Will Storr
27.06.2011 | 17:35 10

Qualvolle Fusselei

Morgellons Tausende Menschen glauben, von fremdartigen Parasiten befallen zu sein, die ihre Haut in einen juckenden Albtraum verwandeln. Eine echte Krankheit – die es nicht gibt

Es begann im August 2007, während eines Familienurlaubs. Paul sah sich gerade einen Film an, als das Jucken begann. Seine Beine, seine Arme, sein Körper – alles juckte. Er dachte, sein Sessel sei von Flöhen befallen. Und es hörte nicht mehr auf. Als Paul mit den Fingerspitzen über seine pustelige Haut rieb, fühlte sie sich stachelig an – als steckten seltsame Dinger darin, wie Splitter. Als seine Frau ihm den Rücken später mit Wundbenzin abrieb, blieb auf dem Tuch ein blau-schwarzer Schleier zurück. Paul kaufte sich für 40 Dollar ein Mikroskop und untersuchte den Rückstand. Was waren das für gekräuselte, farbige Fasern? Er googelte die Begriffe „Fasern. Juckreiz. Stechen. Haut.“ Und er bekam seine Antwort. Alle Symptome passten. Die Fussel mussten das Produkt mysteriöser Lebewesen sein, die sich in seinem Köper eingenistet und vermehrt hatten. Er war an einer Krankheit namens Morgellons erkrankt.

Morgellons erhielt seinen Namen 2001 von der Amerikanerin Mary Leitao, deren Sohn wunde Stellen um seinen Mund hatte, die sich wie „von Käfern“ befallen anfühlten. Leitao examinierte ihr Kind mit einem Spielzeugmikroskop und fand rote, blaue, schwarze und weiße Fasern, die sie sich nicht erklären konnte. An die von Leitao gegründete Morgellons Research Foundation haben sich seither 12.000 betroffene Familien gewandt. Tausende haben an den amerikanischen Kongress geschrieben und zum Handeln aufgerufen. Mehr als 40 Senatoren, darunter Hillary Clinton, John McCain und Barack Obama vor seiner Präsidentschaft drängten die amerikanische Gesundheitsbehörde (Centres For Disease Control and Prevention; CDC), die Sache zu untersuchen. Die CDC bildeten 2006 eine Taskforce, ausgestattet mit einer Million Dollar. Das Problem wird von den Volksvertretern sehr ernst genommen. Doch wer sich für die Meinung etablierter Medizin interessiert, wird die größte Besonderheit dieser Krankheit kennenlernen: Morgellons existiert nämlich gar nicht.

Ich treffe Paul in einer Kneipe. Er zeigt mir Bilder seiner wunden oder verschorften Stellen, er zeigt Nasenhaare, 200fach vergrößert. Und immer ist eine winzige farbige Fussel auf oder in seiner Haut zu ­sehen. „Ist es ein Exkrement? Eine Struktur, in der sie leben?“, fragt er. „Ein Atemrohr?“

Paul hat viele Experten konsultiert – Allgemeinärzte und Allergiespezialisten, Klinische Infektiologen und Dermatologen.Die meisten von ihnen kamen zu der gleichen Diagnose wie jener Arzt, der als erster Proben von Pauls „Fasern“ genommen hatte: Paul hat sich seine Wunden ihrer Ansicht nach selbst zugefügt, er leidet an Parasiten- oder Dermatozoenwahn (DOP), einer psychischen Erkrankung, bei der die Patienten sich von Ungeziefer befallen glauben. Morgellons sei insofern einzigartig, als dass sie sich über das Internet verbreite.

