Protestieren geht über blockieren

Soziale Medien Wie die ägyptische Regierung versucht, Seiten wie Twitter und Facebook unter Kontrolle und die Demonstranten zum Schweigen zu bringen

Internetseiten wie Twitter und Facebook wurden gestern in Ägypten auf Geheiß der Regierung abgeschaltet. Damit sollte verhindert werden, dass diese Medien zur Organisierung von Protesten benutzt werden. Viele in Ägypten angemeldete Seiten konnten laut der Internetseite herdict.org aus dem Ausland nicht erreicht werden. Twitter, YouTube, Hotmail, Google, sowie die chinesische Suchmaschine Baidu und ein „Proxy-Service“, der Usern die Umgehung offensichtlicher Beschränkungen erlauben würde, schienen nach Berichten auf der Seite aus dem Landesinneren blockiert worden zu sein.

Twitter meldete, die Sperrung sei nicht durchgehend, einige User hätten Tweets verschicken können. Der schwedische Anbieter Bambuser, der Videostreams auf Mobiltelefonen anbietet, erklärte, er sei gesperrt worden, nachdem einige Demonstranten in dieser Woche seinen Service in Anspruch genommen hätten.

Von den 80 Millionen Ägyptern haben ungefähr 24 Prozent oder 19,2 Millionen Zugang zum Internet, für gewöhnlich über Internetcafés, Smartphones, oder öffentliche Clubs. In ihrer Wohnung haben ungefähr eine Million Ägypter über einen Rechner Zugang zum Netz. Weit mehr – ungefähr 26 Millionen – haben Mobiltelefone, so dass die Proteste über SMS organisiert werden konnten. Bei Vodafone, einem der zwei größten Mobilfunkanbieter im Land, heiß es, man sei nicht für die Twitter-Sperre verantwortlich. „Das Problem besteht in ganz Ägypten und wir warten auf eine Lösung.“

Anderen unbestätigten Berichten zufolge hat die Regierung Mobilfunkmasten und den Telefondienst außer Betrieb gesetzt und die gesamte Kommunikation ist unterbrochen.

Die Regierung kann Provider anweisen, bestimmte Dienste auszufiltern oder Seiten zu sperren, geht aber in der Regel in erster Linie gegen Schriftsteller und Blogger vor. 2009 führte das Committee to Protect Journalists Ägypten als eines der zehn problematischsten Länder für Blogger auf. Die Regierung neige dazu, Kritiker zu verhaften.

Der Versuch, einzelne Seiten zu identifizieren, die zur Organisation von Protesten oder der Versendung von Videos verwendet wurden, muss zwangsläufig zu einem Katz-und-Maus-Spiel zwischen Behörden und Demonstranten führen, die dabei immer einen Schritt voraus sein werden. Zugleich wurden inzwischen auch die Seiten der ägyptischen Regierung von der Hackergruppe Anonymous angegriffen, die sich Ziele aussuchen, die sie für unterdrückerisch halten. Berichten zufolge wurde eine Reihe staatlicher Seiten gehackt oder aus dem Netz genommen.

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Übersetzung: Holger Hutt
Geschrieben von

Charles Arthur | The Guardian

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