Jeremy Leggett
09.07.2012 | 16:34 8

Peak Oil: Saudi Arabien mal sechs

Mythos George Monbiot sagt, die Höchstfördermenge sei noch nicht erreicht, doch die Krise ist nicht zu leugnen

Peak Oil: Saudi Arabien mal sechs

In Kalifornien wird noch eifrig gebohrt, doch der Boom in der Ölforderung ist wohl bald vorbei

Foto: Getty Images

Im Vorfeld der Kreditkrise von 2007 wurde vereinzelt davor gewarnt, dass der  Finanzsektor seine Anlagen völlig falsch eingeschätzt habe. Doch die Mehrheit der Branche hatte für so etwas nur Hohn und Spott übrig. Viele erklärten, sie hätten eine ganz neue Art von Anlagen erfunden –  hypothekarisch gesicherte Wertpapiere und mit diesen verwandte komplexe Derivate – diese stünden für eine vollständig neue Methode der Wertschöpfung.

Heute gibt es Warnungen, der Öl- und Gassektor habe seine Anlagen völlig falsch eingeschätzt. Die Branche spottet darüber und behauptet, sie hätte eine neue Art von Vorkommen erschlossen – unkonventionelles Öl und Gas – die neue, unvorhergesehene Straße zum Reichtum. Einige gehen so weit zu behaupten, Nordamerika sei auf dem Weg,  seinen Bedarf an Kohlenwasserstoff selbst decken zu können.  

Die erste Illusion hat sich als gefährliche Blase erwiesen, die noch fünf Jahre später die Weltwirtschaft bedroht. Was es mit der zweiten auf sich hat, werden wir in ein paar Jahren erfahren. Die von mir einberufene Taskforce der britischen Wirtschaft zu Peak Oil und Energiesicherheit ist eine von vielen, die spätestens 2015 einen weltweiten Rückgang der Ölproduktion vorhersagt. 

"Peak Oil Mythos"

Im Vorfeld der Kreditkrise haben die Kommentatoren das von der Branche vorgegebene Mantra in allen Medien nachgebetet. Im Vorfeld der Ölkrise geschieht das gleiche.  Sie brauchen nur einmal bei Google das Stichwort "Peak Oil Mythos" einzugeben. Vor kurzem trat George Monbiot dieser Gruppe mit einem Artikel  bei, der den Titel trug We were wrong about peak oil. There's enough to fry us all – wörtlich übersetzt so viel wie: Wir haben uns über peak oil getäuscht.

Schon im Titel steckt ein Missverständnis: Es gibt mehr als genug potenzielle Ölreserven unter der Erde, um die Klimakatastrophe hervorzubringen, von der er spricht. Bei Peak Oil geht es um etwas anderes. Der Begriff bezeichnet den Zeitpunkt, von dem ab die weltweite Fördermenge nie wieder das Niveau früherer Zeiten erreichen wird: eine Katastrophe, wenn der Rückgang eine ölabhängige Weltwirtschaft trifft. Dieser Rückgang hängt von den Fördermengen auf den Ölfeldern ab, nicht von der Menge des verbleibenden Öls. Jene, die Peak Oil für unvermeidlich halten, sorgen sich wegen des erwiesenen Umstands, dass die Ölindustrie nicht mehr lange in der Lage sein wird, für wachsende Fördermengen zu sorgen.

Meldeten im Vorfeld der Kreditkrise einige volkswirtschaftliche Querdenker und weitsichtige Finanzjournalisten Bedenken an, so verhält sich mit Peak Oil anders. Viele aus der Branche selbst klingen alarmiert. Jedes Jahr, wenn sich die Association for the Study of Peak Oil (ASPO) trifft, stehen jüngst in Rente gegangene Ölmänner Schlange, um die neueste Einschätzung über die falschen Berechnungen der Ölvorkommen abzugeben. Die jüngste Veranstaltung des ASPO fand erst vor ein wenigen Wochen in Wien statt.

Weniger Öl in wenigen Jahren

Es habe jüngst einen „Boom in der Ölförderung“ gegeben. Falsch. Die weltweite Förderung bewegt sich den Aussagen des Ex-Exxon-Beraters des amerikanischen Energieministeriums, Bob Hirsch, seit 2004 auf gleichbleibendem Niveau. Hirsch erwartet, dass der Rückgang in den nächsten ein bis vier Jahren einsetzen wird . Monbiot hat Recht, wenn er sagt, die Ölförderung sei in den Vereinigten Staaten in den vergangenen Jahren leicht angestiegen. Aber kann das so weitergehen, wie er unterstellt? Art Berman beschreibt, wie der Schieferöl-Goldrausch der vergangenen Jahre, der sich nun auf Ölschiefer ausweitet, sich gut und gerne als gewaltiges Schneeballsystem erweisen könnte: Die Fördermengen gehen unerwartet schnell zurück, was zur Folge hat, dass immer mehr zu immer höheren Kosten gebohrt werden und dafür immer mehr Geld geliehen werden muss und die Erträge dadurch immer weiter zurückgehen.
In Hinblick auf die hieraus resultierenden Katastrophen in den Bilanzen der Öl- und Gasunternehmen erwartet er, dass jeden Augenblick die ersten Unternehmen der Branche pleite gehen werden. Auch John Dizard hat schon in der Financial Times vor dieser Blase gewarnt.

