komplize der Überwachung ist weil derzeitig die Schnittstellen eingerichtet werden wie, Bestandsdatengesetzgebung, aktuell steht im Koalitionsvertrag Vorratsdatenspeicherung, E-Gesundheitskarte, E-Personalausweis, E-Fahrkarten, usw. All das sind Maßnahmen die der Bevölkerung keinerlei Vorteile bringen die aber erst die totale Überwachung und industriellen Verwertung der Menschen, die später kommen wird möglich machen.

Das Amüsante daran ist das sich die Geschichte immer und immer wieder wiederholt, selbst in der Bibel steht die Zukunft aber niemand tut was, bis auf ein paar wenige, wie zur Nazizeit. Aber das ist nichts Besonderes, man kann aus jedem System eine Diktatur machen das haben etliche Versuche in diese Richtung bewiesen. Die meisten Diktaturen waren künstlich hervorgerufen, das kann man kausal beweisen!!!

Hinweis zum Schluss, die Überwachung kann sofort durch unsere eigene Regierung unterbunden werden wenn ein staatliches Netz eingeführt würde und die Kotrollinstrumentarien rückgängig gemacht würden. Man selbst könnte sich helfen, wenn man will, indem man so wenig Ihh-net wie möglich nutzt und wenn, dann im Internetkaffee oder mithilfe von anonymen Prepaidkarten die man bei Ebay kaufen kann. Weiterhin keine proprietären Betriebssysteme nutzen, wie Microsoft, Apple, Novell, usw.. Verschlüsselungsdienste nutzen wie Tor, ist langsam aber ziemlich sicher usw.

Fazit, wer der öffentlichen Berichterstattung glaubt ist selber schuld, es ist alles künstlich. Selbst denken ist die Devise

balsamico 01.12.2013 | 16:39

Falls die Geheimdienste nicht rechtzeitig in ihre Schranken gewiesen werden, könnte es zu einem gesellschaftlichen Super-GAU kommen, meint Jeff Jarvis

In der Tat. Schon heute üben 16% der amerikanischen Schriftsteller Selbstzensur:

http://www.juancole.com/2013/11/censoring-scrutiny-mccauley.html

Zitat:

24% have deliberately avoided certain topics in phone or email conversations;

16% have avoided writer or speaking about a particular topic and another 11% have seriously considered it;

16% have refrained from conducting Internet searches or visiting websites on topics that may be considered controversial or suspicious and another 12% have seriously considered it.Kommentar überflüssig.

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Ehemaliger Nutzer 02.12.2013 | 11:29

Dem stimme ich zu.

"jedem System eine Diktatur machen das haben etliche Versuche in diese Richtung bewiesen. Die meisten Diktaturen waren künstlich hervorgerufen, das kann man kausal beweisen!!!"

Auch wenn ich die Aussage etwas komisch finde (ist nicht alles was Menschen tun künstlich?), würde mich Näheres interessieren. Hast du irgendwelche Links? Bzw. wie bist du zu dieser Meinung gelangt?

"Hinweis zum Schluss, die Überwachung kann sofort durch unsere eigene Regierung unterbunden werden"

Ja. so ist es auch mit sämtlichen anderen "Sachzwängen". Bedauerlicherweise scheint das Wissen darum nichts zu nützen, die Dynamik ist eine andere, unglaublich machtvollere.

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Ehemaliger Nutzer 02.12.2013 | 14:40

