Stephen Marche
Ausgabe 0617 | 14.02.2017 | 06:00 64

Selbsthass und Selbstüberhöhung

Gender Donald Trump inszeniert seine Rolle als Mann überladen und theatralisch. Damit steht er nicht für den Triumph der Männlichkeit, sondern für deren Verfall

Selbsthass und Selbstüberhöhung

Was reimt sich auf Hope?

Foto: Dan Kitwood/Getty Images

Nun, da die Frauenbewegung mit dem Women’s March zur Speerspitze des Widerstands gegen die Trump-Regierung geworden ist, drängt sich der anderen Hälfte der Menschheit eine Frage auf: Welche Rolle werden Männer in der Gesellschaftskrise spielen, die in den kommenden vier Jahren unvermeidlich scheint?

In gewisser Hinsicht hat sich die Situation durch Trump enorm vereinfacht. Fürs Erste geht es nicht mehr um komplexe Fragen der Identitätspolitik, sondern um grundlegende des menschlichen Anstands. Trumps Maßnahmen zielen bewusst darauf ab, Frauen von Machtpositionen fernzuhalten und Programme, die sich für ihre Gesundheit einsetzen, unter Beschuss zu nehmen. Die Grundüberzeugung, dass Frauen Menschen sind – also Feminismus als Humanismus –, ist unter Trump in Gefahr. Jeder Mann, der behauptet, er glaube an die Gleichberechtigung der Geschlechter, muss Frauen daher zur Seite stehen.

Doch Trump repräsentiert mehr als einen Rückschlag für Frauen. Er steht auch für die Unfähigkeit von Männern, sich mit den eigenen Genderfragen auseinanderzusetzen. Auch in diesem Sinn ist er neu. Er ist anders als die heterosexuellen weißen Männer, die vor ihm ins Weiße Haus einzogen. Er ist eine Parodie, ein Simulacrum von Männlichkeit, entstanden aus Selbsthass und Selbstüberhöhung. Und er spiegelt darin den widersprüchlichen Zustand des zeitgenössischen Mannes.

Das ausgehöhlte Patriarchat

Trump steht damit nicht für den Triumph der Männlichkeit, sondern für deren Verfall. Zwei gegenläufige Entwicklungen sind dabei am Werk. Der wirtschaftliche Aufstieg von Frauen aus der Mittelschicht auf der einen – auf der anderen die Hartnäckigkeit, mit der Männer sich an der Macht halten. Seit dem Jahr 2000 ist der Anteil berufstätiger Frauen in den meisten Ländern gestiegen. In allen Ländern der OSZE ist das Lohngefälle zwischen 2000 und 2011 zurückgegangen, auch wenn Unterschiede weiterbestehen.

Zugleich wird Frauen der Zugang zu Führungspositionen weiter verwehrt. Das führt zu seltsamen Widersprüchen. Männlichkeit symbolisiert nach wie vor Macht und Stärke, während sie in der alltäglichen Erfahrung immer öfter scheitert. In einem Essay habe ich diesen Widerspruch einmal als den des „ausgehöhlten Patriarchats“ bezeichnet. Ich kann mir kein besseres Symbol dafür vorstellen als Donald Trump.

Obwohl seit Reagan nicht mehr so viele Männer in einem Kabinett saßen, wird sich der Niedergang der Mittelschichtsmänner fortsetzen, egal, was dieses Kabinett tut. Und während Männer nicht bereit sind, in traditionellen Frauenberufen zu arbeiten, erobern Frauen eine männliche Domäne nach der anderen. Ein Problem liegt darin, dass Männer nicht explizit übers Mannsein sprechen. Die traditionelle Männlichkeit schweigt zu sich selbst, weil sie ihre Dominanz als unverrückbare Tatsache voraussetzt. Sie hält sich selbst für eine authentische Norm, Weiblichkeit hingegen für eine variable Performance.

Trump sorgt aber dafür, dass dies nicht mehr länger möglich ist. Er inszeniert seine Männlichkeit als Spiel mit Zeichen. Sie ist überladen und theatralisch. Männer werden nun vier Jahre lang ständig mit Männlichkeit als Performance konfrontiert sein. Keiner wird sich daher mehr vor der Einsicht in ihre Künstlichkeit verstecken können.

Auf dem Women’s March trug ein Mann ein Schild: „Men: Time to Listen“. Ja, wir müssen zuhören. Wir müssen auf Frauen hören und auf uns selbst. Ich werde aber den Gedanken nicht los, dass es auch einen Men’s March gegen Trump geben sollte. Nur wer würde den organisieren?

Stephen Marche schreibt für den Guardian

Übersetzung: Holger Hutt

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 06/17.

Kommentare (64)

apatit 14.02.2017 | 10:17

Donald Trump ist wahrscheinlich der ehrlichste Präsident und Kapitalist aller Zeiten!

“Personalführung ist die Kunst, den Mitarbeiter so schnell über den Tisch zu ziehen, dass er die Reibungshitze als Nestwärme empfindet.“ ( Verfasser unbekannt )

Das da Leute erschrecken, die den Kapitalismus immer nur geschminkt, geliftet, Botox-behandelt und Nobel-preisgekrönt verstanden haben … Hallo ? Das tut freilich weh!

Gunnar Jeschke 14.02.2017 | 10:23

Nun, da die Frauenbewegung mit dem Women’s March zur Speerspitze des Widerstands gegen die Trump-Regierung geworden ist

Kleiner haben Sie's nicht? Die Speerspitze des Widerstands, scheint mir, ist die funktionierende Gerichtsbarkeit der USA.

Mir ist bewusst, dass der Artikel nicht mehr taufrisch ist, aber man konnte zu keinem Zeitpunkt behaupten, dass die Frauenbewegung irgendeinen wirksamen Widerstand geleistet hat. Demonstrieren fühlt sich für die Demonstranten sehr viel besser an, als es sich für denjenigen schlecht anfühlt, gegen den demonstriert wird.

Gunnar Jeschke 14.02.2017 | 10:29

Und er spiegelt darin den widersprüchlichen Zustand des zeitgenössischen Mannes.

Den habe ich auch noch nicht getroffen, den zeitgenössischen Mann. Den gibt des schon in dem 600-Seelen-Dorf nicht, in dem meine Eltern wohnen. Dort gibt es über 250 Männer und sie unterscheiden sich alle voneinander.

Gerade bin ich in Bangalore und war längere Zeit auf den Strassen unterwegs. Die Männer unterschieden sich beträchtlich von denjenigen im Dorf meiner Eltern und - oh Wunder - auch hier unterscheiden sie sich untereinander.

Was für ein Weltbild hat eigentlich der Verfasser? Ein eher enges, scheint mir.

Gunnar Jeschke 14.02.2017 | 10:36

Zugleich wird Frauen der Zugang zu Führungspositionen weiter verwehrt.