Fasern, die nichts ähneln

Paul überzeugt das alles nicht. Er trägt immer ein Händedesinfektionsgel bei sich, er duscht viermal täglich und dampfreinigt seine Kleidung. Der Stress erschöpft ihn, macht ihn reizbar. Es fällt ihm schwer, sich zu konzentrieren oder sich bei der Arbeit einzubringen. Als es am schlimmsten war, habe er sich „so ziemlich danach gefühlt, Schluss zu machen“. Hat er seinem Arzt davon erzählt? „Wenn man so etwas erzählt, fügt das dem ganzen nur eine weitere psychische Dimension hinzu. Dabei handelt es sich eindeutig um eine physische Erkrankung – sehen Sie doch mal!“ Tatsächlich wirken die „Beweise“ auf den Bildern eindeutig. Die Fasern, die weit dünner sind als seine Körperbehaarung, scheinen aus Pauls Wunden zu kommen. Aber worum handelt es sich? Wie sind sie dorthin gekommen?

Randy Wymore, ein Pharmakologe an der Oklahoma State University, las im Frühjahr 2005 von Morgellons und schrieb Betroffene an. Er bat sie um Proben und verglich diese mit Fasern von Baumwolle, Nylon, Teppich und Gardinen. Als er sie unter dem Mikroskop sah, war er schockiert: Die Fasern sahen völlig anders aus. Wymore veranlasste eine Analyse im forensischen Labor der Polizei von Tulsa. Die Morgellons-Partikel glichen weder einem der 800 Stoffe in der dortigen Datenbank, noch einer von den 85.000 bekannten organischen Verbindungen. Man erhitzte eine Faser auf 600 Grad Celsius, aber sie verbrannte nicht. Schließlich kam Wymore zu dem Schluss: „Wir haben hier tatsächlich etwas. Etwas, das wir überhaupt nicht verstehen.“ Im vorigen Jahr wollte er in kommerziellen Laboratorien weitere Tests durchführen lassen. Doch sobald klar wurde, dass die Aufträge etwas mit Morgellons zu tun hatten, hagelte es Absagen. Dann fand Wymore doch noch ein Institut, das bereit war, die Untersuchungen durchzuführen. Die Ergebnisse wollte er auf einer zweitägigen Konferenz veröffentlichen.

Nylon, Baumwolle, ein Haar

Zu der kommen nun, eine Stunde südlich von Austin, Texas, Morgellons-Erkrankte aus den USA, Großbritannien, Deutschland und Mexiko. Bei vielen von ihnen wurde die Diagnose Dermatozoenwahn gestellt. Darüber ereifert sich gleich einer der ersten Sprecher. Dr. Greg Smith, ein Kinderarzt mit 28 Jahren Berufserfahrung. Bei ihm sei die Krankheit 2004 ausgebrochen. „Ich legte mir einen Pulli, den ich draußen getragen hatte, über den Arm und spürte ein heftiges Brennen und Stechen. Ich dachte, ich hätte Kaktusstacheln in der Haut. Ich begann sie herauszuziehen, doch schon bald waren sie am ganzen Körper.“ Was man von Smiths Haut sieht, ist bedeckt mit Narben. Er kratzt sich zwar noch, seine Wunden scheinen aber verheilt zu sein. Wie ist das möglich, wenn sie von Fasern produzierenden Parasiten erzeugt wurden? „Ich habe aufgehört, sie herauszuziehen“, sagt Smith.

Dann treffe ich Randy Wymore. Die Ergebnisse der Forensiker in Tulsa, berichtet er, hätten sich nicht „exakt wiederholt“ . Bislang habe das von ihm beauftragte Labor die verschiedenen Morgellons-Fasern als Nylon, Baumwolle, ein blondes menschliches Haar, eine Pilzfaser, als Haar von einem Nagetier und Federhärchen von Gänsen oder Enten identifiziert. Ob das enttäuschend sei? Er lächelt. „Es ist zunächst enttäuschend, aber es gab einen Fussel Zellulose, der keinen Sinn ergab. Eine andere Faser war unbekannt.“ Er hält inne. „“Ok, sie sagten, es handle sich um eine ,Pilzfaser‘, aber sie waren sich nicht völlig sicher.“

