Niemand wollte es kommen sehen

Libyen-Flüchtlinge Die USA, England und Frankreich haben selbstherrlich beschlossen, Gaddafi loszuwerden. In Nordafrika wurden dadurch Zehntausende zu Flucht und Tod verurteilt
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Es gab eine irrsinnige Eile, mit der man in den Libyen-Krieg stürmte, als Großbritannien und andere plötzlich entschieden, dass Benghazi das neue Srebrenica zu werden drohe. Da verwundert es nicht, dass kein Gedanke an die scheinbar in keinem Zusammenhang damit stehende Frage der Migration in die EU verschwendet wurde. Doch das Gesetz der unbeabsichtigten Folgen ist erbarmungslos. Was als hehres Gefecht in einem weit entfernten Land begann, ist zu einem Kampf um Leben und Tod an den Touristenstränden Europas geworden. Und offenbar hat es niemand kommen sehen.

Gerade noch

Die Menschen, die bei diesem Krieg im Krieg sterben, sind keine Libyer, keine Gaddafi-Getreuen, keine Rebellen. Es sind nicht die Einwohner Lampedusas oder anderer italienischer und maltesischer Inseln.