Schreibt ein Journalist aus einem Land, an dessen Spitze Theresa May steht (und als Repräsentantin eine Königin) und der übersetzte Artikel erscheint in einem Land, an dessen Sptze seit fast 12 Jahren Angela Merkel steht.

Schon klar, Ideologie hatte schon immer etwas Kontrafaktisches.

Marieke Saad 14.02.2017 | 12:23

Eine Frau an der Spitze eines Landes bedeutet nicht, dass die Chancen aller Frauen in diesem Land verbessert werden. Es ist sogar eher trügerisch und kontraproduktiv, nun davon auszugehen, dass ja schon irgendwie alles ganz toll und gleichberechtigt ist.
So wenig wie durch Barack Obama als Präsident der Rassismus in den USA beendet wird, so wenig ändert Angela Merkel etwas an der Benachteiligung von Frauen.

Ernstchen 14.02.2017 | 14:14

Die NOCH funktionierende Gerichtsbarkeit der USA ist im Begriff von der Regierung Trump unterwandert zu werden. Trump kann in seiner Amtszeit eine Rekordzahl von Richtern nominieren und somit seine eigenen Gesinnungsgenossen überall platzieren. Das Supreme Court ist nicht vergleichbar mit dem Bundesverfassungsgericht. Es besteht aus neun (derzeit noch acht, dazu später mehr) Richtern die klar parteiideologisch entscheiden und nicht im geringsten unparteiisch sind. Nach dem Tod von Antonin Scalia, dem ultrakonservativsten der Justices, nominierte Obama in der Hoffnung einer parteiübergreifenden Zustimmung einen relativ konservativen Kandidaten, der aber von den an Zusammenarbeit über Parteigrenzen hinaus nicht einmal ansatzweise interessierten Republikanern in beispielloser Weise mehr als 12 Monate lang blockiert wurde, so dass Trump nun nominieren kann wen er will. Viele der Supreme Court Justices sind alt, es ist mehr als möglich dass während der vier Jahre Trump sich auch das Supreme Court in eine republilanische Justizwalze verwandelt. Dann ist es vorbei mit der funktionierenden Gerichtsbarkeit.

Gunnar Jeschke 14.02.2017 | 14:57

Gebe ich gern zu. Aber der Satz: "Zugleich wird Frauen der Zugang zu Führungspositionen weiter verwehrt." ist falsch, nicht nur in der Politik.

Ihr Feminist(inn)en macht es Euch selbst schwer, wenn Ihr mit falschen Argumenten kommt. Es gibt diesen guten Artikel über den Feminismus von Sarah Bosetti, den sie auch als Monolog auf der (Kabarett)bühne vorträgt. Dort erzählt sie erst einmal, was alles unangenehm am Feminismus ist, um dann zu dem Sch,luss zu kommen, es brauche ihn aber doch. Abschaffen könne man ihn eben nur, indem man ihn überflüssig mache.

Das sehe ich prinzipiell auch so. Aber ich sehe nicht ein, warum er (welche Ironie: der Feminismus ist grammatikalisch männlich) so betrieben wird, wie er betrieben wird und kritisiere das.

Ja, es gibt immer noch Männer, die Frauen nicht wirklich ernst nehmen, erstaunlicherweise sogar in Generationen, die jünger sind als meine. Es gibt immer noch subtile (und seltener sogar gar nicht so subtile) Benachteiligungen. Und dagegen muss man angehen.

Aber es gibt keinen Grund, warum 50% aller Maschinenbauingenieure, theoretischen Physiker oder eben auch Vorstandsvorsitzenden grosser Unternehmen Frauen sein müssten. Das fordert ja auch im Tiefbau oder bei der Müllabfuhr niemand. Genausowenig müssen 50% aller Betreuer(innen) im Kindergarten oder aller Genderforscher (ja, da hakt es mächtig) Männer sein. Es muss nur sichergestellt werden, dass die relative Bezahlung im Tiefbau und im Kindergarten gerecht ist.

Und es muss sichergestellt sein, dass jede Frau, die es will und kann, Maschinenbauingenieur, theoretischer Physiker und, sofern sie besser ist als die Mitbewerber, Vorstandsvorsitzende werden kann.

Und jetzt werden Sie doch mal konkret, wo Sie selbst die Benachteiligung der Frauen ausmachen. Und bitte nicht bei der Bezahlung Teilzeitarbeit von Frauen mit Vollzeitarbeit von Männern vergleichen. Das ist auch so ein Argument, das immer wieder kommt und dessentwegen ich diejenigen nicht ernst nehmen kann, die es verwenden.

Marieke Saad 14.02.2017 | 19:24

Sie scheinen davon auszugehen, dass es in der Natur des Mannes liegt, sich für Maschinenbau, Physik und Führungspositionen zu interessieren, während Frauen ein natürliches Gen zu haben scheinen, aufgrund dessen sie es lieben, sich um andere zu kümmern und sie zu pflegen. Hier fängt das Problem schon an. In dem man von typisch männlichen und typisch weiblichen Eigenschaften ausgeht, presst man Menschen in eine bestimmte Form. Es beginnt in unserer Gesellschaft sehr früh, dass Jungs mit Bauklötzen spielen sollen während Mädchen Puppen bekommen. Abweichendes Verhalten von dieser Norm wird genauso früh sanktioniert: indem Erwachsene den Kindern beispielsweise mitteilen, dass Jungs nunmal nicht mit Puppen spielen oder indem entsprechende Abweichler von anderen Kindern ausgelacht werden. Wir lernen schon sehr früh, was sich für ein Mädchen oder einen Jungen gehört. Wer angeblich gut in Mathe sein muss und wer dafür eine vermeintliche fürsorgliche Ader hat. Damit wird man den Individuen, die wir sind, nicht gerecht. Stattdessen werden Personen in Schemata gepresst, denen sie zu entsprechen haben.

Das Ungleichgewicht der Geschlechterverteilung in z.B. naturwissenschaftlichen Fächern entsteht nicht aufgrund eines angeborenen Genius', der den Frauen fehlt, sondern aufgrund der Sozialisierung. Und Sie werden bestimmt auch erkennen, dass es sich dabei um eine sich selbst erfüllende Prophezeiung handelt. Das ist wie das Beispiel vom Afroamerikaner, dem man keine Arbeit zugesteht als Schuhe von Weißen zu putzen und über den man anschließend sagt, er wäre nunmal nur dazu in der Lage, Schuhe zu putzen. Man könne ja sehen, dass er nichts anderes mache.

Dass Sie Führungspositionen in einer Linie mit Ingenieuren und Physikern aufzählen, geht noch einen Schritt weiter. So unterstellen Sie, dass es der Frau von Natur aus neben der Begabung für Naturwissenschaften auch an Führungsqualitäten mangelt. Warum sollte das so sein?