Hi, Herr Rauch!! Ich bin persönlich der Meinung das 80 Prozent des menschlichen Handels auf der Basis von Kontrollzwängen stattfindet die außengelenkt über die Existenzbedürfnisse und deren zielgerichtete Neubesetzung vollzogen wird mittels Werbung, Schule, Starkult, Beruf, künstliche Zwänge, etliche andere Zusammenhänge. Wir werden alle von Anfang bis Ende konditioniert weil die Existenzbedürfnisse uns automatisch steuern, werden diese benutzt um die Menschheit zu lenken. Beispiel der Mensch kann ohne dem Gefühl der Geborgenheit nicht leben(Gruppenzwang), uvm. siehe Essen Wohnen, Liebe usw. Der Mensch kann nur dann aufwachen wenn er versteht. Das ist im Moment unmöglich und in der Zukunft noch unmöglicher durch die wachsende Kontrolle durch Technik und entgegenwirkende Existenzbedürfnisse wie Bequemlichkeit, Überlebenswille, usw. Das Ergebnis ist, die meisten sind Roboter und wissen es nicht mal. Auch alle Politiker, Wissenschaftler, selbst die Großaktionäre die sich für die Elite halten und in separierten Eliteschulen ihre Struktur anerzogen bekommen ohne je etwas zu verstehen. Ebenfalls ein eingeschränkter Horizont. Ich bin der Meinung das es aber Leute gibt die das wissen und es anwenden. Das Wissen ist uralt und hat etwas mit der genauen Kenntnis des Menschen zu tun. Es basiert auf die Summe aller Erfahrung wie Kriege, Hunger, Folter, Liebe, Belohnung, Zusammengehörigkeit, usw.

Es kommt hinzu, alles was wir wissen sind Informationen die andere zusammengetragen haben. Wobei alle Menschen nur ein Bruchteil der Gesamtinformation kennen, die wenn man alle Bruchstücke zusammenfügt das Bild ergeben würde. Das Problem daran ist, das die meisten Menschen so eingebunden sind in ihrer programmierten Struktur die sie von Geburt an mitbekommen haben, das sie das nie raus finden können, Vorurteile. Alle Informationen sind zwar vorhanden werden aber nicht so aufbereitet das die Masse es verstehen kann!!! Die meisten sind Fachidioten, wissen zu wenig Allgemeingültiges und können auch nicht kombinieren!! Ebenfalls eine Problematik, der Mensch weiß nur das was er zum Überleben braucht, zum Beispiel sein Beruf. Hinweis wenn er den nicht mehr ausübt vergisst er sein erworbenes Wissen recht schnell und passt sich der neuen Umgebung an. Auch ein Problem das zu nicht Erkenntnis führt.

Stark zusammengefasst, im Grunde sehr schwer auszudrücken für mich. Ich denke das ist auch meine persönliche Meinung, dass die Sprache dem Menschen nicht gerecht wird und erweitert werden müsste weil man sich nur begrenzt mitteilen kann weil es gleich in kilometerlangen Text ausartet!!!

Zum Schluss mache ich es kurz. Die meisten Diktatoren sind insofern künstlich das ist der Kausalbeweis, dass die meisten hätten verhindert werden können, bzw. nur aus Profitsucht entstanden sind und immer dieselben profitieren. Deutschland wurde vor dem Krieg aufgerüstet von Amerika und England und hätte ohne diese Unterstützung keinen Krieg führen können!! Wobei mein Eindruck entstanden ist, das Hitler eine Kunstfigur war, weg von den Nationalstaaten hin zum Kapitalismus der im Endergebnis schlimmer sein wird als alle Nationalstaaten zusammen weil er die Menschen in die totale Kontrolle überführen wird die aber nicht ewig andauern kann wegen der Evolution des Lebens. Wie Rom das immer existiert hat aber die Barbaren und Christen es für einige Zeit verhindert und verbessert haben aber feindlich übernommen wurden. Auch ein Grund für die Kontrolle der Barbaren(eigentliche Menschen?).

Dabei muss man sich schon die Frage stellen ob Diktaturen von Großaktionären bewusst gefördert wurden um ihre Ziele durchzusetzten? Und das kann man klar mit ja beantworten, wenn man sich Diktaturen anschaut wie es dazu gekommen ist und mit der Entwicklung bis heute, mit dem Ergebnis vergleicht und wer profitiert. Wie Big Five, Europa und seine undemokratischen Kommissionen, Lobbyismus, Politikerförderung Goldmann Sachs, usw. Die neue Weltordnung nach der Nazizeit, NSA, UK, BND Bespitzelung, demnächst Zwangshandelszone mit dem Ziel sich alles Anzueignen. Geben Sie doch mal ein bei youtube. ARD Dokumentationen Hitler, das gleiche mit Saddam Hussein die sehr starke Gemeinsamkeiten haben, bis hin zum Aufruf an die Nationen hin zur alliierten Streitmacht. Das ist fast identisch abgelaufen erst die Förderung dann die militärische Intervention und das läuft weltweit fast überall gleich ab. Erst der Diktator, dann die militärische Befreiung, dann kommen die financial und social Hitmens und übernehmen die Gesellschaften indem ihre Leute in Positionen gesetzt werden und dort immer durch Einflussnahme, Lobbyismus gehalten werden.

