Anonyme Mitglieder von Pussy Riot
07.02.2014 | 16:05 44

"Wir haben zwei Freundinnen verloren"

Pussy Riot Die beiden berühmtesten Frauen gehören nicht mehr dazu. Warum es zu dem Zerwürfnis mit Maria Aljochina und Nadeschda Tolokonnikowa kam, schreibt das Kollektiv hier

"Wir haben zwei Freundinnen verloren"

Maria Aljochina und Nadeschda Tolokonnikowa waren am Mittwoch als Special Guests beim großen Amnesty-International-Konzert als Pussy Riot angekündigt. Dabei ist ihre neue Arbeit mit den Grundsätzen der Gruppe nicht mehr vereinbar

Foto: Theo Wargo/ AFP/ Getty Images

Wir, die anonymen Mitglieder von Pussy Riot, möchten uns bei all den Leuten bedanken, die uns unterstützt haben. Jenen, die die Freilassung unserer Mitglieder gefordert haben, die mit uns mitgefühlt haben und unsere Überzeugung teilen. Wir sind euch allen sehr dankbar. Wir wissen den Beitrag jedes und jeder Einzelnen zur Pussy Riot Kampagne sehr zu schätzen und haben tiefen Respekt davor.

Unsere gemeinsamen Bemühungen waren nicht umsonst: Wladimir Putin musste sich dem Druck der internationalen Gemeinschaft beugen und Nadia und Masha freilassen. Deshalb war der 23. Dezember ein Freudentag für uns – der Tag der Befreiung der politischen Gefangenen und der Befreiung von Pussy Riot.

Aber der Straferlass bedeutet keinesfalls das Ende unserer Wünsche. Wir fordern wirkliche Gerechtigkeit: die vollständige Rücknahme des Urteils und das Eingeständnis, dass der gesamte Strafprozess gegen Pussy Riot nicht gerechtfertigt war. Wir hoffen, dass am 21. Februar die Gerechtigkeit wieder hergestellt wird – dem Jahrestag unserer provozierenden Performance in der Christ-Erlöser-Kathedrale mit dem Song „Mother of God, put Putin away!“

Wir sind sehr froh über die Freilassung von Masha und Nadia. Wir sind stolz auf ihren Widerstand gegen die Schauprozesse, denen sie sich aussetzen mussten, und auf ihre Entschlossenheit, unter allen Umständen den Kampf fortzusetzen, den sie während ihrer Zeit in den Straflagern begonnen haben. 

Bedauerlicherweise für uns, waren sie dort so sehr mit den Problemen russischer Gefängnisse beschäftigt, dass sie darüber die Bestrebungen und Ideale unserer Gruppe vollkommen vergessen haben – Feminismus, unabhängigen Widerstand, den Kampf gegen autoritäre Systeme und Personenkult. All die Dinge, die ihnen ihre unrechtmäßigeBestrafung eingebracht haben.

Es ist kein Geheimnis, dass Masha und Nadia kein Teil unserer Gruppe mehr sind und an unseren radikalen Aktionen nicht weiter teilnehmen werden. Sie engagieren sich jetzt in einem neuen Projekt, als institutionalisierte Verteidigerinnen von Häftlingsrechten. Aber diese Art der Vertretung ist mit radikalen politischen Statements und provokanten Kunstwerken kaum vereinbar – ebenso wenig wie Gender-Konformismus mit radikalem Feminismus vereinbar ist.

Das institutionalisierte Eintreten für andere kann es sich kaum erlauben, die fundamentalen Normen und Regeln zu kritisieren, die der modernen patriarchalen Gesellschaft zugrunde liegen. Als institutioneller Teil der Gesellschaft kann eine solche Interessenvertretung nicht mit dem Regelsystem der Gesellschaft brechen.

Ja, wir haben zwei Freundinnen verloren, zwei ideologische Teammitglieder, aber die Welt hat zwei starke Menschenrechtskämpferinnen gewonnen, die sich für die Rechte russischer Häftlinge einsetzen. Leider können wir ihnen nicht persönlich gratulieren, da sie den Kontakt mit uns verweigern. Aber wir verstehen ihre Entscheidung und wünschen ihnen auf diesem neuen Weg von Herzen alles Gute.

Im Moment werden wir Zeugen eines unfassbaren Widerspruchs: Obwohl Nadia und Masha im Fokus der Medien und der internationalen Gemeinschaft stehen und Heerscharen von Journalisten an ihren Lippen hängen, hört bisher niemand wirklich zu.

In fast jedem Interview wiederholen sie, dass sie die Gruppe verlassen haben, dass sie nicht mehr zu Pussy Riot gehören, dass sie in ihrem eigenen Namen handeln, dass sie an radikalen künstlerischen Aktivitäten nicht mehr teilnehmen. Trotzdem steht in den Schlagzeilen immer noch überall unser Gruppenname, alle öffentlichen Auftritte der beiden werden als Pussy Riot Performances dargestellt, und ihr persönlicher Rückzug aus der Gruppe wird als das Ende des gesamten Projekts behandelt. Damit wird die Tatsache ignoriert, dass vor der Kanzel der Christ-Erlöser-Kathedrale nicht zwei, sondern fünf Frauen in Balaklavas standen und dass an der Performance auf dem Roten Platz acht Frauen teilnahmen.

Der Höhepunkt dieses Missverständnisses war die Erklärung von Amnesty International, bei dem Erscheinen von Masha und Nadia im Barclays Center in New York handele es sich um den ersten legalen Auftritt von Pussy Riot. Hinzu kommt, dass das Poster von diesem Event nicht die Namen von Nadia und Masha zeigte, sondern ein Bild von einem Mann in Balaklava mit E-Gitarre unter dem Namen Pussy Riot, während die Organisatoren die Menschen geschickt zum Kauf teurer Tickets animierten.