Letztendlich ist Ihr größter Fehler, von „der Frau“ und „dem Mann“ an sich auszugehen. Ihr essentialistische Auffassung mag für Sie vielleicht beruhigend sein, da Sie sich als Mann auf der vermeintlich überlegenen Seite wiederfinden. Er wird der Vielfalt der völlig verschiedenen Individuen aber nicht gerecht.

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Ehemaliger Nutzer 14.02.2017 | 22:50

so: jetzt reichts aber mit mißverstandenem Donaldismus http://www.n-tv.de/mediathek/bilderserien/panorama/Das-Leben-des-Donald-Duck-article324924.html Er, der unechte Donald, aka Trump twittert von ..."illegal Leaks"... Vollkommen unglaublich was dieser Ausputzpersonal fordernde falsche Donald da hinlegt. Das hat the one and only real Donald nun wirklich nicht verdient.

THX1138 15.02.2017 | 06:29

Dass Trump gerade auch wegen der übertriebenen Political Correctness (z. B. aus dem Genderlager an den Unis) gewählt worden ist, scheint dem Autor dieses blödsinnigen Pamphlets entgangen zu sein. Der Genderismus erinnert einen in der hier präsentierten Ausprägung an ein ewig geiles, kleines Hündchen, dass sich einem bei jeder sich bietenden Gelegenheit ans Hosenbein heftet, um es zu begatten...

THX1138 15.02.2017 | 06:30

Dass Trump gerade auch wegen der übertriebenen Political Correctness (z. B. aus dem Genderlager an den Unis) gewählt worden ist, scheint dem Autor dieses blödsinnigen Pamphlets entgangen zu sein. Der Genderismus erinnert einen in der hier präsentierten Ausprägung an ein ewig geiles, kleines Hündchen, dass sich einem bei jeder sich bietenden Gelegenheit ans Hosenbein heftet, um es zu begatten...

Ratatörskr 15.02.2017 | 09:19

Das wären interessante Blicke hinter die Kulissen wert. Die Repräsentantin, eine Königin, wäre nicht Königin, wenn ein männlicher Erbe vorhanden gewesen wäre. Merkel ist eine Repräsentantin einer männlichen Wirtschafts- u. Politbefehlsgewalt. Vor diesem Hintergrund der Männermacht kann keine Frau tatsächlich feminin handeln, regieren! So gesehen kann man die männliche Art, z. B. den Kampf- bis zur Kriegsbereitschaft der Frauen, gegen ihr weibliches Beschützergen, einordnen. Merkel u. Schäuble sind ein zutreffendes Beispiel. Auf dem Geldsack der Macht thront Schäuble. Als Frau sollte Merkel an die zu beschützende Brut denken, der sie mit ihrer Sanktionspolitik ihre lebenswichtigen Umweltbedingungen verwehrt.

Richard Zietz 15.02.2017 | 09:30

Setzen wir mal den Fall und gehen davon aus, dass »Identitätspolitik« das Zentrum ist, um das sich die Geschicke der Welt drehen. Wenn das so sein sollte, sehe ich lichtjahreweit keinen Anlass, welcher die Schlussfolgerung rechtfertigt, dass Modell des »Mannes« (dessen schillerndster Protagonist derzeit Donald Trump ist) sei ein Auslaufmodell. Eigentlich kann man weltweit sogar beobachten, dass dieses Modell prächtig Schule macht: bei den diversen Staatsleadern, den Kartellbaronen mit ihren Leutnants und Soldaten, den Wirtschaftsfuzzis mit ihrem Anhang (die diesbezüglich – da gebe ich dem Verfasser potenziell Recht – nur etwas kommoder im Auftreten sind) und schließlich den disparaten Kleinbürgern und Kleinbürgerinnen in ihren diversen Gidas und »Alternativen«. Hinzufügen könnte man noch, dass zwei Toppkräfte dieses Modells – Margaret Thatcher und Marine Le Pen – Frauen sind. Aber das wäre im Rahmen dieses Kommentars unfair argumentiert; machen wir sie hilfsweise darum ebenfalls zu »Männern«.

Spannende Frage: Warum ist das so? Der Autor des Artikels liefert da widersprüchliche Infos. Zum einen, weil die diskriminierten Frauen nicht genug aufbegehren. Das ist wahr – auch wenn es potenziell etwas irritierend ist, wenn 50 Prozent der Menschheit gegen die anderen 50 Prozent aufbegehren sollen. Der andere Grund ist die mangelnde »Identitätspolitik«. Wie soll die aussehen? Also wenn alle oder zumindest die große Mehrheit sich an den Händen fasst und 24/7 über Geschlechteridentitäten redet, wird sich die Welt zum Besseren wenden. Das erscheint mir, mit Verlaub, unwahrscheinlich. Ist es nicht vielmehr so, dass der Kapitalismus derzeit aus zwei Gründen hohldreht: a) weil die Gier nach mehr mehr mehr (Macht, Besitz) grenzenlos ist, b) die gesellschaftlichen Gegebenheiten für das Ausleben dieser (höchst gesellschaftsfeindlichen) Gier derzeit so günstig sind wie nie? Und: Betrifft dieser Mißstand Männer nicht ebenfalls? (Ich will nicht sagen: auf gleiche oder auch nur ähnliche Weise – so viel Feminismus muß auch bei einem Gender-Kritiker wie mir sein.)

Frage: Wäre es darum nicht angebrachter, sich um die wirklich wichtigen, entscheidenden Alltags-Stressoren zu kümmern? Ich wage zu prognostizieren: Sind die maßgeblichen Weltgesellschaften erst einmal auf eine Weise verfasst, die dem Schwedischen Sozialstaatsmodell nahekommt (mit ein paar Irrtums-Korrekturen obendrauf), wird sich die Frage unterschiedlicher »Identitäten« ziemlich in Luft auflösen.

Nunja – ein paar Arbeitsgruppen und Aktionsgruppen zu dem Thema wird es auch dann geben. Das jedoch muß eine tolerante Gesellschaft aushalten.

balsamico 15.02.2017 | 14:01

Das Hosenbein steht natürlich sinnbildlich für das männliche Geschlecht.

...und natürlich auch für Angela Merkel, deren Garderobe v.a. aus Hosenanzügen zu bestehen scheint, bis auf die unvorteilhaften Kleider, mit denen sie bei den Bayreuther Feststpielen oder Elbphilharmonieeröffnungen zu erscheinen pflegt, wie hier z.B.:

http://image.stern.de/7277986/16x9-1200-675/3354bcf29662b8ba6d727889d474fee7/Mf/angela-merkel-oslo.jpg

Magda 15.02.2017 | 15:26

Das liest sich aber sehr wie getroffenes geiles kleines Hündchen, allerdings eher im Stadium der argumentativen Impotenz. Schon von der Wortwahl her einbisschen entlarvend.

