Mut und Dankbarkeit

Asylsuche Edward Snowden, der sich zur Zeit in Moskau befindet, schreibt Ecuadors Staatsoberhaupt Rafael Correa einen Brief hinsichtlich seines Antrags auf politisches Asyl
Mut und Dankbarkeit
Foto: ubiquit23/ Flickr (CC)

Es gibt wenige Staatsoberhäupter, die riskieren, sich für die Menschenrechte eines Einzelnen mit der weltweit mächtigsten Regierung anzulegen. Der Mut Ecuadors und seiner Bewohner ist ein Vorbild für den gesamten Globus.

Ich möchte meinen tiefen Respekt für Ihre Prinzipentreue ausdrücken und danke Ihnen aufrichtig für das Vorgehen Ihrer Regierung, meinen Antrag auf politisches Asyl in Erwägung zu ziehen.

Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika hat das größte Überwachungssystem der Welt erschaffen. Dieses System betrifft jeden Menschen, der mit Technologie in Berührung kommt. Es zeichnet alles auf, analysiert und beurteilt jedes Mitglied der internationalen Öffentlichkeit.

Es ist eine schwerwiegende Verletzung unserer Menschenrechte, wenn ein politisches System automatische, unrechtmäßige und alles durchdringende Spionage gegen unschuldige Menschen betreibt.

Entsprechend dieser Überzeugung habe ich dieses Programm vor meinem Land und der Welt enthüllt. Während durch die Öffentlichkeit ein Aufschrei der Unterstützung für die Ausleuchtung dieser illegalen Machenschaften ging, antwortete die US-Amerikanische Regierung mit einer außergerichtlichen Verbrecherjagd, die mich und meine Familie Reisefreiheit sowie das Recht gekostet hat, friedlich und ohne Angst vor illegalen Übergriffen zu leben.

Angesichts dieser Verfolgung haben Regierungen, die sich vor der US-Regierung und ihren Drohungen fürchten, geschwiegen. Ecuador hingegen hat sich erhoben, um für das Menschenrecht auf Asyl einzustehen und es zu verteidigen.

Das entschlossene Handeln Ihres Konsuls Fidel Narvaez in London sicherte den Schutz meiner Rechte nach der Abreise aus Hongkong – sonst hätte ich die Reise nicht riskieren können. Als Folge dessen und dank der kontinuierlichen Unterstützung ihrer Regierung bin ich noch frei und habe so weiterhin die Möglichkeit, Informationen von öffentlichem Interesse zu verbreiten.

Unabhängig davon, wie viele Tage ich noch zu leben habe, bleibe ich dem Kampf für Gerechtigkeit verschrieben. Wenn auch nur etwas von meinem Tun in den nächsten Tagen einen Beitrag für das Gemeinwohl leisten kann, wird es Ecuador zu verdanken sein.

Ich bin Ihnen, Ihrer Regierung und den Bürgern Ecuadors zu Dank verpflichtet und hege eine tiefe Bewunderung für Ihren Mut, zu tun was richtig ist – anstatt den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen.

Edward Joseph Snowden

Der Text wurde auf Spanisch verfasst und von der Press Association London ins Englische übertragen

12:56 02.07.2013
Geschrieben von

Edward Snowden | The Guardian

Der Freitag ist Syndication-Partner der britischen Tageszeitung The Guardian
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The Guardian

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