All das steht in extremem Widerspruch zu den ureigensten Prinzipien des Pussy Riot Kollektivs: Wir sind ein komplett weibliches, autonomes Kollektiv – kein Mann kann uns repräsentieren. Weder auf einem Poster, noch in der Realität. Wir sind antikapitalistisch – wir fordern von niemandem Geld, um unsere Kunst zu sehen, alle unsere Videos werden im Netz kostenlos zur Verfügung gestellt, die Zuschauer unserer Performances sind spontane Spaziergänger und wir verkaufen nie Tickets für unsere „Shows“.

Unsere Performances sind immer illegal, werden nur an unvorhersehbaren Orten aufgeführt und nur an öffentlichen Orten, die nicht für traditionelle Unterhaltung vorgesehen sind. Die Verbreitung unserer Videos erfolgt immer über kostenlose und unzensierte Medienkanäle. Wir sind anonym, weil wir uns gegen jeden Personenkult wenden und gegen Hierarchien, die durch Erscheinung, Alter und andere sichtbare soziale Attribute entstehen. Wir bedecken unsere Köpfe, weil wir gegen die Idee sind, mit weiblichen Gesichtern als Markenzeichen für irgendwelche Waren oder Dienstleistungen zu werben.

Die Vermischung des rebellischen Feminismus-Punk-Images mit der institutionalisierten Unterstützung für Häftlingsrechte schadet uns als Kollektiv und schadet auch der neuen Rolle, die Nadia und Masha übernommen haben.

Hört endlich auf sie!

Da sich Nadia und Masha entschieden haben, nicht mehr bei uns zu sein, bitten wir darum, ihre Entscheidung zu respektieren. Merkt euch: wir sind nicht mehr Nadia und Masha, sie sind nicht mehr Pussy Riot. Die Kampagne „Free Pussy Riot“ ist vorbei. Wir als Kunstkollektiv haben das moralische Recht, unsere künstlerische Praxis, unseren Namen und unsere äußerliche Identität zu bewahren und uns von anderen Organisationen abzugrenzen.  

Die anonymen Mitglieder von Pussy Riot: Garadja, Fara, Shaiba, Cat, Seraphima und Schumacher

Kommentare (44)

JR's China Blog 07.02.2014 | 17:47

Ja, wir haben zwei Freundinnen verloren, zwei ideologische Teammitglieder, aber die Welt hat zwei starke Menschenrechtskämpferinnen gewonnen, die sich für die Rechte russischer Häftlinge einsetzen.

Macht schweißt zusammen. Opposition ist sich üblicherweise uneins. Es ist gut, wenn Oppositionelle das von vornherein akzeptieren, ohne Differenzen unnötig eskalieren zu lassen.

30sec 07.02.2014 | 18:57

Der Name Pussy Riot ist am Medienmarkt eingeführt, lässt sich in der englischverstehenden Welt besser verwerten als Maria Aljochina oder Nadeschda Tolokonnikowa.
So sehr sich die übriggebliebenen Frauen der Gruppe dagegen sträuben mögen, die Verwertungsmaschinerie des weltweit herrschenden Kapitalismus wird, solange es nützlich erscheint, den Namen für die bekannten Gesichter beibehalten und höchstens ein Ex davor setzen. Auch die sogenannten NGOs sind in die Maschinerie eingebunden.
Dennoch: Gutes Gelingen für die nächsten Aktionen!

Avatar
Ehemaliger Nutzer 07.02.2014 | 19:29

Ich schlage vor, ihr geht allesamt in die USA. Schiebt euch da öffentlich Hühnchen in die Körperöffnungen, macht da öffentlichen Gruppensex und stürmt in Kirchen, Moscheen und Synagogen, um das euer Gekreische aufzuführen!

Spätestens nach der ersten Verhaftung werdet ihr sehen, wie gut es euch in Russland ging.

Josef Knecht 08.02.2014 | 10:29

In der Mainstreampresse gibt es eine sehr tendenziöse Berichterstattung. PussyRiot wird dort oftmals als Punk-Band dargestellt die lediglich mit ihren "Kunstaktionen" gegen Putin als Präsident und sein Führungstil stellungbeziehen wollen. Politischer Punk hat in meiner Erinnerung doch eher die Attitüde einen Staat und deraritge Konstrukte als solches in Abzulehnen und für anarchistische sprich eigenverantwortliches Handeln einzutreten. Von daher sehe ich die Gruppe kaum als Punk-Band an. "Wir sind ein komplett weibliches, autonomes Kollektiv – kein Mann kann uns repräsentieren." heißt es in der Selbstbeschreibung. !ich rufe nach der "Quote"... . Aber im ernst, das ist Sexismus pur, nur eben von der anderen Seite. Ein anderer Aspekt im Zuge der Gerichtsverhandlung um die Kirchenstörung permanent ausgblenetet wird, das dies Deutschland ebenfalls mit bis zu 3 Jahren Gefängniss oder entsprechener Geldstrafe geahndet werden kann. Der Kirchenkritische Berliner Andreas Roy hat vor einigen Jahren auch immerhin 17 Monate Gefängnisstrafe aufgebrummt bekommen. Dann ist Pussy-Riot auch ein extrem gutes Beispiel wie "KUNST" als Wirkmittel eingesetz wird um Druck auf den politischen Gegner zu erzeugen. In dem Fall USA gegen Russland. Wie im Kalten Krieg, nur mit anderen Mitteln. Das einsetzen von "Kunst" als politische Waffe kann man u.a. bei der Biennale erkennen. Der Grad der Instrumetalierung und Einflussnahme durch höhre Interessensgeber erscheint mir sehr hoch. Die Infiltration der Kunstszene mit Geheimdienstmitarbeitern liegt meiner Meinung nach auf der Hand. Die hohe internationale Mobilität und hohe Interkommunikation bei potenziell hoher Aussenwirkung macht die Kunstszene zu einem Idealen Spielball der Mächte. Und nicht zuletzt gilt dort, "wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing" - es ist ein leichtes die "richtigen" Projekte bzw, Projketmitglieder zu Finanzieren. Von daher versuche von ich Kunst die Institutionalisiert und Politisch ist, größtmöglichen Abstand zu gewinnen, auch wenn ich manchmal knietief mittendrin Stecke.

