Mit der Pferdekutsche auf die Prinzeninseln

Reiseführer Istanbul Immer mehr Reisende zieht es in die türkische Metropole am Bosporus. Im Netz finden sich dazu viele Tipps. Unser Autor hat die besten Webseiten für Sie zusammengestellt

Angaben des türkischen Fremdenverkehrsamtes zufolge konnte im Jahr 2008 keine andere Stadt einen größeren Besucherzuwachs verbuchen als Istanbul. Kein Wunder – bietet die Metropole am Bosporus doch das Erlebnis jahrhundertealter europäischer und asiatischer Vielfalt. In der zehn Millionen-Stadt erwarten den Besucher Boutiquen, die auch Paris oder New York gut zu Gesicht stehen würden und religiöse Bauwerke, deren Angesicht sich seit über tausend Jahren kaum verändert hat. Es sind aber nicht nur die kulturellen Schätze, die Istanbul so attraktiv für Touristen machen, sondern auch die vergleichsweise niedrigen Preise. Wir haben in der Blogosphäre nach den besten Tipps für einen Besuch des türkischen Kultur- und Wirtschaftszentrums Ausschau gehalten.

Beyoglu
Los geht’s in einem Viertel, auf welches das alte Klischee zutrifft, Istanbul sei die Stadt, in der Orient und Okzident aufeinander treffen. Bestes Beispiel ist die Hauptstraße Istiklal Caddesi. Seite an Seite mit Botschaftsgebäuden im Kolonialstil und Teehäusern, in denen Männer das türkische Brettspiel Okey spielen, finden sich hier schicke Bars und Restaurants, die ihre Gäste auf den Dächern des Viertels empfangen. Orientierungshilfe bietet der Blog Locally Pera, auf dem eine Beyoglu-Verfallene auf einer Google-Karte ihre Lieblingsecken gekennzeichnet hat. Zu diesen gehört zum Beispiel das Rejans, ein „historisches russisches Restaurant aus der Zeit der Ottomanen, das für seinen Lemon Wodka berühmt ist. Kemal Atatürk kehrte bei seinen Besuchen der Stadt gerne hier ein.“ Bei Istanbul Trails wird dem Reisenden ans Herz gelegt, im Leb-i Derya einzukehren, das zu den wohl herrlichsten Flecken über den Dächern der Stadt zählt. Echte Insidertipps werden auf Cafe Fernando preis gegeben. Hier sind zudem schöne Bilder von einem der wohlgehütetsten Shopping-Geheimnisse Istanbuls, dem Antiquitätenviertel Cukurcuma, zu bestaunen sind.

Bosporus Blitz
Das europäische Ufer des Bosporus ist übersät mit kleinen Häfen, in denen sich ein Restaurant neben dem anderen drängt. Der Blog Umamai widmet sich in einem liebevollen Beitrag den besten Fischrestaurants. Besonderes Lob erhalten das Bebek Balikci in Bebek, dem Hafen der Istanbuler Schickeria und das Restaurant Kiyi. Letzteres liegt weit abseits des Istanbuler Getümmels im Hafen des Stadtteils Tarabya. In größerer Nähe zum Stadtzentrum liegt das Viertel Ortaköy. Dort ist beinahe jedes Restaurant mit dem spektakulären Blick auf die gewaltige Moschee von Ortaköy gesegnet, der von der nicht minder gewaltigen Bosporusbrücke gerahmt wird. Der Blog Istanbul Restaurant Review lässt dem House Cafe in Ortakoy die seltene Ehre einer Auszeichnung mit fünf Sternen zuteil werden. Einen gesamten Samstag, so wird geraten, sollte man schlemmend in diesem Café verbringen und höchstens unterbrechen, „um die Zeit bis zum späten Mittagessen herumzukriegen,“ indem man „auf den Straßenmärkten Ortaköys nach Schätzen jagt.“ Die türkische Tageszeitung Today’s Zaman rühmt das Lokal Abacadabra, welches in einem vierstöckigen Holzanwesen im Hafen Arnavutköy ansässig ist. In der Küche führt die in New York ausgebildete „Food-Künstlerin“ Dilara Erbay das Regiment.