Die Anti-Gender-Truppen sind mit Ihnen nicht gerade gut ausgestattet.

Die Behauptung, es sei u. a. wegen der übertriebenen political correctness zur Trump Wahl gekommen ist ziemlicher Unsinn. Dass nun gerade in Staaten mit renommierten Unis Trump vorn liegt, müsste man vielleicht mal checken. Und beim USA-Wahlsystem ist das ziemlich schwierig.

Gunnar Jeschke 15.02.2017 | 16:26

Sie müssen sich schon die Mühe machen, genauer zu lesen.

Letztendlich ist Ihr größter Fehler, von „der Frau“ und „dem Mann“ an sich auszugehen.

Genau das tue ich eben nicht. Ich plädiere dafür, in jedem Einzelfall zischen Individuen zu vergleichen und zwar völlig genderblind. Lustigerweise hat das dazu geführt, dass es in meiner Arbeitsgruppe derzeit mehr Doktorandinnen als Doktoranden gibt. Die Idee, ich würde Frauen für ungeeignet für Naturwissenschaften halten, können Sie also gleich mal abhaken. Von "dem Mann " und "der Frau" an sich geht übrigens jede(r) aus, der Quoten fordert. Denken Sie mal darüber nach.

Gene/Sozialisierung: An dieser Stelle ist die Mainstream-Genderwissenschaft völlig unwissenschaftlich. Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern ist evolutionär vorteilhaft und deshalb bei fast allen höheren Landsäugetieren genetisch angelegt. Testosteron ist nun einmal mit Durchsetzungswillen korreliert. Wer das bestreitet, ist einfach nur kein guter Beobachter.

Der Mensch wird als Landsäugetier geboren, also mit einem Satz genetischer Unterschiede zwischen Frau und Mann, der über die Fortpflanzungsorgane hinausgeht. Danach wird er oder sie sozial geprägt.

Dem Umstand, dass die Hirsche oder männlichen Paviane die Herde führen, kann man durch Erziehung entgegenwirken, aber man kann nicht ernsthaft behaupten, dass dieser Umstand nicht auch im Menschen erst einmal angelegt ist. Unsere nächsten Verwandten im Tierreich haben das und wer es bei heranwachsenden Jungs und Mädchen noch nicht beobachtet hat, hat die Augen davor verschlossen.

Gunnar Jeschke 15.02.2017 | 16:50

Vor diesem Hintergrund der Männermacht kann keine Frau tatsächlich feminin handeln, regieren!

Yep, das gebe ich zu. Thatcher, Merkel und May führ(t)en nicht feminin (unter diesen am ehesten noch Merkel).

Jetzt könnte man natürlich frech einwänden, es sei daher noch gar nicht erwiesen, dass feminine Führung überhaupt funktionieren kann oder dass es so etwas überhaupt gibt.

Das allerdings wäre nun wirklich sexistisch, denn weibliche Führung ist bei Landsäugetieren sehr wohl genetisch angelegt, schon weil die Erziehung (gibt es in gewissem Masse auch bei Tieren) weitgehend in den Händen der Weibchen liegt.

Da haben wir dann ein Henne-und-Ei-Problem. Kann man in einer nach aus männlichen Führungsprinzipien herrührenden hierarchisch strukturierten Gesellschaft überhaupt zu einer femininien Führungskultur gelangen und wenn nicht, kann man die Gesellschaft überhaupt in diese Richtung ändern, ohne schon eine feminine Führungskultur zu haben?

Ich gebe gern zu, dass links-liberale Strömungen in den letzten Jahren versuchen, auf verschiedenen Gebieten männliche Führungsprinzipien auszuschalten. Meiner Beobachtung nach führt das aber nicht zu femininer Führung, sondern dort, wo es gelingt, nur zu Führungslosigkeit.

Uebrigens gibt es einen klugen Vers von Rainald Grebe zum gleichliegenden Problem mit den Rassen in den USA (passenderweise heisst das Lied "Ende des weissen Mannes"): "Der Präsident mag schwarz sein, aber weiss ist das Betriebssystem."

Gunnar Jeschke 15.02.2017 | 16:58

Ich denke, man kann als gegeben betrachten, dass übertriebene politische Korrektheit und übertriebener Genderismus das Wählerpotential von Trump sowie dasjenige der AfD vergrössert haben. Da es nun bei Trump sehr knapp war, kann man auch die Behauptung verteidigen, er sei deshalb an die Macht gekommen, solange man nicht behauptet, er sei nur deshalb an die Macht gekommen.

Marieke Saad 15.02.2017 | 19:44

Sie behaupten, dass Sie nicht von der Frau oder dem Mann an sich ausgehen. Ihre gesamte Argumentation zeigt aber etwas anderes, unabhängig davon wie Ihre Arbeitsgruppe aufgebaut ist. Schon allein Ihre Gedanken über „weibliche Führung“ zeigen, dass es etwas wie typisch weibliches oder typisch männliches Verhalten gibt, also den Mann oder die Frau an sich.

Abgesehen davon, dass Sie sich hoffentlich nicht mit der Behauptung lächerlich machen wollen, Männer seien grundsätzlich durchsetzungsfähiger als Frauen, hängen Führungsqualitäten nicht nur von dem Duchsetzungswillen einer Führungsperson ab.

Mir spontan fallen gerade spontan die Pferde ein, bei denen die Leitstute zuoberst steht und die Herde führt während der Leithengst hauptsächlich für die Fortpflanzung zuständig ist und Kämpfe mit anderen Hengsten führt, die ihm seine Position streitig machen wollen. Sagen Ihnen außerdem die Bonobos etwas? Sie werden auch als Zwergschimpansen bezeichnet und stellen zusammen mit den Gemeinen Schimpansen die nächsten Verwandten des Menschen dar. Bei diesen Zwergschimpansen übernehmen die Weibchen die Führungsrolle, sie jagen, teilen das Futter auf, entscheiden Auseinandersetzungen mit anderen Gruppen und verhalten sich teilweise sogar aggressiv den Männchen gegenüber.

So weit so gut. Mal im Ernst: Meinen Sie, wir kommen da weiter, wenn wir alle Tiere aufzählen, die uns so einfallen und die ganz unterschiedliche Rollen und Sexualverhalten aufweisen? Warum sollte ich für mich entscheiden, dass ich als Frau weniger für bestimmte Tätigkeiten geeignet bin, nur weil der Hirsch seine Herde führt? Oder weil Männer mir das einreden wollen?