Josef Knecht 08.02.2014 | 10:32

In der Mainstreampresse gibt es eine sehr tendenziöse Berichterstattung. PussyRiot wird dort oftmals als Punk-Band dargestellt die lediglich mit ihren "Kunstaktionen" gegen Putin als Präsident und sein Führungstil stellungbeziehen wollen. Politischer Punk hat in meiner Erinnerung doch eher die Attitüde einen Staat und deraritge Konstrukte als solches in Abzulehnen und für anarchistische sprich eigenverantwortliches Handeln einzutreten. Von daher sehe ich die Gruppe kaum als Punk-Band an. "Wir sind ein komplett weibliches, autonomes Kollektiv – kein Mann kann uns repräsentieren." heißt es in der Selbstbeschreibung. !ich rufe nach der "Quote"... . Aber im ernst, das ist Sexismus pur, nur eben von der anderen Seite. Ein anderer Aspekt im Zuge der Gerichtsverhandlung um die Kirchenstörung permanent ausgblenetet wird, das dies Deutschland ebenfalls mit bis zu 3 Jahren Gefängniss oder entsprechener Geldstrafe geahndet werden kann. Der Kirchenkritische Berliner Andreas Roy hat vor einigen Jahren auch immerhin 17 Monate Gefängnisstrafe aufgebrummt bekommen. Dann ist Pussy-Riot auch ein extrem gutes Beispiel wie "KUNST" als Wirkmittel eingesetz wird um Druck auf den politischen Gegner zu erzeugen. In dem Fall USA gegen Russland. Wie im Kalten Krieg, nur mit anderen Mitteln. Das einsetzen von "Kunst" als politische Waffe kann man u.a. bei der Biennale erkennen. Der Grad der Instrumetalierung und Einflussnahme durch höhre Interessensgeber erscheint mir sehr hoch. Die Infiltration der Kunstszene mit Geheimdienstmitarbeitern liegt meiner Meinung nach auf der Hand. Die hohe internationale Mobilität und hohe Interkommunikation bei potenziell hoher Aussenwirkung macht die Kunstszene zu einem Idealen Spielball der Mächte. Und nicht zuletzt gilt dort, "wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing" - es ist ein leichtes die "richtigen" Projekte bzw, Projketmitglieder zu Finanzieren. Von daher versuche von ich Kunst die Institutionalisiert und Politisch ist, größtmöglichen Abstand zu gewinnen, auch wenn ich manchmal knietief mittendrin Stecke.

Josef Knecht 08.02.2014 | 10:34

In der Mainstreampresse gibt es eine sehr tendenziöse Berichterstattung. PussyRiot wird dort oftmals als Punk-Band dargestellt die lediglich mit ihren "Kunstaktionen" gegen Putin als Präsident und sein Führungstil stellungbeziehen wollen. Politischer Punk hat in meiner Erinnerung doch eher die Attitüde einen Staat und deraritge Konstrukte als solches in Abzulehnen und für anarchistische sprich eigenverantwortliches Handeln einzutreten. Von daher sehe ich die Gruppe kaum als Punk-Band an. "Wir sind ein komplett weibliches, autonomes Kollektiv – kein Mann kann uns repräsentieren." heißt es in der Selbstbeschreibung. !ich rufe nach der "Quote"... . Aber im ernst, das ist Sexismus pur, nur eben von der anderen Seite. Ein anderer Aspekt im Zuge der Gerichtsverhandlung um die Kirchenstörung permanent ausgblenetet wird, das dies Deutschland ebenfalls mit bis zu 3 Jahren Gefängniss oder entsprechener Geldstrafe geahndet werden kann. Der Kirchenkritische Berliner Andreas Roy hat vor einigen Jahren auch immerhin 17 Monate Gefängnisstrafe aufgebrummt bekommen. Dann ist Pussy-Riot auch ein extrem gutes Beispiel wie "KUNST" als Wirkmittel eingesetz wird um Druck auf den politischen Gegner zu erzeugen. In dem Fall USA gegen Russland. Wie im Kalten Krieg, nur mit anderen Mitteln. Das einsetzen von "Kunst" als politische Waffe kann man u.a. bei der Biennale erkennen. Der Grad der Instrumetalierung und Einflussnahme durch höhre Interessensgeber erscheint mir sehr hoch. Die Infiltration der Kunstszene mit Geheimdienstmitarbeitern liegt meiner Meinung nach auf der Hand. Die hohe internationale Mobilität und hohe Interkommunikation bei potenziell hoher Aussenwirkung macht die Kunstszene zu einem Idealen Spielball der Mächte. Und nicht zuletzt gilt dort, "wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing" - es ist ein leichtes die "richtigen" Projekte bzw, Projketmitglieder zu Finanzieren. Von daher versuche von ich Kunst die Institutionalisiert und Politisch ist, größtmöglichen Abstand zu gewinnen, auch wenn ich manchmal knietief mittendrin Stecke.

berlino1010 08.02.2014 | 12:26

Was die Medien und auch der Brief der Pussy Riot uns vorenthalten ist, dass Nadia Tolokonnikowa ihre Aktion in der Christ-Erlöser-Kathedrale öffentlich im Russischen Fernsehen mehrfach als Fehler bezeichnet hat, sich bei den Gläubigen für die Verletzung ihrer Gefühle entschuldigt hat und bei einem Treffen mit der Kirche versprochen hat, keine solchen Aktionen mehr in Gotteshäusern stattfinden zu lassen.