Das Ganze funktioniert auch über Thinktankpropaganda die über den Mainstream verbreitet wird. Deshalb auch alles künstlich!!

Der Hintergrund war immer die Kombination aus Profit und Machterweiterung durch Zerschlagung der örtlichen Strukturen. Ein einfaches Prinzip!!!

Amerika ist so groß geworden, England auch. Das Ergebnis sind die Big Five(Assoziation Pentagramm?) aber auch Pakistan, Indien. Große Teile Asiens werden von den Großaktionären kontrolliert die natürlich auch Deutsche sind und aus allen Ländern kommen. Die persönliche Lebenspräferenz ist die Eintrittskarte. Ein Kult der sich in den Börsenkursen und Behauptungen von Marktwirtschaft manifestiert und sich als neue Religion präsentiert. Letzter Hinweis, wenn man sich IT AGBs durchliest wird fast immer Amerika und England aus der Haftung genommen? Naja die Big Five halt!!!

Sorry, wird immer so Ellenlang trotz starker Verkürzung!!! Weis auch nicht ob mir das gelungen ist, ist immer Zufall. Man könnte sagen Gottes Lenkung, haha!!! Im Grunde ist es derartig komplex das man darüber ein Buch schreiben müsste!!!

Habe mir mal ein VPN Tunnel zugelegt. Seitdem geht das Inet deutlich schneller weil die Verfassungs-SA-NSA-UK nicht mehr mitließt so ohne weiteres. Wird über Router gelenkt, gelesen dann weiter geleitet, das führt zur Verzögerung. Einige meiner Router sitzen komischerweise immer in München, direkt in einer Uni als auch mein Standort. Nun nicht mehr, mal sehen wie lange!!!

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Ehemaliger Nutzer 03.12.2013 | 14:58

Mögliche Diktaturen und Verschwörungstheorien sind gar nicht nötig.

Was so unvermeidlich bereits heute Realität und angsteinflößend ist, ist die Idee des Kollateralschadens und des false positive.

Bei den Reportagen der ARD zu besichtigen im Hinblick auf die Drohnenkriege, ist es genau diese Art der allgegenwärtigen und permanenten Bedrohung, die unausweichlich und bedenklich ist.

Aufgrund bestimmter Parameter und der entsprechenden Verarbeitungslogik visiert die Drohne ein Ziel an, das vermeintlich bedrohlich ist. Neben dem erfolgreichen und begründbaren "Treffer" erwischt sie aber auch Umstehende, oder sie hat sich geirrt, weil die Parameter oder die Logik falsch waren.

Und genau diesem Risiko unterliegen auch die Datenauswertungen mit dem Ziel, feindliche Absichten zu erkennen: "Profiling" hat Grenzen, und besonders gerne dort, wo jemand dem gesellschaftlich vorgegebenen Profil nicht enspricht. Ist jemand, der das Buch eines bekannten Rechtsradikalen liest, auch rechtsradikal oder nur interessiert, die Argumente der Gegenseite zu erfahren?

Im Finanzbereich ist das schon lange geübte Praxis: Schufa, Interscore u.a. lassen grüßen. Das ULD hat mal vor einigen Jahren die Fehlerquote dabei untersucht: die lag bei fast 50 %.

Daten können irren; aber das kümmert schon heute keinen.

Einst gab es räumlich definierte Kriege: Länder haben gegeneinander gekämpft, und wer dort wohnte hatte Angst, weil er mit Angriffen auch auf Unschuldige rechnen musste.

Seit 9/11 ist das anders: Ziel sind Personen, die gefährlich sind, egal, wo sie sich befinden. Das bewirkt, dass letztlich genau genommen keine räumliche Begrenzung mehr gilt, sondern jeder überall damit rechnen muss, auch versehentlich als gefährlich identifiziert zu werden.

Ob ihm auf der Basis dann eine Kampfdrohne geschickt wird oder er anderes Ungemach zu erleiden hat, definieren andere.