Marieke Saad 15.02.2017 | 23:11

Ich argumentiere nicht mit der Natur der Menschen und ich bin auch nicht bereit, von den Rollenverteilungen verschiedener Tierarten darauf zu schließen, was angeblich in der Natur “des Mannes“ oder „der Frau“ liegen soll. Die Beispiele habe ich nur deshalb genannt, um klarzustellen, dass es auch im Tierreich nicht so einfach ist und es dort nicht nur männliche Leittiere gibt.

Gunnar Jeschke 16.02.2017 | 05:54

dass es etwas wie typisch weibliches oder typisch männliches Verhalten gibt, also den Mann oder die Frau an sich.

Der zweite dieser beiden Halbsätze folgt nicht aus dem ersten. Natürlich gibt es typisch weibliches und typisch männliches Verhalten. Heterosexuelle Erotik beruht wesentlich darauf und ist genetisch angelegt. Da ich gerade in Indien bin: Lesen Sie mal das in einer ganz anderen Kultur entstandene Kamasutra und vergleichen sie mit zeitgenössischen Erscheinungen des Spiels der Geschlechter in westlichen Gesellschaften. Es ist danach völlig unplausibel, die Beobachtungen des Kamasutra (über den Beginn von Beziehungen) über soziale/kulturelle Prägung anstelle genetischer Anlage zu erklären.

Zurück zu Ihren beiden Halbsätzen. Ich glaube, der logische Fehler ist hier, dass Sie "typisch" und "allgemeingültig" verwechseln. "Typisch" ist Statistik und sagt über einen Einzelfall nichts aus. Deshalb kann man bei keiner Einzelfallentscheidung auf typische Eigenschaften abstellen, grundsätzlich nicht. Quoten aber betreffen grosse Gruppen und für die ist Statistik sehr wohl aussagekräftig und typisches Verhalten kann diskutiert werden.

dass Sie sich hoffentlich nicht mit der Behauptung lächerlich machen wollen, Männer seien grundsätzlich durchsetzungsfähiger als Frauen

Nee, das will ich wirklich nicht. Abgesehen davon, dass Ihr "grundsätzlich" hier schon wieder die Verwechslung von typisch mit allgemeingültig beinhaltet, würde ich nicht einmal behaupten, dass Frauen typischerweise weniger durchsetzungsfähig sind, wenn sie sich in einem Punkt durchsetzen wollen.

Das "Wollen" ist hier der entscheidende Punkt. Im Durchschnitt, also typischerweise, kommt es Frauen weniger darauf an, sich (um jeden Preis) durchzusetzen- und das ist sehr wohl ein Testosteron-Phänomen. Man (und frau) kann das kulturell "überprägen", dass heisst Männer können sich bewusst zurücknehmen und Frauen können bewusst durchsetzungsstärker agieren (was einige bekannte Feminist(inn)en ja wohl auch empfehlen und es muss einen Grund für diese Empfehlung geben). Aber so weit ich beobachte, sind solche kulturellen Ueberprägungen von Instinkten unvollständig, sowohl bei den meisten Individuen als auch im Rahmen einer Gesellschaft (es wird immer Trumps geben und immer Frauen, denen die "traditionellen" Geschlechterrollen lieber wären).

Ob die gegenwärtig sehr starke Ueberprägung der Instinkte in den westlichen Gesellschaften für die Gesellschaft gut ist, darüber liesse sich übrigens trefflich streiten. Für mein Arbeitsgebiet, die Naturwissenschaft, ist sie zweifellos gut.

Warum sollte ich für mich entscheiden, dass ich als Frau weniger für bestimmte Tätigkeiten geeignet bin, nur weil der Hirsch seine Herde führt?

Sie müssen wirklich gründlicher lesen. Sie sind ein Individuum und es kann aufgrund Ihres Geschlechts keinerlei Aussage getroffen werden, wozu Sie geeignet sind oder nicht. Das muss individuell herausgefunden werden.

Ich behaupte auch nicht, dass am Ende weniger als 50% Frauen in Führungspositionen sein würden, wenn man ohne Quoten arbeitet. Das hinge vermutlich tatsächlich stark vom gesellschaftlichen Umfeld und den typischen Führungsaufgaben ab.

Ich behaupte nur, dass man das ohne Quoten herausfinden muss, als Summe individueller Entscheidungen, bei denen man dafür sorgen muss, dass sie gerecht, also genderblind ausfallen.

Ratatörskr 16.02.2017 | 09:22

"Das allerdings wäre nun wirklich sexistisch, denn weibliche Führung ist bei Landsäugetieren sehr wohl genetisch angelegt, schon weil die Erziehung (gibt es in gewissem Masse auch bei Tieren) weitgehend in den Händen der Weibchen liegt."

Nach dieser Gendertheorie sortierte die Natur sehr intelligent Physiologie und Pschychologie.

Der Mann muss hinaus ins feindliche Leben (dazu seine Muskeln u. strategisches Denken stärken ). Im Hause waltet die "z(t)üchtige" Hausfrau (mit fantasievoller Pädagogik auf sich allein gestellt).

So hat Mutter Natur es dementsprechend klug eingerichtet, dass die tüchtige Hausfrau zur Brutpflege ein ausreichend längeres Leben und die zweifache Ausstattung mit Geist u. Kraft hat und für beides befähigt ist. Die männlichen Rückkehrer wollten dies nicht und erfanden einen männlichen Gott.

Ist das nun Genderismus? Frauen wollen nun zum Militär u. Polizei, aber Männer einfach nicht in die Küchen. Weshalb Frauen diesen Trump wählten, erschließt sich mir dabei nicht.

Sind die Solzialstrukturen an den amerikanischen Unis bekannt, um die Wahlergebnisse bewerten zu können?

Magda 16.02.2017 | 10:31

Nein, ich betrachte das nicht als gegeben

Es gibt keinen "Genderismus" - das ist eine Zuschreibung, die von den Gegnern jeder Erörterung von gender studies oder Genderfragen aufgebracht wird, um zu diskeditieren und vielleicht verloren gegangenes Definitionsterrain zurückzugewinnen. Trump ist dafür in der Tat ein schlimmes Beispiel, aber "gewonnen" hat er damit gar nichts.

Nebenher: Ich weiß nicht, was "übertriebene politische Korrektheit" sein soll. Auch das ist, es ist ein höchst denunziatorischer Begriff, der die Notwendigkeit von irgendwelcher "Befreiung" insinuiert. Und ich frage mich immer "wovon".

Marieke Saad 16.02.2017 | 10:51

Danke für die Leseempfehlung.

Mir ist der Unterschied von Allgemeingültigkeit und einem „Typ“ bewusst, Ihnen aber anscheinend nicht so ganz. Typisches Verhalten ist nichts rein Statistisches. Ich stelle Ihnen gerne die Definition des Dudens zur Verfügung.