30sec 08.02.2014 | 13:00

Mir ist klar, dass Pussy Riots "Aktionskunst" in Russland, insbesondere bei den Kirchen und deren Anhängern, nicht nur keine Anerkennung, sondern im Gegenteil Ablehnung bis blanken Hass weckt. Mag sein, das Differenzen über weitere derartige Aktionen zur Trennung geführt haben. Auch weiß ich, dass die mediale Rezeption im Westen nur einen Protest gegen Putin erkennen will und das genüsslich auswalzt, während derartige "Kunst" in der westlichen Wertegemeinschaft aufgeführt, ebenso auf Unverständnis und Ablehnung stieße.
Dennoch halte ich Protest gegen herrschende Zustände - auch in gewöhnungsbedürftigen Aktionskunstformen - für legitim und notwendig.

SchrittmacherM 08.02.2014 | 14:47

Zitat:

"Unsere gemeinsamen Bemühungen waren nicht umsonst: Wladimir Putin musste sich dem Druck der internationalen Gemeinschaft beugen und Nadia und Masha freilassen."

-> Leider war der Druck weder der internationalen Gemeinschaft noch der russischen auslösende Ursache zur Beugung Putins vor der Welt. Wer das sagt, hat leider keine Ahnung von den Bedingungen und posaunt viel naiven Blödsinn in die Welt.

Das Gegenteil ist der Fall: Ein gewisser Druck auf die verhältnisse und somit auf Putin ist weggefallen, weshalb die strickte Sanktionierung nicht mehr notwendig war. Das betraf auch die vielen anderen Freigekommenen dieser jüngsten Amnestie.

Aber niemand wundert sich, warum hunderte, vielleicht tausende jahrelang, jahrzehnte lang weggesperrt sind, oder anders sanktioniert, die mediale Öffentlichkeit schon gar nicht mehr über diese spricht, aber plötzlich sei es der nationale/internationale Druck gwesen, der dazu führte?

Mannoman....

Das Glück liegt eben leider in der Unwissenheit. Der Dumme ist also nicht der Dumme, sondern der Glückliche. Wir reden uns die Welt schön - egal, ob was dran ist. Pipi Langstrumpf und wie die Welt ihr gefällt....

Im Glauben an seine "Visionen" liegt die Schönheit des Lebens - und daran, dass es viele andere mit ihnen glaben - woran normalerweise kein Zweifel besteht, dass es viele andere tun.

Das die beiden Frauen und auch der Oligarch im Gefängnis einer Art Gehirnwäsche unterzogen wurden, will auch keiner Wahrh haben. Und diese Gehirnwäsche war auch der Grund, warum sie erstens jetzt völlig anders sind und weiter, dass etwa die ukrainische Revolution inzwischen scheinbar nur dadurch aufrecht erhalten werden kann, wenn rechte Gruppierungen sie unterstützen oder sie sich nach rechts bewegen. Gleiches Muster gabs ja auch bei den syrischen Rebellen, die inzwischen ja auch mehrheitlich Islamisten sein sollen.

Was zukünftig aus Femen wird, darf uns noch mal überraschen.

Wenn das also in der Urkaine nicht kläglich im Sande verlaufen soll, muß bald was passieren.

Und glaubt nicht, dass die EU oder deutsche Politik wirklich konkret Interesse haben, dort tatsächlich Unterstützung zu leisten. Man hat halt eben noch ganz andere Sachen zu tun und die Sache da im Osten ist zu heiss (ja, wegen Putin wieder mal). Heisst: das scheint wirklich drittrangig zu sein - der Ausgang der poltitischen Auseinandersetzungen dort. Die Ursache befindet sich in den Nebenwirkungen bestimmter Bedingungen und ihrer Folgen.

Weil das zu kompliziert ist und auch unangenehm, was da an Wahrheit durchblitzen würde, sind naive Visionen, wie oben natürlich gerne gesehen und bilden die Rechtfertigung zum Nichtstun.

Ich kann mich kaum beruhigen.

Was Putin und Russland betrifft, dem empfehle ich dem Berliner Russen Kamina seine Aussage: Pupertäre darf man nicht alleine lassen, man muß mit ihnen reden. (was etwa auch auf den Olympia-Boykott gemünzt war...).

Hier in Deutschland hat gleichzeitig mit den Aufruhr in Nordafrika, im Nahen Osten und Osteuropa ein Mensch auch sehr gelitten. Warum das so ist, könnt ihr euch wahrscheinlich nicht vorstellen. Deswegen schweig ich.

Das ganze Weltbild solcher naiven Aussagen oben ist mir zu "Links"(hemisphärisch) und sublimierend bedingt.

Ich könnt den ganzenTag heulen und kotzen, wenn ich diese Welt am Langstrumpfsyndrom leiden sehe. Mir ist aber keine andere Welt verfügbar.

berlino1010 08.02.2014 | 19:07

Vielleicht sollten sie sich ein bisschen mit Fakten abkühlen, damit es mit der Aufregung und dem Denken wieder besser wird.

Die Amnestie der Duma vom Dezember 2013 betraf alle Gefangenen und nicht nur die wenigen Dutzend sog. Polit. Häftlinge:

„Unter den bezeichneten Gruppen sind Personen, die Verbrechen als Minderjährige begangen haben, Frauen mit minderjährigen Kindern, Schwangere, Frauen über 55 und Männer über 60, Schwerbehinderte ...", heißt es im Erklärungsschreiben zum Text des Gesetzentwurfs.
Sie alle werden nur freigelassen, wenn es ihre erste Straftat war und die Haftstrafe dem Urteil nach fünf Jahre nicht überschreitet.

