Kinder des Genozids

Ruanda Während der Massaker vor 20 Jahren wurden viele Frauen bei Vergewaltigungen schwanger. Bis heute fällt es ihnen schwer, mit ihren Kindern ein normales Leben zu führen
Exklusiv für Abonnent:innen | Ausgabe 30/2014

Als sie zwölf war, wollte Josiane Nizomfura ihren Vater wenigstens einmal zu Gesicht bekommen. Also schlich sie sich aus der Schule und ging zu einer öffentlichen Gerichtsverhandlung, bei der ihre Mutter gegen ihn aussagte. Levine Mukasakufu hatte Josiane nie etwas über die Umstände ihrer Geburt erzählt. „Ich habe es nicht fertiggebracht, also erfuhr sie es von den Nachbarn.“ Die kleine, zarte Levine, die in ihrem traditionellen Wickelrock wie ein leuchtend bunter Vogel wirkt, ist eine der etwa 500.000 ruandischen Frauen, die 1994 während des Völkermords vergewaltigt wurden.

Die damals 21-Jährige musste sich zusammen mit anderen Mädchen aus dem etwa 150 Kilometer südlich der Hauptstadt Kigali gelegenen Kibilizi auf dem Sportplatz