Am nächsten Tag leitet die Ärztin Ginger Savely, die schon mehr als 500 Morgellons-Patienten behandelt haben will, eine informelle Diskussion im Konferenzraum. An den runden Tischen sitzen die Zurückgewiesenen und Verärgerten. „Ich habe gesehen, wie eine Faser in meine Brille eingedrungen ist“, sagt einer. „Ich habe beobachtet, wie eine sich in mein Kissen hineingebohrt hat“, fügt ein anderer hinzu. „Einer meiner Ärzte hält es für Nanotechnologie.“ Dann untersucht sich Margot mit ihrem 700 Dollar teuren Wi-Fi iPad-Teleskop. Mir kommt eine Idee. „Darf ich mal?“

Übers Internet verbreitet

Als ich die Linse in meine Handfläche drücke, sehe ich sofort eine Faser. Die Gruppe verfällt in angespannte Stille. „Hast Du dir die Hand gewaschen?“, fragt Margot. Sie reicht mir ein antibakterielles Feuchttuch. Ich reibe meine Hand ab und versuche es erneut. Ich sehe eine noch größere Faser. Ich reibe noch einmal – und finde wieder eine. Margot legt mir beruhigend die Hand auf den Arm. „Mach dir keine Sorgen, Will. Ich bin mir sicher, dass du nicht krank bist.“ Nachdem ich „Fasern“ auf meiner eigenen Hand gefunden habe, bin ich mir ziemlich sicher, dass es sich bei Morgellons um eine über das Internet verbreitete Zwangsneurose und bei den Fasern – wie Wymores Labore aussagen – um alltägliche Partikel wie Baumwolle, Menschenhaare, Rattenhaare usw. handelt.

Eine Sache allerdings irritiert mich. Die Nacht nach meinem Treffen mit Paul finde ich vor lauter Juckreiz keinen Schlaf. Ich kontaktiere Anne Louise Oaklander. Sie lehrt an der Harvard Medical School und gehört zu den wenigen Neurologen weltweit, die sich auf Juckreiz spezialisiert haben. Ich erkläre ihr, was es mit Morgellons auf sich hat, und weise sie darauf hin, dass es sich wahrscheinlich um eine Form von DOP handelt. Aber sie weiß schon alles. „Meiner Erfahrung nach geben sich Morgellon-Patienten alle Mühe, um die realen Symptome, die sie haben, zu erklären. Sie leiden an einem chronischen Juckreiz, für den es keine Diagnose gibt. Und sie werden von unserer Medizin schlecht behandelt. Sie können mich gerne mit diesem Satz zitieren.“

Neurologisches Alarmsystem

1987 fanden deutsche Wissenschaftler heraus, dass es sich bei Juckreiz nicht, wie bis dahin vermutet, um eine milde Form von Schmerzen handelt. Stattdessen geht man nun davon aus, dass Juckreiz über ein eigenes Netzwerk von Nervenzellen verfügt. Und während ein Schmerznerv eine sensorische Reichweite von grob einem Millimeter hat, kann ein Jucknerv Hautstörungen aufnehmen, die über neun Zentimeter entfernt sind.

Oaklander vermutet, der Mensch habe den Juckreiz instinktiv entwickelt, um sich vor gefährlichen Insekten zu schützen. Wenn ein Moskito auf einem Arm landet und es kitzelt, rührt dieses Gefühl nicht direkt davon, dass das Insekt seine Beine gegen die Haut drückt. Es handelt sich tatsächlich um ein neurologisches Alarmsystem, bei dem es aus verschiedenen Gründen zu Störungen kommen kann: Gürtelrose, Ischias, Rückenmarkstumore oder -verletzungen, um nur ein paar zu nennen. In manchen Fällen wird ein plötzlicher und intensiver Juckreiz ausgelöst, ohne dass irgendetwas die Haut berührt hätte. Oaklander glaubt, dass dies auch den Morgellons-Patienten widerfährt.

