Brandrodung beim Klimaschutz

Klimawandel Trumps Dekret signalisiert das Ende der US-Dominanz im Kampf gegen den Klimawandel. Doch andere Akteure stehen bereit, um für die USA einzuspringen: zum Beispiel China
Brandrodung beim Klimaschutz
Öltrucks in Texas

Bild: Spencer Platt/Getty Images

Stellt Donald Trumps Entschlossenheit, die Klimaschutzpolitik der USA wieder auf den Stand des frühen Mittelalters zurückzuversetzen, eine "existenzielle Bedrohung des gesamten Planeten" dar? Davor warnte zumindest der Architekt vieler grüner Maßnahmen der Obama-Regierung, John Podesta. Oder ist die weltweite Dynamik hin zu erneuerbaren Energien und anderen Maßnahmen zur Eindämmung der Erderwärmung "unaufhaltsam"? So formulierte es jedenfalls die Generalsekretärin der UN-Klimarahmenkonvention, Patricia Espionoza vor kurzem.

Die Antwort dürfte irgendwo dazwischenliegen und hängt immer vom Optimismus bezüglich der Frage ab, ob Wirtschaft, Gesellschaft und Politik in der Lage sein werden, einen weiteren Anstieg der Erderwärmung zu verhindern.

Eines ist klar: Die Brandrodung, die der neue US-Präsident hinsichtlich der Maßnahmen gegen den Klimawandel betreibt, erschwert die Bewältigung einer der größten Herausforderungen, die die Menschheit jemals zu stemmen hatte.

Viele Wege führen zur emissionsfreien Weltwirtschaft, die in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts nötig sein wird um die "schwerwiegenden, weitreichenden und irreversiblen Auswirkungen" zu vermeiden, vor denen Wissenschaftler*innen auf der ganzen Welt warnen. Am Besten wäre es, so bald wie möglich damit anzufangen und dafür zu sorgen, dass die CO2-Emissionen ab 2020 global zurückgehen.

Ermutigend ist zumindest, dass sich die Emissionen aus fossilen Brennstoffen in den vergangenen drei Jahren abgeschwächt zu haben scheinen. Trumps Erlass zur Annullierung von Obamas Clean Power Plan (CPP) sowie weitere Maßnahmen zur Aufhebung diesbezüglicher Verordnungen der Vorgängerregierung, könnten jedoch zu höheren Ausstößen beim Autoverkehr und beim Fracking führen. Dies würde den Trend umkehren. Die USA sind mit 14 Prozent der Gesamtmenge an Kohlendioxid der zweitgrößte CO2-Emittent weltweit und die Abkehr vom CPP könnte bis zu 25 Prozent höheren Emissionswerten führen als bei Durchführung des Plans.

Es gibt jedoch gute Gründe anzunehmen, dass die Abkehr vom CPP nicht wirklich zu dem Revival der Kohle führen wird, das Trump verspricht – schließlich erwarten eine solche Entwicklung nicht einmal die Kohle-Barone selbst:

Die Kohle befindet sich weltweit im freien Fall: Investitionen im Energiebereich sind auf Jahrzehnte hin angelegt und zur Zeit geht die Entwicklung eindeutig in Richtig erneuerbarer Energien und CO2-armer Produktion. So ist es höchst unwahrscheinlich, dass Trumps kurzzeitige Veränderung die Energiekonzerne zu milliardenschweren Wetten auf die Kohleförderung verleiten wird. Zudem sind die Kosten für Sonnen- und Windenergie seit 2009 um 85 bzw. 66 Prozent zurückgegangen. Für viele US-Amerikanische Bundesstaaten ist die zukünftige Energieversorgung eindeutig erneuerbar, unabhängig von den Gedanken der gegenwärtigen Regierung in Washington.

Wie Trumps krachende Niederlagen beim Einreiseverbot für Muslime oder der Abschaffung von Obamacare zeigen, ist die Umsetzung von Plänen sehr viel schwieriger, als diese nur auf Twitter anzukündigen. Sein Angriff auf den Klimaschutz verdammt die Welt also nicht zwangsläufig zu einem unaufhaltsamen Anstieg der Erderwärmung. Dennoch wird der Kampf gegen den Treibhauseffekt sehr viel schwieriger als dieser ohnehin schon ist.

Nur weil die USA ihre Beteiligung aufkündigen, wird der Rest der Welt sich nicht von seinen Ziel abbringen lassen. Beim jährlichen UN-Klimagipfel Ende November stärkte Trumps Wahlsieg die Entschlossenheit der Teilnehmer zu handeln: "Das Wahlergebnis in den USA hatte wirklich den Effekt, dass die 180 teilnehmenden Länder sich noch stärker bemühten, in der Sache weiterzukommen", so ein hochrangiger Delegierter.

Auch die Wissenschaft liefert Erkenntnisse, die für verstärkte Anstrengungen sorgen werden. Jüngste Veröffentlichungen beweisen, dass die rapide Erderwärmung die Erde in ein quasi "unerforschtes Gebiet" verwandelt haben. Erst vor kurzem wurde der Nachweis erbracht, dass die extremen Wetter und Wetterkatastrophen rund um die Welt auf menschliches Handeln zurückzuführen sind.

Die USA haben den Kampf gegen den Klimawandel durch Forschung und Entwicklung mit Zuwendungen in Milliardenhöhe finanziert und ärmere Länder durch finanzielle Zusagen davon überzeugt, der richtungsweisenden Pariser Vereinbarung von 2015 zuzustimmen. Selbst wenn Trump all dies vom Tisch wischt, stehen viele andere Akteure bereit, für die USA einzuspringen, nicht zuletzt die Europäische Union und China.

Genötigt von der schlechten Luft, unter der die Bewohner*innen vieler chinesischer Städte leiden und angetrieben von der Aussicht, dass eine kohlenstoffarme Wirtschaft zur größten Wachstumsgeschichte des 21. Jahrhunderts werden dürfte, ergreift der weltgrößte Emittent China mittlerweile drastische Schritte zur Reduzierung seiner CO2-Emissionen.

Auch Obamas früherer Stabschef John Podesta, der vor Trumps "existenziellen Bedrohung" warnte, ist weit davon entfernt, den Kopf in den Sand zu stecken: "Diese Bedrohung allein ist kein Grund, die Hoffnung aufzugeben, dass wir noch immer in der Lage sind, die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels zu vermeiden. Wenn die USA ihre Führungsrolle bei der Bekämpfung des Treibhauseffekts aufgeben, stehen andere Nationen bereit, die auf erneuerbaren Energien basierende Wirtschaft der Zukunft zu dominieren, allen voran China."

So ist es alles andere als an den Haaren herbeigezogen, dass andere Länder in Zukunft einmal Strafzölle auf US-Produkte erheben könnten, die mit schmutziger Energie hergestellt wurden. Solche Steuern sind bereits im Gespräch und zielen auf die astronomischen Zölle ab, die die USA auf Importe erheben, die ihnen missfallen, wie etwa die Einfuhr von chinesischem Stahl.

Es steht zu bezweifeln, dass Trumps Blitzkrieg gegen den Klimawandel das Ende der Zivilisation einläuten wird. Angesichts der Bedeutung, die das Thema für die gesamte Weltgemeinschaft und deren Zusammenarbeit auf diesem Gebiet hat, könnte er das Ende der Vorherrschaft der USA als der politischen und wirtschaftlichen Führungsmacht bedeuten. Während Trumps Wahlkampfversprechen lautete “Make America great again” – könnte sein Erbe lauten “Made China great again”.

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16:10 29.03.2017
Geschrieben von

The Guardian

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Ausgabe 27/2020

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