Zu Syrien empfehle ich Gabriele Krone-Schmalz:

http://www.cicero.de/weltbuehne/warum-wir-russland-unrecht-tun/48249

Avatar
Ehemaliger Nutzer 08.02.2014 | 23:37

beschriebene weibliche sekundäre und öffentlich zurschau gestellte geschlechtsmerkmale zu politik erklären zu wollen, das ist nicht nur ein starkes stück, bedenkt man, wer die pussy riots finanziert.

und da wird die öffentliche berichterstattung insgesamt recht dünn: bei der frage nämlich wer das tittengehampele zu politik zu finanzieren gedenkt.

Grundgütiger 09.02.2014 | 10:26

Kommt auf den Browser an. Beim Firefox, meiner, dreht sich links über der Adressleiste ein Kringel, bis die Übertragung abgeschlossen ist. Dann erscheint das Freitagslogo, fertig.

Was ein wenig dauert, da der Server offensichtlich ein Prüfprogramm ausführt, wegen der Viren usw.

Also, warten bis es nicht mehr kringelt, und sieht man ihn schon, den Beitrag, der die Welt zum Nachdenken brachte.

janto ban 09.02.2014 | 11:19

|| ebenso wenig wie Gender-Konformismus mit radikalem Feminismus vereinbar ist ||

Ich glaube langsam, dass ich nie verstehen werde, wie (radikaler) Feminismus ohne "Gender-Konformismus" funktionieren könnte. Falls sich jemand imstande fühlt, bekäme ich das gern noch einmal erklärt.

Mein Stand: Es gibt Frauen, aber keine Geschlechter. An meinem Stand kann also irgendwas nicht ganz stimmen. Radikaler Maskulinismus kommt mit "Gender-Konformismus" nämlich erstaunlich gut klar, wie mir scheint. Aber da scheint mir was falsch zu scheinen, wie es scheint..

carolus 09.02.2014 | 11:25

Tja lieber Schrittmacher,

man könnte heulen, während in Sotschi gefeiert wird und Pussy Riots sich um das Urheberrecht zanken…

Was ist das Langstrumpfsyndrom? Hilft uns das Jammern? Das Empören? Ja es gab einen kurzen Aufschrei als Stéphane Hessel sein aufrüttelndes Essay in die Welt setzte. Und es wäre schon ein Gewinn, wenn man sich gemeinsam empören, gegen etwas wenden würde, wenn man gemeinsam solidarisch gegen das vorgeht, was man als Unrecht empfindet. Es sind viele, die mit dem putinschen Despotismus nicht einverstanden sind, welche die „Weihnachtsgeschenke“ (Chodorowski und Co.) als Beruhigungspillen sehen. Doch was nutzt all das larmoyante Spekulieren, wenn man sich nicht einig darüber ist, dass sich für die Menschen z.B. in Russland, in der Ukraine, in Syrien etwas ändern muss? Wer ist „man“? Was ist unsere Rolle, unsere Verantwortung für das Schicksal von Unterdrückten, nicht nur in den genannten Ländern?

Putin, Janukowitsch, Assad etc. sie deklarieren ihr Tun als „innere Angelegenheit“, es geht uns deutsche Lamentierer nichts an, so wie wir uns von unseren Nachbarn nicht sagen lassen, wie wir unsere Kinder zu behandeln haben…oder?

Das Dilemma ist in der Tat das Staatsrecht, die Autonomie von anerkannten Nationalstaaten, die nicht danach fragt, wer da gerade regiert. Das verzweifelte Klagen ohnmächtiger Nachbarn hört erst auf, wenn wir uns in erster Linie als solidarische Menschheit verstehen und nicht als nationale Bürger, die nur „zu Hause“ was zu sagen haben. Dann ist es auch unsere Angelegenheit, wenn es in Russland oder in Syrien nicht mit rechten Dingen zugeht. Dann können wir von „unserem Weltstaat“ verlangen, dass er einschreitet, so wie das jetzt in einem nationalen Rechtsstaat eine Selbstverständlichkeit sein sollte.

Ich denke, wir müssen die Lösung für solche Problem konstruktiv in dem „großen Wir“, in einem Weltrechtssaat suchen. Wenn es beim Nationalstaatsverständnis bleibt, werden noch unsere Enkel über Putins und Pussy Riots jammern…

Es gibt aber auch positive Visionen, die motivieren könnten, z.B. auf glocalis.de…

d.h. schaumamal, ob andere Welten verfügbar sind

Herzlichst

Carolus

zephyr 09.02.2014 | 12:33

"Pussy Riot" ist eine öffentliche und internationale Marke geworden. Sie steht als solche allen zur Verfügung. Die Kampagne "Free Pussy Riot" hat das oben geschilderte Anliegen/Ziel und die oben geschilderten Ansprüche an nicht-institutionalierten, anarchischen Widerstand ad absurdum geführt. Diese Entwicklung scheint mir nicht umkehrbar.

Das ist eine schlechte Nachricht für die Frauen des Ursprungskollektivs.

SchrittmacherM 09.02.2014 | 16:29

Dass die Amnestie "alle" Gefangenen betraf, die... (s.o.) schliesst meine Perspektive aus das Problem nicht aus. Da brauch ich auch nicht besondres viel drüber Fakten sammeln.

Das mit Syrien will ich mir jetzt nicht antun. Vielleicht erleichterst du mir denZugang deiner Fakten bezüglich des Buches etwas, indem du es einfach kurz beschreibst?