Die CDC werden bald eine längst überfällige Studie veröffentlichen. Wenn sie Oaklanders Theorie bestätigt, würde dies viel erklären. Zum Beispiel, warum Greg Smiths Wunden nicht größer wurden, als er aufhörte zu kratzen: Weil er sie sich selbst zugefügt hatte. Warum ich Fasern auf meiner Hand fand: Weil ich sie aus der Umwelt aufgenommen hatte. Darüber hinaus: Wenn es sich bei Morgellons nicht um eine Krankheit handelt, sondern um eine Kombination von Symptomen, die alle möglichen Krankheiten zur Ursache haben könnten, passt das zu einer Aussage Savelys, eine Sache versetze sie immer wieder in Erstaunen: „Wenn ich eine Behandlung gefunden habe, die einer Person hilft, hilft sie der nächsten überhaupt nicht. Es ist bei jedem Patienten völlig anders.“

Will Storr ist Reporter und Fotograf, der auch für den Guardian und den Observer berichtet.Übersetzung: Zilla Hofman und Holger Hutt

Kommentare (10)

Columbus 28.06.2011 | 15:41

Ein sehr interessanter Artikel aus dem Guardian.

Allerdings möchte ich mir den Hinweis erlauben, dass die meisten Formen des Pruritus sine materia (Juckreiz ohne feststellbare Ursache), oder Prurigo, nichts mit einem systematischen, monoformen Wahn zu tun haben.

Es kommt ein Spektrum in Frage, das von chronischen Stoffwechselerkrankungen, die aber keinen sinnvollen pathologischen Mechanismus für den Juckreiz mitbringen, bis zum Juckreiz als Konversionsreaktion (z.B. Abwehr starker aversiver Gefühle).

Bekannt dürfte sein, dass Alkoholiker, oder seltener Drogenabhängige, solche wahnhaften (halluzinatorischen) Zustände oder illusionären Verkennungen entwickeln können (so genanntes Ekbom-Syndrom, das es dann auch wirklich gibt).

Bei ca. zwei Dritteln der Patienten mit Dematozoen-Halluzination, die nicht Alkohol oder sonstig substanzbedingt auftritt, findet sich eine organische Ursache, die damit in Verbindung steht. In Frage kommen z.B. Diabetes, Vitaminmangelzustände, das Prodromal einer malignen Tumorerkrankung, Polyneuropathien (Erkrankungen des Nervenleitungssystems), Nierenschädigungen, Demenz.

Ein ähnlich geheimnisvolles Symptom bleibt die Nesselsucht (Urtikaria). Beeindruckend, wenn sich plötzlich der ganze Körper mit Quaddeln, also Hautauftreibungen, jedoch ohne Blasenbildung, überzieht. Manchmal findet sich die Ursache, häufig jedoch nicht.
Was in der Haut passiert, weiß man schon besser und kann daher, auch mit Medikamenten helfen. - Aber bitte nicht selbst verordnen!

LG und Mahlzeit
Christoph Leusch

PS: Dank gebührt den Übersetzern Zilla Hofman und Holger Hutt.

Diese Art der Kooperation sollte mit Zeitschriften (vielleicht vor allem mit solchen, die ein wenig längere Standzeiten für Artikel garantieren) der Nachbarländer, wir haben doch neun Grenzen, erweitert werden.

Columbus 29.06.2011 | 15:12

Die Geschichte der Mary Laitao und ihren "Morgellons" ist so lehrreich, sie zieht mich nun noch einmal an.

Jenseits der eher seltenen wahnhaften Störungen und der alten, stigmatisierenden Syndromberschreibung "Münchausen" (ein Patient sucht wiederholt und mit allen Mitteln eine ärztliche oder therapeutische Behandlung und fügt sich dafür sogar Schäden zu oder produziert diagnostische Artefakte, um noch größere Schäden durch ärztliche Eingriffe in Kauf zu nehmen) oder "Münchhausen by proxy" (Ein Patient, meist sind es Kinder, weist Schädigungen, gar Mißhandlungszeichen auf, die ihm von einem Familienanghörigen, meist sind es die Mütter der Kinder, aber auch von Pflegekräften, zugefügt wurden. Diese bestehen auf eine umfassende Diagnose und Therapie der Symptome, als einer organischen Krankheit und stellen die Schädigungen so geschickt vor, dass oft dem dringlichen Wunsch nachgegeben wird.), fallen wohl viele dieser unerklärlich Kranken unter die Diagnose "artifizielle Störung".