1.a) einen [bestimmten] Typ verkörpernd, dessen charakteristische Merkmale in ausgeprägter Form aufweisend
1.b) für einen bestimmten Typ, für etwas, jemanden Bestimmtes charakteristisch, kennzeichnend, bezeichnend
2) (veraltet) als Muster geltend

In diesem Sinn bleibe ich dabei und wiederhole es gerne nochmal für sie: Ihre Gedanken über „weibliche Führung“ zeigen, dass es (für Sie) etwas wie typisch weibliches oder typisch männliches Verhalten gibt, also den Mann oder die Frau an sich.

Für Sie gibt es die Idee einer Frau, die durch charakteristische, also typische, Merkmale gekennzeichnet ist.

Was Ihre Aussage angeht (Nee, das will ich wirklich nicht. Abgesehen davon, dass Ihr "grundsätzlich" hier schon wieder die Verwechslung von typisch mit allgemeingültig beinhaltet, würde ich nicht einmal behaupten, dass Frauen typischerweise weniger durchsetzungsfähig sind, wenn sie sich in einem Punkt durchsetzen wollen.) Auch hier habe ich Allgemeingültigkeit nicht mit einem Typ verwechselt. Ich habe gesagt, dass Sie sich hoffentlich nicht damit lächerlich machen wollen, Frauen als notwendig weniger durchsetzungsfähig, zu bezeichnen. Schön, dass dies nicht der Fall ist.

So wie es immer Trumps und Frauen mit traditionellen Rollenbildern geben wird, so wird es auch immer dominante Frauen und durchsetzungsunwillige und -unfähige Männer geben. Deswegen plädiere ich – wie Sie anscheinend – dafür, Individuen als Individuen zu sehen, zu bewerten und Sie nicht aufgrund Ihrer angeblichen Bestimmung zu bestimmten Tätigkeiten einzuschränken.

Ich habe nie für eine Quote argumentiert. Ihre Argumentation habe ich deshalb kritisiert, weil Ihre Forderung, es müsse nicht erzwungene 50 Prozent Naturwissenschaftlerinnen/etc geben, impliziert, dass es Frauen typischerweise (das Wort ist kein Versehen) nicht liegt, sich beispielsweise mit Physik zu beschäftigen.

Ich argumentiere nicht für Quoten, weil sie nicht an die Ursache des Problems kommen und Fronten eher verhärten, als wirkliche Geschlechtergleichheit zu erreichen. Eine Frauenquote führt womöglich dazu, dass Frauen für eine Position berücksichtigt werden, obwohl man sie klassischerweise aufgrund ihres Geschlechts wahrscheinlich nicht in Erwägung gezogen hätte (Quoten sind meist so formuliert, dass bei gleicher Qualifikation die weibliche Bewerberin genommen wird). Eine Quote führt dagegen genau so wenig wie eine Bundeskanzlerin dazu, dass sich die Situation von Frauen insgesamt verbessert – von Frauen der Unterschicht ganz zu schweigen.

Gunnar Jeschke 16.02.2017 | 11:01

Definition 1:

Genderismus ist die Diskussion von Genderfragen auf ideologischer Basis, also unter Missachtung bekannter Fakten und häufig unter Benutzung von Sprachverboten, damit bestimmte Gegenargumente gar nicht formuliert werden können.

Definition 2:

Politische Korrektheit bezeichnet eine Ideologie, mit der Menschen, die anderer Meinung sind, der Ausdruck dieser Meinung unmöglich gemacht werden soll, indem Begriffe oder Argumente, die sie benutzen würden, mit einem Sprachverbot belegt werden, unabhängig davon, ob diesen Begriffen und Argumenten reale Phänomene entsprechen.

Nebenbemerkung:

Tatsächlich war es falsch, von übertriebener politischer Korrektheit reden. Politische Korrektheit ist immer ein Angriff auf die Rede- und Denkfreiheit. Welche Rede so beleidigend oder verleumderisch ist, dass sie aus einem Diskurs prinzipiell ausgeschlossen sein muss, regelt das Gesetz. Unterhalb dieser Schwelle ist es Sache der Beteiligten und Beobachter eines Diskurses, einzuschätzen, wer die besseren Argumente hat und in dieser Hinsicht macht ungehobelte Rede in der Regel einen schlechten Eindruck.

Gunnar Jeschke 16.02.2017 | 11:13

Der Duden hilft ihnen gegen die Statistik nicht weiter. Der Typ ist die Region um die Mitte der Gausskurve. Dort gibt es sehr viele Realisierungen und deshalb ist das charakteristisch für die Grundgesamtheit. Einzelne Vertreter können (fast) beliebig weit vom Typ abweichen.

Und ich bleibe dabei: "typisch Frau" und "typisch Mann" gibt es. Mich erstaunt, wie jemand das abstreiten kann. Stereotype oder Klischees sind immer verzerrt, aber zuerst einmal sind sie in der Regel eine gute erste Näherung. Sonst wäre niemand darauf gekommen. Ein Klischee ist immer Ergebnis von Beobachtungen, die intersubjektiv nachvollziehbar sind. Sonst würde es sich nicht verbreiten.

Frauen interessieren sich typischerweise weniger für theoretische Physik oder Maschinenbau. Für 50% brauchen Sie nicht nur Eignung, sondern auch Interesse. Und es ist- rein statistisch- tatsächlich so, dass Frauen eine höhere Sprachintelligenz haben (das hat eine über Jahrhunderte männlich dominierte Literatur auch nicht verhindert) und ein schlechter entwickeltes dreidimensionales Vorstellungsvermögen (räumliche Geometrie). Deswegen könnte immer noch der begabteste theoretische Physiker zu einem gewissen Zeitpunkt eine Frau sein.

Magda 16.02.2017 | 11:18

Genderismus ist die Diskussion von Genderfragen auf ideologischer Basis, also unter Missachtung bekannter Fakten und häufig unter Benutzung von Sprachverboten, damit bestimmte Gegenargumente gar nicht formuliert werden können.

Gibt es dafür eine Quelle? Da ist mehr eine Diffamierung als eine Definition. Es gibt einen explizit ausgedrückten "Anti-Genderismus". Der nun wieder lebt von einem selbst definierten Feindbild namens "Genderismus" . Es ist schon alles - leider - ein bisschen komplizierter.

Magda 16.02.2017 | 11:37

http://www.berlin-stadtderfrauen.de/wp-content/uploads/2016/07/Hark_AGH_05.pdf

Dies ist von Sabine Hark, Professor_in für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung an der Technischen Universität Berlin:

Die Vertreter_innen jener selbst ernannten Anti-Gender-Allianz verwenden den Begriff des Genderismus dabei zur Mobilisierung gegen eine vermeintlich totalitäre »Gender-Ideologie«. Diese Ideologie dränge den Menschen wahlweise Vorstellungen von Geschlechterrollen auf oder wolle diese aberziehen und beabsichtige insgesamt, die Gesellschaft ihrer natürlichen Fundamente – Zweigeschlechtlichkeit und Heterosexualität – zu berauben. Besonders die Diskreditierung der Gender Studies als »Exzess«, »Ideologie«, »pseudo-religiöse Dogmatik« oder »Anti-« beziehungsweise »Pseudowissenschaft« spielt hier in jüngster Zeit eine zentrale Rolle.