Ich habs jetzt doch gelesen. Aber nicht so recht entschlüsselt, was du gemeint hast.

Das sich ein Volk manchmal mehr darüber einig ist, was es nicht will, als was es will, ist allzu menschlich. Passt umso mehr zu der sogenannten "russischen" Seele", die so groß ist, wie das Land weit (und kalt im Winter).

Die Probleme der Demokratisierung im Schnelldurchlauf sind bekannt. Was soll man machen; auch Naturkatastrophen sollenja Menschgemacht sein, aber kommen trotzdem unverhofft - und man kann auch nicht sagen: Moment mal, wir sind noch nicht so weit; warte noch ein bischen.

Ich habe keine Ahnung, was Russland für ein Problem hat, wenn es in die restliche Welt hinausschaut. Für mich gibt es fast kein Land auf dieser Welt, welches bessere Aussichten auf eine Zukunft hat - egal, welcherart Politik um es herum so gibt. Alle ehemals vergleichbaren "Brüderstaaten" hat es entweder demokratisiert oder wie China auf einen Weg des Ausbrennens, des ruhelosen Hastens gebracht. Einzig die Tendenz, dass Russland wegen solchem Verlangsamen will, ist hier verständlich. Ansonsten braucht es keine Angst um seinen Bestand und seiner Zukunft zu haben.

Oder sehe ich das falsch? Argumente gibts ja immer.

Aber das Blöde scheint zu sein, dass westliche Politik nochviel mehr von Ideologie und Medienresonanz abhängig ist, was ein entspanntes Herranwagen an Russland im Sinne von Gemeinsames wenigstens gemeinsam leben, nicht möglich scheint. Ach ne, da findet ja gerade Olympia statt. Mehr gemeinsames kann es frei nach Philosophie des 20. Jahrhunderts nicht geben - also ein neuer Höhepunkt?! Das ist das Blöde am Politischen des 20. Jahrhunderts. Die Vereinnahmung allen Unverdächtigen, wie es gerade passt. Aber es geht scheinbar nicht anders, weil eben auch im Westen erst der Kopf gewaschen werden muß, bevor der Blick freier wird. Meint: Weil westliche Politik ein Herdentrieb ist, kann kein Politiker anders, als die Massen können/wollen. Hier dreht sich das freiheitlich demokratische Ideal in seine schlechte Wirkung um.

Da ist angesichts eines autokratischen Herrschsystems, wie in Russland schlecht zu erklären, dass Russland schlecht regiert wird. Soweit habe ich den Artikel schon verstanden.

SchrittmacherM 09.02.2014 | 17:08

Was ist das Langstrumpfsyndrom?

Das verhalten, sich die Welt hinzudenken, wie sie einem gefällt. Und zwar in von der Langstrumpf gewohnter unkritischer Version.

Nun, es brauchte wohl ein Statement zum Status Quo. Und sie haben sicher gekämpft. Auch international wurde verhältnismäßigkeit angezweifelt. Aber der festgestellte Zusammenhang stimmt halt nicht.

Ansonsten ist sich die Welt denken, wie sie einem gefällt, aber keine verbotene Sache. Das gilt aber für Utopien, nicht für vergngene Abläufe, die man nicht versteht.

Das mit der Gemeinschaft ist grandios gesagt. Natinale Grenzen, Ideologien, Längengrade, nichts trennt uns letztlich so sehr, dass wir nichts mehr gemeinsam hätten. Vor allem Russland. Deswegen kapier ichs nicht, was es soll, dass man sich über UNO und Nato zankt und über dritte Nationen.

Konstruktiv wäre, wenn nächstes Jahr das Russlandurlaubsjahr ausgerufen würde, sodass der Westen das Land einfach überrennen würd - mit Dollars, Euros und Staunen über ein Land, das voller Möglichkeiten steckt - mehr eben noch, als jedes andere dieser Welt. Tourismus-Terror zur Völkerverständigung. Da finden die MEnschen schon von allein zueinander.

Aber das mit der solidarischen Menschheit ist noch unklar, wie das geht. Ich habe da so eine abgrundtiefe Ahnung. Mir jedenfalls ist derzeit jeder Mensch zuviel in der Nachbarschaft - zuviel negatives erfahren - das schreckt ab.

Lethe 09.02.2014 | 17:29

möglicherweise bin ich auch einfach nur unwissend, aber ich finde es durchaus bemerkenswert, dass diese anonymen Mitglieder von Pussy Riot ein derart fehlerarmes Deutsch schreiben können, wie kaum ein Deutscher selbst. Und auch, dass sie es sich ein Anliegen sein lassen, ihre Haltung in einem subalternen deutschen Szene-Blog, das keine größere Öffentlichkeit erreicht, so darzulegen.

Was Aljochina und Tolokonnikowa betrifft, da hat Aljochina das Pech, dass sie zwar recht hübsch ist, aber doch nicht diese eloquent-leidende Erotik zum Ausdruck bringt, wie sie der Tolokonnikowa zu eigen ist, deren Modellgesicht und -maße wohl die im Sinne deutscher Großmedien wichtigsten Kernkompetenzen darstellen, so dass selbstverständlich ihre - Tolokonnikowas - Äußerungen als Offenbarungen der absoluten Wahrheit zu gelten haben, vor allem der Teil, der sich mit den in Bezug auf Putin und die gesellschafltiche Lage Russlands vertretenen Positionen deutscher Großmedien in Einklang bringen lässt.

carolus 09.02.2014 | 21:32

Da ist einer bei Schopenhauer gelandet. Sieh nach bei den "Stachelschweinen". Klar gibt es Nachbarn, mit denen man lieber nichts zu tun hat, aber wer wird sich denn davon das Leben vermiesen und solidarisches Engagement abbaggern lassen? Immerhin hat da einer noch das Bedürfnis den Russen zu helfen. ich fürchte nur - bei aller Originalität - dass es der kollektive Russlandurlaub nicht bringen wird. Nein wir müssen an unser Staatensystem ran. Staaten lassen Despoten zu, Urlaube verhindern sie nicht.

