London calling!

Punkrock Mick Jones, der ehemalige Gitarrist von "The Clash", hat ein Museum mit 10.000 Exponaten aus seiner Sammlung eröffnet - und hofft, dass nicht nur Clash-Fans kommen werden

Für einen Mann, der gegen das Gesetz gekämpft hat, mag es - auch wenn das Gesetz gewonnen hat - nicht unbedingt die naheliegendste Berufswahl scheinen [Anm. der Redaktion: der Autor spielt auf den Song I fought the law (and the law won) an]. Mick Jones, ehemals Gitarrist von The Clash hat sich entschieden, in Sachen Karriere salonfähigere Wege einzuschlagen und wird nun Bibliothekar.

Jones, der einst zu den zentralen Figuren der Punk-Bewegung gehörte, hat heute seine persönliche Rock‘n‘Roll-Bibliothek der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Er hoffe, die Sammlung werde Quelle der Inspiration und der Bildung für Musikliebhaber aus aller Welt sein, so Jones. Gelegen auf 280 Quadratmetern Bürofläche nahe der Portobello Road im Londoner Stadtteil Notting Hill, nahe des Ortes, an dem Jones 1976 mit Joe Strummer The Clash gründete, wird die "Guerilla Rock `n`Roll Public Library" 10.000 Exponate aus Jones’ persönlicher Sammlung umfassen.

Magnet für Clash-Fans

Es ist das erste Mal, dass die in über drei Jahrzehnten im Musikgeschäft zusammengetragene Sammlung in ihrer Gesamtheit zu sehen sein wird - sie enthält alles von Beatles-Nippes über Clash-Artworks bis hin zu Teilen von Bühnenoutfits der Band. Der 54-jährige Jones sagt, er hoffe, die fünfwöchige "bürgerschaftliche Anstrengung" werde eine Herausforderung für die, wie er es nannte, fade Inhaltslosigkeit anderer Musikmuseen sein.

Er beschrieb sein Projekt als eine "direkte künstlerische Herausforderung" für Häuser wie das British Music Experience, ein Popmusikmuseum in der Londoner O2-Arena. Dieses bezeichnete er als "Unternehmens"-Ding.

Die Bibliothek, die bislang im Londoner Bezirk Acton unter Verschluss war, wird mit einiger Wahrscheinlichkeit zum Magneten für Clash-Fans werden. Jones hofft jedoch, ihre Anziehungskraft werde weiter reichen. "Es handelt sich hier um Relikte aus dem zurückliegenden Jahrhundert, um einen Teil der britischen Musikgeschichte", sagte er. "Es ist eine sehr persönliche Sammlung, ich will aber nicht, dass sie nur für Clash-Fans ist. Ich hoffe, sie kann zu einer Quelle werden, die Vorstellungskraft der Menschen anregen und so vermitteln, dass Kreativität sich fortsetzt."

Vor den gefürchteten, in anderen Bibliotheken üblichen "Pssst!" –Mahnungen brauchen die Besucher keine Angst zu haben, wenn sie zwischen den gesammelten Platten, Pizzakartons von Clash-Tourneen, Bücher, von der Band getragenen Graffiti-besprühten Springerstiefeln und Retro-Aufnahmengeräte umher streifen. Stattdessen werden sie einen eigens von Jones zusammengestellten Soundtrack zu hören bekommen, der unter anderem Lieder von Bob Dylan oder den Rolling Stones enthält.

Weiterhin dürfen die Besucher nicht bloß in Vitrinen linsen, sondern sind eingeladen, die Ausstellung interaktiv zu erfahren. Anhand von Videos oder Computertechnologie zum Beispiel, mit Hilfe derer sie alte schwarz-weiß-Punk-Fanzines nachgestalten können.

Und vielleicht werden sie sogar einen Blick auf den Gründer selbst erhaschen. Der nämlich wird mit vielversprechenden Bands nebenan in seinem Studio für die der musikalischen Nachwuchsförderung gewidmete Strummerville Foundation an Plattenaufnahmen arbeiten.

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Übersetzung: Zilla Hofman
Geschrieben von

Alexandra Topping, The Guardian | The Guardian

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