Menschen, die ein solches Verhalten zeigen, wollen anders, als es der irreführende Begriff "Münchhausen-Syndrom" suggeriert, nicht einen Vorteil erlangen, z.B. Berentung, mehr Aufmerksamkeit, Behandlung, Sicherheit vor Strafverfolgung oder Linderung von Haftbedingungen. Sie sind im engeren Sinne keine Simulanten!

Für solche artifiziellen Störungen gibt es aber ein paar häufige Muster, die sich schon bei der ausführlichen Befragung (Anamnese) finden lassen.

Dafür spricht z.B. die im Text erwähnte Geschichte des Kinderarztes, sowie Frau Leitaros Ausbildung als Biologin, also der Einsatz von Fachwissen und Kenntnissen, um eine Krankengeschichte plausibel zu machen. Das ist relativ häufig so.

Überzufällig häufig ist auch, dass das artifizielle Krankheitsgeschehen z.B. mit bestimmten Formen der Persönlichkeitsakzentuierung, bis hin zu Persönlichkeitsstörungen verbunden ist.

Bei vielen Patienten, findet sich sehr häufig eine Verbindung zu Mißhandlungen aller Art in der Kindheit und Jugend, durch Eltern oder sonstige Bezugspersonen.

Sehr häufig werden andere, nicht erkrankte Personen aus dem Familienkreis, aber auch z.B. Seelsorger, Therapeuten, langjährige Freunde und der Ehepartner als Beistand und überzeugte Ratgeber einbezogen, die dann wie mächtige Erweiterungen des Patienten-Ichs wirken und vor allem einen großen Handlungsdruck bei Institutionen aufbauen können.

Gegen Dermatozoenwahn spricht auch, dass hier unbelebte Materie, bläulich schimmernde, mikroskopische "Fussel", eine solch große Bedeutung erlangen. Die Empfindungen bei einem ausgeprägten Dermatozoenwahn sind hingegen stark und unabweisbar auf das Gefühl fixiert, von kleinsten Lebewesen befallen zu sein und parasitiert zu werden.

Sehr interessant ist übrigens, das habe ich selbst schon erlebt, dass nach einem tatsächlichen Befall mit Parasiten, der längst kuriert wurde, Patienten die Überzeugung hegen, da sei noch was, wenn es sie gerade wieder irgendwo juckt und Spuren an der Haut, die ganz andere Ursachen haben, selbst Schmutz an den Haaren, wurde systematisch als neuerliches Befallszeichen missdeutet.

Grüße und Mahlzeit
Christoph Leusch

merdeister 29.06.2011 | 23:59

Nicht vergessen darf man auch Läuse. Läuse, Kopfläuse vor allem treten immer häufiger auf. Dabei sollte man meinen die Juckreiz verursachenden Zeitgenossen sollten weniger häufig auftauchen. Aber scheinbar gibt es Faktoren, die heutzutage die Verbreitung von Nissen (Lauseier) begünstigen. Man könnte meinen, es handele sich um ein soziales Problem, doch Läuse halten sich nicht an Einkommensgrenzen.

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/3/32/Pediculus_humanus_var_capitis.jpg/300px-Pediculus_humanus_var_capitis.jpg

Ob das alles stimmt, was ich da oben geschrieben habe, aber wenn in meinem Umfeld über Läuse gesprochen wird, fangen alle an, sich zu kratzen. Und? ;-)

Columbus 30.06.2011 | 17:02

ad merdeister schrieb am 29.06.2011 um 21:59

Na, es liegt so dazwischen, mit der Stimmigkeit.

