Muppets mit Linksdrall

Glosse Konservative US-Medien wie Fox wittern linke Propaganda in Kinderfilmen aus Hollywood. Tim Dowling widmet sich der erschreckenden Beweisaufnahme

Fox Business Network bezeichnet Muppets als Kommunisten“, verkündete das Filmmagazin Hollywood Reporter vorgestern. Die Debatte sei jetzt viral. Was soviel bedeutet wie: „Die Debatte erfährt perverse Legitimität, weil viele Leute sie anklicken.“ Die Muppets sind nicht die einzigen, die in letzter Zeit unter Verdacht gestellt wurden, eine linke Agenda zu verfolgen. Vergangenen Monat erst bezeichente ein Autor der New York Post das Pinguin-Abenteuer Happy Feet 2 als „Karl Marx für Kinder“.

Sollte die Geschichte ihnen bislang entgangen sein, lassen Sie mich - schweren Herzens – gemeinsam mit Ihnen auf den vergangenen Freitag zurückblicken, als der Fox-Wirtschaftsmoderator Eric Bolling kundtat, dass in dem neuen Muppetsfilm eine Figur namens Tex Richmann auftritt: Ein gieriger Ölbaron, der unter dem Theater der Muppets nach dem schwarzen Gold bohren will. Die anschließende Diskussion war nicht nur exemplarisch für die Mission des Senders, alles jenseits der eigenen Ansichten zu linker Propaganda zu erklären, sondern drohte auch, einer Dämlichkeit von bislang unbekanntem Ausmaß Tür und Tor zu öffnen.

Dass „ein erfolgreicher Geschäftsmann von Hollywood als böse“ dargestellt wird, sei „nichts Neues“, erläuterte Bolling. Um sogleich seinen Gast, den konservativen Medienkritiker Dan Gainor zu fragen, ob Hollywood vorsätzlich versuche, Kinder einer Gehirnwäsche zu unterziehen. „Auf jeden Fall“, bestätigte Gainor. „Und das schon seit Jahrzehnten.“ Dass man Öl auch benutzen könne, um „ein Krankenhaus zu beleuchten“ oder einen „Krankenwagen zu fahren“, wolle man in Hollywood hingegen „nicht erzählen“.

Bollings Fox News-Kollegin Andrea Tantaros stimmte voll und ganz zu und wünschte sich, „die Linken könnten einfach die Kinder in Ruhe lassen“. Daraufhin räsonierte Bolling laut darüber, warum bei den Muppets nicht einmal die Obama-Regierung der Bösewicht sein könne. Da blieb ihm nur noch übrig, die Hände in die Höhe zu werfen und zu rufen: „Wo sind wir eigentlich? Im kommunistischen China?“

Ist mir nun auch das Gehirn gewaschen worden oder könnte es sein, dass das Ganze so betrachtet auf einmal einen Sinn ergibt? Immerhin offenbart schon eine kurze Betrachtung der bisherigen Muppetfilme eine eindeutige und weit zurück reichende linke Tendenz:

Muppet Movie (1979): Die Muppets machen sich auf ins linke Hollywood, das hier als eine Art kollektives Paradies dargestellt wird, während der Feind in Gestalt eines Fast Food-Magnaten à la Kentucky Fried Chicken-Gründer Colonel Sanders einmal mehr ein Geschäftsmann ist. Der Gedanke daran, ein Schwein zu schlachten (in diesem Falle Miss Piggy) wird als gleichbedeutend mit Mord behandelt. Danke, Veggie-Nazis!

Der große Muppet Krimi (1981): Die Muppets reisen nach London, der Heimat des verstaatlichten Gesundheitswesens. Es wird auch ein Haus besetzt.

Die Muppets erobern Manhattan (1984): Den habe ich selbst zwar nicht gesehen, offensichtlich schließen sich die Muppets darin aber einer Art Terrornetzwerk an, was sich für gewisse linksintellektuelle Freiheitshasser vielleicht lustig anhört, meiner Meinung nach aber einfach nur krank ist.

Die Muppets-Weihnachtsgeschichte (1992). Basiert auf einer Geschichte von Charles Dickens, der in seinen anderen Werken bekanntermaßen Armenhäuser, Gefängnisse und die Reichen dämonisierte. Positiv anzumerken ist, dass der Film privatem, wohltätigem Engagement den Vorzug gegenüber staatlichem Eingreifen gibt. Trotzdem bleibt die Aussage insgesamt, dass die Armen nicht selber schuld sind an ihrer Situation und die Reichen für sie aufkommen müssen.

Muppets – Die Schatzinsel (1996). Stellt die unternehmerische Notwendigkeit selbständiger Schatzsuche als „Piraterie“ dar. Warum kann nicht einmal eine übereifrige Umweltbehörde der Bösewicht sein?

Muppets aus dem All (1999). Postuliert ein grundsätzlich gottloses Universum, in dem einige Muppets sich als Außerirdische herausstellen und ist auf seine Weise so antichristlich wie ein Harry-Potter-Film.

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Übersetzung: Zilla Hofman
Geschrieben von

Tim Dowling | The Guardian

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