Und ob das zurecht war, definieren Algorithmen und positivistische Gesetze. Da beweise jemand mal seine Unschuld. Es wird kaum möglich sein, wenn doch die Fakten gegen ihn sprechen.

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Ehemaliger Nutzer 03.12.2013 | 15:42

Noch ein wesentlicher Unterschied zwischen räumlichen Kriegen und der heutigen Praxis:

Kriege können beendet werden. Ob nun Aufstände wie beim WK 1 einen Kaiser zur Abdankung zwingen und damit den Friedensschluss ermöglichen oder wie biem WK 2 eine militärische Niederlage dazu zwingt: irgendwann wird Frieden geschlossen.

Mit Überwachung zur Feindidentifizierung kann nicht aufgehört werden, weil es ja immer mögliche Feinde geben kann und wird.

Wo Medien und Bildung versagen, kann nun festgestellt werden. Die latente Bedrohung durch Irrtümer erhöht die Konformität, so lange sie nur fallweise auftreten.

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Ehemaliger Nutzer 03.12.2013 | 15:51

Ach ja?

Die BRD ist keine Insel. Sie ist gebunden durch eine Vielzahl mulitlateraler Verträge, die bezüglich der Alliierten auch noch das Misstrauen aus dem vergangenen Krieg abbilden.

Glauben Sie wirklich, das könnte "unsere eigene (?) Regierung" mal so einfach alles kündigen ohen Konsequenzen?

Das Bewusstsein unserer erheblichen und nicht nur wirtschaftlichen Abhängigkeit "vom Westen" ist irgendwie völlig in Vergessenheit geraten.

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Ehemaliger Nutzer 03.12.2013 | 22:32

"Glauben Sie wirklich, das könnte "unsere eigene (?) Regierung" mal so einfach alles kündigen ohen Konsequenzen?"

1) Konsequenzen hat alles was man tut, selbstverständlich auch die Kündigung eines multilateralen Vertrages, die Frage ist, ob man mit diesen leben kann und wie man evtl. Nachteile auffängt

2) muss man nicht alle kündigen, es gibt aber auch keinerlei Grund, einen nachteiligen Vertrag auf Teufel komm raus aufrecht zu erhalten, auf welche Weise der ruinöse Versailler Vertrag letztlich ausgesetzt wurde (leider viel zu spät) dürfte ja bekannt sein

"Das Bewusstsein unserer erheblichen und nicht nur wirtschaftlichen Abhängigkeit "vom Westen" ist irgendwie völlig in Vergessenheit geraten."

Ist es das? Überall wohin ich höre, höre ich Geschwafel von "Globalisierungszwängen" (Kapitalfreizügigkeit und Freihandel), Unterwürfigkeitsbekundungen gegenüber den USA, Unterwürfigkeitsgesten gegen Banken und "Investoren". Das DOMINIERT alles. Zu Unrecht. Wir sind NICHT so erpressbar wie es scheint. Es spricht nichts dagegen Banklizenzen nur noch national zu vergeben und Banken abzuwickeln, es spricht nichts dagegen die Unabhängigkeit der ZB aufzuheben und den Staat wieder in die Pflicht zu nehmen, für Jobs und Wachstum zu sorgen. Niemand kann uns ernsthaft zwingen Freihandel mit Dumpingländern wie China zu machen oder Investorengerichte zu aktzeptieren. Das sind Scheinzwänge, denen wir uns letztlich freiwillig und aus Feigheit unterwerfen. Zwänge die unseren Sozialstaat und unsere Demokratie ganz bewusst aushebeln...

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Ehemaliger Nutzer 04.12.2013 | 20:08

Sicher kann man Verträge prüfen und einzelne Regelungen neu verhandeln (wenn "man" das für wichtig hält). Das dauert dann lange und hat auf die bestehende Realität im Zweifel nur den Einfluss, dass an die neuen Formulierungen angepasst wird ....

Ich bin weniger ein Freund martialischer Lösungen.

Da Sie das Ganze auf "Sozialstaat und Demokratie" ausweiten: da wäre m.E. sorgsam zu unterscheiden, wo denn genau das Problem liegt.