Eigentlich sind die Menschenläuse äußerst wirtstreue Tierchen. Sie wollen dein Blut und wenn es nicht zur Überpopulation kommt, dann bleiben sie deinem Kopf auch erhalten, kleben ihre Eier an deine Haare (das sind die Nissen) und wachsen in immer neuen Generationen heran.

Die eigentliche Übertragung findet fast ausschließlich von Mensch zu Mensch, sprich von Kind zu Kind und von da auf die Eltern statt, die einen liebevollen und engen Umgang mit ihrem Nachwuchs pflegen, bzw. die Zeit dazu haben.

Eine odere mehrere Läuse geraten zufallsverteilt, beim Köpfe zusammenstecken, Raufen, etc., in Grundschulen und Kindergärten von Haupt zu Haupt.

Die Läuseeier sind nur für den bereits befallenen Menschen ein Problem, weil sie gut haftend und gut geschützt, zudem schwer bekämpfbar, das persönliche Nachwuchsreservoir bilden. - Haare abschneiden, ist jedoch ein so schwerwiegender Eingriff in die Persönlichkeit und das Seelenheil, dass dann lieber die Läuse mit Medikamenten behandelt werden.

Übertragung durch Läusenissen, die sich an Utensilien oder auf der Kleidung befinden, düften die rare Ausnahme sein. - Trotzdem sind natürlich getrennte Kämme, getrennte Schlafstätten beim Kinderbesuch und Austausch der Bettwäsche, gute Maßnahmen.

Warum aber gerade gut gewaschene Gutbürgersköpfe befallen werden, also Körperhygiene als Prophylaxe gar keine Wirkung hat, das ist nicht so eindeutig erklärbar.

Eine mögliche Lösung: Die gewaschene Kopfhaut, wir setzen ja Shampoos mit Detergentien ein, um die vielen abgeschilferten Hautzellreste (Schuppen) los zu werden, ist ein viel appetittlicherer und leichter zu durchdringender Eßplatz für die Läuse.

Das ist auch die Crux bei der Sanierung. Letztlich müssen praktisch alle Nissen und alle adulten Läuse entfernt werden und je größer die Chance, dass haftende Nissen übersehen werden, desto langwieriger und mühsamer der Weg zum Erfolg der Therapie.

Tiere die dickfellig sind und von Läusen und anderen Parasiten geplagt, baden gerne in Schlamm, weil der die Läuse einbetoniert, oder sie putzen sich sprichwörtlich den lieben langen Tag.
Meist reicht es nur zu einer Eindämmung der Plagegeister.

Nun noch zur Befallshäufigkeit: Das ist sehr wahrscheinlich ein Wahrnehmungsproblem. Die Kindergartenquote ist heute höher als noch vor zwanzig-dreißig Jahren, die Krippen- und Kindergartenzeit dauert länger, der Umgang untereinander ist enger, auch die Grundschulen setzen auf Unterricht und Gemeinschaft, die mehr zusammen bringt.

Aber sicher ist, dass vor dem letzten Krieg und in den ersten Nachkriegsjahren ganze Stadtteile und Viertel der großen Städte dauerhaft befallen waren, weil Menschen auf engstem Raum leben mussten.
Täglich Nissen auskämmen, das ist eine traumatische Erfahrung in den Erzählungen vieler älterer Leute. Nissen und Läuse auf einem Bogen hellen Papiers, war damals ein regelmäßiger Anblick.

Jetzt juckt es mich und ich mache ein Ende
LG
Christoph Leusch

Columbus 30.06.2011 | 17:54

ad merdeister schrieb am 29.06.2011 um 21:59

Na, es liegt so dazwischen, mit der Stimmigkeit.

Eigentlich sind die Menschenläuse äußerst wirtstreue Tierchen. Sie wollen dein Blut und wenn es nicht zur Überpopulation kommt, dann bleiben sie deinem Kopf auch erhalten, kleben ihre Eier an deine Haare (das sind die Nissen) und wachsen in immer neuen Generationen heran.

