Ohne Bodyguards auf die Straße

Taslima Nasreen Seit zehn Jahren lebt sie im Exil. Nun lässt sich die in ihrer Heimat Bangladesh mit dem Tode bedrohte Schriftstellerin Taslima Nasreen in Paris nieder.

Mehr als ein Jahrzehnt nachdem sie ihr Heimatland Bangladesh wegen Todesdrohungen islamistischer Extremisten verlassen musste, stellt die Stadt Paris der preisgekrönten Schriftstellerin Taslima Nasreen das Haus eines Künstlers zur Verfügung. Nasreens eindeutige Haltung gegenüber der Frauenfeindlichkeit der konservativen muslimischen Gesellschaft Bangladeshs führte zu Protesten, Unruhen und Forderungen nach ihrer Verhaftung. Islamistische Extremisten setzten sogar eine Belohnung für denjenigen aus, der ihr den Kopf abhackt.

1994 wurde die frühere Ärztin aufgrund ihres Romans Schande der Blasphemie bezichtigt. In ihm beschreibt sie das Leben einer Hindufamilie und der Nachstellungen und Anfeindungen, die diese in der muslimischen Mehrheitsgesellschaft Bangladeshs erdulden muss. Das Buch wurde mit der Begründung verboten, es verletze die religiösen Gefühle von Muslimen.
Eine indische Zeitung zitierte sie mit den Worten, der Koran müsse neu geschrieben werden, da er „Frauen gegenüber ungerecht“ sei. Hierauf musste sie Bangladesh verlassen, obwohl sie die Bemerkung dementierte und erklärte, das Gesagte habe sich auf das islamische Recht der Sharia bezogen.

Paris verlieh ihr die Ehrenbürgerwürde

Nach Reisen durch Europa und die USA sowie einem Aufenthalt im indischen Exil, wo ihre Anwesenheit ebenfalls zu Drohungen und gewaltsamen Protesten führte, stellte sie vor sechs Wochen einen Antrag, sich in Paris niederlassen zu dürfen, wo sie ihr neues Zuhause nun voraussichtlich im kommenden Monat beziehen wird.

Ihr Schicksal wurde in Frankreich mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Im Juli des vergangenen Jahres erhielt sie die Ehrenbürgerschaft der Stadt Paris. Bürgermeister Bertrand Delanoe nannte sie eine Freiheitskämpferin und sagte: „Sie wurde aus ihrer Heimat vertrieben, weil Sie ihre Stimme gegen Unmenschlichkeit und Fanatismus erhoben haben. Jetzt sind Sie hier zuhause, wo die Menschen als Freie und Gleiche geboren werden und leben.“

Nasreen äußerte sich nicht zu ihrem Umzug, erklärte aber vor kurzem gegenüber dem Fernsehsender France 24, sie fühle sich in Paris sicher, weil sie sich hier ohne Leibwächter in den Straßen bewegen könne. Ihr Anliegen sei es nicht, den Islam grundsätzlich zu kritisieren, sondern die Rechte und Freiheiten von Frauen zu verteidigen. „Es geht mir darum, ein Bewusstsein herzustellen, ich möchte, dass Frauen Gerechtigkeit widerfährt, also bleibt mir nichts anderes übrig, als den Islam zu kritisieren, da der Islam Frauen unterdrückt. Ich kenne Millionen von Frauen, die aus religiösen und kulturellen Gründen gelitten haben und ich fühle mich in der Pflicht, etwas dagegen zu unternehmen.“

Hi Axel, der hier ist noch von gestern über, Gruß Holger

Übersetzung: Holger Hutt

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Ihre Freitag-Redaktion

18:35 08.01.2009
Geschrieben von

Angelique Chrisafis | The Guardian

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