Es gibt Visionen, mit denen es sich zu beschäftigen lohnt.

herzlichst

Carolus

SchrittmacherM 09.02.2014 | 21:59

Beim Menschen sind ja die Stacheln nur Übertragung von der neuronalen Grundlage. Aber sie sind halt da. Weswegen ich da was von einer Ahnung geschrieben habe. Dabei spielt übrigens der Längengrad eine Rolle.

Dazu noch diese Frage:

Wäre es angemessen, den Stachelschweinen die Stacheln brachial und ungefragt zu ziehen, damit die sich doch noch "wärmen" können? Nein.

Die menschlichen Stachel haben auch nichts mit nationalen Grenzen und nur über Umwege mit Ideologien zu tun.

Nein, Urlaube verhindern das nicht. Aber sie sind Reibungsfläche, aus der mehr entstehen kann.

apatit 11.02.2014 | 09:34

Zwei Sachen möchte ich loswerden!

(1)Bin mir noch nicht ganz sicher ob die Damen so viel Berufs und Lebenserfahrung haben um mitzubekommen, dass sie politisch missbraucht werden - und nicht von Putin!

(2)Reiht sich ein in Maßnahmen, zur Destabilisierung der Ukraine. “ US Spezialisten“ weisen darauf hin, dass die militärische Einbindung der Ukraine in die EU und ihre Loslösung von Russland, strategisch hohe Bedeutung besitzt – ohne die Ukraine sei Russland nicht zu verteidigen…? Wer Kiew hat, kann Russland knebeln schon wegen den Hafen am Schwarzen Meer und wegen des Volksaufstandes noch ein Gedanke, die Nazipartei “Swoboda“ in der Ukraine ist ein Bündnispartnervon “Udar“ – Klitschkos Partei nur ganz nebenbei bemerkt. Leute es geht wieder mal um Interessen und zwar um westliche und um verlogene Doppelmoral!

apatit 11.02.2014 | 09:43

"Der Herr Gauck hat ja schon Vorschläge gemacht." Stimmt und Herr Todenhöfer hat geantwortet!!!

Jürgen Todenhöfer – Offener Brief an Joachim Gauck http://www.lokalkompass.de/resources/mediadb/2014/02/05/2116260_preview.jpg?1391617683­ (Foto: Jürgen Todenhöfer) Ich dokumentiere hier einen offenen Brief des bekannten Publizisten und Friedensaktivisten Jürgen Todenhöfer an den Bundespräsidenten:

LIEBER HERR BUNDESPRÄSIDENT, Sie fordern, dass Deutschland mehr Verantwortung in der Welt übernimmt. Auch militärisch. Wissen Sie wirklich, wovon Sie reden? Ich bezweifle es und habe daher vier Vorschläge:

1.Ein Besuch im syrischen Aleppo oder in Homs. Damit Sie einmal persönlich erleben, was Krieg bedeutet.
2.Vier Wochen Patrouillenfahrt mit unseren Soldaten in afghanischen Kampfgebieten. Sie dürfen auch Ihre Kinder oder Enkel schicken.
3.Ein Besuch eines Krankenhauses in Pakistan, Somalia oder im Yemen – bei unschuldigen Opfern amerikanischer Drohnenangriffe.
4.Ein Besuch des deutschen Soldatenfriedhofes El Alamein in Ägypten. Dort liegen seit 70 Jahren 4.800 deutsche Soldaten begraben. Manche waren erst 17. Kein Bundespräsident hat sie je besucht.

Nach unserem Grundgesetz haben Sie “dem Frieden zu dienen”. Angriffskriege sind nach Artikel 26 verfassungswidrig und strafbar. Krieg ist grundsätzlich nur zur Verteidigung zulässig. Sagen Sie jetzt nicht, unsere Sicherheit werde auch in Afrika verteidigt. So etwas ähnliches hatten wir schon mal. 100.000 Afghanen haben diesen Unsinn mit dem Leben bezahlt.
Wie kommt es, dass ausgerechnet Sie als Bundespräsident nach all den Kriegstragödien unseres Landes schon wieder deutsche Militäreinsätze fordern? Es stimmt, wir müssen mehr Verantwortung in der Welt übernehmen. Aber doch nicht für Kriege, sondern für den Frieden! Als ehrlicher Makler. Das sollte unsere Rolle sein. Und auch Ihre.
Ihr Jürgen Todenhöfer

PS: Mir ist ein Präsident lieber, der sich auf dem Oktoberfest von Freunden einladen läßt, als einer der schon wieder deutsche Soldaten ins Feuer schicken will. Von seinem sicheren Büro aus. Fast bekomme ich Sehnsucht nach Wulff. Der wollte Menschen integrieren, nicht erschlagen.
Quelle: Jürgen Todenhöfer

Avatar
Ehemaliger Nutzer 12.02.2014 | 02:38

Was man immer wieder vergißt: Pussy Riot wirkt wie ein politisches Projekt, von dem niemand wissen will, wer dieses Projekt finanziert.

Man muß kein Putin-Kostgänger sein, um das zu kapieren.

Ein paar Popen auf die Tiara zu pinkeln ist jedenfalls keine Politik.

Politik indes ist es, wenn die Berlinale dafür eingespannt werden soll, wie es aussieht.

Pussy Riot hat nicht nur zwei Freundinnen verloren, sondern ihre/seine politische Glaubwürdigkeit.

