Rauchfrei Kochen rettet Leben

Armut Schlecht belüftete Feuerstellen, mit Parafin oder Kohle betrieben, töten Millionen von Frauen und verheeren die Umwelt. Hillary Clinton will etwas dagegen unternehmen

Eine der mächtigsten Frauen der Welt redet über Kochstellen. Und das ist gut so. Heute wird Hillary Clinton vor den UN-Vollversammlung von dem gewaltigen Einfluss sprechen, den so etwas Banales wie Brennmaterial zum Kochen auf Millionen von Menschenleben hat.

Wissen Sie, worin eine der Haupttodesursachen für Frauen und Kleinkinder besteht? Viele von Ihnen denken jetzt vielleicht an Aids/HIV oder an Mütter, die bei oder an den Folgen der Geburt sterben – Müttersterblichkeit ist einer der Schwerpunkte des Gipfels. Dabei sind die Risiken, durch das Einatmen von Rauch an offenen Feuerstellen an der Lunge und/oder am Herz zu erkranken, mindestens genau so groß. Nach Angaben der UN kostet der Rauch von Feuerstellen in jedem Jahr 1,9 Millionen Menschenleben.

In ganz Afrika und Indien kauern Millionen Frauen beim Kochen jeden Tag mehrere Stunden über kleinen Feuerstellen. Die Räume, in denen sie wohnen, haben oft keine Kamine und verfügen nur über schlechte Lüftungsmöglichkeiten. Das zerstört die Lungen der Frauen und auch die kleinen Kinder, die sich in unmittelbarer Nähe ihrer Mütter aufhalten, erkranken durch den Rauch. Nun endlich dringen diese Erkenntnisse auch in den Mainstream vor. Clinton wird heute verkünden, dass ihre Regierung der Global Alliance for Clean Cookstoves 50 Millionen Dollar Startkapital für die Anschaffung von 100 Millionen energiesparender und raucharmer Holz- und Benzinkocher zur Verfügung stellen wird.

Tonnen von Ruß

Die gegenwärtige Praxis schädigt Mensch und Natur: In vielen Ländern verursacht das Fällen von Brennholz langfristige Umweltschäden. Bei einem Besuch im Westen Ugandas konnte ich die verheerenden Folgen der Rodung mit eigenen Augen begutachten. Die Hügel sind aufgrund der Entwaldung der vergangenen 50 Jahre weitgehend baumfrei und mit langen Erosionsstreifen versehen. Ein anderer Umweltfaktor besteht in den Tonnen von Ruß, die in die Atmosphäre geblasen werden und zur Erderwärmung beitragen. Saubere, nachhaltige Energiequellen werden in Ostafrika in der Krise, auf die Ostafrika zusteuert, von entscheidender Bedeutung sein: Entwaldung und Bevölkerungswachstum schreiten derart rapide voran, dass Experten davon ausgehen, dass in 25 Jahren so gut wie kein Feuerholz mehr übrig bleiben wird. In Anbetracht der in dieser Region vorherrschenden Grundnahrungsmittel (Reis, Hirse, ...) hätte dies verheerende Auswirkungen auf die Ernährungssituation.

Das Brennmaterial beeinflusst das Leben der Frauen aber auch noch auf eine ganz andere Weise: Da Holz immer knapper wird, müssen sie immer weitere Strecken zurücklegen, um genügend zusammenzubekommen, denn Holzsammeln ist Frauensache. In Konfliktgebieten wie Darfur oder der Demokratischen Republik Kongo ist es die Suche nach Feuerholz, die Frauen und Kinder der Gefahr aussetzt, vergewaltigt zu werden.

Zur Lösung des Problems ist keine teure Technik vonnöten. Die sogenannten cookstoves können mir relativ geringen Kosten hergestellt werden. Die Herausforderung besteht darin, sie schnell genug zu verteilen, um die für Ostafrika vorhergesagte Krise zu verhindern. Eine äußerst interessante Möglichkeit besteht darin, größere Stückzahlen saubere Kocher über Mikrokredite zu finanzieren und so die Gründung kleiner Unternehmen zu ermöglichen, die für den Vertrieb vor Ort sorgen. Millionen von ihnen werden gebraucht und die Zeit drängt.

Hilfe erfolgt immer in bestimmten Intervallen und folgt gewissen Trends: In den vergangenen Jahren wurde Afrika quasi mit Millionen Malaria- bzw. Moskitonetzen überflutet, was zu einer maßgeblichen Senkung der Infektionen führte. Es ist zu hoffen, dass Clintons Initiative einen neuen Trend setzt. Das Thema muss in gleicher Weise und mit demselben Nachdruck angegangen werden wie Müttersterblichkeit durch die Alliance for Safe Motherhood.

Übersetzung: Holger Hutt

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15:45 22.09.2010
Geschrieben von

Madeleine Bunting | The Guardian

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The Guardian

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