Sultanahmet

Der berühmteste Stadtteil Istanbuls beherbergt die Hagia Sophia und die Blaue Moschee. Wer dachte schon Fotos von jedem Winkel Sultanahmets gesehen zu haben, kann sich auf dem Fotoblog Istanbul through my eyes eines Besseren belehren lassen. Besonders charmante Passion des Autors: die Bilder mit nachdenklichen Zitaten zu versehen. So ist einem Foto der Sultanahmet–Moschee ein Zitat des Sufimystikers Jalal ad-Din Muhammad Rumi beigefügt. Das Foto eines geheimnisvollen Fensters im Topaki Palast bebildert einen Auszug aus einem Werk Orhan Parmuks. An anderer Stelle ergänzen sich Leonhard Cohens Hey, That’s no way to say goodbye und ein Panoramafoto Istanbuls. Zu einem Teil bizarr, zu zwei Teilen fesselnd... Istanbul through my eyes hat das Rezept für den perfekten Blog gefunden.


Karaköy

Karaköy wird von Touristen häufig links liegen gelassen. Das am europäischen Fuß der Galata-Brücke gelegene Viertel ist jedoch allemal einen Abstecher wert. Inmitten des Wirrwarrs von Geschäftsstraßen, in dem sich hauptsächlich einheimische Händler niedergelassen haben, ist eines der besten Kunstmuseen Europas ansässig: Das Istanbul Modern, das 2004 das im Stil der Tate-Gallerie in einer ungenutzten Lagerhalle eingerichtet wurde. Ein sehr informativer Artikel über die Geschichte des Museums und die politischen Machenschaften, die seinen Bau begleiteten, war im vergangenen Jahr in der Zeitung The National zu lesen, die in den Vereinigten Arabischen Emiraten erscheint. Ein Besuch lohnt sich schon wegen der spektakulären Sicht über den Bosporus, die sich vom museumseigenen Cafe aus bietet. Der Autor des Blogs Time Out Istanbul hat in der Nähe des Museums eine klassische Lokanta (Restaurant, Cafe und Bar in einem) ausfindig gemacht, in der exzellente Fischgerichte aufgetischt werden – das Tarihi Karaköy Balikcisi. In einem außergewöhnlich wortreichen Eintrag vergleicht der Autor die nostalgische Aura der türkischen Lokantas mit der amerikanischer Diners. „Oberflächliches Geschwätz, Umschwänzeln der Kundschaft und Einschmeichelei“, lobt er, begegnetem einem hier nicht.


Die Prinzeninseln

Obgleich nur fünf Kilometer von den Stränden im Süden entfernt, fühlt man sich auf den Prinzeninseln wie in einer anderen Welt. In scharfem Kontrast zur Hektik und Enge Istanbuls locken die neun aus dem Marmarameer herausragenden Inseln mit schattigen Wäldern, Fahrradwegen und abgelegenen Buchten. Im Sommer sind die Inseln fernab der Touristenpfade deshalb beliebtes Ziel für einheimische Tagesausflügler. Auf Istanbul Trails erhält man einen guten Überblick darüber, wie man die Inseln am besten für sich erschließt. Ein besonders ausführlicher Eintrag widmet sich der größten und beliebtesten Insel Büyükada, die, so der Autor am besten per pedes zu erkunden ist. Sie wissen nicht, wo lang? Folgen Sie doch einer der traditionellen Pferdekutschen, von denen 229 auf den Pfaden der autofreien Prinzeninseln unterwegs sind.

Übersetzung: Zilla Hofman

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17:05 12.01.2009
Geschrieben von

Benji Lanyado | The Guardian

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The Guardian

Ausgabe 39/2020

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