Gunnar Jeschke 16.02.2017 | 16:41

Die Quelle bin ich. Und Sie werden lachen, ich darf das. Mit einer Definition gebe ich nur bekannt, wie ich einen Begriff verstehe, wenn ich ihn im Folgenden gebrauche.

Was wäre daran eine Diffamierung? Entweder gibt es Genderismus, in dem Sinne, den ich definiere. Dann ist es eine sinnvolle Definition. Also angenommen, es gibt irgendwelche Leute, xdie die Gen derdiskussion ideologisch und irrational betreiben, dann beschreibe ich nur eine Tatsache.

Oder aber, ich habe eine Nullmenge beschrieben. Dann sollte sich niemand diffamiert fühlen. Denn meine Definition impliziert ja wohl ganz klar, dass man Genderfragen auch anders als auf ideologischer Basis diskutieren kann, was dann kein Genderismus in meinem Sinne ist.

Der Vorwurf der Diffamierung wird also reflektiert. Hier wird versucht, mir etwas Unlauteres zu unterstellen, um meine Argumente zu diskreditieren. Das geht in Richtung der Art zu diskutiuieren, die ich mit meinen beiden Definitionen versucht habe, zu erfassen.

Gunnar Jeschke 16.02.2017 | 16:50

Ich denke, eine Perspektive setzt (im Weltbild der Aufklärung) objektive Sachverhalte voraus, auf die man aus unterschiedlicher Richtung schauen kann. Diskurs wäre dann dazu da, sich über die verschiedenen Perspektiven auszutauschen, um einer umfassenden Beschreibung der objektiven Sachverhalte näher zu kommen.

Diese Art zu denken würde ich ungern aufgeben, denn sonst gäbe es ausser den ganz harten mathematischen Fakten gar keine mehr oder jeweils einen Satz alternativer.

Natürlich, ich bin gerade in Indien. Von hier aus sieht das tatsächlich anders aus. Als Beispiel eine Anekdote, die allerdings nur richtig amüsant ist, wenn man weiss, was eine komplexe Zahl ist.

Wir sind schon dabei, sein Büro wieder zu verlassen, da zeigt mir Professor K schnell noch einen handgeschriebenen Spruch, den er an seine Wand gepinnt hat: "Das Leben ist komplex. Es hat einen realen und einen imaginären Teil." Draussen auf dem Gang, wendet sich Professor B an uns beide: "Das geht aber über unsere indische Philosophie hinaus."

Man kann eben auch alles als imaginär ansehen.

Marieke Saad 16.02.2017 | 17:21

Ich sehe keine Grundlage, weiter mit Ihnen zu diskutieren. Während Sie bestehende Begriffe nicht akzeptieren oder uminterpretieren, bringen Sie eigene Wörter wie den „Genderismus“ ins Gespräch und erwarten, dass Ihre Diskussionspartner/innen sie als gesetzt annehmen. Zusätzlich bewerten Sie Stereotype und Klischees als gute Näherung zu den Dingen. Das tut mir leid für Sie. Die Diskussion ist für mich an dieser Stelle beendet, da ich keine Grundlage für einen Austausch von rationalen Argumenten mit Ihnen sehe.

Gunnar Jeschke 16.02.2017 | 17:24

Die Vertreter_innen jener selbst ernannten Anti-Gender-Allianz...

Dann betreiben wir doch mal Textanalyse an diesen ersten sechs Wörtern. Was bedeutet "selbst ernannt"? Rational nichts. Denn jede Allianz ist selbst ernannt. Warum steht es dann dort? Der Argumentationsgegner soll als anmassend dargestellt werden, um ihn zu diskrediktieren. Das ist eine ideologische Diskussionsform.

Wenn jemand eine Anti-Gender-Allianz ernannt hat, muss sie existieren. Googeln Sie mal. Ich bekomme 7 (in Worten: sieben) Treffer. Sechs davon verweisen entweder auf Sabine Harks Artikel bzw ein Vorwort eines Sammelbandes, den sie herausgegegeben hat und in dem sie den Begriff auch benutzt, oder auf Besprechungen ihrer beiden Verwendungen. Der siebte Treffer ist das Skript einer Ringvorlesung "Sprache und Gewalt unter besonderer Berücksichtigungvon gendertheoretischen Aspekten" an der Universität Wien. Es gibt keinen einzigen Treffer, in dem sich Gendertheoriekritiker als Anti-Gender-Allianz bezeichnen.

Die Anti-Gender-Allianz existiert also nicht. Sie ist eine Erfindung von Sabine Hark, kontrafaktisch. Vor diesem Hintergrund wirkt es infam, die angebliche "Anti-Gender-Allianz" auch noch als "selbst ernannt" zu bezeichnen.

Diese Textanalyse legt nahe, dass Sabine Hark selbst eine Ideologin auf dem Gebiet der Genderforschung ist. Ob dem so ist, kann jede(r) Leser(in) selbst anhand eines weiteren Stücks Text entscheiden, das ich hier so wortgetreu wie möglich aus dem Englischen übersetzt habe (S. Hark, Women's Studies International Forum 54 (2016) 8490):

"Aber hat die Genderforschung tatsächlich genügend akademisches Kapital angesammelt- engagierte Vereinigungen, Studiengänge, spezialisierte Zeitschriften, berühmte Namen- um in der Lage zu sein, "nicht nur die Regeln des Spiels zu bestimmen, sondern auch dessen Regularitäten, die Gesetze, die bestimmen, ob, zum Beispiel... es wichtig ist oder nicht über eine bestimmte Sache zu schreiben, ob etwas brillant ist oder altmodisch."?

THX1138 16.02.2017 | 18:21

Hetzerisch? Die Hölle, das sind natürlich immer die Anderen, wie Sartre einmal bemerkt hat, item: Hauptsache, wir wenden uns den wirklich wichtigen Problemen unserer Zeit zu- und das sind z. B. ganz sicher nicht die mittlerweile 45,4 Mio. Food Stamp-Bezüger in den USA, das ist mir schon klar...

Food Stamps Still Feed One in Seven Americans Despite Recovery

Mehr dazu hier: https://www.bloomberg.com/news/articles/2016-02-03/food-stamps-still-feed-one-in-seven-americans-despite-recovery

Magda 16.02.2017 | 18:34

Der Begriff Genderismus stammt ohnehin aus einer anderen Debatte. Er geht auf einen amerikanischen Soziologen zurück, der damit etwas anderes meinte. Nun wird er von den Gegnern von Gender insgesamt verwendet, um Genderfragen als "ismus" zu ideologisieren.