Es ist als - egal wie mutiges oder unabhängiges Deutschland - sicher nicht das Interesse, sich mit einem "zurück zu ...." von der unaufhaltsamen Globalisierung abzukoppeln, weil uns das nur marginalisieren und isolieren würde. Wenn es denn schon weltweit Entwicklungen gibt, die nationalstaatlich nicht mehr zurückzudrehen sind, gilt es, diese zu verstehen und für die Zukunft zu gestalten.

Es gibt durch das Netz eine parallele Infrastruktur, die im Ggs. zur räumlichen nicht mehr Nationalstaaten zugeordnet und über diese "sortiert" und wirksam reglementiert werden kann. Hier Länderübergreifend bei den selbst im Westen, selbst innerhalb der EU sehr unterschiedlichen juristischen Ausgangslagen Regelungen zu finden, ist schon schwierig genug.

Mich wundert beim Spionagethema immer, dass die Unternehmen so seltsam still sind. Deren "Betriebsgeheimnisse" werden ja auch abgegriffen, da alles abgegriffen und erst mal gespeichert wird. Damit könnte man als Staat z.b. deren Konkurrenten zur Ansiedlung gewinnen ..... Oder auch: wer hört eigentlich Google, Microsoft und andere ab? Die Daten dieser Unternehmen selbst stehen einer USA ja dann auch zur freien Verfügung? Fragen über Fragen.

Ohne einfache Lösungen.

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Ehemaliger Nutzer 05.12.2013 | 01:16

"Ich bin weniger ein Freund martialischer Lösungen."

Erwecke ich den Eindruck ich sei einer? Man kann selbst auch unglaublich locker sein, wenn man nicht zu den Bedauerlichen gehört, die keinen Job mehr haben, keinen finden, ihre Familie nicht mehr ernähren können und keine Krankenversicherung mehr haben, wie z.B. in Griechenland.

Das Elend dort ist auch nur eine Folge dummer nachteiliger Verträge und dem Unwillen und der Feigheit sie zu lösen. Menschen in Elend neigen verständlicherweise zu einer gewissen Radikalität, sie haben ja nichts mehr zu verlieren, aber viel zu gewinnen. Bei Konservativen ist es idR umgedreht.

"Es ist als - egal wie mutiges oder unabhängiges Deutschland - sicher nicht das Interesse, sich mit einem "zurück zu ...." von der unaufhaltsamen Globalisierung abzukoppeln"

Du benutzt typische Mainstream-Gehirnwäschephrasen.

1) ist ein zurück auf einen funktionierenden Status ein Fortschritt

2) muss man nicht zurück, ich würde z.B. niemals plumpe Länderzölle befürworten, aber man sollte offen und ehrlich über Probleme reden und neue Lösungen suchen, statt ständig mit Phrasen jede Diskussion abzuwürgen

3) ist die Globalisierung nicht viel mehr als Freihandel und Kapitalfreizügigkeit, weder unaufhaltsam, noch unkontrollierbar, noch Schicksal, sondern bewusstes politisches Bemühen, den Washington Consensus umzusetzen und dabei auf Menschenrechte und Demokratie zu schei**en

"weil uns das nur marginalisieren und isolieren würde"

Das hängt nur davon ab, was und wie man es tut. Meinst du nicht? Warum nicht alle Firmen die bei uns verkaufen wollen, zur Offenlegung ihrer Bilanzen zwingen, damit man sie auch entsprechend versteuern kann? Warum keine Zertifikate für Nachhaltigkeit und Sozialverantwortung einführen und Firmen die sich weigern, Strafsteuern aufschlagen? Warum nicht endlich ausgeglichene Leistungsbilanzen anstreben? Warum nicht Jobs über gedrucktes Geld schaffen (wenn man zum versteuern schon zu feige ist, Arbeit gäbe es ja genug).

"nationalstaatlich nicht mehr zurückzudrehen sind, gilt es, diese zu verstehen und für die Zukunft zu gestalten."

Du meinst so erfolgreich wie den Kampf um den CO2 Ausstoß? Nein, was man national nicht machen kann, kann man international erst recht nicht tun, weil da die Gewinner einer Fehlentwicklung idR Vetorechte haben. Da dauert selbst ein Scheinkompromiss schnell mal Jahrzehnte. Und nein, solange mag ich tatsächlich nicht warten, denn dann bin ich tot.