Selbst wenn die Ölförderung in den Vereinigten Staaten wieder so weit ansteigen würde, dass das Land sich selbst versorgen könnte –  was ist dann mit der weltweiten Situation, wenn das konventionelle Öl 2006 gepeakt hat? Es bräuchte sechs Saudi Arabiens, um die Förderung bis  2030 auf 100 Barrel pro Tag anzuheben. Die IEA hält dies offensichtlich nicht für realisierbar. Andere Insider tun dies ebenso wenig, auch nicht Totals Explorationschef, der erst vor kurzem davor warnte, Peak Oil stehe kurz bevor.

Die Gesellschaft ignoriert derartige Warnungen und hört stattdessen auf potenzielle Blasen-Unterstützer wie Monbiot. Wie schon bei seiner Konversion zum Kernkraft-Unterstützer während der Katastrophe von Fukushima hat er sich auch hier einen interessanten Zeitpunkt für seinen Gesinnungswandel ausgesucht.

Übersetzung: Holger Hutt

Kommentare (8)

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Ehemaliger Nutzer 09.07.2012 | 21:30

Wenn man weis das ganz normale Motoren spielend leicht bei gleicher Leistung mit bis zu 50% Wasser gefahren werden können und dies bei gleicher Leistung. Es gibt sogar sehr konkrete Hinweise das bei speziellen Motoren der Wasseranteil bis zu 80% gehen kann, dann sollte man mit der Ölspitze etwas vorsichter sein.

Selbst die Ölentsehungstheorie ist umstritten da die Russen mitlerweile aus Tiefen fördern wo diese gar nicht mehr gelten kann.

h.yuren 09.07.2012 | 21:34

peal oil ist eine annahme, die nicht vorhergesagt oder bewiesen werden kann. aber man muss kein hellseher sein, um zu verstehen, dass die erdölreserven endlich sind und beim steigenden verbrauch bald erschöpfungserscheinungen zeigen müssen.

wie es um die wirklichen reserven bestellt ist, verraten die angestrengten bemühungen der energiekonzerne, auch teuerste fördertechniken und förderplätze anzugehen. siehe die erfolgreiche, ach, nein, folgenreiche tiefseebohrung im golf von mexiko.

nobbl 10.07.2012 | 10:43

die leicht zu erreichenden Ölvorkommen sind bekannt und fast ausgeschöpft. Klar gibt es noch genügend Vorkommen. Die haben den Nachteil, daß sie technisch an die Grenze des Machbaren gehen und wir uns deshalb auf größere Katastrophen wie im Golf von Mexico einrichten müssen.

Ausserdem ist es eine Frage des Preises, denn unsere Ökonomie ist auf billigem Öl aufgebaut. Ein neues tolles Verfahren, welches uns erlaubt auch noch die letzten Tropfen aus der Erde zu holen, nützt uns nichts, wenn das Barrel dann 400€ kostet.

Ausserdem sollten wir unseren Nachfahren noch ein paar Tropfen übrig lassen.

Also: So schnell wie irgend möglich die Abhängigkeit vom Öl reduzieren!!!!

Vaustein 10.07.2012 | 12:31

Seriöse Wissenschaftler aus Russland und Schweden beweisen, dass Erdöl nicht nur aus Umwandlung pflanzlicher Materialien entsteht, also biologischen Ursprungs ist. Tief im Inneren der Erde entsteht unter Hitze und Druck Erdöl, das abiotischen Ursprungs ist. Das schwedische königliche Institut für Technologie KTH veröffentlichte eine Arbeit von Professor Vladimir Kutcherov und Kollegen dazu. Nachzulesen hier:

http://www.viewzone.com/abioticoilx.html

Hier gibt es auch ein Gespräch mit Professor Kutcherov zum Thema:

http://alles-schallundrauch.blogspot.de/2010/01/interview-mit-professor-vladimir.html

Blinkfeuer 15.07.2012 | 00:01

A- ha! "h.yuren 09.07.2012 21:34 peal oil ist eine annahme, die nicht vorhergesagt oder bewiesen werden kann."

Die Erde ist aber kein Dampfmaschin...eher so kugelähnlich, so weit bekannt? Und was ohne geologische Schwurbelei maximal da drin wäre, ist sicher mehr, als das was ein durchschnittlicher Bayern Fan aus Enttäuschung in sich kippt, aber deutlich zu ermitteln. Aber das Optimum schafft nicht der Bayer, und die Erde sieht es auch nict ein, NUR Öl in sich zu bergen oder immer - für Deutschländer- GAS zu geben. Die Erde ist keine Merkel, nein, sie ist bescheiden und gibt nicht so viel, wie man berechnen könnte- so man sein Abi noch vor dem Kohl Regime machte. Ergo: Datt Merkel kann es nicht.