Die Anti-Gender-Allianz existiert also nicht. Sie ist eine Erfindung von Sabine Hark, kontrafaktisch. Vor diesem Hintergrund wirkt es infam, die angebliche "Anti-Gender-Allianz" auch noch als "selbst ernannt" zu bezeichnen.

"Infam" - gleich loslegen mit den diffamierenden Zuschreibungen... aha.

Es gibt eine breite Anti-Gender-Allianz. Die reicht von der PiS in Polen über katholische Fundamentalisten allerorten bis hin zu rechtspopulistischen Maskulisten. Die ziehen auf "WikimMANNIA" über Genderfragen in genau in der Weise her, die Sie als "Genderismus" definieren. Und die sind ziemlich effektiv vernetzt.

Anti-Gender-Allianz hat aber überhaupt nichts zu tun mit wissenschaftskritischen Anmerkungen über gender studies. Darüber streiten sich die Genderforscher-innen selbst. Die Übersetzung von Sabine Harks Beitrag lass ich jetzt mal außen vor, weil ich annehme, dass sie im Kontext einer Frage steht. Vielleicht ab wann eine Disziplin akademisch akzeptiert wird und auch Debatten bestimmen kann. Das ist aber keine ideologische Frage.

https://www.freitag.de/autoren/hammerfakt/erkenntnisreich-gelesen-und

Hier ist ein kluger Kopf auch mal mit dem thema unterwegs gewesen.

Grenzpunkt 0 16.02.2017 | 19:50

„Dann betreiben wir doch mal Textanalyse an diesen ersten sechs Wörtern.“

Ich bewundere Ihren Langmut und die Geduld, die Sie hier aufbringen. Hoffentlich können Sie daneben noch etwas Indien genießen. Denken Sie aber daran, dass Sie hier in einem MEINUNGSMEDIUM schreiben. Und dessen Motto lautet: „Ich habe mir meine Meinung gebildet, verwirren Sie mich bitte nicht mit Fakten!“

Gunnar Jeschke 17.02.2017 | 04:28

Ein Spaziergang zum Konferenzsaal durch das sehr schöne Gelände des Indian Institute of Science (heute keine Aeffchen gesehen) macht den Kopf frei. Hier ist das Ergebnis:

Definition 3:

Ideologie ist eine Denk- und Argumentationsweise, die vorgefassten Meinungen grösseres Gewicht einräumt, als überprüfbaren Fakten. Im Reifestadium gibt es so viele und so starke vorgefasste Meinungen, dass ein grosser und wesentlicher Teil der Realität völlig ignoriert wird.

Gunnar Jeschke 17.02.2017 | 06:01

Das ist einfach nur eine Unterstellung. Sie können sehr wohl gegen meine Definition argumentieren, aber das müssen Sie schon konkret tun, nicht auf einer Metaebene, auf der Sie mir verbieten wollen, überhaupt einen Begriff zu definieren.

Es wird aus der Diskussion weiter oben auch klar, was ich konkret für abwegig halte ("Bullshit" haben Sie geschrieben). Natürlich bestimme ich, was ich für abwegig halte, wer sonst? Sie können gegen meine Begründungen argumentieren, am Besten auf der Basis von Fakten.

Gunnar Jeschke 17.02.2017 | 06:34

Und die sind ziemlich effektiv vernetzt.

Mit welchen Fakten begründen Sie das. Halten die Anti-Gender-Forschungs-Konferenzen ab? Haben sie Zeitschriften? Haben sie eine Vereinigung? Wann und wo treffen Sie sich, um speziell über dieses Thema zu diskutieren? Oder haben sie Websites, die sich speziell mit dem Thema befassen? Chats, die nur dafür da sind?

Wenn Sie nichts davon belegen können, ist die Behauptung von einer effektiven Vernetzung eine Verschwörungstheorie, weiter nichts.

Sind Sie schon mal auf die Idee gekommen, dass der Fundamentalismus einiger Genderbewegter verschiedenen Leuten ganz unabhängig voneinander sauer aufgestossen sein könnte?

Grenzpunkt 0 17.02.2017 | 08:46

Vielleicht müssen Sie sich ja gar nicht angesprochen fühlen? Was jedoch Frau Marieke Saad hier schrieb, lässt nicht gerade auf Argumentationsfähigkeit und Textverständnis schließen.

Ich warte auf den ersten Kommentar einer Feministin (die männliche Form eingeschlossen), der sich kritisch mit einem Gender-Beitrag auseinandersetzt. Sie könnten z.B. mit dem aktuellen Beitrag von Carolina Schwarz beginnen. Sie

startet mit einer Lüge (Frauen verdienen im gleichen Beruf nach wie vor weniger Geld als Männer),

setzt das Gespräch trotz zugegebener Unkenntnis der Gesprächspartnerin zum Thema fort (Ich bin keine Juristin, aber soweit ich die Berichterstattung verfolgt habe…),

lässt abstruse Verschwörungstheotien zu (Sie waren bei der Arbeit absolut gleichgestellt. Doch bei der Google-Suche erscheint sein Name viel häufiger, da er vermehrt in Interviews gesprochen hat. Das hat natürlich zur Folge, dass er bekannter wird und künftig mehr Aufträge und Geld erhält. Doch die Diskriminierung an dieser Stelle nachzuweisen, ist sehr schwierig. Denn häufig beruhen Entscheidungen, wer interviewt oder eingestellt wird, auf einem Bauchgefühl.) und

bringt falsche Fakten vor (Der Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen ist nirgends so hoch wie in Deutschland).

Wenn ich Sie zitieren darf: „Die Anti-Gender-Truppen sind mit Ihnen nicht gerade gut ausgestattet.“

Tun Sie etwas für die Gender-Truppen (zumindest im Freitag).

Gunnar Jeschke 17.02.2017 | 09:22

Tun Sie etwas für die Gender-Truppen (zumindest im Freitag).

Dem kann ich nur zustimmen.

Ich will ja weder, dass die Genderforschung, noch das die Genderdiskussion verschwindet. Beides ist nötig, weil sich die Gesellschaft ändert und das Verhältnis zwischen den Geschlechtern derzeit laufend neu ausgehandelt werden muss.

Nur ist es eben so: Forschung ist ergebnisoffen. Jede Annahme muss korrigiert werden, wenn sie nicht mit den Fakten übereinstimmt. Wenn von diesem Prinzip abgegangen wird, kann nicht mehr von wissenschaftlicher Forschung gesprochen werden.

Und Diskussionen werden mühsam, wenn bestimmte Ansichten oder Argumente sofort als unmoralisch gelten.