Internationalismus ist nicht Lösung, sondern Problem. Zumindest solange er von einer global entfesselten Wirtschaft konterkariert wird. Das ruiniert nicht nur unseren Wohlstand und unsere demokratischen Errungenschaften, sondern die ganze verdammte Welt.

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Ehemaliger Nutzer 05.12.2013 | 02:21

1. Martialisch

Es ist klar und Teil der Entwicklung, dass derjenige, der in seiner Existenz bedroht ist, "martialisch" handeln wird, weil er nichts zu verlieren hat. Wir werden das insbesondere bezogen auf die Flüchtlingswellen noch zu spüren bekommen. Allerdings wäre es falsch, darauf nun ebenfalls martialisch zu reagieren. Die Verantwortlichen (also Regierenden) sollten hier heute schon - und sicher anders als bisher in Griechenland - Lösungen suchen, die im internationalen Kontext funktionieren, und zwar idealerweise, bevor es zum Äußersten kommt. Ich bin da aber nicht sonderlich zuversichtlich.

2.

Ich halte es für naiv, einen Fallback aufs Nationale zu praktizieren. Globalisierung ist etwas, das faktisch stattfindet und nur ausgeschlossen werden kann, indem man die Augen verschließt - und das Land, mit dne von mir genannten Folgen. Kennzeichen der realen Globalisierung, ist

2.1. der finanzmarktbedingte Wettlauf um noch größere weltweite Gebilde, die nicht gefressen werden können. Was unsereiner täglich im Supermarkt - oder gerne auch im Biomarkt oder sogar Tante-Emma-Laden - einkauft als Gegenstand des täglichen Bedarfs, ist von einigen wenigen internationalen Großkonzernen gefertigt, die sich von nationalen Zugehörigkeiten lediglich steueroptimierend beeinflussen lassen.

2.2. Netz und Automatisierung

Was immer weltweit produziert wird - da macht auch der deutsche Mittelstand längst keine Ausnahme mehr - wird immer schneller und automatischer produziert UND verwaltet.

Das sind die durchaus erlebbaren und unausweichlichen Merkmale einer Globalisierung, die nicht als reine Ideologie gelten kann.

3.

Und ja: zurück auf einen früher mal funktionierenden Status - da liegt vermutlich der eigentliche Dissens zwischen uns - ist aus meiner Sicht ein Rückschritt. Warum? Weil jeder frühere Zustand auch kontextabhängig ist vom Umfeld, in dem er existierte. Und dieses Umfeld hat sich gewandelt.

Deshalb kann Ihr Argument, dass internationale Vereinbarungen zu lange dauern (wobei: nationale sind auch oft träge genug) zwar vermutlich richtig. Aber wir kommen da nicht drum rum. Oder wie stellen Sie sich denn die Verbesserung der CO2-Bilanz national vor? Auch CO2 ist global :-)

4.

Völlig auf Ihrer Seite bin ich jedoch, was das Suchen und Finden echter Lösungen angeht. Da gibt es ein massives Defizit, das - siehe 1. - durchaus mit dem Bequemlichkeitsstatus zu tun hat. Wenns ungemütlicher wird, dann wird man nicht umhin kommen, aber bis dahin ....

Für die Lösungen aber muss man, damit es wirklich welche sind und nicht nur Kurzschlüsse oder Abschottungen gegen die Realität die Entwicklungen erst verstanden haben.

BTW: Bilanzen müssen schon heute offen gelegt werden bei Kapitalgesellschaften. Das Vermeiden von Steuern hat nichts mit Intransparenz, sondern mit der kreativen Nutzung steuerlicher Möglichkeiten zu tun. In manchen Unternehmen ist die Abteilung mit den steuerlichen Experten die "umsatzstärkste" - wenn man das Umsatz nennen mag.

Noch ein Sprengsel: Arbeitsplätze durch Gelddrucken, meinen Sie? Das wär doch die Frage erst mal, weshalb der "Arbeitsplatz" an und für sich solche ein Eigenwert darstellt? Ich finde schon immer wieder lustig, dass wir die einst als solche bekämpfte "entfremdete Arbeit" samt Abhängigkeitverhältnis als Naturgesetz und erstrebenswert und unverzichtbar darstellen. Nur mal so zum Nachdenken...

