David McNamee, The Guardian
08.03.2009 | 14:00 7

Konkrete Poesie

Spiel Auf Facebook ist ein neues Spiel in Mode: Bastel dir ein Album-Cover. Der Erfinder ist bis heute unbekannt, dem Spaß tut das keinen Abbruch. Versuchen Sie es selbst

Das Spiel besteht aus fünf einfachen Schritten:

Bandnamen finden
Nehmen Sie einfach den Titel eines zufällig generierten Wikipedia-Artikels. (Im Navigationsmenü von Wikipedia lautet der unterste Eintrag „Zufällige Artikel“. Beim Klick werden Zufallsartikel generiert.)

Albumtitel erstellen
Nehmen Sie die letzten vier oder fünf Wörter des letzten Zitates auf einer Seite für zufällige Zitate.

Jetzt das Coverbild
Nehmen Sie das Bild, das erscheint, wenn Du auf dieses Flickr-Tool klickst, das zufällige Bilder ohne Copyright-Beschränkungen generiert.

Zu guter Letzt: Schön machen
Arrangieren Sie Ihr Band-Logo und den Titel Ihres Albums mithilfe von Photoshop, Paint oder welche Graphik-Software Sie auch immer haben, zu einem optisch ansprechenden Ganzen. Und poste das Ergebnis als Kommentar des Flickr-Fotos und schon bist Du fertig!

Das Lustige an der Sache ist, zu sehen, welch schöne Verbindungen von Bild und Text durch den Zufall geschaffen werden können und sich vorzustellen, welche Art von Musik diese Band, die man gerade geschaffen hat, wohl machen könnte. Man könnte sogar einen imaginären Blog für sie einrichten. Unzählige Facebook-Gruppen, sind dem Spiel bereits verfallen und es scheint auch schon eine wirkliche Band aus dem Spiel ins Leben gerufen worden zu sein. In den allermeisten Fällen wecken die Ergebnisse allerdings zugegebenermaßen Post-Rock-Assoziationen.

Hier vier Beispiele, erstellt in jeweils etwa fünf Minuten: 

Passer Passer Piger (oben links)

Die gewollt obskuren Franzosen Passer Passer Piger ziehen nicht mehr so viele Leute wie zu Zeiten ihrer heute legendären Kingstoner Show 1996 im Peel. Ähnlich wie bei dem Konzert der Stone Roses in Spike Island behaupten mehr Leute, dort gewesen zu sein, als überhaupt in den Club hineinpassen.

Bamburgse Zuwe (oben rechts)
Die sonderbaren Schweden ziehen auch auf ihrem neuen Album "Somebody to Divide It With" mit ihrer schrägen, zugleich aber auch verschmusten Mischung aus Afro-Twee, indogermanischem Reggae und billigem Britpop alle Register und schaffen einen Sound, der so süß ist, dass einem beim Hören die Zähne wegfaulen. 

Daylight in your Eyes (links oben)
Mit ihrem neuen Projekt kehren die Krautrock-New-Ager Daylight in your Eyes zu ihren erfolgreichen Avantgarde-Wurzeln zurück. Dessen ungeachtet haben einige Blogger mit besonders guten Ohren bereits darauf hingewiesen, dass "That`s What`s Wrong with It" rückwärts abgespielt, stark dem Soundtrack von Beverly Hills Cop vs Kindergarten Cop 3 ähnelt.

Pari passu (oben rechts)
Als die mit der Stimme einer Dämonin ausgestattete Sängerin "Amy" ihren Namen offiziell in ironische Anführungszeichen setzen ließ, war dies kein Werbegang für die Promotion ihres zweiten, auf ihr erfolgreiches Debüt "I am Ashlee Simpson: Watch me Yiff". In Zeiten, in denen sich von Bat From Lashes bis zu Beyoncé jeder irgendein verrücktes Alter-Ego zulegt, war dies vielmehr ein vielsagendes und interessantes Statement in Sachen Autorschaft und Identität.(Alle Bilder: Flickr)

So, Sie sind an der Reihe! Posten Sie Ihr selbst produziertes Albumcover in unserem Medien Das ist ganz einfach: In unserer Community registrieren, Blogbeitrag erstellen, und am Ende ein Kreuzchen bei "Medien" machen.