So gesehen hatte Putin Recht, die Mädels dahin laufen zu lassen wo sie hinwollten.

Oberham 12.02.2014 | 10:33

.... bis auf die Einschätzung Putin hätte sich irgend einem Druck gebeugt, finde ich die Gruppe sehr sympathisch - in der Tat, man muss gegen die Kommerzialisierung von alles und jedem kämpfen - wobei sie aufpassen müssen, hier nicht plötzlich dem Feminismus ein Label zu verpassen, das wiederrum kommerzialisiert wird - ja - eigentlich schon zu spät, Pussy Riot wurde schon okkupiert - sie haben ihre anarchistische, freie Benennung leider an das Kapital verloren.

So ein Statement verwirrt augenscheinlich die Mainstreamgehirne doch ungemein - sie wollen die Welt dahinter nicht begreiffen.

Bitte macht weiter, bekämpft die Eitelkeit, die Gier und seht nicht in jedem Mann einen Gendergegenpol im Spiel um Macht und Ohnmacht - das Gewinner/Verliererspiel gilt es zu entlarven - die Genderproblematik verwischt hier nur die Konturen.

Görlitz 12.02.2014 | 16:12

Es gibt ein schönes und wenig beachtetes Interview mit der Voina Gruppe hier zu finden: http://rebelart.net/interview-voina-gruppe/0013639/

Fast alles, was sie schreiben, ist natürlich auf russisch und ich kenne kaum Übersetzungen. Die meisten Mitglieder von Pussy Riot kommen aus dieser Künstlergruppe und sind da wahrscheinlich immer noch Mitglied.

Der vielleicht exemplarischste Satz dieses Interviews:

Our art tells without words everything that we want to say.

SchrittmacherM 15.02.2014 | 12:27

Ich hab die Frage dummerweise schon selbst beantwortet. Es wäre aber interessant zu erfahren, was du über das Ziehen der Stacheln denkst.

Ist es recht und billig, dem Stacheltier ungefragt seine Stacheln zu ziehen, nur, weil es dann möglicherweise sich gegenseitig wärmen kann? Ist das altruistisch? Wieweit ist das im eigenen Sinne derer, die die Stacheln ziehen wollen und somit Selbstgefällig und egoistisch?

Ansonsten ist hautnahes Kuscheln bei Stachelschweinen wohl evolutionär nicht artgerecht, weshalb jene das nicht als notwendiges Verhalten und Lösungsstrategie kennen.

SchrittmacherM 15.02.2014 | 12:59

Ans Staatensystem ran?

Wie soll das gehen?

Ich erinnere mal nostalgisch an deutsche Kleinstaaterei vor allem kaiserlichen Nationalismus. Eigendlich eine ideale Konstellation für das Subjekt, weil es sich niemals leichter einer regionalen Hoheit und deren Verhätlnisse entziehen konnte. Und alle sprachen die (annähernd) gleiche Sprache. Konkret war die Welt damals oberflächlich zweigeteilt - Katholisch und Protestantisch. Aber dahinter gab es durch die Kleinstaaterei eine Vielzahl Variablen - Unterschiede. Das lebt heute geradenoch ein wenig in der Länderhoheit im Bund weiter - nur sehr kümmerlich eben.

Das "Vereinen" in großen Gruppen (Staaten, Nationen) macht nur Sinn, wenn eine ungleiche Konkurnenzkonstellation besteht oder droht, die die Bündellung von Gemeinschaften als Reaktion darauf erforderlich erscheinen lässt. Das Zerstört in jedem Fall sogenannte "Vielfalt" und Variabilität.

Aber wie organisiert man in der modernen (post)industriellen Zeit, die ihre Bedürfnissse nur mit exorbitanten Aufwand befriedigt bekommt (Investitionen) in einer vielfältigen Kleinteiligkeit?

Wenn man Politik und Wirtschaft strickt voneinander trennt. Aber das geht gar nicht so einfach. Weil globale Wirtschaftsbewegungen dann einflußreichere Politik machen, als regionale Interessen.

Andererseits Politik sich auf seinen Einflußbereich (Geografisch) beschränken kann, ohne dass es einen Nachteil für bestimmte überregionale Gemeinsamkeiten bedeutet - in etwa Menschenrechte und Würdezuschreibungen. Gegenwärtig klingt das allerdings absurd - utopisch.

mundderwahrheit 16.02.2014 | 11:41

Ich finde, was die Damen getan habe war sehr infantil. Man soll die religiösen Gefühle von anderen respektieren. Wie hätte den Westen reagiert wenn in Sankt Peter in Rom die Damen ein Tänzchen veranstalten hätten?

Aber ich habe in der westlichen Welt billige Propaganda-Methoden gegen Feinden des Westens schon lange festgestellt. Egal was oder wie manche Gestalten getan haben, sie werden bei uns als Helden stilisiert, auch wenn sie das Gesetz gebrochen haben, und werden sogar mit Flugzeug geholt und von wichtige Politiker empfangen. Wenn Russland (Putin), Kuba, Venezuela, China zu schädigen kommt, ist alles erlaubt. Ich erinnere mich an die Dreckkampagne gegen Präsident Ahmadinejad vor einigen Jahren. Eine Iranerin, Frau Sakneh Ashtanni hat ihr Mann zusammen mit dem Liebhaber ermordet, aber bei uns wurde eine Kampagne gestartet und als Ikone stilisiert, Bilder von ihr waren überall zu sehen...angeblich musste sie gesteinigt werden...was nicht stimmte...über dem Mord so gut wie nicht gesprochen.

Die erbärmliche Propaganda die gegen Sotschi und Putin vor den Spielen von unserer Presse gestartet wurde ist noch sehr frisch.

mundderwahrheit