Gute Nacht!

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Ehemaliger Nutzer 06.12.2013 | 16:56

"2.1. der finanzmarktbedingte Wettlauf um noch größere weltweite Gebilde, die nicht gefressen werden können."

Und was ist der Grund dafür, dass man keinen regulierten nationalen Finanzmarkt mehr hat? Der per Definition nicht vom Ausland und feindlichen Banken gefressen werden kann?

"internationalen Großkonzernen gefertigt, die sich von nationalen Zugehörigkeiten lediglich steueroptimierend beeinflussen lassen."

Daher mein Vorschlag, die Produkte asozialer Konzerne mit Steuern zu verteuern (Zertifikatmodell), leider gehst du darauf nicht ein. Was auf unseren Markt kommt, können auch WIR bestimmen. Dass wir per Freihandel freiwillig jede Kontrolle abgegeben haben, ist die große (aber nicht unumkehrbare) Dummheit. All das gänge national und wäre nichtmal nennenswert "protektionistisch".

"Was immer weltweit produziert wird - da macht auch der deutsche Mittelstand längst keine Ausnahme mehr - wird immer schneller und automatischer produziert UND verwaltet."

Ähm, und? Das ist doch toll, denn man kann die Produktion bei Bedarf schnell neuen politischen Rahmenbedingungen anpassen. Geschieht ja schon, nur eben idR zu unseren Ungunsten.

"Merkmale einer Globalisierung, die nicht als reine Ideologie gelten kann."

Nein, keine Ideologie, sondern durch Ideologie und Gier geschaffener Sachzwang. Wenn das TTIP durch ist, verhandelt im Geheimen, mit massiver Lobbybeteiligung, propagiert von einer willigen Mainstreampresse, wird es auch plötzlich heißen: dies und jenes dürfen wir nicht mehr regulieren, weil dann... Globalisierung... blabla. Dabei ging es eben noch.

Bedauerlicherweise fallen die Menschen auf sowas immer wieder rein.

"Und dieses Umfeld hat sich gewandelt."

Ja, ebenso wie die Kriminalität zunimmt, wenn man ein Gesetz aussetzt. Kein Grund diesen Status beizubehalten.

Aber wir schwafeln im Unkonkreten. Was genau befürchtest du bei welcher Maßnahme von mir?

"träge genug) zwar vermutlich richtig. Aber wir kommen da nicht drum rum."

Damit sagst du nichts anderes als: es wird (auf absehbare Zeit, mindestens Jahrzehnte) weitergehen wie bisher und das ist auch noch alternativlos.

Damit werde ich mich aber nicht abfinden und jemand dem es schlecht geht, schon gar nicht. Notfalls würde ich sogar eine Zerstörung des jetzigen Systems vorziehen (analog zur Wahl der NSDAP) nur um den unerträglichen Status Quo zu kippen.

Wenn das mit der Klimaerwärmung usw. stimmt, dann haben wir dazu auch keine wirkliche Zeit. Die Erwärmung haben wir zwar tatsächlich nicht im Griff, aber wir könnten zumindest vorleben, wie man es richtig macht und andere damit vor uns hertreiben (auch hier könnt man mit Firmenzertifikaten weltweit hebeln).

"BTW: Bilanzen müssen schon heute offen gelegt werden bei Kapitalgesellschaften."

Ja, wenn sie ihren Sitz in D haben ;-) Nicht wenn sie mit irgendeiner Holding in einer Steueroase sitzen und ihre in D eingefahrenen Gewinne zwischen den Unternehmensteilen und der Holding (oder wie immer das momentan gemacht wird) klein rechnen. Siehe z.B. Starbucks.

"Sie? Das wär doch die Frage erst mal, weshalb der "Arbeitsplatz" an und für sich solche ein Eigenwert darstellt?"

Tut er nicht, aber es gibt verdammt viel zu tun und es ist unverständlich, warum die Leute lieber zu Hause rumhocken sollen. Die meisten wollen sich ohnehin nützlich machen.