Übersetzung: Holger Hutt

Kommentare (7)

Steffen Kraft 10.03.2009 | 18:14

Oh, das ist wohl ein Missverständnis. Das ist kein Spiel auf Facebook - sondern es gibt viele Facebook-Nutzer, die es spielen. Wie es geht, steht in der Schritt-für-Schritt-Anleitung oben.

Die ersten selbst gestalteten Cover gibt es übrigens auch schon in unserem Medien
Hier: http://www.freitag.de/community/blogs/anousch-o-/album-cover
Und hier: http://www.freitag.de/community/blogs/haken/konkrete-poesie---drachenlanze-errors-even-in-his-silence

Rogue 10.03.2009 | 18:40

Nette Idee. Um dem Titel noch gerechter zu werden und Poesie noch konkreter zu fassen: Jede/r erschaffe sich nach der o.g. Methode sein bzw. ihr Buch-Cover. Buch-Cover sind in der Regel eher lieblose Einfassungen beschriebener Seiten, meistens kaum aussagekräftig, scheinen oft einfach (Pardon!) 'dahingerotzt'. Viele Verlage machen sich da keine große Mühe, von wenigen Ausnahmen mal abgesehen.

So denn, schnell ein AutorInnen-Pseudonym ("Basileios") erdacht, ein Buchtitel ("Winning cards") generiert, vielleicht noch ein Untertitel ("The price of greatness") dazu, schließlich ein Bild und dann alles zusammen layouten.

Welche Geschichte mag hier geschrieben worden sein? Welches Genre wird bedient? An welche großen Namen der Literatur wird hier angeknüpft?

Und die Ergebnisse dann bitte an Verlage schicken, auf dass sie ihr Cover-Gestaltung überdenken ;-)

task 10.03.2009 | 22:46

"Buch-Cover sind in der Regel eher lieblose Einfassungen beschriebener Seiten" - leider ja. Dass es auch anders geht bzw. ging kann man auf Flickr begutachten. Hier hat jemand Cover für fiktive Taschenbücher zu bekannten Filmen gestaltet:
http://www.flickr.com/photos/spacesick/sets/72157614482499746/
Hier eine Sammlung classischer Paperback-Cover des britischen Penguin-Verlags:
http://www.flickr.com/photos/joekral/sets/72157594264351021/

Steffen Kraft 11.03.2009 | 10:57

Gute Idee, das Prinzip auch auf Buch-Cover auszuweiten.

Ob sich Verlage allerdings wenig Gedanken über Cover machen, wage ich zu bezweifeln. Schließlich verkaufen sich erstaunlich viele Bücher über Impulskäufe in Buchhandlungen - wobei der Einband eine wichtige Rolle spielen dürfte.

Da im Schnitt Frauen mehr Bücher kaufen als Männer zielt die Gestaltung jedoch häufig auf eine weibliche Zielgruppe. Könnte es vielleicht daran liegen, dass Sie sich so selten angesprochen fühlen, Rogue?

Rogue 11.03.2009 | 17:56

Tatsächlich fühle ich mich oft nicht angesprochen. Aber ich würde das nicht unbedingt an der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Zielgruppe festmachen.

Allerdings gibt es da ja auch gewisse ökonomische Erwägungen der Verlage, kostet immerhin auch Geld, das eigene Buch-Programm kreativ mit aufwändigen Covern zu versehen.

Wobei es viele Beispiele für gut gemachte Bücher gibt, spontan fällt mir die Büchergilde Gutenberg ein, es gibt aber auch viele andere Beispiele.

Um auf die Musik zurückzukommen: Platten-Cover stoßen mir da bedeutend seltener auf, wenn ich es mir recht überlege. Komisch eigentlich.