Mythen und Fakten zur Wärmepumpe: Funktionieren sie auch bei eisigen Minusgraden?

Richtig heizen Kritiker behaupten, dass Wärmepumpen bei frostigen Temperaturen nicht funktionieren. Europaweite Studien haben untersucht, wie gut die Kraftwärmemaschinen laufen, wenn das Thermometer minus 20 Grad anzeigt. Heizt die Wärmepumpe auch dann?
Hält die Wärmepumpe Ihr Haus auch bei eiskalten Temperaturen warm?
Hält die Wärmepumpe Ihr Haus auch bei eiskalten Temperaturen warm?

Foto: Imago

Der Glaube, dass eine Wärmepumpe nicht in der Lage ist, ein Haus im tiefsten Winter zu erwärmen, ist weit verbreitet. Eine kürzlich durchgeführte Umfrage unter mehr als 4.000 Erwachsenen im Vereinigten Königreich, Deutschland, Frankreich und den USA im vergangenen Herbst ergab, dass 35 Prozent überzeugt sind, dass Luft-Wärmepumpen dieser Aufgabe nicht gewachsen sind.

Die von dem Datenunternehmen Electrify Research durchgeführte Studie gibt sogar einen detaillierten Überblick über die einzelnen Länder: Mehr als 40 Prozent der Briten sind der Meinung, dass Wärmepumpen im Winter nicht richtig laufen, verglichen mit 36 Prozent in Deutschland, 35 Prozent in den USA und 26 Prozent in Frankreich. Die deutlich höhere Skepsis im Vereinigten Königreich bezeichnete der Forschungsbericht als „ironisch“ angesichts der Tatsache, dass die Wintertemperaturen dort weitaus milder sind als in Norwegen. Dort oben im Norden liegt die durchschnittliche Wintertemperatur bei minus sieben Grad Celsius und zwei Drittel der Haushalte sind mit Wärmepumpen ausgestattet.

Um zu verstehen, ob Wärmepumpen bei eisigen Temperaturen das Haus richtig heizen, muss man sich zunächst ihre Funktionsweise vergegenwärtigen: So wie ein Kühlschrank Wärme aus seinem Inneren aufnimmt und über Spulen auf seiner Rückseite abgibt, nimmt eine Wärmepumpe die Wärme aus der Außenluft auf, um die Temperatur des Wassers zu erhöhen, das dann durch die Heizkörper eines Hauses gepumpt werden kann.

Kritiker behaupten, dass Wärmepumpen bei Frost nicht so gut funktionieren, weil weniger Wärmeenergie in der Luft vorhanden ist, die aufgenommen werden kann. Aber stimmt das?

Untersuchung: Laufen Wärmepumpen auch bei minus 20 Grad?

Es mag nicht unmittelbar einleuchten, aber selbst an kalten Tagen ist noch Wärmeenergie in der Luft, die genutzt werden kann. Laut Energy Systems Catapult (ESC), einer unabhängigen Forschungs- und Technologieorganisation, die von der britischen Regierung gegründet wurde, müssen Wärmepumpen bei niedrigen Temperaturen zwar härter arbeiten, sind aber dennoch bei jedem Wetter einsatzbereit. In einer fast zweijährigen Studie analysierte das von der Regierung finanzierte Projekt die Leistung von 750 Wärmepumpen an einigen der kältesten Tage des Landes, an denen die durchschnittlichen Tagestemperaturen auf bis zu minus sechs Grad fielen. Dabei wurde festgestellt, dass die Effizienz eines Wärmepumpen-Heizsystems nur geringfügig abnahm.

Eine separate Studie des Regulatory Assistance Project (RAP) hat 550 Wohnungen in ganz Europa untersucht und ebenfalls herausgefunden: Selbst bei Temperaturen von minus 20 Grad bleibt die Effizienz einer Wärmepumpe auf einem durchschnittlichen Niveau.

In den meisten Klimazonen funktionieren Wärmepumpen auch bei kaltem Wetter, aber die richtige Installation ist entscheidend. Ran Boydell, Professor an der Heriot-Watt University in Edinburgh, sagt: „Wenn eine Wärmepumpe bei kaltem Wetter nicht funktioniert, wurde das Gerät wahrscheinlich nicht richtig für den Standort ausgelegt.“

Zu beachten sei allerdings, dass die Betriebskosten bei Minusgraden wahrscheinlich höher sind. In Zeiten, in denen die Temperatur auf minus sechs Grad sinkt, ist es wahrscheinlich, dass die Betriebskosten knapp über denen eines Gaskessels liegen – aber nur für diese extrem kalten Zeiträume. Im Laufe eines normalen Jahres (einschließlich typischer Kälteperioden) sind die Kosten für Wärmepumpen im Vergleich zu Gasheizkesseln immer noch attraktiv.

In vielen nordischen Ländern ist es üblich, dass Wärmepumpen durch fossile Brennstoffe „unterstützt“ werden, wenn die Temperaturen auf minus 20 Grad oder darunter fallen. Es gibt jedoch Möglichkeiten, die Abhängigkeit von Gas- oder Ölheizungen auch bei diesen Temperaturen zu verringern. Erdwärmepumpen können etwa effizienter sein als Luftwärmepumpen, da das Erdreich die Wärme während eines Kälteeinbruchs oft besser speichern kann. Außerdem gibt es eine neue Generation von Luftwärmepumpen, die extra für kalte Klimazonen entwickelt wurde.

„Wir können endlich mit dem Vorurteil aufräumen, dass Wärmepumpen bei kaltem Wetter nicht funktionieren und ineffizient sind. Wir haben genau das Gegenteil beobachtet“, sagt Marc Brown, Geschäftsführer von ESC. Die Wissenschaft zeige, dass Wärmepumpen bei winterlichen Temperaturen funktionieren können. Richard Halsey, Direktor bei ESC, fügt hinzu: „Eines der wichtigsten Ergebnisse unserer Studie ist, dass Planung und Installation extrem wichtig sind, wenn die Wärmepumpe ordnungsgemäß funktionieren soll.“

In den meisten Häusern – unabhängig von der Art oder dem Alter der Immobilie – sollte eine gut installierte Wärmepumpe mit einer Vorlauftemperatur von etwa 40 Grad die meiste Zeit über für ein angenehmes Wohnklima sorgen.

Jillian Ambrose beschäftigt sich beim Guardian mit Energiethemen.

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Geschrieben von

Jillian Ambrose | The Guardian

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