Putin macht die große Welle

Putin-Bilder Im Sommerloch bringt die Klatschpresse täglich neue Bilder halbnackter Stars und Sternchen im Urlaub. Auch Wladimir Putin zeigt sich gerne der Öffentlichkeit: als Schmetter-ling

In der Vergangenheit ist der russische Premier uns mit der Angelroute in der Hitze glühend präsentiert worden. Oder auch einfach bis zur Taille entblößt in irgendeinem Freiluftidyll, bereit mit einem Bären zu ringen oder einem kleinen Busch einen Kung-Fu-Tritt zu versetzen. Die diesjährigen Ferienschnappschüsse zeigen ihn beim Schwimmen. Und zwar nicht bloß auf dem Rücken treibend oder beim heiter-gelassenen, wenngleich leicht entmännlichenden, Brustschwimmen. Putin macht natürlich den Schmetterling.

Das macht durchaus Sinn. Der Schmetterlingsstil ist der athletisch aggressivste aller Schwimmstile. Beide Arme müssen dabei zeitgleich eine Drehbewegung vollziehen und noch dazu mit einem äußerst schwierigen Schlag beider Beine kombiniert werden. Nicht viele Sterbliche würden sich öffentlich, etwa im Hotelpool, an diesem Stil versuchen.

Ungeselliger und kompromissloser Stil

Es liegt nahe, warum Putin das Schmetterlings- und nicht etwa das Rückenschwimmen wählt. Der Schmetterling ist nicht nur der ultimative Statement-Stil, sondern auch ultra-modern. Es gibt zwei Geschichten, wann er erstmals geschwommen wurde: entweder 1933 vom amerikanischen Athleten Henry Myers im YMCA von Brooklyn. Oder dreißig Jahre vorher von Jack Stevens – der später während des Zweiten Weltkrieges als britischer Kryptoanalytiker an der Entschlüsslung geheimer Nachrichten der Wehmacht arbeitete – und der behauptete, den Schmetterling in einem öffentlichen Schwimmbad in Belfast erfunden zu haben.

Der Schmetterlingsstil ist freilich nicht ganz unproblematisch. Er mag raue, schwitzende Männlichkeit ausstrahlen, ist aber auch der Schwimmstil, der wie kein anderer die Mitmenschen zu belästigen vermag. Beim Schmetterlingsschwimmen spritzt das Wasser. Zudem ist es ein ungeselliger und kompromissloser Stil, der dem älteren Herrn gegenüber, der sich in der angrenzenden Bahn am gechlorten Kielwasser verschluckt, nicht gerade rücksichtsvoll ist.

Wie stets bei Propagandabildern ist die Verlockung groß, nach einer tieferen Bedeutung zu forschen. Der Isolationspolitiker, der dazu neigt, Aggressivität zur Schau zu stellen und ohne Scheu ist, große Wellen zu machen: Könnte Putins Schmetterling eine Art aquatische Metapher für die Richtung sein, in die sein Russland unterwegs ist. Und wenn ja, was sagt uns dann das Bild, auf dem er ein Pferd füttert?

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Übersetzung: Zilla Hofman
Geschrieben von

Barney Ronay, The Guardian | The Guardian

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