Die eigentliche Übertragung findet fast ausschließlich von Mensch zu Mensch, sprich von Kind zu Kind und von da auf die Eltern statt, die einen liebevollen und engen Umgang mit ihrem Nachwuchs pflegen, bzw. die Zeit dazu haben.

Eine odere mehrere Läuse geraten zufallsverteilt, beim Köpfe zusammenstecken, Raufen, etc., in Grundschulen und Kindergärten von Haupt zu Haupt.

Die Läuseeier sind nur für den bereits befallenen Menschen ein Problem, weil sie gut haftend und gut geschützt, zudem schwer bekämpfbar, das persönliche Nachwuchsreservoir bilden. - Haare abschneiden, ist jedoch ein so schwerwiegender Eingriff in die Persönlichkeit und das Seelenheil, dass dann lieber die Läuse mit Medikamenten behandelt werden.

Übertragung durch Läusenissen, die sich an Utensilien oder auf der Kleidung befinden oder in den Teppich fielen, düften die rare Ausnahme sein. - Trotzdem sind natürlich getrennte Kämme, getrennte Schlafstätten beim Kinderbesuch und Austausch der Bettwäsche, gute und sinnvolle Maßnahmen.

Warum aber gerade gut gewaschene Gutbürgersköpfe befallen werden, also Körperhygiene als Prophylaxe gar keine Wirkung hat, das ist nicht so eindeutig erklärbar.

Eine mögliche Lösung: Die gewaschene Kopfhaut, wir setzen ja Shampoos mit Detergentien ein, um die vielen abgeschilferten Hautzellreste (Schuppen) los zu werden, ist ein viel appetittlicherer und leichter zu durchdringender Eßplatz für die Läuse.

Das ist auch die Crux bei der Sanierung. Letztlich müssen praktisch alle Nissen und alle adulten Läuse entfernt werden und je größer die Chance, dass haftende Nissen übersehen werden, desto langwieriger und mühsamer der Weg zum Erfolg der Therapie.

Tiere die dickfellig sind und von Läusen und anderen Parasiten geplagt, baden gerne in Schlamm, weil der die Quälgeister einbetoniert, oder sie putzen sich sprichwörtlich den lieben langen Tag. -Meist reicht es nur zu einer Eindämmung der Plagegeister, weil z.B. die Nissen bleiben.

Nun noch zur Befallshäufigkeit: Das ist sehr wahrscheinlich ein Wahrnehmungsproblem. Die Kindergartenquote ist heute höher als noch vor zwanzig-dreißig Jahren, in Berlin derzeit bei um die 94%, die Krippen- und Kindergartenzeit dauert länger, der Umgang untereinander ist enger, auch die Grundschulen setzen auf Unterricht und Gemeinschaft, die mehr zusammen bringt.

Aber sicher ist, dass vor dem letzten Krieg und in den ersten Nachkriegsjahren ganze Stadtteile und Viertel der großen Städte dauerhaft befallen waren, weil Menschen auf engstem Raum leben mussten.
Täglich Nissen auskämmen, das ist eine traumatische Erfahrung in den Erzählungen vieler älterer Leute. Nissen und Läuse auf einem Bogen hellen Papiers, das war damals ein regelmäßiger Anblick.

Jetzt juckt es mich und ich mache ein Ende
LG
Christoph Leusch

Bashi 05.08.2011 | 12:36

Es wird vielleicht nicht gern gehört,
aber es gibt auch unsichtbare Störenfriede, z.B. elektromagnetische Wellen, Ionen, die Sinneszellen und Nervenenden irritieren können. Ich kann mich gut erinnern, daß ich im ersten Jahr nach Tschernobyl im Freien häufiger ohne erkennbare Ursache Stiche in der Haut verspürt habe. Diese Sensationen waren völlig unregelmäßig und fühlten sich an wie winzige Verbrennungen.
Bashi