Schubkarren voller Beweise

USA Donald Trumps Wahlkampagne hatte direkte Kontakte zu russischen Stellen, um belastende Informationen über Hillary Clinton einzuholen
Schubkarren voller Beweise
Läuft nicht so für Donald Trump Jr.

Foto: TIMOTHY A. CLARY/AFP/Getty Images

Die Wahlkampagne von Donald Trump rutscht immer weiter in den Sumpf illegaler Kontakte zu russischen Anwälten und Regierungsstellen. Nun sah sich Donald Trump junior, der Sohn des Präsidenten, gezwungen, belastende E-Mails zu veröffentlichen. Sie belegen, dass er Angebote von russischer Seite begierig aufgriff, Hillary Clintons Wahlkampf zu beschädigen. Die Enthüllung wirft Fragen danach auf, warum die Berater des heutigen Präsidenten den feindlichen Akt einer fremden Macht damals nicht gemeldet haben.

In den E-Mails ist nachzulesen, wie der Musik-Agent Rob Goldstone dem Sohn des künftigen US-Präsidenten mitteilt, „der russische Generalstaatsanwalt" habe angeboten, „die Trump-Kampagne mit einigen offiziellen Dokumenten und Informationen zu versorgen, die Hillary Clinton und deren Beziehungen zu Russland belasten und Ihrem Vater sehr nützlich sein können". Der geborene Brite Goldstone fügt im Mailwechsel vom dritten Juni 2016 hinzu: „Hier handelt es sich offensichtlich um äußerst hochrangige und sensible Informationen, die aber Teil der Unterstützung für Herrn Trump durch Russland und die russische Regierung sind."

Donald Trump junior schrieb siebzehn Minuten begeistert in seiner Antwort: „Wenn es das ist, was Sie sagen, wäre das großartig, insbesondere im Spätsommer." In einer späteren Mail beschreibt Goldstone die russische Anwältin, die sie treffen wollen, Natalia Weselnitskaja, als eine „Bevollmächtigte der russischen Regierung". Der Sohn des damaligen Präsidentschaftsbewerbers stimmte dem Treffen zu. Er teilte mit, dass er wahrscheinlich von Paul Manafort und "meinem Schwager", Jared Kushner, begleitet werde. Manafort war damals Chef der Kampagne Trumps; Kushner ist Ehemann von Trumps Tochter Ivanka – und heutiger Chefberater im Weißen Haus. Mit diesem Vorgang wäre erstmals ein direkter Kontakt zwischen der Kampagne Trump und russischen Repräsentanten zum Zwecke der Wahlbeeinflussung hergestellt.

Die Formatierung der E-Mails lässt darauf schließen, dass Trump den gesamten Verlauf an Manafort und Kushner weitergeleitet hat, bevor sie sich am neunten Juni im Trump Tower in Manhattan mit Weselnitskaja tatsächlich trafen. Trump junior sagte dazu: „Für mich war das Feindbeobachtung ('opposition research'). Es war lange vor der Russland-Manie der Medien.“

Donald Trump lobt die Transparenz des Sohnes

Am vergangenen Sonntag hatte Trump Junior erstmals eingeräumt, er habe Manafort und Kushner gebeten, an dem Treffen teilzunehmen; allerdings ohne ihnen mitzuteilen, um was es dabei gehe. Ein Mitarbeiter Manaforts erklärte daraufhin am Dienstag, der frühere Wahlkampfleiter habe die E-Mail-Korrespondenz über das Treffen, die an ihn und Kushner von Trump Junior weitergeleitet wurde, angeblich nicht ganz bis zum Anfang zurückverfolgt. Jamie Gorelick, der als Anwalt für Jared Kushner arbeitet, antwortete nicht auf Fragen danach, ob Kushner die E-Mails gelesen und warum er an dem Treffen teilgenommen habe.

Trumps Kritiker greifen die neuen Enthüllungen auf und fragen, warum drei seiner engsten Berater bereit waren, einem solchen Treffen zuzustimmen, anstatt die Behörden über die Einmischung einer ausländischen Macht in Kenntnis zu setzen. Sonderermittler Robert Mueller und die Geheimdienstausschüsse von Repräsentantenhaus und Senat untersuchen die mutmaßliche russische Einmischung in die Wahlen, zu der der Diebstahl von E-Mails des Democratic National Committee und die Verwendung von Social-Media-Bots zur Verbreitung von Falschmeldungen über Clinton gehört haben sollen.

Trump-Sprecherin Sarah Huckabee Sanders verlas beim regulären Briefing des Weißen Hauses vor Journalisten eine kurze Erklärung des Präsidenten: „Mein Sohn ist außerordentlich kompetent. Ich begrüße, wie offen er mit der Sache umgeht." Gesonderte Fragen zu dem Thema wollte Sanders nicht beantworten. Auf die Frage, wie der Präsident auf die jüngsten Entwicklungen reagiere, antworte Sanders: „Ich denke, der Präsident ist, ich würde sagen, frustriert über die Entwicklung und den Umstand, dass diese Sache noch immer eine Rolle spielt. Er würde sich wünschen, dass wir uns stattdessen auf Themen wie Wirtschaft, Gesundheitsversorgung, Steuerreform und Infrastruktur konzentrieren."

"Alarmglocken hätten läuten müssen"

Clintons Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten, Tim Kaine, ein Senator aus Virginia und Mitglied des Auswärtigen Ausschusses, erklärte gegenüber dem Sender MSNBC: "Diese E-Mails sind explosiv. Hier hätten Alarmglocken läuten und Warnlampen aufleuchten müssen, stattdessen aktivierte es bei ihnen offenbar die Drüsen, die für den Speichelfluss zuständig sind. Das ist ein ganzer Schubkarren voller neuer Beweise für den Sonderermittler und den Geheimdienstausschuss des Senats."

Am Dienstag veröffentlichte Trump junior den E-Mail-Verlauf, offenbar um dessen Publikation durch die New York Times zuvorzukommen, die am vergangenen Wochenende zum ersten Mal über das Treffen mit Weselnitskaja im Juni vergangenen Jahres berichtete. Weselnitskaja hatte kompromittierende Informationen über Clinton versprochen, konnte dieses Versprechen aber offenbar nicht halten.

In einer auf Twitter veröffentlichten Erklärung teilt Trump junior mit: "An alle: Um völlig transparent zu sein, veröffentliche ich die gesamte Kette an E-Mails mit Rob Goldstone über das Treffen am neunten Juni 2016. Um die Sache in den Zusammenhang zu stellen: Dies geschah, bevor das aktuelle Russische Fieber grassierte."

In Russland gibt es das Amt des Generalbundesanwaltes nicht. Am ehesten infrage käme hier der langjährige Generalstaatsanwalt Juri Tschaika. Tschaika gehört schon seit langem zu Wladimir Putins Führungskreis. Er war mehrere Jahre lang Justizminister und ist seit 2006 Generalstaatsanwalt. Der Oppositionspolitiker und Anti-Korruptions-Aktivist Alexander Nawalny drehte einen ganzen Film über ihn, in dem er ihn und seine beiden Söhne der Korruption beschuldigt. Goldstone sagte gegenüber dem Wall Street Journal, mit "Staatsanwalt" habe er Weselnitskaja gemeint. „Das ist ein sprachliches Problem".

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Ihre Freitag-Redaktion

17:55 12.07.2017
Geschrieben von

David Smith und Sabrina Siddiqui | The Guardian

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The Guardian

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