Gipfel der Verhütung

Familienplanung Jeden Tag sterben Frauen an den Folgen ungewollter Schwangerschaften. Ein Gipfel in London hat sich zum Ziel gesetzt, das zu ändern
Gipfel der Verhütung
Aids-Prävention: In einem Frauenforum in Indien wird für den Gebrauch von Verhütungsmitteln geworben

Foto: AFP

Wenn in gut zwei Wochen in London die Olympischen Spiele beginnen, werden zum ersten Mal in der Geschichte der Veranstaltung in allen 26 Sportarten Frauen antreten. Auf der Liste stehen Sportlerinnen wie Maziah Mahusin, die erste Olympionikin aus Brunei und Kenias Mary Keitany, die den diesjährigen London Marathon gewonnen hat. Ihr Erfolg zeigt, was möglich ist, wenn Frauen und junge Mädchen die Möglichkeit erhalten, ihre Talente zu entwickeln und ihre Träume zu verwirklichen.

Es besteht eine Verbindung zwischen den Spielen und einer anderen wichtigen internationalen Veranstaltung, die bereits morgen in London stattfindet: der Gipfel für Familienplanung 2012 .

Verhütungsmittel für 120 Millionen

Die von der britischen Regierung zusammen mit der Bill and Melinda Gates Foundation ausgerichtete Veranstaltung hat zum Ziel, politische und finanzielle Mittel zu mobilisieren, um 120 Millionen Frauen weltweit mit sicheren Verhütungsmitteln, Informationen und Dienstleistungen zu versorgen. Wie Melinda Gates zutreffend sagte: Es ist an der Zeit, den Begriff der Verhütung vom Schleier der Behauptung zu befreien, diese sei umstritten und das Thema dort zu etablieren, wo es hingehört: ins Zentrum der internationalen Gesundheits-, Wirtschafts-, Umwelt- und Menschenrechtsagenda. Damit geben wir Frauen die Chance, die nächste weltberühmte Olympionikin, Ärztin oder Lehrerin zu werden – wovon auch immer sie träumen mögen.

Auf meinen Reisen mit der internationalen Hilfsorganisation PSI habe ich erfahren, welch negative Folgen die „Kontroverse“ um Verhütung auf Frauen, Paare und Familien haben kann. Während einer Reise in die Demokratische Republik Kongo habe ich im Dorf am Rande von Kinshasa einen Tag mit Therese, Victor und ihren sechs Kindern verbracht. Sie erzählten mir von dem Weg, den sie als Partner und Eltern gemeinsam eingeschlagen haben. Von Familienplanung und den ihnen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten hatten sie keine Ahnung. Was sie wussten, war, wie stark die permanenten ungewollten Schwangerschaften Thereses Körper zusetzten und es ihr immer unmöglicher machten, ihre Kinder finanziell zu unterstützen. Therese versuchte drei Schwangerschaftsabbrüche mit giftigen Kräutern und wäre jedes Mal fast daran gestorben. Heute hat sie Zugang zu sicheren Methoden und kann zusammen mit ihrem Mann die Familie planen, die sie sich wünschen. Das Wissen, das sie erworben haben, geben sie an ihre Söhne und Töchter weiter.

Tödliche Komplikationen

Geschichten wie die von Therese und Victor gibt es unzählige. Wenn wir die Gesundheitsprogramme aufstocken und verbessern, die Therese und Millionen von Frauen wie sie, freien Zugang zu den Möglichkeiten moderner Familienplanung eröffnen, helfen wir, die Anzahl unsicherer Abtreibungen zu verringern, verbessern die Gesundheit der Frauen und ermöglichen ihnen, sich besser um ihre Kinder zu kümmern und ihnen eine bessere Erziehung angedeihen zu lassen. Wir tragen dazu bei, dass Familien und Gemeinden gesünder werden. Was kann man denn dagegen einzuwenden haben?

Es ist Zeit zu handeln. Alle zwei Minuten stirbt eine Frau an schwangerschaftsbedingten Komplikationen, 99 Prozent in Entwicklungsländern, insbesondere in ländlichen Gegenden. Trotz dieser Zahlen geht die internationale Unterstützung für Familienplanung weiter zurück. Zwischen 1995 und 2007 sanken die Zuwendungen für Familienplanungsprogramme um 65 Prozent – von 980 Millionen auf 340 Millionen Dollar.

Wenn 120 Millionen Frauen und Paare mehr als heute Zugang zu den Mitteln freiwilliger Familienplanung erhalten, werden im Jahr 2020 200.000 Frauen und Mädchen weniger an den Folgen der Schwangerschaft sterben und 50 Millionen Abtreibungen weniger durchgeführt werden.

Übersetzung: Holger Hutt

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12:55 10.07.2012
Geschrieben von

Ashley Judd | The Guardian

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